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Datum: 10.09.2010Stadt: Darmstadt




Eine gemeinsame Tour von PSYCROPTIC und CEPHALIC CARNAGE durch Europa ist zwar seit der ausgedehnten Reise mit THE BLACK DAHLIA MURDER und SYLOSIS Anfang letzten Jahres kein Novum mehr, aber definitiv keine schlechte Angelegenheit. Zumal die US-Hydrogrinder mit „Misled By Certainty“ ein starkes neues Album am Start haben und auch die tasmanischen Deather mit der Live-Scheibe „Initiation“ eine aktuelle Veröffentlichung vorweisen können. Mit dabei auf der „Initiation Of The Misled“-Co-Headliner-Tour sind außerdem die englischen Deather DYSCARNATE, die italienischen Brutal-Deather HOUR OF PENANCE sowie die frankokanadische Frickel-Mathcore-Truppe ION DISSONANCE – eine gelungene Mischung der harten Klänge also. Auf ins gemütliche Steinbruch Theater in der Nähe von Darmstadt also!

Und während DYSCARNATE den Opener am ersten Tag der Tour geben sollen, machen mir zwei große Staus mit Stop & Go sowie zahlreiche Wanderbaustellen die Sache auf der bewusst früh angetretenen Fahrt alles andere als leicht, sodass die erste ‚Band’ für mich leider „A5“ heißt und ich mit gut einstündiger Verspätung in Darmstadt-Mühltal eintreffe. Schade drum, denn DYSCARNATE hätte ich mir gerne angesehen.



.: HOUR OF PENANCE :.
Das italienische Quartett legt nach einer kurzen Umbaupause mit einigen technischen Schwierigkeiten am Drumkit dann auch los und schafft es leider nicht, den überaus positiven Eindruck des aktuellen Knallers „Paradogma“ auch live zu vermitteln. Das sah auf dem Neurotic Deathfest im Frühjahr noch ein wenig anders aus, aber immerhin treten die Jungs aus Rom mit einem neuen Sänger [Paolo Pieri] sowie neuen Schlagzeuger [Simone Piras] an. Ersterer macht seine Sache okay, aber mehr eben auch nicht, und ist leider ein wenig zu leise abgemischt. Hier fehlt aber vor allem die fehlende Routine im Zusammenspiel, denn auch wenn der gebotene Querschnitt aus „Paradogma“ und „The Vile Conception“ wirklich nicht von schlechten Eltern ist, man denke nur an Songs wie „Liturgy Of Deceivers“, „The Woeful Eucharisty“ oder auch „Paradogma“ selbst, wirkt vieles noch etwas kantig. Der sehr undifferenzierte Sound, für den die Band nun wirklich nichts kann, hilft da auch nicht gerade, sodass HOUR OF PENANCE zwar zum Ende hin zunehmend die Kurve bekommen, aber schon deutlich bessere Auftritte geboten haben.



.: ION DISSONANCE :.
Ganz anders sieht dies bei den Kanadiern ION DISSONANCE aus, die mit „Cursed“ ein sehr sperriges Comeback-Album mit Polyrhythmikschlagseite von der Kette gelassen haben. Schön übrigens, dass dies auch 1:1 live umgesetzt wird, denn natürlich haben die beiden Klampfer ihre schicken Ibanez-Achtsaiter, die für mächtig Druck sorgen, mit im Gepäck. Überhaupt passt der Sound bei ION DISSONANCE wie die Faust aufs Auge, ist wunderbar aggressiv und drückend, aber gleichzeitig sehr transparent – sehr gut so. Im Mittelpunkt steht natürlich vor allem Shouter Kevin, der seine Rolle sichtlich genießt, problemlos seine Gesangsparts abliefert und nebenbei nicht müde wird, die Anwesenden anzufeuern, von einer Seite der Bühne zur anderen zu rennen und dafür auch verdienten Applaus erhält. Der Schwerpunkt des Sets liegt erwartungsgemäß auf „Cursed“ [u.a. „You People Are Messed Up“, „The More Things Change, The More They Stay The Same“, „We Like To Call This One – Fuck Off“], während auch die Anfangstage der Band, will heißen „Breathing Is Irrelevant“ und „Solace“, ausreichend berücksichtigt werden, was für den einen oder anderen ‚Windmühlen’- und Moshpit-Alarm im Publikum sorgt – wer’s braucht. Insgesamt ein sehr überzeugender, mitreißender Auftritt der Kanadier, der vor Spielfreude nur so strotzt, manche ach so brutale Todesbleiband ganz schön alt aussehen lässt und das Material in einem sehr guten Live-Gewand präsentiert!



