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Datum: 08.08.2012Stadt: Würzburg



"Manchmal kommen sie wieder...": Getreu dem Motto bzw. Titel des aktuellen, bereits achten [wenn man die drei „Graveyard Classics“-Scheiben abzieht] Full-Length-Albums, „Undead“, aus dem Hause SIX FEET UNDER macht eine runderneuerte Truppe von Untoten um Rastamähnenmann und Frontgrunzer Chris Barnes im Rahmen ihrer „Undead Across Europe 2012“-Tour erneut Station in der Würzburger „Posthalle“.
Vorneweg gibt es allerdings in dem - für einen Mittwochabend - stattlich gefüllten Venue noch die Lokalmatadore von KAIN zu bestaunen, nachdem der erste Support-Act, namentlich die Death Metaller von SASQUATCH, ebenfalls aus der Gegend bzw. Ochsenfurt/Würzburg bedauerlicherweise bereits durch ist.


.:KAIN:.
Die Würzburger spielen eine Mischung irgendwo zwischen Melodic Death, Black und Pagan Metal, mit deutschen Texten und beweisen gleich zu Anfang, dass sie voll Metal bzw. hart im Nehmen sind, denn Frontmann David Seifert bestreitet den heutigen Gig ob eines gebrochenen Beins einfach im Rollstuhl sitzend, von dem aus er gut gelaunt mit der ersten Reihe flachst.


Die Saitenfraktion gibt sich ambitioniert, denn Gitarrist Max Landeck [im lockigen Haar] und Basser Andreas Schäfer bringen es gemeinsam auf immerhin 12 Strings und so eröffnen KAIN ihr Set beherzt mit „Vom Erdenleid“, gefolgt von „Nephilim“, sämtlich Eigenkompositionen ihres Full-Length-Debüts, „Omega“, übrigens unlängst via MDD erschienen.
Frontmann David müht sich in seinem Rolli redlich, für gute Stimmung unter den Anwesenden und Fans zu sorgen und v.a. der schnittig frisierte Keyboarder Julian Langguth bangt hingebungsvoll zu Songs wie „Blutgericht“ oder „Sturz des Lichtbringers“. Man müsse sich heute kurz fassen, meint der Sänger, weshalb es ohne viel weitere Worte denn auch zügig mit „Fleischeslust“, „Freiheit ruft“ und „Rachepfade“ weiter im Programm geht.
Als krönenden Abschluss bekommt Würzburg dann noch die FALCO-Coverversion „Out Of The Dark“ serviert, die allerdings, bis zur Unkenntlichkeit durch den Schwarzmetallwolf gedreht, nicht mehr wirklich viel mit dem Original zu tun hat.
Nichtsdestotrotz bekommen KAIN nicht zu Unrecht mehr als Achtungsapplaus gespendet, kein Wunder, laufen doch diverse Schlachtenbummler im schicken Band-Merchandise herum und zudem ist es zweifelsohne kein allzu leichtes Unterfangen, im Vorprogramm einer Szenelegende wie SIX FEET UNDER anständig auszusehen...



.:SIX FEET UNDER:.
Die Groove Deather um Rasta-Rapunzel Chris Barnes halten es - wie schon vor drei Jahren - ausgesprochen schlicht, auf unnötigen Firlefanz wie etwa einen Backdrop mit dem Bandlogo wird verzichtet und auch das Merchandise-Angebot beschränkt sich heute auf genau ein T-Shirt-Motiv.
Die Band kommt ohne viel Worte auf die Bühne gestapft, wie gesagt, im wiederholt upgedateten 2012er Line-Up, in dem Chris Barnes und [immerhin seit 1998] Steve Swanson die einzigen Konstanten darstellen und räumen mit der CANNIBAL CORPSE-Hymne „Stripped, Raped And Strangled“ gleich im Vorfeld mit jeglichen Zweifeln auf, ob die Band es wohl noch drauf hat.
Nichts für ungut, Mr. „Corpsegrinder“ Fisher, aber diese alten Songs interpretiert nun mal niemand besser als Chris Barnes...!



Weil in Amerika ja bekanntlich alles größer, brutaler und tiefer [um genau zu sein: ganze sechs Fuß tiefer!] ist, läuft der neue Mann am SFU-Bass, Jeff Hughell [ex-BRAIN DRILL, ex-VILE], gleich mal mit einem Siebensaiter auf. Ungleich bescheidener agiert da doch an der zweiten Gitarre der blonde Jungspund Ola Englund und - ganz im Hintergrund - zerdrischt bekanntlich ein gewisser Kevin Talley [u.a. ex-CHIMAIRA, ex-MISERY INDEX, ex-DECREPIT BIRTH, ex-DYING FETUS] seine Schießbude.
Weiter im Text mit "No Warning Shot" [von "Maximum Violence" von 1999], gefolgt von "Revenge Of The Zombie" [von der 1997er "Warpath"], Chris Barnes wirbelt unterdessen seine meterlangen Dreads herum und grunzt gewohnt unterirdisch tief, wenn er nicht gerade ein paar nervige Pigsqueals einbaut.
Zwischendurch bleibt aber immer genug Zeit für einen kurzen Plausch mit dem Publikum und tatsächlich zeigt sich Barnes heute ausgesprochen leutselig, fannah und freundlich – gänzlich anders als noch anno 2009, wo er seinen Job in der gleichen Location doch eher gelangweilt-routiniert hinter sich gebracht hatte. Die Frischzellenkur seiner Band hat dem Mainman also sichtlich gut getan, wie auch die energische Präsentation von "Feasting On The Blood Of The Insane" und, natürlich, "Victim Of The Paranoid" eindrucksvoll beweist.
Es folgt das ebenfalls unvermeidliche "Human Target" [vom immer noch mächtigen "Haunted"-Debüt], bevor mit "Reckless" ein kurzer Schwenk in Richtung Gegenwart bzw. aktuelles "Undead"-Album unternommen wird. Die "True Carnage"-LP wird mit „The Day The Dead Walked“ bedacht, dann regiert erneut kurz die Moderne mit dem Old School-Basher „Formaldehyde“. ebenfalls vom neuen Machwerk.
Steve Swanson zockt seine Riffs gewohnt stoisch und läßt nur ab und an die Haare fliegen, während die Dreads von Herrn Barnes überall gleichzeitig zu sein scheinen, nicht zuletzt bei dem nun mal unwiderstehlichen Groove von „Deathklaat“ oder „Shadow Of The Reaper“ [beides bekanntlich von „13“].



Wer bei dem fiesen Trio „Violent Silence“, „Torn To The Bone“ und „Beneath A Black Sky“ bis jetzt nicht ausgeklinkt ist oder zumindest hemmungslos dabei ist, sich die Halswirbel zu luxieren, der hat auf diesem Konzert eigentlich nichts verloren und ohnehin Pech, weil damit für heute schon Schluss sein soll.
Natürlich gibt es aber noch ein Encore, bei dem die „Posthalle“ mit „Hammersmashed Face“ von CANNIBAL CORPSE nochmal einen schönen Scheitel gezogen bekommt und, seien wir mal ehrlich, derart gepflegt lädiert kann der Rest der Arbeitswoche nun getrost kommen...

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 09.08.2012 | 21:51 Uhr
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