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Band(s):
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Datum: 16.04.2008Stadt: Hamburg

Da der Hamburger Club „Übel&Gefährlich“ nicht nur einen verdammt coolen Namen, sondern auch eine – um es freundlich zu sagen – etwas unübersichtliche Internetpräsenz sein Eigen nennt, bedurfte es einiger Recherche sowie eines augedehnten Spazierganges meinerseits, um besagtes Etablissement zu finden. Grund für meine Bemühungen gab es in Form der norwegischen Mafia-Rocker KAIZERS ORCHESTRA, denn diese sollten am Abend des 16. April in dem ungewöhnlich gelegenen Konzertsaal [4. Stock eines alten Festungsgebäudes!] aufspielen.

.:GEOFF BERNER:.




Zunächst galt es jedoch, sich mit der „Vorband“ zu arrangieren. „Band“ deshalb, weil der Kanadier GEOFF BERNER wohl als Alleinunterhalter treffender bezeichnet ist. Der unscheinbare Mann mit der Dreiviertelglatze und dem Akkordeon hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Lieder im Stil alter jüdischer Volksmusik zu schreiben. Nun hat solcherlei Kabarett mit Akkordeonuntermalung – denn genau um solches handelte es sich – zwar an und für sich nix im Vorprogramm einer Rockband zu suchen, doch fairerweise muss gesagt werden, dass der Herr Berner das Beste aus der für ihn sicherlich nicht idealen Situation herauszuholen verstand. Die ihm gehörende halbe Stunde füllte er mit Liedern, die Bräute zum Weinen bringen sollten, Lästereien über unzureichende Verteidigungsstrategien [„Maginot-Line“] und bissigster politischer Satire [„The dead, dead Children were worth it“]. So konnte er von den vielleicht 150 Leuten, die ihm wirklich zuhörten, mehr als nur Höflichkeitsapplaus einfahren – es hätte für alle Beteiligten schlimmer kommen können!


.:KAIZERS ORCHESTRA:.




Dennoch konnte nichts darüber hinwegtäuschen, dass alle nur auf KAIZERS ORCHESTRA warteten. Das „Übel&Gefährlich“, mittlerweile auch übel voll geworden, empfing die in feinem Zwirn zu einem Stück Filmmusik aus „The Godfather“ auftretenden Norweger bereits eingangs mit frenetischem Jubel. Diese machten sich folglich auch ohne Umschweife daran, ihn zu rechtfertigen, und warfen sich voller Energie in ihren wunderbar schrägen Alternative Rock – diese Mischung aus osteuropäischer Zigeunermucke, TOM WAITS, Punk und Polka, von der an und für sich niemals abzusehen war, dass sie in heutiger Zeit mehr als ein Häuflein Freaks würde begeistern können.
Doch das Gegenteil war der Fall: Obschon längst nicht alle Anwesenden des Norwegischen mächtig waren, ging das Publikum von Beginn an gut mit. Die Bergener Mafiosi selber hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und spielten sich sehr schnell in Schweiß. Als erster sah sich Schlagzeuger Rune [„Mink“] Kaizer genötigt, sein gepflegtes Äußeres aufzugeben und fortan im schwarzen Unterhemd zu spielen – ein Anblick, welcher ob des wilden Vollbartes und der auch sonst reichlichen Körperbehaarung dem abgenutzten Begriff „Trommeltier“ eine ganz neue Nuance verlieh.
Aber auch die beiden Gitarreros Geir [„Hellraizer“] Kaizer und Terje [„Killmaster“] Kaizer, bei etlichen Songs auch als gewalttätige Perkussionisten an den auf der Bühne stehenden Ölfässern glänzend, hätten nach der ersten halben Stunde wohl nicht mehr in jeden piekfeinen Club der ehrenwerten Gesellschaft Einlass erhalten. Um so besser, denn sie gehören ebenso auf die Bühne wie Sänger Janove [„The Jackal“] Pianist/Akkordeonist Helge [„The Omen“] und Kontrabassist Øyvind [„Thunder“] Kaizer.
A propos Kontrabass: Rockmusik lebt nicht zuletzt von der exzessiven Zurschaustellung von Phallussymbolen aller Art. Und ein Kontrabass ist ja wohl das dickstmögliche davon! Also nächstes mal, ihr prüden Typen, versteckt ihn nicht hinten links auf der Bühne wie eure erste öffentliche Erektion im Schwimmunterricht in der vierten Klasse!
Doch abgesehen davon gab es nichts zu nörgeln: KAIZERS ORCHESTRA gaben alles und glänzten sowohl bei Stücken neueren Datums wie „Enden av November“ und „Bastard Sønn“, von denen sich verständlicherweise etliche in die Setlist geschlichen hatten, als auch bei Klassikern wie „Container“, „Kontroll på Kontinentet“, „Ompa til du dør“ und „Rullett“, um nur einige zu nennen. So verging die Zeit bis zum regulären Ende viel zu schnell, doch auch nach der zweiten Zugabe „Bak et Halleluja“, für die sich Janove die Gitarre umschnallte, wollten die Hamburger ihre nordischen Rockpaten nicht gehen lassen. Und so kamen Tastenmann Helge [nach den vorangegangenen zwei Stunden im Übrigen der Einzige der Bande, der nicht völlig durchgeschwitzt zu sein schien] und Janove noch einmal zum Vorschein, um eine musikalisch reduzierte, aber umso intensivere Version von „Min kvite russer“ gemeinsam mit ihren Hamburger Fans zum Besten zu geben. Deren zweistimmiger Massenchor konnte sich ohne weiteres mit denen zu BLIND GUARDIANs „Bard's Song“ messen und machte die sonst selbstbewussten Norweger bisweilen sprachlos. Anschließend war man sich instinktiv einig, dass der richtige Zeitpunkt für den Schluss gekommen war – vermutlich wären diese letzten Minuten ohnehin nicht zu toppen gewesen. So konnten denn alle glücklich heimwärts wanken, mit dem Chorus von „Min kvite russer“ im Ohr und – zumindest in meinem Falle – Mordsdurst auf White Russian, den ich leider an diesem Abend nicht mehr bekam. In Anbetracht des erlebten geilen Konzertes jedoch halb so schlimm!

Grim_Rieper

Autor: Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper] | 24.04.2008 | 23:39 Uhr
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