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Datum: 05.03.2016Stadt: Osnabrück, Bastard Club



Osnabrück ist als Konzertort verschrien, an dem auf den Gigs mehr Musiker als Fans herumhängen. Nicht unbedingt quantitativ, aber im Sinne dessen, dass die Anwesenden alle selbst derart versiert sind oder sich dafür halten, dass es auf Osnabrücker Gigs immer mehr darum geht, möglichst keine Spielfehler zu machen, als Spaß auf und vor der Bühne zu haben.

Das ist an diesem Samstagabend eher nicht so. Der Bastard Club ist nicht unbedingt gut gefüllt, als die mir völlig unbekannten Salzburger OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - ein Konglomerat aus meist ehemaligen Mitstreitern von BELPHEGOR, SOULSEARCH und STURMPERCHT - ihr seltsam riechendes Gemisch aus Weihrauch, Salbei und weiß-der-Teufel-was anzünden und den Bastard Club in einen Eso-Doom-Schuppen verwandeln. Die Musik ist ätherisch, fließt zäh, ist aber ungeheuer emotional, drückt und reißt wirklich mit, wenn man sich darauf einlässt. Klarer Gesang, sludige Riffs, Synthesizer, ins Unendliche geloopte Melodien und eine sympathische, erdige Bühnenperformance machen die Band zu einem untypisch guten Opener. Sollte man unbedingt im Auge behalten!

Die Münchener THULCANDRA, seit 2014 verstärkt durch SECRETS OF THE MOON-Drummer Erebor, sind von einem ganz anderen Schlag. Das Quartett, immer noch auf Promotour für ihr aktuelles Album "Ascension Lost", setzen auf ein schlichteres, klassisches Metalbrett, zocken munter und versiert, aber für meinen Geschmack etwas zu routiniert ein Best-Of ihrer drei Scheiben herunter und versuchen damit recht erfolglos, das zurückhaltende Publikum etwas aus der Reserve zu locken. Definitiv keine denkwürdige Show, dafür ist der Funken einfach zu wenig und zu selten übergesprungen.



Es ist mittlerweile nicht einmal 21 Uhr, als die Norweger DØDHEIMSGARD ihren Bühnenumbau beginnen. Leider besteht Drummer Sekaran aus für niemanden verständlichen Gründen darauf, sein eigenes Set aufzubauen, was das zentimetergenaue Aufstellen einer zweiten Bassdrum, einer elektronischen HiHat-Maschine und weiteren Krimskrams' umfasst. Bedauerlicherweise schläft der Mann dabei fast ein, was in einer beinahe dreiviertelstündigen Umbaupause resultiert. Das wiederum sorgt, in Verbindung mit einer geplanten SOTM-Show von 70 Minuten Länge und dem strikten Curfew des Clubs um 23 Uhr dafür, dass DHG exakt vier Songs spielen und nach guten 20 Minuten die Bühne verlassen müssen. Somit ist nach (wenn ich mich recht erinnere) "Ion Storm", "Når Vi Har Dolket Guds Hjerte", "Vendetta Assassin" und "Sonar Bliss" Schluss. Schon bescheuert, wenn man auf einer Tour zum aktuellen Album nicht dazu kommt, auch einen Track davon zu spielen. So fallen Vicotnik und Aldrahn nach dem Schlusspfiff ihren Fans in der ersten Reihe mit peinlich berührten Entschuldigungen in die Arme, nehmen sich die Zeit für Gespräche und ein Bier und machen den qualitativ zwar hochwertigen und DHG-typisch schrägen, aber eben viel zu kurzen Auftritt damit ein Stückweit wieder wett.



Auch SOTM müssen deshalb ihr Headlinerset auf rund eine Stunde kürzen, was bei den nicht zu verachtenden Längen ihrer Songs durchaus problematisch ist. Trotzdem, acht Songs sind drin, und die sollten Fans so ziemlich jeder Schaffensphase der mittlerweile deutlich Richtung Rock tendierenden Truppe glücklich machen (mich nicht - was von der Promo 98 ist leider nicht dabei). Begleitet von blauem Gegenlicht und einer fast undurchdringlichen Nebelwand steigt die Band mit "No More Colours" (außer Blau natürlich) vom aktuellen "Sun"-Album in ihr Set ein. Guter Opener, der sich nicht zu weit vorwagt, aber auch klarmacht, dass hier keine reine Black-Metal-Combo auf den Brettern steht. Düster, emotional, wortkarg, auf das Wesentliche reduziert, aber sehr überzeugend präsentieren sich sG und seine Mitstreiter(in), und packen damit sogar den großen Teil des reservierten Osnabrücker Publikums. Mit "Miasma", "For They Know Not" oder "Lucifer Speaks" werden auch - wenn man das so sagen kann - die Hits der letzten Alben aufgefahren, bevor das Set mit dem perfekten Höhepunkt der Show - "Man Behind The Sun" - beschlossen wird. Wo mich der Track auf der Platte nur mäßig berühren konnte, muss man sagen, dass das trotz (oder gerade wegen?) der sicher nicht perfekten, aber dafür beinhart authentischen und emotionalen Gesangsleistung eigentlich niemanden kalt lassen kann. Wer so einen Song im Repertoire hat, spaltet vielleicht seine Zuhörerschaft, wirkt aber damit auf jeden Fall wie ein echter Künstler. Und das ist etwas, das nicht einmal das Osnabrücker Publikum von sich behaupten kann.

Fotos: Mia Mane
www.mia-mane.photography
https://www.facebook.com/miamanephotography/?fref=ts

Florian Dammasch

Autor: Florian Dammasch [Alboin] | 18.03.2016 | 22:17 Uhr
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