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Datum: 21.11.2010Stadt: Basel [CH]




„Time Waits For No Slave”, die noch aktuelle Scheibe von NAPALM DEATH, hat inzwischen fast zwei Jahre auf dem Buckel, und seit der Veröffentlichung touren sich die englisch-amerikanischen Grindcore-Urgesteine den Allerwertesten ab und müssten inzwischen eigentlich an so ziemlich jeder Steckdose auf dieser Welt gespielt haben. Dennoch kein Hindernis, vor den Arbeiten am Nachfolger noch einmal eine komplette Europatour zu fahren, dabei aber vor allem die Setlist umzukrempeln und vermehrt alte Stücke aufzunehmen – etwas, mit dem sie bei den Fans sowieso offene Türen eintreten dürften. Mit im Gepäck übrigens noch die altgedienten US-Hochkaräter IMMOLATION und MACABRE sowie die Brutal/Slam-Deather WAKING THE CADAVER, die den bunten Reigen eröffnen dürfen. Den wir beim Schauspiel im Sommercasino zu Basel auch prompt verpassen, da nicht nur der Einlass tatsächlich schon um 18 Uhr [!] stattfand, wohl durchaus berechtigt arbeitnehmerfreundlich an einem Sonntagabend, sondern um kurz nach 19 Uhr bereits mit MACABRE die zweite Band auf den Brettern steht.



.: MACABRE :.
Und die fackeln nicht lange, sondern wissen sowieso seit 25 Jahren, was sie zu machen haben. Mal davon abgesehen, dass die drei Musiker so unglaublich gut aufeinander eingespielt sind, dass es eine wahre Freude ist – vor allem Dennis The Menace leistet am Schlagzeug wieder Unglaubliches und spielt beeindruckend sauber. Schade dennoch, dass nicht wirklich Bewegung in das Publikum kommen möchte und auch der Raum vor der Bühne eher überschaubar gefüllt ist, denn die meiner Meinung nach immer noch sträflich unterbewerteten MACABRE hätten auf jeden Fall mehr Zuspruch verdient. Soundtechnisch passt hier alles, die spannenden „Ghost Walk“-ähnlichen Ansagen von Corporate Death zu den Hintergründen der Stücke lockern das Ganze wie gehabt auf, und solche Stücke wie „Albert Was Worse Than Any Fish In The Sea“, „The Iceman“, „The Hitchhiker“, „Scrub A Dub Dub“ und „Vampire Of Düsseldorf“ haben sowieso Klassikerstatus. Hinzu kommen dann noch einige Stücke des in Kürze erscheinenden „Grim Scary Tales“, unter anderem „Nero’s Inferno“ und „Burke & Hare“ – die CD dazu gibt’s übrigens fanfreundlich schon zwei Monate vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin am Merchandise-Stand zu ergattern. Sehr schön! Und nach gut 40 Minuten ist dann auch schon wieder Schicht im Schacht bei den drei Herren aus Chicago, und auch wenn während des Auftritts ein bisschen mehr Euphorie nicht schlecht gewesen wäre, zeigt der lang anhaltende Applaus, dass MACABRE hier im Sommercasino vieles richtig gemacht haben!



