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Datum: 24.02.2003Stadt: Frankfurt

Vergangenheitsbewältigung. Zu Zeiten, als kaum jemand den Namen OPETH kannte und mir jeder mit „Was’n das für n langweiliger Kram?“ die Laune vermiesen wollte, war ich mit Leib und Seele Fan dieser außergewöhnlichen Band die vor einigen Jahren noch ein rechtes Schattendasein fristen mußte. Nach dem absolut genialen „My arms, your hearse“, das bei mir immer noch einen Ehrenplatz im CD Schrank hat, kam das eher gefällige und glatte „Still Life“ daher – und der Funke wollte einfach nicht überspringen! Dazu noch der Hype – plötzlich kannte und hörte jeder OPETH – und ich steckte die Band leicht geknickt in die „Schön war’s aber nun isses vorbei“ - Ecke. Selbst Bekannte, die mir versichtern daß „Blackwater Park“ ein echter Hammer sei konnten mich nicht dazu bewegen mich der Band wieder zu nähern.

Gut ein-zwei Jahre später befinde ich mich, durch meinen besten Kumpel angestachelt, auf dem Weg zum einem Konzert der Band. Er, um sich ein Bild von den umjubelten Shootingstars zu machen und ich, um einen netten Abend zu verbringen und vielleicht den „Herbstdämonen“ (Demon Of The Fall) mal live zu hören. Die Frankfurter Batschkapp ist prallgefüllt, die anwesende Meute in schlichtes schwarz gekleidet und der Prozentsatz der anwesenden Damen deutlich höher als bei einem durchschnittlichen Metalgig. Was die lokale "Prominenz" angeht, fanden sich in der Menge HANDS OF FATE - Frontwusel Zigor, der uns u.a. mit einer göttlichen MARDUK – Parodie beglückte und das Legacy-Forum-Lästermaul Azriel, der sich bereits mächtig auf den Opener freute. MADDER MORTEM hatten anscheinend einen guten Tag erwischt; der Sound saß und man sprühte vor Spielfreude. Auch wenn die Musik der Band auch weiterhin für äußerst geteilte Meinungen sorgen wird, lieferten die Jungs und das Mädel eine passable Show ab, die vom anwesenden Publikum mit etwas mehr als nur Höflichkeitsapplaus hornoriert wurde. Sängerin Agnete, die schon optisch wenig mit den gewohnten Gothicträllereulen zu tun hat, konnte stimmlich mit einer einwandfreien Leistung glänzen – Schwächen waren von ihrer Seite nicht auszumachen, allerdings war der kraftvolle Gesang der Fronterin an einigen Stellen für die Soundanlage zu viel. Das „Deadlands“ Highlight „Resonatine“ wurde, wie erwartet, aufgrund der Länge des Songs nicht gespielt, dafür konnten sich die geneigten Hörer über Songs wie „Jigsaw“, „Faithless“ und den „All Flesh Is Grass“ Titel „Breaker Of Worlds“ freuen, der an diesem Abend um einiges besser Klang als auf Konserve und ganz klar das Highlight des MADDER Auftritts darstellte.

Nun folgte eine kurze Pause, in der nach Herzenslust geblödelt wurde, dann betraten OPETH das Geschehen und zogen die anwesenden Metalheads sofort mit musikalischer Brillianz in ihren Bann. Da saß jeder Griff, jede Note und ließ niemanden unbeeindruckt. Matten flogen, Köpfe und Füße wippten, Kinnladen fielen und schlossen sich wieder.
Den gigantischen Beifall quitierte Sänger Mike, der mit seinem Vollbart mittlerweile um einiges erwachsener und zudem ein wenig hamsterhaft aussieht, mit einem schüchternen „Danke chöön.“. Überhaupt merkte man der gesammten Band in keiner Weise die bekannte Superstar-Arroganz an, man gab sich äußert publikumsnah, was die Truppe umso sympathischer machte. Bei der Songauswahl war man sehr fexibel; es wurden sowohl Titel der älteren Alben gespielt, als auch Stücke der neueren Werke, wie z.b. dem aktuellen Studioalbum „Deliverance“. Entgegen meiner anfänglichen Skepsis war auch ich äußert begeistert von der Livehaftigkeit dieser Band und fand sogar Gefallen an den „geächteten“ „Still Life“ Titeln, die hier um einiges knackiger aus den Boxen tönten. OPETH regierten für diesen Abend die Batschkapp und es gab wohl kaum jemanden der an diesem Abend hätte bestreiten wollen, eine der besten Bands, wenn nicht DIE Band überhaupt dort auf der Bühne zu sehen. Nach Ende des offiziellen Sets ließ sich die Band noch für ein paar Zugaben zurrück auf die Bühne holen. Sehr zur Freude der Fans spielte man „Harvest“ und natürlich „Demon Of The Fall“ bei dem eimal mehr die spielerische Kompetenz und der geniale Wechselgesang des Fronters glänzen konnten. Alles in allem ein überaus gelungener Abend mit einem soliden Opener und einem einfach nur göttlichen Hauptakt, der an diesem Abend nicht nur einen ganzen Haufen Metalheads glücklich gemacht hat sondern auch einen alten Fan wieder zurückerobern konnte.

sOULiON, Livepics by Trabi

Autor: Werner Heinz [sOULiON] | 09.03.2003 | 23:53 Uhr
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