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Datum: 19.01.2008Stadt: Dublin




Das neue Machwerk „To The Nameless Dead” von PRIMORDIAL steht zwar schon seit Mitte November in den Regalen und inzwischen wurde beispielsweise schon ein Konzert auf dem Arnhem Metal Meeting gespielt, aber trotzdem ließ es sich die Band aus Dublin nicht nehmen, eine „Record Release Show“ in ihrer Heimatstadt abzufackeln. Selbige Headliner-Show hatte bereits im Vorfeld für Aufsehen gesorgt, da gut die Hälfte der Tickets im Vorverkauf außerhalb der grünen Insel erworben wurde und somit ein buntes Treffen von PRIMORDIAL-Begeisterten in der Guinness-Hauptstadt zu erwarten war. Dieser Eindruck bestätigte sich auch beim Betreten des inzwischen renovierten Temple Bar Music Centre und in diesem Zuge sogleich in The Button Factory umbenannten Clubs, der sich sofort rasch füllte, im Laufe des Abends beinahe aus den Nähten platzen sollte und mit genau 731Zuschauern ausverkauft war.




.: GRAVEYARD DIRT :.
Eröffnet wurde der irische Abend von GRAVEYARD DIRT, die nach etlichen Jahren in der Versenkung im August 2007 wieder ein Lebenszeichen in Form der EP „Shadows Of Old Ghosts“ veröffentlicht haben. Geboten wurde während der halben Stunde Spielzeit melodischer und wuchtiger Doom Metal mit einigen wenigen Sludge-Einflüssen, der von den zweistimmigen Gitarrenläufen und dem Shouting von Sänger Paul Leyden lebte. Songs wie „The Funeral’s Essence“ oder das bestechende „A Tearless Lament“, das definitiv Hoffnung auf mehr macht, sorgten somit trotz des langsamen Tempos für eine kurzweilige Zeit, die auch durch das etwas eingerostet bis statische Stageacting des Quintetts nicht getrübt werden konnte. GRAVEYARD DIRT haben den melodischen Doom Metal zwar sicherlich nicht neu erfunden, aber machen ihre Sache mit Hand und Fuß, sodass es hoffentlich nicht wieder mehrere Jahre dauern wird, ehe die Band richtig in die Puschen kommt. Das Publikum feierte ihre Jungs jedenfalls für eine Vorband ausgesprochen lautstark ab, wobei das bei einer irischen Band vor irischem Publikum in Irland jedoch keine große Überraschung sein dürfte.




.: FOR RUIN :.
Nach einer kurzen Umbaupause von nur einer knappen Viertelstunde traten FOR RUIN aus Cork mit ihrer tosenden Mischung aus Melodic Black Metal und Death Metal das Gaspedal gehörig durch, sorgten aber auch durch zahlreiche Breaks für die notwendige Abwechslung. Im Vordergrund stand der sehr agile Schreihals und Gitarrist John Murphy, der trotz der Doppelbelastung die Matte tüchtig kreisen ließ und nebenbei sein Gekeife vom Stapel ließ. Nach gut zwanzig Minuten war dann erst einmal unfreiwillig Schluss, nachdem die Band hauptsächlich Songs ihres letztjährigen Debüts „December“ präsentiert hatte, da die Technik streikte. Nach kurzer Zeit war das Problem jedoch behoben, was locker und achselzuckend vom Shouter mit einem „Shit happens“ quittiert wurde, ehe FOR RUIN noch ein Lied spielen durften, sich dann nach ebenfalls dreißig Minuten brav beim Headliner bedankten und wiederum von den Zuschauern frenetisch abgefeiert wurden. Insgesamt in Sachen Tempo und Abschädel-Faktor ein schöner Kontrast zum Opener, der mir aber musikalisch dennoch um einiges besser gefiel als die teilweise noch etwas zu hektischen Kompositionen von FOR RUIN.




