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Datum: 26.05.2008Stadt: Lindau




Seit dem Erscheinen der noch aktuellen Scheibe “Smear Campaign” haben NAPALM DEATH ein Konzert- und Tourpensum an den Tag gelegt, dass den meisten anderen Bands schwarz vor Augen werden könnte. Kein großes Wunder also, dass sich die Jungs von der Insel vor den Aufnahmen zum nächsten Machwerk noch einmal auf eine große Tour durch hiesige Gefilde begeben. Doch nicht nur das, denn mit im Gepäck haben sie noch die Death-Walze SUFFOCATION und die Thrash-Hoffnung WARBRINGER, sodass sich insgesamt ein ausgewogenes musikalisches Paket für einen schwülwarmen Maiabend in Lindau ankündigen sollte.

Da im Zuge der Campaign For Musical Destruction 2008 Tour noch ein längeres Interview mit allen drei beteiligten Bands ansteht, fällt für den anwesenden Redakteur jedoch der lokale Opener DAKSINROY unter den Tisch, sodass der Einstieg in den Konzertabend pünktlich mit WARBRINGER erfolgt.




.: WARBRINGER :.
Die Jungs aus Kalifornien haben gerade mal ein Album, „War Without End“, auf dem Buckel und werden von manchen fast schon als die neuen SLAYER gehandelt. Old School Thrash Metal at its best, bei dem die weißen Turnschuhe natürlich nicht fehlen dürfen, steht somit auf der Tagesordnung. In Anbetracht der Tatsache, dass WARBRINGER zum ersten Mal überhaupt in Europa touren, und dann auch noch mit zwei Schwergewichten wie SUFFOCATION und NAPALM DEATH, machen sie ihre Sache während der gebotenen halben Stunde völlig überzeugend. Das Vaudeville hat sich bereits ansehnlich gefüllt und es befinden sich sowieso erstaunlich viele Leute vor der Bühne, obwohl nur die wenigsten Anwesen WARBRINGER überhaupt kennen dürfen, was umso positiver für das Quintett zu werten ist. Die Jungs um Shouter John, der mit seinem BATHORY-Shirt verwachsen zu sein scheint, bieten somit einen energiegeladenen und spielfreudigen Auftritt, der einen bunten Querschnitt der aktuellen Scheibe, zum Beispiel „At The Crack Of Doom“, beinhaltet. Ingesamt gibt es wenig bis nichts an der Leistung der Thrasher auszusetzen, zumal die Songs live eine Ecke besser als auf CD funktionieren und auch interessanter wirken. Zweifellos ein guter Auftakt des Abends und einige neue Fans für WARBRINGER!




.: SUFFOCATION :.
Lange ist es her, seit SUFFOCATION eine wirklich ausgedehnte Tour in Europa gespielt haben, da sich die Band in letzter Zeit vielmehr auf Festivals und circa einwöchige Abstecher über den großen Teich eingeschossen hat. Da das neue Album „Blood Oath“ noch nicht in trockenen Tüchern ist, gibt es songtechnisch keine wirklichen Überraschungen zu erwarten, aber wer die US-Amerikaner schon einmal live erlebt hat, weiß ganz einfach, dass SUFFOCATION eine der tightesten Bands sind, die sich im Death-Metal-Sektor tummeln. Von Gitarrero Terrance, der – mit inzwischen relativ lichtem Haupthaar – präzise ein Riff nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt, über Drummer Mike, der alles in Grund und Boden trommelt und sämtliche Fäden des Klangteppichs zusammenhält, bis zu Shouter Frank, der mit seinen irrwitzigen Gesten und seinem Handgewedel sowieso schon zur Szeneikone avanciert ist, ist ganz einfach Energie pur angesagt! Und das wäre nur die halbe Miete, wenn SUFFOCATION nicht auf ein großes Repertoire an Hits zurückblicken könnten, sodass die Spielzeit mit einer knappen Dreiviertelstunde zwar sehr kurz erscheint und leider einige sehr gute Songs nicht zum Zuge kommen, aber das Gebotene dafür natürlich allererste Güte ist. Selbstredend dürfen die Evergreens „Infecting The Crypts“, „Pierced From Within“ und „Catatonia“ nicht fehlen, während mit „Abomination Reborn“, „Entrails Of You“ und dem abschließenden „Bind Torture Kill“ drei Dampfwalzen des aktuellen Albums aufgetischt werden. Das Publikum feiert die souverän agierenden Jungs nach allen Regeln der Kunst ab und bedankt sich mit einem fetten Circle Pit, der wiederum Frank ein schelmisches Grinsen übers Gesicht huschen lässt. Leider ist schon viel zu früh Schluss und anscheinend ist auch kein Platz mehr für eine Zugabe – „Funeral Inception“ wäre eigentlich Pflicht! Ein insgesamt toller Auftritt, der zwar nicht gänzlich an andere Shows von SUFFOCATION heranreichen kann, aber immer noch einen Großteil der Todesblei-Bands verdammt alt aussehen lässt!




