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Datum: 03.07.2006Stadt: München

Manchmal verzweifle ich an den Daten, die ein Ticket für ein bestimmtes Konzert preisgeben, wenn es um die Begriffe „Einlass“ und „Beginn“ geht. Da es mittlerweile ja ein weit verbreitetes Phänomen diverser Veranstalter ist, die Zeiten von „Einlass“, mit der des „Beginns“ gleichzusetzen, beginnen oftmals Vorbands in mäßig gefüllten Clubs und versuchen sich um die Gunst der gerade eingetrudelten Gäste.

Die diesmal betroffene Band hieß CONVICT, kam aus Belgien und war ein bisschen zu brav für das hardcorelastige Publikum im Münchener Backstage, konnten sie mit ihrem poppunkigen Sound nicht wirklich begeistern. Zu schüchtern die Performance, zu vorhersehbar die Songs und zu nett die Jungs auf der Bühne. Schade, waren das eine oder auch andere Fragment schön anzuhören und ging schnell ins Ohr. In US-College-Radiostationen wäre die belgische Combo mit Sicherheit gut aufgehoben.

Gespannt wartete das nun doch allmählich gut gefüllte Backstage auf WITH HONOR und die alles entscheidende Frage, ob der neue Sänger den Alten ersetzen könnte. Und ich muss sagen, nein, konnte er nicht. Schreien konnte er zwar wie eine angestochene Wildsau aber sobald es ans Singen ging, versuchte er sich leider am monotonen Sprechgesang. Dafür knüppelte die Band die Songs ihrer Platte „This Is Our Revenge“ Live mit fast doppelter Geschwindigkeit in den Moshpit. Ihr erfrischender Hardcore, der eine Schnittmenge aus COMEBACK KID und alten RISE AGAINST darstellt, fand sofort Anklang beim Publikum und diese quittierten den Auftritt ihrerseits mit schallendem Beifall.

Nach einer kurzen Umbaupause kamen SUPERBUTT und stellten den MORTICIAN-Effekt des Abends dar und wer einmal in den Genuss einer MORTICIAN-Show kommen durfte, weiß was ich meine. Superbutts eigenwilliger Mix aus Stoner Rock, MUDVAYNE und ein bisschen WHITE ZOMBIE war erstmal zu viel Stilgemisch für meine Ohren. Obwohl die Lieder nicht allzu vertrackt waren und immer eine Linie erkennen ließen, war der Soundbrei dennoch etwas gewöhnungsbedürftig und hatte auf einer Hardcore-Show eigentlich wenig zu suchen. Aber langsam stellte sich eben besagter Effekt ein und Frontklotz Andras Voros war daran nicht so ganz unschuldig, tanzte dieser Brocken von einem Menschen doch auf der Bühne rum wie ein Go-Go-Tänzer aus dem Hamburger Dollhaus, legte hin und wieder eine Piorette aufs Parkett und gab ansonsten auch den sympathischen Sänger. Je länger das Konzert lief, desto breiter wurde mein Grinsen. Auf Platte ist die Musik mit Sicherheit aus der Eintönigkeit nicht herauszureißen aber Live rockt das Quintett ungemein.

Um kurz nach halb Elf kamen IGNITE auf die Bühne gekraxelt und eröffneten den fast zweistündigen Auftritt mit dem Opener „Bleeding“ ihres neuesten Outputs „Our Darkest Days“. Auf Platte ballert die Nummer ja schon gewaltigst aber Live holzt der Song alles um. Obwohl IGNITE sichtlich geschlaucht gerade vom With Full Force nach München kamen, gaben die Jungs bei jedem Song Vollgas. Ob „Call On My Brothers“, „A Place Called Home“ oder das viel umjubelte „Run“, alle Hits der Truppe um den ungarischen Bullen Zoli wurden ins ausgehungerte Auditorium gefeuert. Aber auch die politische und sozialkritische Seite kam natürlich nicht zu kurz, widmete die Band den U2-Coversong „Sunday Bloody Sunday“ der Sinnlosigkeit des Irak-Kriegs und „Let It Burn“ einem Freund der Band, der seine schwangere Frau bei einem Autounfall mit einem betrunkenen Fahrer verloren hatte. Aber Ignite ließen nicht viel Zeit, um über die Bedeutung der Texte lang nachzudenken, wurden noch solche Nummern wie „Embrace“ und „Poverty For All“ zum Besten gegeben, sowie die MISFITS-Nummer „20 Eyes“, die aber nicht vollends überzeugen konnte da a) es meiner Meinung nach einer der schwächeren Fiend-Songs ist und b) Zoli leider nicht mit seine markanten Klaus Meine-Stimme sang, sondern versuchte, den Danzig raushängen zu lassen. Das war aber auch nur ein Wehmutstropfen bei diesem Topgig, bei dem sonst alles gepasst hatte. Was auch positiv auffiel war, dass IGNITE auf eine Zugabe verzichtet haben und lieber gleich zwei Stunden am Stück spielten.

Für einen Ticketpreis von gerade mal 14 Euro bekam der Fan einen schönen Strauß bunter Melodien überreicht, nur bei den Merch-Preisen von IGNITE musste man etwas tiefer in die Tasche greifen (45 Euro für einen Kapuzenpulli ist eigentlich schon frech). Nichtsdestotrotz war es ein musikalisch ergiebiger Abend, den jeder der Anwesenden genossen hatte.

DeoUlf

Autor: Lorenz von König [DeoUlf] | 04.07.2006 | 13:25 Uhr
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