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Datum: 07.05.2005Stadt: Münster-Breitefeld





Es war mal wieder Zeit für eine mächtige Portion Humpa Metal. Die Spaßvögel von FINNTROLL riefen zum Tanz und Kollege Marco und meine Wenigkeit machten sich folgsam auf den Weg in die Live-Arena. Nach einem gemütlichen Plausch mit Sänger Wilska [Interview folgt-Anm. des Verf.], der zwar einen verschlafenen, aber überaus freundlichen Eindruck machte, blieb noch genug Zeit um ein wenig Nahrung in flüssiger (für mich) und fester (für Marco) Form zu sich zu nehmen und sich auf den Konzertabend zu freuen.


::AMORAL::

Dieser wurde dann auch Eindrucksvoll von den finnischen DESTINYS CHILD-Verehrern AMORAL eröffnet, die zwar bei den Meisten unbekannt waren, aber die Menge doch recht schnell auf ihre Seite zu ziehen vermochten. Ihr leicht rockig und verspielt wirkender technischer Death Metal wirkt live wesentlich druckvoller und mächtiger als ich ihn auf CD in Erinnerung hatte [Hier findet man das Review und das Interview-Anm. des Verf.]. Auf jedenfall hatten die Jungs mächtig Laune und verbreiteten diese auch im Publikum. Schließlich galt es das letzte Konzert der Tour zu feiern. Egal welchen Song vom starken Debüt man anspielte, alles kam tight, fett und klar aus den Boxen. Die Band war ständig in Bewegung und sorgte, vor allem was die technischen Fähigkeiten der Musiker anging, doch für die eine oder andere herunter geklappte Kinnlade. Dementsprechend konnte man sich auch den mehr als verdienten Applaus von der anwesenden Menge abholen.

(Frank „Azriel“ Zschäbitz)



Was soll ich sagen? Jeder der sein Set mit Danny Elfmanns Soundtrack zu „Beetlejuice“ einleitet hat bei mir schon mal einen gewaltigen Stein im Brett. Und dann legten die Kleinen, bei deren Anblick ich mich schmerzlich daran erinnerte auch mal so jung gewesen zu sein, los und bliesen mich förmlich weg.
Technischer Death Metal at its best lautete die Devise für die kommenden Minuten. Herrliche Melodieläufe, sehr gute Lead-Gitarren-Arbeit, ausgefeilte Basslinien und passender Grunzgesang in einer hochenergetischen Darbietung. Mir fällt nichts ein was man hätte mehr verlangen können, wenn man mal von mehr Songs absieht. Leider war das Publikum nicht ganz so begeisterungsfähig wie es die Finnen meiner Meinung nach verdient hätten. Vielleicht weil bei ihrem Sound oft das Tempo zugunsten anderer musikalischer Elemente, wie sie eher im klassischen Metal oder gar im Rock zu finden sind, gedrosselt wurde. Nichts desto Trotz ein gelungener und kraftvoller Auftritt, der durch den sehr guten Sound in der Arena noch untermalt wurde.

(Marco „Mr. Vandemar” Cardoso)




::NAGLFAR::

Weiter ging es nach relativ kurzer Umbaupause mit NAGLFAR. ihres Zeichens Verfechter der schwarzmetallischen Kunst mochte ich schon den ersten Output „Vittra“ sehr und war gespannt wie sich die Schweden mit dem Material ihrer beiden neuesten Werken „Sheol“ und "Pariah" präsentieren würden. Dies vor allem auch, weil vor kurzem Sänger Jens Rydén aus der Band ausgestiegen ist und nun Kristoffer Olivius seinen Bass gegen das Mikro eingetauscht hat und Morgan Lie die Tieftöne setzt.
Der neue Mann an der Vocalfront gab sich stilecht möglichst finster bei seinen einleitenden Worten und man bemerkte sofort wie sich der Nieten und Patronengurt-Anteil in den vorderen Rängen vergrößerte.
Bei den ersten Akkorden bereits wunderte ich mich allerdings warum auf einmal der Sound in der Halle viel lauter, aber gelinde gesagt, weniger ausdifferenziert war. So früh musste das aber noch nichts heißen.
Was ebenfalls auffiel, war die Anstrengung, die den frischen Sänger das Ganze kostete. Da machte man sich schon sorgen, man könnte in der Blutfontäne stehen, wenn sich die ein oder andere bedenklich anschwellende Ader mit einem Knall verabschieden würde.

