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Datum: 13.12.2010Stadt: Würzburg



Wenn die großen, alten Herren des Grindcore von NAPALM DEATH zum vorweihnachtlichen Stelldichein bitten, dann lässt man sich das nicht zweimal sagen - schon gar nicht, wenn das Vorprogramm mit MACABRE und IMMOLATION nicht minder hochkarätig hatte besetzt werden können.

Nichtsdestotrotz ist die Würzburger „Posthalle“ vermittels Trennwand heute auf ein übersichtliches Viertel ihrer möglichen Kapazität reduziert und der damit geschaffene Raum von Club-Dimensionen zwar ordentlich gefüllt, aber dennoch alles andere als ausverkauft.
An den Supportacts kann das allerdings ebenso wenig liegen, wie an den ausgesprochen fairen Merchandise-Preisen, werden doch am letzten Abend dieser Tour die Textilien der teilnehmenden Musikschaffenden für schlanke zehn bis 15 € feilgeboten.
Nachdem, wie in letzter Zeit so oft, der überpünkliche Beginn und der Ausfall der ursprünglich noch als zusätzliche Vorband angekündigten Slam-Deathcoreler von WAKING THE CADAVER mir gekonnt einen Strich durch die Rechnung gemacht und der Auftritt der Murder bzw. Death Metal-Veteranen von MACABRE bereits ohne mich stattgefunden hatte, gehen eben gleich die New Yorker Technikdeather von IMMOLATION an den Start.


.: IMMOLATION:.
Die Vorfreude meinerseits war nicht unerheblich, denn obwohl das Quartett bereits seit 1986 in Death Metal-Kreisen agitiert und agiert, waren Live-Auftritte der Band hierzulande bislang eher eine Rarität.
Tatsächlich wird in Würzburg niemand enttäuscht, denn angeführt von einem gut gelaunten, sympathischen und mit wahrlich unglaublich langer Lockenmatte gesegneten Ross Dolan legt das unheilige Quartett aus Yonkers heute einen denkwürdigen und technisch einfach nur beeindruckenden Auftritt hin.
Die Riffs und Soli von Robert "Bob" Vigna und Kollege Bill Taylor kommen präzise und messerscharf, die Breaks sitzen, während Dolan und Drummer Steve Shalaty ein bombenfestes Fundament für den unnachahmlichen Mix aus Brutalo-Riffs und dissonant-destruktivem Technikgefiedel ihrer Axtmänner zimmern.
Auch wenn Vigna und Taylor sich showmäßig nicht unbedingt ein Bein ausreißen, was ihnen allerdings heute [bzw. am Ende einer mehrwöchigen Tour] wohl kaum verübelt werden kann, bekommt die anwesende Klientel dennoch den sprichwörtlich repräsentativen Querschnitt aus nahezu sämtlichen Alben der Amis geboten.
Angefangen von „Father, You're Not A Father“ [von „Close To A World Below“] über „Once Ordained“ von der dritten Scheibe, „Failures For Gods“ von 1999, den Titeltrack ihrer aktuellen Scheibe „Majesty And Decay“,“Passion Kill“ und „World Agony“ [beide von „Shadows in The Light“ von 2007], „Immolation“ [von ihrem 1991er Klassiker „Dawn Of Possession“], über „Close To A World Below“ von 2000 bis zu dem abschließenden „Power And Shame“, erneut von der aktuellen „Majesty And Decay“-Platte, das diesen Auftritt ebenso brachial wie denkwürdig ausklingen lässt.


.:NAPALM DEATH:.
Nach erfreulich kurzem Umbau und knappem Intro dann die Mitbegründer, ach was: Mutter allen Grindcores: NAPALM DEATH.
Nachdem vor ein paar Jahren Barneys Fitness etwas zu wünschen übrig gelassen hatte und er nach sprichwörtlich jedem Song pausieren und trinken musste, zeigt sich der ND-Frontmann heute auf der „Posthallen“-Bühne agil wie schon lange nicht mehr und tigert in einer Tour hin und her.
Nach „When All Is Said And Done“ von „Smear Campaign“ und einer Abrissbirne vom zweiten Album der Grind-Institution aus Birmingham gibt es die erste, wenn auch – ob seines immer noch ausgeprägten Slangs - nahezu unverständliche, so doch bestätigende Ansage von Mr. Greenway für alle, die sich bis zu diesem Moment vielleicht immer noch nicht nicht ganz sicher waren, ob sie auch wirklich auf dem richtigen Konzert sind, dass es sich bei ihnen tatsächlich um „NAPALM DEATH aus Birmingham, England“ handele und man heute v.a. ältere und/oder weniger bekannte Songs auf der Setlist berücksichtigen werde.

So weit, so gut – weiter geht’s im Blasteschritt u.a. mit „On The Brink Of Extinction“ von der immer noch aktuellen „Time Waits For No Slave“-Scheibe, gefolgt von „Utopia Banished“, „Mass Appeal Madness“, „Pride Assassin“, dem SIEGE-Cover „Conform“, dem RAW POWER-Cover „Politicians“ [jeweils nachzuhören auf den beiden „Leaders Not Followers“-EPs], dem immer noch zwingenden „Greed Killing“ [von ihrer „Diatribes“-Platte von 1994], „Scum“ und „Control“ [beide von 1987] und dem üblichen Pflichtprogramm, also dem DEAD KENNEDYS-Evergreen „Nazi Punks Fuck Off!“.
Barney bedankt sich zwischendurch gewohnt höflich [„Thank you, too kind, very kind!“] und umgänglich, plaudert mit dem Publikum, während Gitarrist Mitch Harris dafür öfters mal die Haare fliegen lässt, souverän seine Keifparts am Mikro abliefert, Shane Embury mit Plautze, Wallemähne und Mönchstonsur stoisch, aber ebenfalls nicht unfreundlich, seinen Bass zupft und Trommler Danny Herrera eben trommelt und blastet, als gäbe es kein morgen.



Logisch, dass es als Dreingabe noch „Suffer The Children“ vom legendären 1990er „Harmony Corruption“-Manifest und schließlich auch noch „Instinct Of Survival“ geben muss.
NAPALM DEATH beweisen wie eigentlich immer, dass sie eine verlässliche und unverzichtbare Macht in Sachen politisch zwar korrekter, aber allzeit kritischer Grindcore und die unantastbaren Meister der fettesten und mitreißendsten Moshparts EVER sind und bleiben: heute, gestern und [hoffentlich] auch noch morgen.

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 01.01.2011 | 01:05 Uhr
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