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Datum: 04.05.2012Stadt: Nürnberg


Die Zeit heilt zwar alle Wunden, geht allerdings auch an niemandem spurlos vorüber, was JUDAS PRIEST, eines der letzten, echten, noch amtierenden Heavy Metal-Urgesteine, dazu veranlasst haben mag, sich nach immerhin 40 [in Worten: vierzig!] erfolgreichen Konzertjahren auf den Bühnen dieser Welt im Rahmen der - bereits seit geraumer Zeit laufenden - „Epitaph World Tour“ von seinen Fans zu verabschieden.
Dabei machen die Briten auch in der „Arena Nürnberger Versicherung“ zu Nürnberg Station und haben sich als Support stilsicher die Dienste von THIN LIZZY gesichert.

Besagtes Venue ist zwar nicht ausverkauft, aber bereits lange vor Beginn mehr als gut gefüllt – v.a. die seitlichen Sitzplatzränge, denn scheinbar sitzt man als mit seiner Lieblingsband müde gewordener Altrocker mittlerweile lieber.

.:THIN LIZZY:.
Die aktuell wieder tourende Reinkarnation von THIN LIZZY, die neben ex-THE ALMIGHTY-Sänger Ricky Warwick als neuem Sänger [als Ersatz für den 1986 verstorbenen Phil Lynott], ex-WHITESNAKE-Basser Marco Mendoza und BROTHER CANE-Gitarrist Damon Johnson [anstelle des unlängst verstorbenen GARY MOORE] immerhin noch drei Original-THIN LIZZY-Mitglieder, namentlich Drummer Brian Downey, Keyboarder Darren Wharton und Gitarrist Scott Gorham, umfasst, präsentiert hier heute abend so etwas wie ein Tribute an die beiden gefallenen Rock-Heroen und legt mit „Are You Ready?“ schon mal energisch los.



Mr. Warwick [bekanntermaßen ja einstmals mit der “MTV Headbangers Ball“-Präsentatorin Vanessa Warwick verheiratet] ist natürlich kein Phil Lynott, gibt aber einen krediblen Frontmann ab und seine raue Stimme passt durchaus gut zum stampfenden Rock von LIZZY – den Fans scheint's jedenfalls zu gefallen, denn der Bandklassiker „Jailbreak“ kommt richtig gut an.
Es folgt „Killer On The Loose“, sämtliche Musiker legen sich ordentlich ins Zeug, aber zumindest Scott Gorham sieht man die Last der Jahre deutlich an, denn der Klampfer agiert doch recht hüftsteif. Dafür machen die rekrutierten Auswechselspieler aber ordentlich Show und werfen sich zu „Don't Believe A Word“ und natürlich „Whiskey In The Jar“ weidlich in Pose. Es folgt ein dynamisch rockendes „Suicide“ und „Rosalie“ bevor es – laut Ricky W. - mit „Black Rose“ [vom gleichnamigen 1978er Album] „Zeit für etwas Irish Folk“ wird.
Der „Cowboy Song“ läßt THIN LIZZY bereits in die Zielgerade einbiegen und mit dem unvermeidlichen „The Boys Are Back In Town“ [von „Jailbreak“ von 1976] verabschiedet sich die Band bereits unter ordentlich Jubel.

.:JUDAS PRIEST:.
„The Boys Are Back In Town“ schön und gut, das alles ist aber in Bälde schon wieder vergessen, denn schließlich: „It's 2012 – and the PRIEST is back!“.
Die Metal-Dinos aus Birmingham gehen mit dem „British Steel“-Stampfer „Rapid Fire“ sofort in die Vollen und um klarzustellen, wer hier gerade zugange ist, folgt unausweichlich - zu den ersten Pyros des Abends - „Metal Gods“. Rob „Metal God“ HALFORD – natürlich mit Sonnenbrille und ganz in Leder- und Stachelornat – wiegt sich, nach der obligatorischen, rhetorischen Frage: „Are you ready for some PRIEST-Style Heavy Metal?, zu „Heading Out To The Highway“ - anfänglich doch etwas eingerostet wirkend - behäbig hin und her, so als ob er sich auch erst einmal richtig eingrooven müsste, doch spätestens mit „Judas Rising“ scheint seine innere Metal-Flamme zu lodern - auch wenn er desöfteren den Teleprompter konsultieren muss.



Eher unerwartet bedankt sich der „Metal God“ sehr charmant fürs Kommen, plaudert etwas über die Abschiedstour seiner Band und kündigt mit „Starbreaker“ [vom „Sin After Sin“-Album von 1977] einen Song an, der sonst eher nicht auf der PRIEST-Setlist zu finden war. Die Briten bleiben dann auch erstmal bei den ganz alten Klassikern, denn im Anschluss kommen noch „Victim Of Changes“ [von „Sad Wings Of Destiny“] und tatsächlich „Never Satisfied“ [von ihrem Debüt von 1974, „Rocka Rolla“, das, laut Mr. Halford, zwar ein scheußliches Cover habe, aber sonst eine wirklich gute Platte sei]. Spätestens hier dürfte den meisten Old School-PRIEST-Fans das Pipi in den Augen gestanden haben, aber es sollte natürlich noch besser kommen, denn auch das berühmt-berüchtigte PRIEST-Cover von Folksängerin JOAN BAEZ, „Diamonds And Rust“, kommt hier und heute wieder zu Live-Ehren.
Doch damit erstmal genug der Nostalgie, denn zu „Prophecy“ [von der immer noch "aktuellen" „Nostradamus“-LP] detonieren wieder die Pyros und riffen die Gitarren wieder schwermetallisch und bleiben mit „Nightcrawler“ auch gleich dabei. HALFORD gibt unterdessen traditionell den wandelnden Kleiderständer und wechselt zu jedem Song das Outfit [heute muss es dazu ein unglaublicher Glitzer-Bade- bzw. Boxermantel und ein Metallstab in Form des PRIEST-Symbols sein], scheitert dafür aber – das ist ja nun leider schon seit Jahren ein offenes Geheimnis – an seinen einstigen Trademark-Screams bzw. lässt diese einfach weg oder arrangiert seine Gesangslinien einfach um.



