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Datum: 20.06.2012Stadt: Bamberg


Für fränkische Sleaze Rocker und Glam Metal-Fans fällt Ostern und Weihnachten heuer auf den 20. Juni, denn heute geben sich in der Bamberger Arena mal eben die Sunset Strip-Veteranen von MÖTLEY CRÜE und ex-GUNS N' ROSES-Zylinder SLASH als Support die Ehre und absolvieren damit obendrein einen von gerade einmal drei Deutschland-Gigs.
Nachdem es diese Kombination so zuletzt im Jahre 1987 gegeben hatte, ist das Venue erwartungsgemäß mehr als gut gefüllt, mit einer ausgesprochen sehenswerten Mélange aus wamperten, dünnhaarigen Altrockern, klassischen Headbangern in speckigen Kutten und Nachwuchs-Sleazern inklusive toupierter Frisuren, Spandex, Ketten, Tüchern und Make-Up.

Es geht pünktlich los, deshalb sind die deutschen Jungspunde von KISSIN' DYNAMITE, die statt der BLACK VEIL BRIDES aufs Billing gerutscht waren, nachdem diese ihre letzten sechs Shows der Europa-Tour wegen eines Trauerfalls hatten absagen müssen [Frontmann Andy Biersacks Vater war überraschend verstorben], auch bereits durch mit ihrem Support-Slot.


.:SLASH:.
Die „Stechert-Arena“ ist unterdessen ordentlich voll, als ALTER BRIDGE-Frontmann MYLES KENNEDY mit seinen CONSPIRATORS gut gelaunt im ledernen Gehrock auf die Bühne schlendert, bevor schließlich GN'R-Legende SLASH – wie immer mit Pilotenbrille, Lederzylinder und natürlich seiner geliebten Les Paul-Gitarre im Anschlag – hinterher geschlappt kommt.
Was nun folgt, ist nicht weniger als ein Triumphzug und großes Hardrock'n'Roll-Kino, denn SLASH und Co. zelebrieren ab hier eine herzbluttriefende und schweißtreibende Rockshow, die sich sehen lassen kann...!
Bereits nach „One Last Thrill" [von „Apocalyptic Love“] folgt die erste Gunners-Nummer, nämlich das gute, alte „Nightrain“, die vom Publikum natürlich lauthals mitgegröhlt wird.
Die nächsten Solo-Kompositionen, „Ghost“ [auch wenn Myles Kennedy hier hingebungsvoll den Ian Astbury gibt] und „Standing In The Sun“ machen ihre Sache ebenfalls ordentlich, dann folgt die entspannte „Back From Cali“-Nummer [von der ersten SLASH-Solo-Scheibe] und mit „Mr. Brownstone“ bereits die nächste, umjubelte GN'R-Granate.
Die CONSPIRATORS spielen absolut tight, überlassen aber natürlich Mr. Hudson [der sogar ein paar freundliche Worte ans Auditorium richtet] die Show und die bekannt spektakulären Soli und Gniedeleskapaden, während Myles Kennedy einen überzeugenden Frontmann abgibt, der nicht zwanghaft bemüht ist, Axl Rose 1:1 zu imitieren, sondern durchaus selbstbewusst seinen eigenen Gesangsstil pflegt.
Weiter im Text mit „Shots Fired“ und „Anastasia“, bevor bei „Sweet Child O' Mine“ die Stimmung fast am Überschäumen ist, denn die komplette vordere Halle singt, hüpft und geht enthemmt mit und sogar die Sitzränge zeigen sich durchaus enthusiastisch. Es folgen noch „You're A Lie“ und der VELVET REVOLVER-Song „Slither“ und dann kommt als großes Finale noch „Paradise City“, bei den Fans werden die letzten Reserven mobilisiert und ein veritabler Moshpit gezündet.
SO und nicht anders verwaltet man ein derart legendäres Vermächtnis, Mr. Rose...!!!



