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Datum: 29.10.2009Stadt: Frankfurt

Mit einem hochklassigen und vor allem interessanten Package konnte die Neckbreakers Ball Tour dieses Jahr zahlreiche Metal Fans in die Hallen locken. Mit den US Metallern von DEVILDRIVER und der polnischen Death Metal Institution BEHEMOTH konnte man zwei der derzeit wohl interessantesten und einflussreichsten Metal Acts für diese Double Headliner Tour gewinnen. Unterstützt werden sie von den schwedischen Metallern von SCAR SYMMETRY und den US Death-Thrashern ARSIS. Dank Dayjob und Verkehrschaos kann ich mich leider von den ARSIS-Livequalitäten nicht überzeugen, sondern erreiche erst pünktlich mit den ersten Klängen von SCAR SYMMETRY die Hallen der bereits ordentlich gefüllten Batschkapp.

.: SCAR SYMMETRY :.

Die Schweden haben hörbar einige Fans mitgebracht, die sich lautstark einbringen und den kompletten Gig abfeiern, als gäbe es kein Morgen. Soundtechnisch und spielerisch lassen die sechs Prog Metaller nichts anbrennen. Fans der Band mögen es mir verzeihen, aber persönlich kann ich nicht allzu viel mit dem teils recht sperrigen und manchmal auch langatmigen Material anfangen, wobei man nicht umhin kann, zu sagen, dass hier Könner am Werk sind, die nicht nur ihre Instrumente beherrschen, sondern auch in der Lage sind, live die Puppen tanzen zu lassen.

.: BEHEMOTH :.

Nach erfreulich kurzer Umbauzeit ist die Batschkapp Stage dann in ein düsteres Ambiente gehüllt. Kurzes Intro und BEHEMOTH stürmen mit "Ov Fire And The Void" die Bretter. Trotz kurzer Soundprobleme haben ein besonders agil wirkender Nergal und seine Mannen das Publikum schnell im Griff. Eingetaucht in dichten Nebel und Rotlicht, zelebrieren BEHEMOTH ihre Songs präzise wie ein Uhrwerk. Und wirken dabei zwar routiniert, aber auch extrem spielfreudig. Der Sound ist mittlerweile perfekt und selbst Orions Bassgewitter kommt glasklar aus den Boxen, angepeitscht vom gewohnt tighten highspeed Drumming von Inferno. Ein extrem gut gelaunt wirkender Nergal sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum und beweist auf sympathische Weise, dass man düsteren Death/Black Metal auch glaubhaft rüberbringen kann, ohne dass man die ganze Zeit nur starr und böse dreinschauend hinterm Mikro steht.
Das Augenmerk wird besonders auf die letzten drei Longplayer gelegt und so feuert das Quartett mit Songs wie "At The Left Hand Ov God", "Shemaforash", "Slaves Shall Serve" oder "Conquer All" erbarmungslos einen Hit nach dem anderen ab. Das düstere "Lucifer" beendet dann einen erstklassigen, leider zu kurzen Gig. BEHEMOTH haben hier eindrucksvoll gezeigt, warum sie derzeit einer der angesagtesten Death Metal Acts des Planeten sind. Beide Daumen nach oben! Leider war die Reaktion des Publikums für meine Begriffe ein wenig zu verhalten angesichts dieses wirklich hervorragenden Auftritts der vier Polen, was vielleicht daran lag, dass viele der angereisten DEVILDRIVER Fans, welche heute eindeutig in der Überzahl waren, nicht wirklich warm wurden mit dem BEHEMOTH Material – aus welchem Grund auch immer.









.: DEVILDRIVER :.

Nach einer wiederum relativ kurzen Umbaupause steht dann also der heutige Headliner DEVILDRIVER aus Kalifornien auf dem Plan. Da BEHEMOTH die Latte sehr hoch gelegt haben, bin ich gespannt, ob DEVILDRIVER dieses Niveau halten können. Um es vorweg zu nehmen, sag ich mal – jein. Der Opener "End Of The Line" bringt die mitgereisten Fans gleich in Stimmung und offenbart leider auch direkt, woran es heute bei DD hakt. Der Sound. Keine Ahnung, warum ein bandeigener Soundtechniker in der Batschkapp einen derart drucklosen Brei produziert. Die Gitarren sind so leise, dass man meint, die Musiker wollen sich auf der Bühne noch unterhalten. Das ansonsten so dynamische Drumming von John ist streckenweise nur zu erahnen und der Bass findet nur optisch statt. Leider wird es im Laufe des Sets auch nicht wirklich viel besser. Die Mannen um den charismatischen Frontmann Dez Farfara lassen sich natürlich davon nicht beirren und zeigen mit Songs wie "Clouds Over California", "Not All Who Wander Are Lost", "Hold Back The Day", "These Fighting Words" oder dem fantastischen "Pray For Villains", was eine modern Metal Harke ist. Vor allem Dez sorgt mit seinem gewohnt sympathischen Stage Acting für gute Laune bei allen Anwesenden und natürlich dürfen die obligatorische Wall of Death und die für DD typischen Circle Pits nicht fehlen.

Ein bisschen schade finde ich, dass die hervorragende neue Scheibe etwas kurz kommt. Songs wie z.B. "I've Been Sober" vermisse ich leider schmerzlich – aber bei der Hitdichte der DEVILDRIVER Alben ist es bei nur knapp 60 Minuten Spielzeit auch schwierig, alles unterzubringen. Den überwiegend recht jungen DD Fans ist das jedenfalls egal - sie feieren ihre Helden ordentlich ab. Mit einem “Thank you so much, Frankfurt" verabschiedet sich Dez dann vom Publikum und hinterlässt zufriedene Gesichter. Eigentlich ein klasse Gig der Kalifornier, wenn da nicht dieser Sound gewesen wäre, der leider über den kompletten Auftritt nie zu überzeugen wusste – sehr, sehr schade.





Als Fazit bleibt zu sagen, dass man an diesen Abend mit BEHEMOTH und DEVILDRIVER zwei der momentan sicherlich besten Metal Acts zu sehen bekam und beide ihren Status mit starken Sets eindrucksvoll untermauerten. Als Punktsieger gingen heute meiner Meinung nach BEHEMOTH, nicht zuletzt aufgrund des wesentlich besseren Sounds, hervor. SCAR SYMMETRY wirkten auf mich etwas befremdlich in diesem Package. Alles in allem also ein wirklich gelungener Metal Abend, der eigentlich nur etwas durch die Soundprobleme bei DEVILDRIVER getrübt wurde, sowie die - meiner Meinung nach - zu kurze Spielzeit der beiden Headliner.

Carsten Kachelmus

Autor: Thomas Kleinertz [shub] | 10.11.2009 | 08:37 Uhr
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