.: NAPALM DEATH :.
Nach den bereits formidablen SUFFOCATION fällt es der Grindcore-Institution NAPALM DEATH anfangs etwas schwer, die Meute wieder in Bewegung zu versetzen. Die Reihen erscheinen etwas gelichtet, während sich einige Hartgesottene zu einem großen Circle Pit versammeln und sich selbst sowie die Band gehörig abfeiern. Los geht es mit dem Intro „Weltschmerz“ und dem anschließenden „Sink Fast, Let Go“, während dem sich die Halle wieder mehr füllt – ausverkauft war das Vaudeville dennoch nicht – und die Fans sich von der Wucht des Quartetts überzeugen lassen. Wie immer ist Barney, der erneut mit intelligenten und sympathischen Ansagen glänzt, der agile Mittelpunkt der Show, während Mitch und Shane die Haare kreisen lassen, was das Zeug hält. Hit reiht sich an Hit, sodass „Suffer The Children“, „Deceiver“, „Unchallenged Hate“, „Scum”, „From Enslavement To Obliteration” und sogar die aus dem Archiv gekramten „It’s A M.A.N.S. World“ und „Unfit Earth“ abgefeuert werden, wobei die aktuellere Schaffensphase mit u.a. „Continuing War On Stupidity“, „Necessary Evil“, „Fatalist“, „Persona Non Grata“ und „When All Is Said And Done“ berücksichtigt wird. Bei der Hymne „The Code Is Red … Long Live The Code“ tritt beim Auftritt in Lindau dann leider nicht SUFFOCATION-Frank in Erscheinung, wie es augenscheinlich bei einem Teil der absolvierten Konzerte der Fall war, was Barney allerdings nicht daran hindert, mit einem verschmitzten Grinsen das bereits erwähnte Handgewedel anzudeuten. Im Zuge einer gewohnt deutlichen und mit Applaus begrüßten Ansage wird dann kurzerhand noch „Nazi Punks Fuck Off“ herausgebrüllt, sodass der Spuk nach gut 65 Minuten vorbei ist und wohl alle Anwesenden restlos erschöpft sind. An diesem Abend gibt es zwar keine allzu großen musikalischen Überraschungen – und das war auch nicht zu erwarten –, aber sicherlich wird niemand enttäuscht den Heimweg antreten, da das gebotene Material qualitativ schlichtweg eine Wucht ist und die Songs – bei besten Soundbedingungen – immer wieder aufs Neue zünden.

Jetzt gilt es allerdings, nach vorne zu blicken und sich auf die für den Spätherbst anvisierten neuen Studioscheiben von NAPALM DEATH und SUFFOCATION zu freuen, die bereits in der Mache sind. Und eine Tour wird dann sicher auch nicht lange auf sich warten lassen. Dazu kann als Fazit nur gesagt werden: bis bald & immer wieder gerne!

soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 28.05.2008 | 17:28 Uhr
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