.: IMMOLATION :.
Weiter geht’s nach einer kurzen Umbaupause und quasi zur sonntäglichen „Tatort“-Zeit bereits mit den New Yorker Deathern von IMMOLATION, die ebenfalls schon seit über 20 Jahren in der Szene unterwegs sind. Und auch wenn mir die Truppe um Ross Dolan – mit mehr als imposanter Matte – nach wie vor nicht so ganz auf CD in den heimischen vier Wänden reinlaufen wollen, wobei jedoch das aktuelle „Majesty And Decay“ schlichtweg klasse ist, muss ich doch gestehen, dass ich noch keinen schlechten Auftritt von IMMOLATION gesehen habe. Und dies bewahrheitet sich auch in Basel, denn was die vier Amis hier vom Stapel lassen, ist nicht nur professionell ohne Ende, sondern zieht einen schon ab der ersten Minute in seinen Bann. Mit einer spielerischen Sicherheit und Souveränität, dass einem die Kinnlade herunterklappt, wüten sich die vier Musiker, allen voran wieder Robert Vigna mit seinem charismatisch-hektischen Gitarrenspiel, durch ihr Material, dass es nur so kracht. Bei besten Soundbedingungen gibt es dann einen bunten Querschnitt, so zum Beispiel „Majesty And Decay“, „Power And Shame“, „Passion Kill“, „World Agony“ und auch einige Ausflüge zu „Close To A World Below“, und zudem mit „Immolation“ noch einen Old-School-Ausflug zum „Dawn Of Possession“-Album. Hier sitzt einfach alles, jeder einzelne Ton ist dort, wo er hingehört, keine Frage. Dennoch ist das Publikum wieder bis auf wenige Ausnahmen eher verhalten, was Ross einige Male dazu veranlasst, die Leute zum Abgehen oder zumindest zum Aufrücken zu bewegen, sie würden ja schließlich nicht beißen. Fazit: Ein rundum gelungener Auftritt von IMMOLATION, d.h. der beste, den ich bislang von den Jungs gesehen habe. Hammer!



.: NAPALM DEATH :.
Diesmal dauert die Umbaupause zwar gute 30 Minuten, der Soundcheck braucht eben seine Zeit, aber dennoch beginnen NAPALM DEATH bereits um 21.30 Uhr ihr Set, das so einige Überraschungen bereithält. Wie von der Tarantel gestochen fegt Barney über die Bühne – irgendwie beeindruckend, wie spielfreudig und intensiv NAPALM DEATH auch nach all den Jahren immer noch auf der Bühne sind! Natürlich gibt es die üblichen Ansagen in Sachen Politik und Religion, aber dennoch ist immer wieder Platz für augenzwinkernde Kommentare und die spontane Interaktion und Witzelei mit dem Publikum, oder es wird auch mal Schlagzeuger Danny ausgelacht, warum er denn nach 40 Minuten aufstehe, er würde ja wohl kaum ernsthaft denken, er sei schon fertig für heute oder was? Und das sind ganz einfach wichtige Entertainer-Qualitäten, die NAPALM DEATH zusätzlich ausmachen. Hinzu kommt eine kleine Zeitreise, denn auch wenn die letzten Alben mit Stücken wie „When All Is Said And Done“ oder „On The Brink Of Extinction“ gewürdigt werden, ist die Setlist für diese Tour gehörig auf „oldschool“ getrimmt worden. So zum Beispiel das geniale „The World Keeps Turning“ von „Utopia Banished“, „Greed Killing“, „Mentally Murdered“, „Continuing War On Stupidity“, „Hung“ und die Coverversionen „Conform“ [SIEGE] und „Politicians“ [RAW POWER] von „Leaders Not Followers”. Außerdem natürlich noch das Pflichtprogramm à la „You Suffer“ – sehr geil und überraschend rausgeprügelt –, „Scum“ oder „Lucid Fairytale“, aber auch „If The Truth Be Known“ aus „Harmony Corruption“-Zeiten; und da darf auch der Klassiker „Suffer The Children“ nicht fehlen, bei dem der Moshpit noch einmal steil geht und die letzten Reserven mobilisiert werden. Sehr fein, und nach 65 Minuten ist auch schon wieder Schluss mit dem Spektakel, das anfangs ein wenig unter dem höllisch lauten Gitarrensound leidet, zu dem sogar Klampfer Mitch Harris ein etwas mürrisches „Guitars down! It’s just fucking LOUD…“ erklingen lässt. Ansonsten stimmt hier jedoch alles, denn NAPALM DEATH liefern in Basel einen schlichtweg großartigen Auftritt ab, der vor allem die alten Fans begeistert haben dürfte. Diese Band hat einfach noch längst nicht alles gesagt! Wer das nicht glaubt, sollte sich auf der laufenden Tour unbedingt vom Gegenteil überzeugen; alle anderen gehen sowieso hin, und zwar aus gutem Grund!



soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 22.11.2010 | 21:34 Uhr
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