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Datum: 02.12.2009Stadt: Würzburg



Mit dem Billing der letzten „Persistence“-Tour des Jahres 2009 wurde mit dem Schulterschluss von alter Garde, personifiziert durch AGNOSTIC FRONT und BIOHAZARD, mit dem eher melodischen New School-HC von IGNITE und jüngeren Metalcore-Recken wie WALLS OF JERICHO und EVERGREEN TERRACE ein gelungener Schachzug von Seiten der Veranstalter vollzogen, denn damit kriegt man ja letzlich fast alle Core-Anhänger zusammen und somit auch die Hallen voll...!

Nachdem es allerdings am heutigen Mittwoch ein mehr als volles Programm abzuarbeiten gilt, geht es bei einer Großveranstaltung wie dieser natürlich dementsprechend pünklich los, weswegen NO TURNING BACK und auch die Metalcoreler von EVERGREEN TERRACE mit ihrem jeweiligen musikalischen Beitrag schon durch sind.


.:DEATH BY STEREO:.
Somit beginnt der Abend für mich heute in der ordentlich gefüllten Würzburger Posthalle zunächst mal mit DEATH BY STEREO, die zunächst noch eine ordentliche Lücke vor der Bühne klaffen haben,was sich aber, dank des vollen Körpereinsatzes von Frontmann Efrem Schulz [ganz alte Schule mit Bandana], der auch mal mitten im Publikum singt, zügig ändert. Neues von ihrer aktuellen „Death Is My Only Friend“-Scheibe wie „Ballad Of Sid Dynamite“, „I Sing For You“ und ältere Smasher verursachen schließlich doch noch den ersten Circle Pit des Abends.


.:WALLS OF JERICHO:.
Auch wenn man im Zuge der immer noch aktuellen Platte „The American Way“ dieses Jahr bereits mehrfach in unterfränkischen Breiten gewütet hatte, ist so ein WALLS OF JERICHO-Auftritt doch immer wieder für einen ebenso flotten wie gewalttätigen Circle Pit gut.
Ansonsten nicht wirklich viel Neues bei Frontsirene Candace [heute mit Pippi Langstrumpf-Zöpfen] und ihren Jungs, die nach wie vor keine Gefangenen machen, sondern ihre SLAYER-lastigen Metalcore-Hymnen von „A Trigger Full Of Promises“ bis „[Fuck] The American Dream“ souverän brutal und absolut tight in die moshende Menge ballern.


.:AGNOSTIC FRONT:.
Innovativ ist auch ein AF-Gig erfahrungsgemäß nicht unbedingt, denn statt vieler Worte hagelt es auch heute wieder einen gediegenen Mix an Hardcore-Mosh-Schlagern aus sämtlichen Schaffensperioden der New Yorker Hardcore-Ikonen.
Ganzkörpertattoo Roger Miret ist heute erstaunlich gut bei Stimme und offenbar auch fit wie ein Turnschuh, bei der Anzahl an Kilometern, die er heute auf der Bühne zurücklegt.
AF-Gründungsmitglied und -Gitarrist Vinnie Stigma, der ja schon länger so alt aussieht, wie er auch ist, ist ebenfalls nicht nur sichtlich gut drauf, sondern feiert heute Abend auch noch seinen 54. Geburtstag auf der Bühne und lässt sich vom „Persistence“-Mob ein „Happy Birthday To You“-Ständchen bringen.
Highlights der Setlist umfassen „For My Family“ [von der immer noch aktuellen „Warriors“], „Friend Or Foe“, „Crucified“ und natürlich das aus allen Kehlen mitgebrüllte „Gotta Go“.


.:BIOHAZARD:.
Was hatte man von diesem Brooklyn-Vierer nach diversen Umbesetzungen, dem offiziellen Split und einigen, eher schwachen Alben vor seiner großen Reunion noch zu erwarten?
Zu meinem Erstaunen tatsächlich nicht viel weniger als eine recht gelungene Best Of-Show voll alter Hits wie „Shades Of Grey“, „What Makes Us Tick“, „Urban Discipline“, „Love Denied“ oder „Wrong Side Of The Tracks“.
Die Band um Basser/Sänger Evan Seinfeld scheint sich, nach dessen Ausflug ins Adult Entertainment bzw. nach ihrer Reunion in Original-Besetzung, tatsächlich wieder aufs Musikmachen konzentrieren zu wollen, denn nicht nur wird zunächst der BAD RELIGION-Klassiker „We're Only Gonna Die“, sondern im Anschluss auch noch, mit stolzgeschwellter Brust, der BIOHAZARD-Beitrag zum Dimebag-Tribute, nämlich PANTERAs Smasher „Mouth For War“ recht anständig gecovert. Mit „Vengeance Is Mine“ gibt es zu allem Überfluss sogar noch einen brandneuen Song vom angedrohten neuen Album, das nächstes Jahr erscheinen soll.
Ob die Welt allerdings nach dem seinerzeit letzten Album vor dem Split der Band, „Means To An End“, tatsächlich noch eines weiteren BIOHAZARD-Albums bedarf, mag indes mal dahingestellt bleiben...
Die Boyz aus Brooklyn reagieren ob der eher mäßigen Begeisterung des „Persistence“-Publikums auf ihre neue Komposition jedenfalls ziemlich angepisst und Oberproll Evan bietet einem respektlosen Fan in den vorderen Reihen dann auch gleich mal Prügel an, schließlich sei man nicht aus den Staaten hergeflogen, um sich beleidigen zu lassen. Bei einer Band, die schon so lange dabei ist wie BIOHAZARD, zeugt soviel Fannähe von echter Professionalität, auch wenn es letzlich statt Haue bzw. körperlicher Züchtigung doch nur akustisch „Punishment“ und als Abschluss „Hold My Own“ gibt, beides von ihrem Klassiker „Urban Discipline“ von anno 1992.


.:IGNITE:.
Nachdem „Our Darkest Days“, der letzte Output der Kalifornier, ja nun auch schon mittlerweile wieder drei Jahre zurückliegt, ist es natürlich schon irgendwie etwas Besonderes, IGNITE endlich mal wieder live zu sehen.
Allerdings beginnt die allgemeine Euphorie nach dem bereits durchgestandenen, mehrstündigen Bandmarathon dann doch etwas unter, sich langsam bemerkbar machender, Müdigkeit zu leiden.
Die Band aus Orange County zeigt sich nichtsdestotrotz spielfreudig, publikumsnah und gut aufgelegt, Frontmann Zoli wettert, politisch korrekt wie immer, gegen häusliche Gewalt und hört gar nicht mehr auf, sich beim Auditorium für die Anwesenheit und langjährige Unterstützung zu bedanken. Es gibt Diverses von genannter „Our Darkest Days“-Scheibe oder von „A Place Called Home“, bevor IGNITE den U2-Klassiker „Sunday Bloody Sunday“ interpretieren, den der Mob zwar auch hier recht begeistert mitsingt, der für mich aber eher das Startsignal für den Heimweg, der auch umgehend angetreten wird, darstellt...

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 26.12.2009 | 23:00 Uhr
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