.:MÖTLEY CRÜE:.
Es folgt ein längerer Umbau, immerhin mit IRON MAIDEN als Pausenmusik, was die Vorfreude auf die CRÜE-Show nur noch mehr anheizt und dann ist es endlich soweit: MÖTLEY CRÜE live und in Farbe!
Die Boxen sind bordellmäßig mit Brokatstoff verkleidet und Tommy Lees Drumkit thront vielversprechend vor einem Looping-Gerüst, als die „Saints Of Los Angeles“ mit „Wild Side“ [natürlich von „Girls, Girls, Girls“ von 1987] in ihr Set einsteigen. Das Volk jubelt zwar pflichtschuldig, scheint aber sein Pulver bereits bei SLASH und Konsorten weitgehend verschossen zu haben, was selbst Frontblondine Vince Neil nicht entgeht, weswegen er postwendend mehr Huldigung einfordert und tatsächlich auch einfährt.
Weiter mit „Live Wire“ und „Too Fast For Love“ [beides vom 1982er Debüt], bevor die CRÜE mit „Saints Of Los Angeles“ [vom immer noch „aktuellen“, gleichnamigen Album von 2008] einen kurzen Schwenk gen Moderne unternimmt, alles untermalt von einer opulenten Lightshow und unterstützt von zwei drallen, leicht geschürzten Go-Go-Tänzerinnen, die obendrein auch noch als Background-Chanteusen fungieren. Natürlich ist hernach gleich wieder Klassikeralarm angesagt, als [leider ohne das großartige „In The Beginning“-Intro] „Shout At The Devil“ aus den Boxen hämmert, gefolgt von „Don't Go Away Mad [Just Go Away]“.
Die CRÜE - nicht zuletzt seit ihrem jüngsten Las Vegas-Engagement - agiert routiniert bis abgeklärt, wie schon auf der letzten Deutschland-Tour: Vince Neil tigert agil über die Bühne, Nikki Sixx bedient etwas unbeteiligt seinen Viersaiter, Mick Mars [von seinem chronischen Rückenleiden gezeichnet] mit „The Crow“-Make-Up und tief ins Gesicht gezogenem Hut zockt seine bluesigen Riffs und schrägen Soli und Skandalnudel bzw. Kindskopf Tommy Lee gibt begeistert den „Muppetshow“-Trommler. Noch mehr Hits gefällig? Kein Problem, denn „Same Ol' Situation [S.O.S]“, „Looks That Kill“ und doch tatsächlich „Piece Of Your Action“ folgen auf dem Fusse!
Nikki Sixx ergreift kurz das Wort und bittet zu „Primal Scream“ drei Nachwuchsfans auf die Bühne, die allerdings auch zügig von der Bandsecurity wieder herunter komplimentiert werden, kurz bevor natürlich auch noch die Bandhymne „Smokin' In The Boys Room“ serviert wird.



Endlich kommt auch Tommy Lees Rollercoaster-Drumkit zum Einsatz, bei dem der ex-Mann von Pamela Anderson - unterstützt von mächtig Licht, Trockeneisnebel, Videobeams und E-Beats - trommelnd seine Runden fährt und sogar noch einen mutigen Fan mit blondierter Haarspray-Frise [O-Ton Tommy Lee: „Hey, he looks like a young Vince Neil!“] auf den Soziussitz einlädt.
Dann setzt sich Herr Lee noch überraschend für Haischützer und Begründer der Tierschutzorganisation „Sea Shepherd“, Paul Watson, ein, der in Deutschland inhaftiert wurde und fordert gemeinsam mit seinen Fans: „Free Paul Watson!“ in seine Video-Kamera, um das der Bundesjustizministerin zu schicken. Da wird Frau Leutheusser-Schnarrenberger aber Augen machen: Hair Metal goes Umweltschutz, so ändern sich die Zeiten...
Die unvermeidliche „Home Sweet Home“-Ballade wird, wie immer, am Flitter-Flügel dargeboten und deutet bereits auf die Zielgerade dieses Gigs hin, der traditionell mit „Kickstart My Heart“ einen schlichtweg grandiosen Abschluss findet.
Zugaben gibt’s keine, denn zu so etwas läßt sich die CRÜE nach 30 Jahren Dekadenz offenbar längst nicht mehr herab, dafür kostet dann aber so ein Tourleibchen am Merchandise-Stand heute auch lediglich schlappe 30 Euro...



Setlist SLASH featuring MYLES KENNEDY AND THE CONSPIRATORS:

01. One Last Thrill
02. Nightrain [GUNS N' ROSES-Cover]
03. Ghost
04. Standing In The Sun
05. Back From Cali
06. Mr. Brownstone [GUNS N' ROSES-Cover]
07. Shots Fired
08. Anastasia
09. Sweet Child O' Mine [GUNS N' ROSES-Cover]
10. You're A Lie
11. Slither [VELVET REVOLVER-Cover]
12. Paradise City [GUNS N' ROSES-Cover]

Setlist MÖTLEY CRÜE:

01. Wild Side
02. Live Wire
03. Too Fast For Love
04. Saints Of Los Angeles
05. Shout At The Devil
06. Don't Go Away Mad [Just Go Away]
07. Same Ol' Situation [S.O.S]
08. Looks That Kill
09. Piece Of Your Action
10. Primal Scream
11. Smokin' In The Boys Room
12. Home Sweet Home
13. Kickstart My Heart

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 25.06.2012 | 21:34 Uhr
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