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Datum: 22.11.2012Stadt: Hamburg




Das nennt man doch mal ein feines Knüppel-Paket: Die schwedischen Techno-Thrasher MESHUGGAH sacken ihre Landsleute C.B. MURDOC sowie die Labelgenossen DECAPITATED ein und ziehen unter dem Titel „The Ophidian Trek“ durch Europa. Kein Wunder also, dass sich das technik-affine Publikum aus Hamburg und Umland reichlich und pünktlich zur Markthalle begibt. Umso mehr, da MESHUGGAH nicht gerade dafür bekannt sind an jeder Steckdose zu spielen, sondern sich gerne auch mal längere Zeit rar machen [beziehungsweise auf anderen Kontinenten touren oder sich im Studio einschließen, Frechheit aber auch!].






Pünktlich um acht Uhr machen C.B. MURDOC den Anfang. Keinen sonderlich gelungenen Anfang, wie man leider sagen muss. Das muss nicht einmal unbedingt an der Band selbst liegen – vor allem ist der Sound derart beschissen, dass man auch nach drei Songs immer noch nicht so recht sagen kann, was die sechs Leute dort auf der Bühne veranstalten. Komplex, brachial und abwechslungsreich scheint es ja zu sein – was davon ankommt ist leider ein verschwommener Klangbrei, der von Schlagzeug und Brüllgesang dominiert, aber nicht gerade ansprechend gemacht wird. Blickt man in die trotzdem bereits recht ansehnlich gefüllte Halle, sieht man etliche ratlose Gesichter und so gut wie keine Bewegung. Hamburg hält den knapp über halbstündigen Auftritt C.B. MURDOCs höflich aus. Sicher nicht zuletzt deshalb, weil sich immer wieder erahnen lässt, dass der verzwickte Death/Thrash/Djent-Bastard eigentlich ganz geil sein könnte und hier einfach wegen unbekannter Songs und widerlicher Soundmatsche völlig chancenlos bleibt. Schade für alle Beteiligten.






Nicht, dass DECAPITATED grundsätzllich ein besseres Los gezogen hätten, was ihren Sound angeht. In erster Linie wird es einfach lauter, als die Polen um viertel vor neun die Bühne betreten. Dennoch haben sie vergleichsweise leichtes Spiel: Fanbasis, bekannte Songs, weniger Leute auf der Bühne und eine mordsmäßig tight agierende Mannschaft. Zwar bleibt der Gesamtklang ein Ärgernis sondergleichen – zwischen den unteren Mitten der Gitarren und der Bassdrum verschwimmt alles zu einem dumpfen Gemumpfe – aber das Quartett lässt sich davon nicht beirren und haut einen präzisen Deathmetal-Kracher nach dem anderen in die Halle, während der mit imposanten Dreadlocks ausgestattete Neu-Vokalist Rafal Piotrowski sich als sympathische Rampensau erweist. Keine Ahnung, wie viele der Anwesenden die alte Besetzung von DECAPITATED live gesehen haben, es dürften aber angesichts des Durchschnittsalters einige dabei sein. Mir selbst fehlt der Vergleich leider. So oder so – DECAPITATED mögen nach dem grässlichen Unfall 2007 eine andere Band sein. Eine verdammt gute Band sind sie jedoch nach wie vor und ein mehr als würdiger Anheizer für MESHUGGAH sowieso.






Die haben auch endlich mal vernünftigen Sound, als sie kurz nach zehn mit ihrem Set beginnen. Und das Hamburger Publikum haben sie auch sofort im Sack, ohne sich dafür ein Bein ausreißen zu müssen. Denn es ist nicht zu übersehen: MESHUGGAH werden älter. Viel bewegt hat sich die Saitenfraktion ohnehin nie, aber auch der glatzköpfige, vollbärtige Jens Kidman, auf dem der Großteil der „Show“ ruht, macht längst nicht mehr das durchgedrehte Klappmesser auf der Bühne. Das macht aber nicht nur nichts, sondern verleiht den unbarmherzigen, sich windenden Riffkaskaden und Stakkatoattacken der Band eher noch mehr Reiz. Die Band verschwindet hinter ihrer Musik. Eine perfekt abgestimmte Lichtshow tut ihr Übriges. MESHUGGAH live, das ist anno 2012 gleichbedeutend mit erbarmungslos präziser, wuchtiger Maschinenmusik. Ein Sound wie lebendiger Stahl, der auf deinen schwachen Geist und Körper weder Rücksicht nehmen kann noch will, egal ob die Stücke nun „Break Those Bones Whose Sinews Gave It Motion“, „Combustion“, „Glints Collide“, „Rational Gaze“ oder „Bleed“ heißen. Hier verschmelzen sie sowieso zu einer langen Riff-Orgie, in der Hamburg begeistert aufgeht. Mit einem Mal ist der offizielle Teil – mit über einer Stunde nicht einmal sonderlich kurz geraten – schon vorbei und das unvermeidliche „Future Breed Machine“ leitet die Zugabe ein. Und dann geht die Maschine aus und die Menschen wieder an – Kidman, Hagström, Haake, Lövgren und Thordendal grinsen wie die Honigkuchenpferde, schütteln noch ein paar Hände, verschenken Sticks und Plektren und verschwinden. Djent-Kapellen gibt es mittlerweile zuhauf, aber Auftritte wie dieser lassen keine Frage offen: Wenn Maschinenkult, dann MESHUGGAH.

grim_rieper

Autor: Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper] | 24.11.2012 | 00:54 Uhr
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