Auch die Stimmbänder waren diese Strapazen wohl noch nicht ausreichend gewohnt oder nach mehreren Wochen Tour einfach zu sehr mitgenommen, was in dem ein oder anderen Hustenanfall endete. Ich glaubte schon der Arme würde jeden Moment den Säugling, welchen er zweifelsohne zum Frühstück verspeist hatte, wieder ausspeien. Das passierte dem guten Kristoffer dann auch mitten in einem Song, so dass es eben kurz ohne Gesang weitergehen musste.
Viel bedenklicher fand ich aber, dass sich das Problem mit dem Sound nicht löste und dieser im Vergleich zu AMORAL wesentlich schlechter war. Das sorgte unangenehmer Weise für einen Klangbrei, in dem das meiste, an dem was mich an NAGLFARs Stücken begeistert, unterging. Die sonst so typischen sehr schnellen aber mit Melodiebögen ausgestatteten Passagen waren nur selten bis gar nicht in dem Gitarrengewitter auszumachen.
Dennoch schaffte es die Band die Zuschauer fast haltlos zu begeistern und es waren offenbar viele speziell wegen NAGLFAR erschienen und feierten ihre Band ungeachtete der Soundqualität. Da wurde jeder kurzhaarige Schuljunge mit recht dicken Brillengläsern und dunkelblauem Kapuzenpulli plötzlich zum fiesen Dämon im direkten Kampf mit den Himmlischen Heerscharen.
Auffällig empfand ich auch, dass der Mann mit der meisten Ausstrahlung auf der Bühne der bereits erwähnte neue Bassist war. Dieser ging richtig ab und zelebrierte die Musik so wie es sein soll, mit Inbrunst und Energie.

Die Versuche der Schweden eine fiese und finstere Atmosphäre zu schaffen wurden jedoch unverschämt und effektiv von den Herren von FINNTROLL sabotiert.
Unbezahlbar war der Anblick, als Wilska persönlich in feinster „Herr Ober“-Manier Getränke auf der Bühne servierte und spätestens als die AMORAL-Jungs in einem aus Kartons selbst gebastelten Drachenboot (!) und mit Wikingerzöpfen grimmig dreinblickend vom Roadie über die Bühne geschoben wurde, wäre ich vor lachen am liebsten auf dem Boden zusammengebrochen. Großes Kino und definitiv einer Abschlussshow würdig.
Alles in allem also eine zufrieden stellende Darbietung, wenn das auch nicht überwiegend mit den musikalischen Live-Qualitäten der Band zusammenhing.
Azriel könnte das aber etwas anders sehen.

(Marco „Mr. Vandemar” Cardoso)



Nachdem ich von der neuen CD der Schweden doch ein wenig enttäuscht bin, war ich auf den Live-Auftritt der Black Metaller gespannt. Auch wenn es viele Anwesende anders sahen, ich fand den Auftritt langweilig, belanglos und völlig uninspiriert. Es wurde wild geschrammelt, geblökt und gegrunzt, aber irgendwie klang alles gleich. Die Gitarrenmelodien (sofern es welche gab) gingen im Soundbrei unter. Von einer bösen, fiesen BM-Band erwarte ich eigentlich, dass sie mich an den Eiern packt und nicht mit einer Feder unter der Nase kitzelt. Na ja, war nett, aber ob man sich bei NAGLFAR mit einem „netten“ Auftritt zufrieden geben kann, wage ich mal zu bezweifeln. Weniger nett, sondern viel mehr zum Kotzen finde ich den Spruch „Abort Christian Babies“, den der eine Gitarrist auf seiner Gitarre hatte. Ob Misanthrop oder nicht, ob Scherz oder nicht, wer mit einem so schwerwiegenden Thema wie Abtreibung so leichtfertig umgeht, gehört auf keine Bühne. Punkt!

