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Datum: 30.01.2016Stadt: Düsseldorf

MANOWAR sind zweifellos eine der wertvollsten Marken im Metal-Universum und wissen, sich gut und teuer zu verkaufen. So kosten Konzert-Tickets für die „Kings Of Metal“ schon seit Jahren horrende Summen, deren Höhe mit maßgeschneiderten Sound-Anlagen für die „lauteste Band der Welt“ und grandiosen Bühneneinlagen gerechtfertigt werde sollen. An diesem lauwarmen Januarabend schicken sich MANOWAR an, den Düsseldorfer ISS Dome – rund 11.000 Menschen fasst er mit dem MANOWAR’schen Bühnenaufbau – als letzte deutsche Station ihrer Welttournee zu füllen.



Photo: Sebastian Konopka (c) 2016 Magic Circle Entertainment. All rights reserved.

.:MANOWAR:.
Die Klischee-Metaller schlechthin sind selbstredend ohne Vorband unterwegs. Nichtsdestotrotz müssen selbst für die günstigsten Stehplatzkarten rund 80 Euro berappt werden. Immerhin macht der mit vielen Details versehene Bühnenaufbau einiges her. Einen antiken Tempel soll das Set-Up darstellen, dahinter befindet sich eine große LED-Wand. An den Seiten befinden sich links und rechts der Bühne weitere kleine LED-Screens. Der ISS Dome, der sonst vor allem der örtlichen Eishockey-Mannschaft als Heimspielstätte dient, füllt sich bis zum Beginn des Konzerts noch recht passabel, was den Innenraum angeht. Die Ränge rundum bleiben jedoch weitgehend leer. Eine kleinere Venue hätte es wohl auch getan.

Um Punkt 20 Uhr erlischt das Licht in der Halle und die Show beginnt. Der erste Song ist der Klassiker „Manowar“, den Eric Adams inbrünstig zum Besten gibt. Es folgt eine komplett unkommentierte Aneinanderreihung von weiteren Klassikern inklusive „Kings Of Metal“. Das Publikum ist natürlich textsicher, der Sound – insbesondere der Gitarrenklang – lässt jedoch Luft nach oben. Sänger Adams zeigt sich allerdings top fit: seine Stimme zeigt keinerlei Alterserscheinung. Die Bühnenaufbauten werden leider nur sehr selten benutzt. Zumeist stehen der Frontmann und die Saitenakteure in der Bühnenmitte, im Hintergrund erscheinen überdimensionale GIFs von Album-Artworks in Neunziger-Jahre-Computerspielgrafik zu Untermalung. Optisch bestimmen vor allem die klassisch-ledernen Klamotten aller Bandmitglieder das Bild – und Joey DeMaios ständig finsterer Blick, der aussieht, als hätte ihm jemand das letzte Bier vor der Nase weggetrunken.

Es folgt eine Pause für Eric Adams, in der mit Einblendungen auf der LED-Wand einigen „Fallen Brothers“, verlorenen Metal-Brüdern (im Geiste) gedacht wird. Neben Menschen aus dem direkten Band-Umfeld wird auch Lemmy Kilmister, dem verstorbenen MOTÖRHEAD-Chef gedacht. Der Jubel ist groß, als sein Name und sein Bild eingeblendet werden. Dazu spielt Gitarrist Karl Logan sein Solo: langsam und andächtig, mit Zitaten aus „Heart Of Steel“. Die Fans singen dazu natürlich textsicher mit. Anschließend bekommt auch Bassist Joey DeMaio Zeit für sein Solo inklusive eines Auszugs aus „Sting Of The Bumblebee“, für das der Band-Kopf sich erst einmal Backstage seinen Bass neu stimmen lassen muss. Eine unfreiwillige Pause – und ein unfreiwillig komischer Moment.

Weiter geht es dann mit dem üblichen Programm, bei dem jedoch nicht mehr so wirklich gute Stimmung aufkommen mag. Kameras sind auf der aktuellen Tour auch im Publikum verboten. Knipst man mit seiner Kompaktkamera zu oft, steht plötzlich ein Sicherheitsmann hinter einem und ermahnt zu Ordnung oder blendet mit seiner Taschenlampe. Auch die Presse muss sich bei dieser Tour auf das offizielle Bildmaterial stützen, eigene Bilder dürfen nicht gemacht werden.

Den Hauptteil des Konzerts beschließen MANOWAR mit dem erhabenen „Hail And Kill“, bei dem der Jubel wieder ein wenig zurückkehrt. Dann verschwindet die Band von der Bühne und lässt sich viel Zeit, bis Joey DeMaio alleine zurückkehrt, um seine traditionelle Ansprache als Auftakt der Zugabe zu halten. Er erzählt von einem „Klaus“, der ihn um Beziehungstipps gebeten hat. Er fragt sich, warum denn gerade er gefragt wird, wo er doch seit Ewigkeiten mit seinem Instrument verheiratet ist und nicht mit einer Frau. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, Tipps zu erteilen, die hauptsächlich sexueller Natur sind. Stilecht hält er dabei eine Bierdose in der Hand. An dieser Stelle soll einmal angemerkt sein, dass es sich bei diesem Monolog um die erste Interaktion zwischen Band und Publikum handelt. Die ersten 60 Minuten lang wurden mehr oder weniger stumpf die Lieder und Soli vorgetragen – ohne ein gesprochenes Wort. Der Monolog endet mit der Aufforderung, jedem, der MANOWAR, ihre Musik und die Fans nicht leiden kann, den Mittelfinger zu zeigen. Gleiches gilt für jene, die „Deutschländ“ nicht mögen. Mit einem beherzten „Hau weg die Scheiße“ wird der Rest des Doseninhalts dann geext. Das meiste trifft auch wirklich den Mund, was dem Publikum gefällt. Der Rest der Band findet sich ebenfalls wieder auf der Bühne ein und gibt erst das beschwörende „Warriors Of The World“, dann das stimmungsmachende „Black Wind, Fire And Steel“ zum Besten und verabschiedet sich mit ein paar lieben Worten an die Fans und über das tolle deutsche Publikum während der laufenden Tour. Zu den Klängen von „The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)“ geht das Hallenlicht wieder an. Es ist 21.30 Uhr.

In der Rückschau dominieren das seltsame fotoscheue Verhalten der Band und die Erinnerung an die Sicherheitsleute mit ihren Taschenlampen auf Fotografensuche das Bild. Dazu kommt das ungute Gefühl, gerade 90 Minuten weitgehend emotionsfrei vorgetragene Musik mit mittelmäßiger Bühnenshow für einen Ticketpreis bekommen zu haben, der vor allem dem Fan-Nachwuchs große Löcher in die Geldbörse reißt. „Nie wieder“, sagen viele beim Verlassen der Halle. Klar, MANOWAR sind die lauteste Band der Welt. Klar, MANOWAR sind eine wirkliche Marke, die man entweder lieben oder hassen muss. Das gilt für ihr unübertroffenes Posertum wie für ihren musikalischen und lyrischen Stil. Doch selbst beim besten Liedgut kann man sich auf der Bühne wenigstens ein wenig Mühe geben, den Fans etwas für ihr Geld zu bieten.

SebyK

Autor: Sebastian Kronenberg [sebyK] | 09.02.2016 | 13:04 Uhr
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