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Datum: 16.08.2010Stadt: Bochum

Herrlichste Aussichten versprach das Knüppel-Package THE BLACK DAHLIA MURDER, DYING FETUS, SUFFOCATION, DESPISED ICON und ORIGIN gegen Ende der Sommerferien in der Bochumer Matrix.
Blöde nur, dass die Jungs vom Straßenbau nahezu zeitgleich alle Autobahnen zwischen Düsseldorf und Bochum verschönern, sodass die Fahrt eine halbe Ewigkeit dauert und wir pünktlich zum letzten Ton der aus dem Musikerleben scheidenden DESPISED ICON eintreffen. ORIGIN waren ebenfalls schon aufgetreten – Prost Mahlzeit!
Selbige bricht mir eine alkoholisierte Pickelfresse unmittelbar nach Betreten des ultravollen Ladens vor die Füße. Eine junge Dame, die hinter dem Vomitierenden steht und die Schweinerei nicht gesehen hat, rutscht in der Gülle aus und verteilt den Spaß unter dem Gelächter vieler umstehender Scheitelträger auf dem Parkett.

Womit wir zum ersten Problem kämen: Das Publikum in der Matrix besteht wieder einmal zu einem Großteil aus Deathcore-Kids, die bei den sich redlich abmühenden SUFFOCATION nicht wirklich Stimmung aufkommen lassen. Das tut der grandiosen Performance der Jungs um Frontsau Frank Mullen natürlich keinen Abbruch. Lustig, als Mullen einem Karate-Kid vor der Bühne mit Mord und Totschlag droht. Ansonsten findet der Homizid hauptsächlich in den Texten von „Infecting The Crypts“ und Co. statt. Besonders Gitarrero Terrance gibt so viel Gas, als sei dies die Henkersmahlzeit seines Bühnenschaffens. Die ersten Reihen danken es ihm und der Gang, der Rest versteht nicht, was die Opas da vorne eigentlich machen.

Da sind DYING FETUS schon eher Konsens-Band. Vor allem mit ihrem aktuellen Langeisen „Descend Into Depravity“ hat man sich auch wieder in die Herzen der hippen Hopper gegroovt und wird dementsprechend frenetisch abgefeiert. Basser und Sänger Sean Beasly dankt es der Meute mit einigen netten Kommentaren, während sein Gegenpart John Gallagher während des gesamten Gigs keine Miene verzieht. Als Geburtstagsclown würde der Glatzkopf verhungern. Aber zum Glück arbeitet der Flitzefinger ja in einer der effektivsten Death Metal Walzen des Planeten. Egal, ob gerade „Your Treachery Will Die With You“, Killing On Adrenaline“ oder „Pissing In The Mainstream“ läuft: Die Matrix steht Kopf und zollt den altgedienten Recken den Applaus, der ihnen zusteht – grandioser Gig!

THE BLACK DAHLIA MURDER gehen dagegen schon soundmäßig ein wenig unter. Das Schlagzeug ist teilweise kaum zu hören, die Gitarren müssen auch erstmal aus dem Klangbrei evakuiert werden. Aber das nimmt natürlich kaum jemand wahr, denn die Hits der Truppe kennt und singt hier jeder. „Das hier ist die brutalste Tour aller Zeiten“, brüllt Trevor Strnad. Nun ja, lange nicht mehr bei Underground-Shows gewesen, was? Aber egal, denn die Jungs geben gut Gas und hauen wirklich nur Schlager raus. „Necropolis“, „Warborn“ und vor allem das epische „What A Horrible Night To Have A Curse“ sind die Highlights der jüngeren BLACK DAHLIA-Geschichte. Aber so richtig ausgetickt wird vor allem bei „Miasma“ – was für ein Brecher. Etwas unpassend dazu erscheinen die tuntigen Bewegungen Trevors, die wahrscheinlich den Madman symbolisieren sollen, in Wahrheit aber wirken, als würde der Gute sich permanent über alles und jeden im Metal-Zirkus lustig machen. Und das ist natürlich etwas, das man angesichts des Publikums, das zu großen Teilen aus Kindergarten besteht, der sich über alte Säcke mit langen Haaren lustig macht, als arg unsympathisch anbiedernd empfinden kann. Das ist schade, denn THE BLACK DAHLIA MURDER sind die Band der Stunde, die als eine der wenigen das Zeug hat, Brücken zwischen mehreren Fan-Generationen zu schlagen. Aber sei’s drum. Musikalisch war das Ganze allererste Sahne und hat viel zu früh aufgehört.

Vielleicht sollte man noch ein paar Worte zur Matrix verlieren. Dass es wenige Wochen nach der Love-Parade-Katastrophe auch in dem „Kult-Schuppen“ nur einen Ein- und Ausgang gab, ist ganz schön frech. Ebenso verhält es sich mit der Tatsache, dass unser Fotograf nach dem erstmaligen Betreten der Matrix diese nicht mehr verlassen durfte, um neue Akkus aus dem Auto zu holen. Ausgesprochen albern. Deshalb kommt dieser Bericht auch ohne Bilder aus.

Mattaru

Autor: Marcus Italiani [Mattaru] | 02.10.2010 | 23:04 Uhr
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