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Datum: 30.01.2013Stadt: Essen

Das Turock im Herzen der Ruhrgebietsmetropole Essen ist schon lange eine gute Anlaufstelle für Metal-Konzerte. Auf ihrer „Manala European Tour 2013“ geben sich auch KORPIKLAANI und METSATÖLL die Ehre.




.:METSATÖLL:.
Den folkigen Abend eröffnen um 20 Uhr METSATÖLL aus Estland, die eine ausgewogene Setlist im Programm haben. Ein bunter Strauß aus den Alben der vergangenen Jahre ist was Feines für die Ohren des Publikums, das – augenscheinlich ob der T-Shirt-Auswahl – mehrheitlich für den finnischen Headliner angereist ist. METSATÖLL beeindrucken vor allem mit kraftvollem Folk. Trotz Gedudel und Geflöte von Multimusiker Lauri „Varulven“ Õunapuu kann man dem schwer stapfenden Sound der Esten „Eier“ attestieren. Der zwei- und mehrstimmige Gesang erinnert dabei stark an Performances der niederländischen Kollegen von HEIDEVOLK. Interessant – und überraschend – für jene, die der Band noch nicht live lauschen durften, ist das unfassbar tiefe Organ Varulvens, der auch einige der Ansagen macht, wenn er nicht gerade von einem Instrument zum nächsten wechseln muss. Da wohl die Wenigsten an diesem Abend im Turock estnisch Sprechen, sind die Mannen auf der Bühne durchaus bemüht, auf Englisch zu erklären, worum es in den Songs geht. Das hilft tatsächlich dabei, sich in die Songs hineinzufühlen. Dass das Ganze in authentischem Arnold-Schwarzenegger-Akzent geboten wird stört nicht weiter. „Battle“, „Sword“ und „Beer“ versteht man nichtsdestotrotz auf Anhieb. Sie lassen es sich aber auch nicht nehmen ein kleines bischen (Aus-)Sprachunterricht abzuhalten. Alleine die Betonung des Heldennamens „Roju“, stellt plötzlich eine ungeahnte Herausforderung dar. METSATÖLL sind letztendlich eine Band, die das Publikum spaltet. Entweder man wird die Melodien der klasse vorgetragenen Stücke, wie die Ohrwurm erzeugenden „Vaid Vaprust“ oder „Minu Kodu“ erstmal nicht mehr los oder der Funke springt erst gar nicht über. Sicher Geschmackssache, aber trotzdem eine große Bereicherung für die Manala-Tour!




.:KORPIKLAANI.
Selbstverständlich wartet jedermann auf den Main Event des Abends. Nachdem in einer kurzen Umbaupause die dekorativen Bühnenaufbauten von METSATÖLL von der Bühne verschwunden sind, starten KORPIKLAANI durch. Verblüffend ist dabei, dass Frontmann Jonne Järvelä mittlerweile seine Gitarre nicht mehr auf der Bühne mit sich trägt. Dafür steht ihm das neue Bühnen-Outfit für die Tour recht gut. Die mit vielen Schlaufen, etc. versehene Jacke bleibt bis quasi zum Bauchnabel des blonden Finnen geöffnet. Das Mikrofon nimmt er behände in die Hand – Rockstars brauchen keine Mikro-Ständer. So weit, so gut. Feilen KORPIKLAANI am Rocker-Image? Wohl eher nicht, denn so unglaublich individuell die Mannen auf der Bühne gekleidet sind, so sehr kann man ihnen den Folk immer noch ansehen. Viel interessanter als Kleidung soll aber ja die Show sein, die die Finnen auf den Brettern, die die (Metal-)Welt bedeuten, hinlegen. Und da brennt es dann doch wieder auf der Zunge: „Gebt dem Mann seine Gitarre!“, will man schreien. Denn was Jonne an Gestik und Mimik an den Tag legt ähnelt doch recht auffällig – vielleicht auch wegen der Dreadlocks – der Filmfigur Captain Jack Sparrow, wenn sie eine Planke entlang watschelt oder einen verwegenen Plan erklärt. Etwas seltsam kommt das Bild dann schon daher, aber was zählt, ist letzten Endes doch der Sound. Nachdem der Bass zwischenzeitig bei METSATÖLL etwas arg polterte, ist bei KORPIKLAANIs rund zweistündigem Auftritt alles gut. Selbstredend ist Party angesagt, wenn die finnischen Folkmetaller aufspielen. So bildet sich vor der Bühne recht schnell ein Pit, in dem allerdings eher getanzt und gehüpft wird. Der Auftakt der Europa-Tour bereitet auch der Band selbst sichtlich Freude und deshalb wird ein Song nach dem anderem mit kurz-knackigen Ansagen rausgehauen. Unterbrochen wird das Humppa-Fest jedoch vom Song „Husky Sledge“, den Geiger Tuomas Rounakari als Solo vorträgt. Dabei gehört die Bühne ausschließlich ihm. Der Schwerpunkt des Sets liegt natürlich auf dem aktuellen Album „Manala“ aus dem letzten Jahr. Von dieser Scheibe spielen KORPIKLAANI den Song „Uni“ – nach eigener Aussage – zum ersten mal vor Publikum. Und das Lied kommt auf Anhieb so gut an, dass es sicher im weiteren Verlauf der Tour Teil des Programms bleiben wird. Danach geht der Gig zur fortgeschrittenen Stunde dem Ende zu. Die Finnen packen deshalb die Mitgröhl- und Sauflieder aus, durch die die meisten sie kennen gelernt haben. Die machen dann auch den Großteil der Zugabe aus, die das Konzert abrundet. Dabei dürfen die Klassiker „Wooden Pints“ und „Happy Little Boozer“ ebenso wenig fehlen, wie die programmatischen Titel „Vodka“ oder „Tequila“ und der vermeintliche „Hit“ des aktuellen Langspielers: „Rauta“. Ein besonderes Schmankerl geben KORPIKLAANI zum Auftakt der Zugabe aber noch oben drauf: MOTÖRHEADs „Iron Fist“ in der Folk-Version hat’s wirklich in sich!

Insgesamt bieten METSATÖLL und KORPIKLAANI ein lohnenswertes Program, das jeden Fan der beiden Bands hoch erfreuen dürfte. KORPIKLAANI zeigen zudem viel Fannähe, denn Frontfinne Jonne geht an die erste Reihe so nah heran, dass er fast schon eher vor als auf der Bühne steht. Und das kommt im Turock richtig gut an. Gute Stimmung, klasse Setlists und viel Schwung – so muss das sein!

SebyK

Autor: Sebastian Kronenberg [sebyK] | 12.02.2013 | 19:16 Uhr
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