.: CEPHALIC CARNAGE :.
Und schon geht es auch mit CEPHALIC CARNAGE weiter, die an diesem ersten Abend ‚nur’ als Vorletzte auf die Bühne dürfen, aber das ist ja nichts zwangsläufig Schlechtes. Im Gegensatz zu den eher scheintot am Bühnenrand sitzenden PSYCROPTIC-Mitgliedern, die offensichtlich noch mächtig vom Jetlag gebeutelt sind, wirken die fünf US-Amerikaner wesentlich erholter und fackeln auch nicht lange. Allein schon der Soundcheck von Leonard – geschmackssicher im JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE-Shirt – mit diversen Grunz-, Quiek- und Brummgeräuschen ist wieder einmal Unterhaltung pur, und wer CEPHALIC CARNAGE schon einmal live gesehen hat, weiß, dass viel Augenzwinkern und Geblödel am Start ist, aber dennoch das Material punktgenau runtergezockt wird. So zum Beispiel „Endless Cycle Of Violence“, das geniale „Dying Will Be The Death Of Me“ oder auch „Lucid Interval“, während vor allem „Misled By Certainty“ mit „Warbots A.D.“, „Abraxas Of Filth“, „Raped By An Orb“ oder auch der Grindcore-Nummer „P.G.A.D.“ bedacht wird. Allerdings leider ab und an ein bisschen zu wummernd basslastig, obwohl es klasse ist, die instrumentalen Fähigkeiten von Nick zu bestaunen, der nebenbei auch noch Klargesang und diverse Grunzpassagen übernimmt oder auch mal kurz davor ist, mitsamt Bass einen Purzelbaum zu schlagen. Insgesamt geht das Gebotene aber vom Sound her völlig in Ordnung, und es wird abgegangen, abgeschädelt und über die Bühne gefegt – und gerade Neuzugang Brian Hopp fügt sich sehr gut in das Gesamtbild ein. Und ruck zuck ist eine Dreiviertelstunde schon wieder vorüber, die extrem kurzweilig war und jede Menge Spaß gemacht hat. Danke, CEPHALIC CARNAGE, gerne wieder!



.: PSYCROPTIC :.
Das Schlusslicht des Abends nehmen dann die tasmanischen Deather ein, die – wenn ich mich nicht irre – ihre erste Headlinershow überhaupt in Europa spielen dürften, wobei CEPHALIC CARNAGE und PSYCROPTIC natürlich gleichrangig behandelt werden und sich jeden Abend in dieser Position abwechseln. Gerade noch gähnend am Bühnenrand gestanden, schon in Konzertmodus übergewechselt und keine Blöße gezeigt; so muss das sein. Hier passt der Sound übrigens allerbestens, was vielleicht auch daran liegt, dass nur eine Gitarre abgemischt werden muss, denn wunderbar klar ertönen die Riffs und vertrackten Läufe von Joe Haley aus den Boxen, während Sänger Jason – inzwischen mit etwas gewöhnungsbedürftiger Vokuhila-Frisur – über die Bühne springt und kreischt und grunzt. Dass die Jungs dennoch nicht ganz ausgeschlafen sind, zeigt sich dann am versiebten und viel zu schnell gespielten „A Calculated Effort“, das neu begonnen werden muss. Man nimmt’s mit Humor, hat die Lacher auf seiner Seite – und weiter geht’s mit „Ob[Servant]“, „Initiate“, „Lacertine Forest“ und dem Uralt-Stück „The Isle Of Disenchantment“. Diese zeigen PSYCROPTIC von ihrer besten Seite, auch wenn das Publikum inzwischen etwas müde erscheint und den Musikern eher auf die Finger schaut, anstatt völlig abzugehen. Dennoch ist dies der bislang beste Auftritt der Australier, den ich bislang gesehen habe, auch wenn mir ION DISSONANCE sowie CEPHALIC CARNAGE an diesem Abend besser gefallen. Die Zuschauer – ca. 100 an der Zahl – sehen dies ähnlich und bedenken jedoch natürlich nach einer guten Dreiviertelstunde auch PSYCROPTIC mit wohlverdientem Applaus.
Fazit: Ein gelungener Konzertabend mit jeweils ziemlich unterschiedlichen Bands aus dem Extrem-Metal-Sektor, der mit 18 Euro an der Abendkasse übrigens auch einen fairen Preis hatte. Gerne wieder!



soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 13.09.2010 | 19:13 Uhr
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