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Datum: 18.10.2011Stadt: Hamburg

Das die Genregrenzen längst nicht mehr so fest sind, wie sie es vermutlich eh nie waren, ist zugegeben ein alter Schnack und eine ziemlich laue Einleitung. Aber Metal und Dub sind auch anno 2011 keine Stilistiken, die man an jeder Ecke fusionieren sieht. In der Hamburger Szene-Institution Hafenklang hingegen schon, denn da haben sich heute die Amerikaner von DUB TRIO angekündigt.




Vor den Metal-Dub-Genuss haben die Götter indessen die Vorband gesetzt. Es handelt sich dabei um ein mir bis dato vollkommen unbekanntes Duo namens KHUDA, das angeblich nicht das erste Mal den Anheizer für DUB TRIO gibt. Die Hackordnung scheint klar zu sein – KHUDA sind auch in dem Sinne Vorband, als dass sie tatsächlich ihre Instrumente vor der Bühne aufbauen müssen. Vielleicht nehmen Gitarrist und Schlagzeuger auch daher die Wut, mit der sie ihre brachiale Instrumental-Attacke zwischen Noise, Posthardcore und Doom runterballern – wer weiß! Die Wucht, mit der KHUDA zu Werke gehen, sorgt für etliche ungläubige Gesichter im Publikum. Vor allem der bärtige Herr hinter den Kesseln stellt in Erscheinung und Gebaren die perfekte Symbiose aus „The Animal“ [Muppet-Show] und künstlerisch veranlagtem Gewaltmenschen dar. Dass die Band darüber hinaus mit einigem Anspruch lärmt, könnte da fast ein bisschen in Vergessenheit geraten. Und dass die vor allem in der Postrock-Ecke nicht unübliche Überbesetzung mit zwei und mehr Gitarristen bei den heutigen technischen Möglichkeiten eigentlich völliger Schwachsinn ist, demonstrieren KHUDA quasi nebenbei. Repetitive, auf den Punkt gespielte Riffs oder Pickings lassen sich nämlich bestens vor Ort zu Loops zusammenschneidern, über die man den Rest seiner Soundwand auftürmt. Nach einer Dreiviertelstunde hinterlassen die beiden völlig durchgeschwitzten Musiker ein gleichermaßen fasziniert wie überfahren wirkendes Hamburger Publikum. Definitiv eine Band, die man im Auge behalten muss!




Da könnte man beinahe auf den Gedanken kommen, dass DUB TRIO einen schweren Stand haben werden. Andererseits könnte man beim Namen der aus Brooklyn stammenden Band auch denken, die Herren Tomino, Brooks und Holmes würden mittels Dubbing vornehmlich elektronische Tanzmusik produzieren. Sollte sich tatsächlich jemand in dieser Annahme am heutigen Abend ins Hafenklang verirrt haben, wird er hier schnell eines Besseren belehrt. Und eines Lauteren, Brutaleren sowieso. Denn obwohl die drei Amerikaner Dub als Konzept und Grundlage ihrer Musik sehen, gleicht ihr Sound eher einem aus Death Metal, Prog und Posthardcore zusammengewachsenen Riffmonster, das eine Dub/Reggae-Party verschluckt hat, die gelegentlich mit unverhohlenem Stolz auf schlechtes Benehmen hochgerülpst wird. Den Schwerpunkt des Auftritts scheint dabei das neue Album „IV“ zu bilden, welches im im Vergleich zu seinen Vorgängern um einiges härter ausgefallen ist. Das DUB TRIO in den Staaten anscheinend unter anderem bereits mit 50 CENT, THE FUGEES und LADY GAGA zusammengearbeitet haben, ist jedenfalls nichts, worauf die knallhart auf den Punkt gespielten Drums und die drückenden, tiefergelegten Riffs ohne Weiteres schließen lassen. Die Kollaboration mit Mike Patton hingegen überrascht nicht weiter – musikalische Zügellosigkeit und Kreativität ohne Rücksicht auf gängige Formate locken den früheren FAITH NO MORE-Fronter bekanntlich an wie das Licht die sprichwörtliche Motte. Heute ist er nicht dabei – schade, denn vermutlich wäre ihm auch gleich eingefallen, wie man sich zur Musik von DUB TRIO konsequent bewegen könnte. Das fällt nämlich nicht nur den durch ihre Instrumente wie auch die komplexen Songs in ihrem Radius eingeschränkten Musikern, sondern auch dem Hamburger Publikum durchaus schwer – Matten, die man schütteln könnte, weisen äußerst wenige Besucher des angenehm vollen Hafenklang auf. Irgendwie auch wieder ganz lustig, wenn man einen Großteil des Publikums dabei beobachten kann, wie sie zu dröhnenden Gitarren leicht herumwippen und auf die Reggae- und Elektroeinbrüche in der Klangwand warten, damit gewohnte Tanzbewegungen für eine kleine Weile möglich werden. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht unbedingt, dass längst nicht alle Gäste bis zum offiziellen Ende des Konzertes vor der Bühne bleiben. Schade für die Band, die allerdings mit ihrem introvertierten Auftreten ein Stück weit selbst am Ausbleiben der Party schuld sein dürfte. Kein Gesang, keine Ansagen, erst kurz vor der Zugabe ein karger Hinweis aufs erschienene neue Album – richtige Rampensäue geben DUB TRIO nicht gerade ab. Daran, dass ihre Musik zum Interessantesten gehört, was die Welt der harten Klänge derzeit zu bieten hat, ändert das jedoch überhaupt nichts.

grim_rieper

Autor: Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper] | 03.11.2011 | 17:31 Uhr
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