Egal, weiter geht’s - passend Pyro-gestützt - mit „Turbo Lover“, bevor mit „Beyond The Realms Of Death“ wieder ein Gang zurück geschaltet wird. Gitarren-Neuzugang Richie Faulkner hat sich mit seinem Leder-und-Nieten-Outfit bestens an den neuen Arbeitgeber angepasst und gibt sich alle Mühe, einen würdigen Nachfolger für K.K. Downing abzugeben und spielt und soliert ebenso virtuos wie fehlerfrei, während sein Gegenpart, Glenn Tipton, heute abend eher müde und abgespannt wirkt.
Ur-Basser Ian Hill steht - wie üblich - wie festgetackert an seinem Platz und schwenkt lediglich den Hals seines Basses, zimmert aber dafür gemeinsam mit Scott Travis, der immer noch und immer wieder seine Drumssticks hochschmeisst und vergeblich versucht, sie wieder zu fangen, ein ehernes Fundament für die Gitarreneskapaden des Duos Faulkner/Tipton.



Weiter mit Stoff aus der „Defenders Of The Faith“-Ära bzw. „The Sentinel“, gefolgt von dem „Ram It Down“-Kracher „Blood Red Skies“ [ach, wenn Rob doch diese fiesen Schreie noch drauf hätte!].
HALFORD überspielt sein Manko mit der launigen Ansage: „The light has turned to green, which can only mean that it' s time for „The Green Manalishi [With The Two-Pronged Crown]“! Let me feel your Metal power, Nuremberg!“.
Das Publikum revanchiert sich mit zünftigen „Priest! Priest! Priest!“-Sprechchören zwischen den Songs und zum Dank [oder ist er es inzwischen einfach nur müde?] lässt der „Metal God“ das Publikum nach der rituellen Frage „Breaking The... What?“ die Band- und Heavy Metal-Hymne schlechthin, „Breaking The Law“, KOMPLETT alleine schmettern und bietet unterdessen eine hinreissende Pantomime zu den Lyrics.
Zeit für das Scott Travis-Drum-“Solo“, das ja traditionell zu „Painkiller“ überleitet und spätestens hier brechen alle Dämme, denn selbst die Ränge bangen, klatschen und rocken nun enthemmt mit.
Kurzes Innehalten, bevor – natürlich! - „The Hellion/Electric Eye“ präsentiert wird, gefolgt von Rob HALFORDs ebenso unvemeidlichem Ritt auf der Harley auf die Bühne, der unweigerlich zu „Hell Bent For Leather“ führt.



Zum abschließenden „You've Got Another Thing Comin'“ kommt der „Metal God“ dann mit einer Deutschland-Fahne um die Schultern zu seinem Boliden geschlendert, küsst das Banner mehrfach als Huldigung an seine deutschen Fans und breitet es dann ehrfürchtig und vorsichtig darauf aus – inzwischen in ein silbernes Glitzerjacket, ein Spandex-Ringerleibchen, das keinerlei Zweifel an seiner tätowierten Plautze und seiner sexuellen Orientierung lässt, und seine Freddie Mercury-Gedächtnis-Lederkerl-Schlägermütze gewandet.
Überhaupt kokettiert der JUDAS PRIEST-Frontmann heute gut gelaunt mit seinem Schwulsein, tänzelt tuntig und schlägt scherzhaft mit seiner Reitgerte auf Jungspund Richie Faulkner ein, der unterdessen ein definitiv mehr als eindrucksvolles Solo auf seiner "Les Paul" zum Besten gibt.
„Vielen Dank, Deutschland!“, „Vielen Dank, Nuremberg!“.

Als allerletzte Zugabe – nach einer mehr als zweieinhalbstündigen Show bzw. einem sprichwörtlichen Parforce-Ritt, oder war das -Riff? durch 40 Jahre Heavy Metal - kommt noch, passend zur Uhrzeit, „Living After Midnight“, bevor sich JUDAS PRIEST unter tosendem Applaus des Noris-Publikums [zum letzten Mal?] von der Bühne verabschieden...


Setlist JUDAS PRIEST:

Rapid Fire
Metal Gods
Heading Out To The Highway
Judas Rising
Starbreaker
Victim of Changes
Never Satisfied
Diamonds & Rust [JOAN BAEZ-Cover]
Dawn Of Creation
Prophecy
Night Crawler
Turbo Lover
Beyond The Realms Of Death
The Sentinel
Blood Red Skies
The Green Manalishi [With the Two Pronged Crown] [FLEETWOOD MAC-Cover]
Breaking The Law
Painkiller
The Hellion / Electric Eye
Hell Bent for Leather
You've Got Another Thing Comin'
Living After Midnight

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 05.05.2012 | 18:27 Uhr
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