(Frank „Azriel“ Zschäbitz)



::FINNTROLL::

Dann das Highlight des Abends.
Meine Meinung dazu: Völlig unglaublich. Zunächst mal war der Sound wie von Zauberhand wieder astrein, und dann waren die Spielfreude und Bühnenpräsenz der Band, sowie die absolute Begeisterung der verschiedensten Metalfans im Publikum für diese eigenwillige Musik einfach völlig unglaublich. Ich kann es immer noch kaum glauben.
Schwer zu glauben war es allerdings auch, dass nach dem Konzert trotz der fantastischen Stimmung einfach alle aus der Live-Arena verschwunden sind. Angesichts der sehr schönen Lokalität, in der man es sich noch wunderbar hätte gemütlich machen können um die erlebten Freuden noch etwas zu zelebrieren, empfand ich den fluchtartigen Aufbruch des Publikums als derbe Enttäuschung.

(Marco „Mr. Vandemar” Cardoso)



Hell, yessss. War das geil. Ich habe die Finnen jetzt insgesamt viermal live gesehen und so gut wie an diesem Samstagabend waren sie noch nie. Zwar war die Band nach fünfwöchigem Dauertourens ziemlich müde und ausgepowert, aber das ließen sie sich an diesem Abend nicht anmerken. Egal ob „Trollhammeren“, „Rivfader“ der „Segersang“ oder „Jaktens Tid“, alle Songs drückten einem fett und sauber den letzten Schmalz aus dem Gehörgang. Nie war die Band besser eingespielt. Sogar Wilska hat sein Stimmvolumen erheblich erweitert und seine Singstimme ist mittlerweile treffsicherer und weist sogar feine Nuancen auf.
Der einzige Wehrmutstropfen war das Fehlen von Trollhorn, der aus persönlichen Gründen keine Tourneen mehr mit fährt. Zwar machte der junge Bursche an den Keys einen ordentlichen Eindruck, einen gutgelaunten Trollhorn mit seinem schrägen Humor ersetzt man aber nicht einfach mal so.
Was mich aber extrem überrascht hat, war das mehr als geile Publikum an diesem Abend. Endlich mal wieder ein fast reinrassiges Metal-Volk, das gutgelaunt Party machte, die Band lauthals (und wie laut das war) feierte und den mächtigsten Moshpit inszenierte, den ich seit langem gesehen habe. Und alles lief fair, freundlich und rücksichtsvoll ab. Leute ihr wart super!


Super waren auch die witzigen Einlagen, die es traditionell am letzten Abend einer Tour gibt. Um es noch mal zusammen zufassen. Dem Drummer von AMORAL wurden während dem Auftritt ständig die Becken ab- und an anderer Stelle wieder angeschraubt. Den Mannen von NAGLFAR wurden, wie schon erwähnt, von Wilska mit Stile eines Kellners Drinks serviert, während zwei Mitglieder von AMORAL in einem selbst gebastelten Drachenboot aus Pappe über die Bühne ruderten.
Bei FINNTROLL wurde der Merchandiserin dann noch ein Geburtstagsständchen von der gesamten Halle gesungen. Diese durfte sich später noch den Bass umschnallen und mit den Finnen den letzten Song spielen. Davor bekamen die Finnen auch noch ihre Drinks serviert, allerdings stiefelten die beiden Langhaarigen nur in Unterhosen bekleidet über die Bühne.
Den Abschluss bildete dann ein von allen beteiligten Bands intonierten Rocksong, welcher von Tourmanager Joe gesungen wurde, während fast alle Musiker mit Kiss-Schminke (dem Paul Stanley Augenstern) auf der Bühne posten was das Zeug hielt.
Ein wenig befremdlich fand ich allerdings, dass es nach dem verklingen des letzten Tons nicht mal 5 Minuten dauerte, bis die komplette Halle leer war. Wie Marco schon treffend erwähnte, eben wurde noch gefeiert, ein paar Minuten später war tote Hose. Die Location Live-Arena ist so schön gemütlich, warum da keiner noch auf ein Bier bleibt kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Na Egal, war trotzdem extrem geil.

(Frank „Azriel“ Zschäbitz)


Azriel, Mr. Vandemar

Autor: Frank Zschäbitz [Azriel] | 08.05.2005 | 20:22 Uhr
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