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Datum: 27.10.2012Stadt: Gießen

Eine der wohl populärsten Rockbands der 1980er Jahre waren und sind wohl die Kanadier SAGA. In den letzten Jahren wurde es etwas ruhiger um die Band aus Toronto, zumal auch Sänger Michael Sadler das Ensemble verließ. Jetzt aber ist er wieder an Bord und ein gutes Album wurde auch noch auf den Markt geworfen. Mit 20/20 im Gepäck kommt man also wieder auf Tour nach Germany, ein immer noch lohnenswertes Pflaster für SAGA. In der Kongresshalle zu Gießen finden sich an diesem Samstag etwa knapp 1000 Fans ein, um sich davon zu vergewissern, dass ihre Band immer noch für einen gelungenen Abend sorgen kann. Der Saal ist wohl nicht komplett ausverkauft, viel jedoch fehlt vermutlich nicht.




Als Support wird kurzerhand die einheimische Band REEZEE verpflichtet, die bereits an gleicher Stelle für WOLF MAAHN eröffnen durften. Allerdings ist SAGA dann doch eine andere Hausnummer, die Aufregung vor dem Gig deutlich spürbar. Sängerin Marisa „Risi“ Adams kämpft derweil zusätzlich mit den Problemen der jahreszeitbedingten Erkältung. Der Auftritt vor heimischem Publikum läßt später dann die Nervosität vergessen. Mit ihrem doch stark an die ebenfalls aus Gießen stammenden JULI erinnernden Rock/Pop begeistern sie vermutlich nicht die gesamte Zuhörerschaft, aber spätestens bei ihrem aktuellen Song „Nach Süden“ wird klar, dass die Band hier vermutlich einige Fans dazu gewinnen könnte. Der Auftritt leidet unter dem eher durchwachsenem Sound und daran, dass REEZEE eben noch nicht die Coolness haben, sie stehen eben noch am Anfang ihrer Karriere. Ob diese letztenendes erfolgreich verlaufen wird, vermag ich in diesem Moment nicht wirklich einzuschätzen. Ein wenig besseres, innovativeres Material und ein wenig mehr Erfahrung dürfte aber von Nöten sein. Die Band liefert eine für ihre Verhältnisse passable Show, mit wenig Glanz und Gloria aber mit soliden Grundgerüst. Besser geht noch, da bin ich mir sicher. Auf jeden Fall steht fest, dass REEZEE live wesentlich rockiger drauf sind als es das poppige „Nach Süden“ Video erahnen lässt.




SAGA haben hingegen mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Fiel während der letzten Tour Keyboarder Jim Gilmour wegen gesundheitlicher Probleme mit den Augen aus, so erwischt es diesmal Gitarrist Ian Chrichton. Zwangspause mit Krankenhausaufenthalt, der Tourstreß fordert seinen Tribut. Aber wie bereits im letzten Jahr denken SAGA gar nicht daran, die Tour zu canceln. Spontan wurde mit Knut Bausch ein Ersatzgitarrist gefunden, der seine Sache an diesem Abend sehr gut macht. Gerade wenn man bedenkt, dass er laut den Worten von Mr. Sadler gerade mal drei Stunden Zeit hatte, die Sachen zu proben. Das erklärt dann auch, warum die neuen Songs an diesem Abend zu kurz kommen und die Show insgesamt inklusive einer Zugabe [ „Don´t Be Late“ ] nicht ganz die mystische 90 Minuten Grenze knackt. Gerade mal zwei Songs von 20/20 haben es auf die Setlist geschafft. Zu Beginn erschallt „Anywhere You Wanna Go“, der Song scheint noch nicht wirklich angekommen zu sein. Die Reaktionen bei „Spin It Again“ sind später ähnlich verhalten. Der Rest allerdings ist Schaulaufen. Michael Sadler liefert nach wie vor den Beweis, dass er immer noch ausgezeichnet bei Stimme ist und enorme Entertainerqualitäten besitzt. Beeindruckend in diesem Zusammenhang seine Solo Interpretation von „The Security Of Illusion“. Ein bunter Reigen durch das Greatest Hits Programm, aufgewertet von einer Soloversion Jim Gilmours von „Scratching The Surface“ vom „Heads Or Tales“ Album. Ansonsten ist es wie gesagt Michael Sadler, der das Publikum bei ausgezeicneter Laune hält. Souverän geben SAGA alles und hauen Hits wie „Wind Him Up“, „The Flyer“ oder „On The Loose“ in die Menge.

Setlist SAGA:

Anywhere You Wanna Go
Mouse in a Maze
Careful Where You Step
The Perfectionist
You're Not Alone
Spin It Again
The Flyer
The Security of Illusion -Michael Sadler vocal solo
The Cross
Drum Solo
Time's Up
Scratching the Surface -Jim Gilmour Solo
Tired World
Humble Stance
On the Loose
Wind Him Up

Don't Be Late




Da auch der Sound im Laufe des Abends stetig besser wird, läßt sich also festhalten: Ein rundum erfolgreicher Gig mit einer nach wie vor famosen Band, die auch nach 35 Jahren immer noch hochmotiviert eine tolle Show hinlegt. Viele Skeptiker, meine bescheidene Wenigkeit inklusive, dürfen an diesem Abend getrost ein paar Zweifel ablegen.

Fränky

Autor: Frank Wilkens [Fränky] | 04.11.2012 | 16:05 Uhr
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