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Datum: 20.03.2016Stadt: Bochum




Einer der kuriosesten, aber gleichzeitig unterhaltsamsten Release-Show-Nachmittage spielt sich am 20. März im Bochumer Rockpalast ab. Weil MYSTIC PROPHECY kurzfristig von der ORDEN OGAN Tour abgesprungen sind, da es vertragliche Unstimmigkeiten gegeben hat, spielen sie halt am Erscheinungstag des neuen Albums „War Brigade“ nicht mit den Oganisten in der Matrix, sondern zwei Tage später im Rockpalast. Besonderes Schmankerl: Leute, die am Freitag bei ORDEN OGAN waren, dürfen mit ihrem abgerissenen Ticket auch die Release-Show der bayrischen Energiebündel besuchen.

Eröffnet wird der Reigen von den sagenhaften GOD'S ARMY, deren Songs so eine Art Bindeglied zwischen IRON MAIDENs „Killers“ und „The Number Of The Beast“ darstellen.




Tolle Twin-Guitars und energetische Riffs bringen Hymnen wie „Gods Must Be Crazy“ oder Ballernummern wie „The World That Never Was“ perfekt zur Geltung. Würde man nun noch Paul Di Anno dazu überreden, als Sänger einzusteigen, hätten Steve Harris' Jungs künftig ein echtes Problem.

Nach der NWoBHM-Vollbedienung setzt es eine Ladung Bratgitarren, die sich gewaschen hat. Auch, wenn die Rockpalast-Bühne alles andere als üppig ausfällt, wirbeln die mystischen Propheten über die Bretter wie der Teufel auf der Flucht vor dem Weihwasser.




Sänger Lia dirigiert die Fans, als stünde er vor mindestens 70.000 ausrastenden Bangern in Wacken, während das Gitarrendoppel Markus/Laki die Mähnen auf Dauerrotation stellt, Drummer Tristan mir vor Begeisterung mit seinem Mörderpunch beinahe die Trommelfelle geschrottet hätte und Neu-Bassistin Joey Roxx abgeht wie die sprichwörtliche Luzie.




Die Setlist ist entgegen der Annahme, dass hier ein Großteil des neuen Albums dargeboten wird, ein Best Of-Programm, das mit „Metal Brigade“, „The Crucifix“ und dem TOM JONES-Cover „Sex Bomb" lediglich drei Tracks des neuen Albums „War Brigade“ enthält. Das ist etwas schade, weil neue Killertracks wie „Follow The Blind“, „Burning Out“ oder „Good Day To Die“ definitiv einen Platz in der Setlist verdient hätten. Aber was soll man groß meckern, wenn man dafür „Ravenlord“, „We Kill, You Die“, „Killhammer“ oder das großartige „Hell And Back“ mit einer Spielfreude um die Lauscher gepustet bekommt, dass man sich fragt, ob ORDEN OGAN nicht sogar ganz gut damit bedient sind, dass MYSTIC PROPHECY auf der aktuellen Tour nicht vor ihnen auf die Bühne gehen?




Für die Rockpalast-Besucher ist diese Show jedenfalls ein unverhofftes kleines Highlight zum Sonntags-Tee, das sie nach dem Konzertende mit einer minutenlangen Rezitation des neuen Hits „Metal Brigade“ goutieren, was die Band ehrlich zu rühren scheint. Und auch die Tatsache, dass alle Shirts am Merch-Stand für ultra-faire zehn Euro angeboten werden, zeigt die Verbundenheit der Truppe zu ihren Anhängern. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs plus Mädel mit dem sehr guten „War Brigade“ ein paar Briketts in Sachen Popularität nachlegen können. Verdient haben sie es schon lange.


Mattaru

Autor: Marcus Italiani [Mattaru] | 25.03.2016 | 22:45 Uhr
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