.: PRIMORDIAL :.
Nun war also die Zeit für den heiß ersehnten Headliner gekommen, der sich erst einmal die nötige Zeit für den Umbau nahm, während das PRIMORDIAL-Banner – wie auch schon während der Vorbands – stimmungsvoll angeleuchtet zur Geltung kam. Um kurz vor zehn Uhr Ortszeit betrat das Quintett dann die Bühne, woraufhin ein tosender Begeisterungssturm losfegte, der den kompletten Auftritt begleiten sollte. Mit dem komplett [!!] mitgesungenen Opener von „To The Nameless Dead“, „Empire Falls“, war jedenfalls von Beginn an klar, dass PRIMORDIAL in Dublin eigentlich nur gewinnen konnten. Geschenkt haben wollten sie allerdings auch nichts, wobei sie dies sowieso nicht nötig haben, sodass sich die Band fortwährend mächtig ins Zeug legte und die Matten kreisen ließ. Angeführt vom wie gehabt sehr pathetisch, jedoch eindrucksvoll agierenden Alan Nemtheanga, der blutüberströmt auf der Bühne erschien und sich stimmlich in allerbester Verfassung zeigte, wurden solche Perlen wie „Gallows Hymn“ oder die Band-Hymne „Sons Of The Morrigan“ in einem perfekten Sound-Gewand dargeboten, das keine Wünsche mehr offen ließ. Und dass hier nicht die [Trick-]Technik nachhalf, stellte sich spätestens dann heraus, als das Pedal der Bass Drum schlichtweg brach und ersetzt werden musste, ehe es mit einem verbalen Seitenhieb von Alan in Sachen „moderne Trigger-Technik“ ungebremst weiterging.
Am Bass wurde die Band an diesem Abend von Gerry Clince von MAEL MÓRDHA unterstützt, der kurzfristig für den wegen einer Blinddarmentzündung ausgefallenen Pól MacAmlaigh eingesprungen war und somit das Konzert überhaupt erst gerettet hatte, was ihm von Seiten der Fans mehrfach lautstark gedankt wurde. Nach der Live-Premiere von „No Nation On This Earth“ und einer kurzen Pause folgte dann noch das fesselnde „Heathen Tribes“ vom neuen Album, während Michael O’Floinn wie üblich [„If you please, Mister Flinn?!“] die Ehre hatte, das göttliche „Gods To The Godless“ vom nicht weniger göttlichen Silberling „Spirit The Earth Aflame“ gitarrentechnisch anklingen zu lassen, woraufhin die randvoll besetzte Halle die letzten Kräftereserven mobilisierte und noch einmal alles gab. Dies führte letztlich auch dazu, dass eine ursprünglich gar nicht mehr geplante, zusätzliche Zugabe in Form von „To Enter Pagan“ gegeben wurde, in deren Verlauf leider Michaels Verstärker streikte und sich erst ab der Hälfte wieder zum Funktionieren überreden ließ, sodass der Auftritt noch würdig zu Ende gebracht werden konnte.

Insgesamt haben PRIMORDIAL mit ihrem Set von knapp 100 Minuten Spielzeit gezeigt, wie viel Potential in ihnen und in ihren Songs steckt, wobei längst noch nicht alle herausragenden Lieder untergebracht werden konnten. So fehlten zwar leider „Dark Song“, „The Burning Season“ und das pfeilschnelle „Traitors Gate“, doch bei solch einer Song-Auswahl konnte sich wirklich niemand über das Dargebotene beschweren und wird auch nicht die – teilweise recht weite – Anreise nach Dublin bereut haben. Alles in allem haben PRIMORDIAL an diesem verregneten Abend im Januar einen fantastischen Auftritt auf die Bretter gelegt, bei dem wirklich alles stimmte und der zu recht von allen Anwesenden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde. Und jetzt fehlt eigentlich nur noch eine – hoffentlich bald stattfindende – komplette Europa-Tour!

Setlist:
01. Empire Falls
02. Gallows Hymn
03. The Golden Spiral
04. Autumn’s Ablaze
05. As Rome Burns
06. Sons Of The Morrigan
07. No Nation On This Earth
08. Song Of The Tomb
09. The Coffin Ships
10. Heathen Tribes
11. Gods To The Godless
12. To Enter Pagan

soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 21.01.2008 | 18:38 Uhr
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