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Datum: 31.01.2006Stadt: Schweinfurt

MIT IHREN BEIDEN ALBEN „UNHALLOWED“ UND „MIASMA“ HABEN SICH DIE DETROITER BLACK/DEATH METALLER VON THE BLACK DAHLIA MURDER IN DEN USA BEREITS IN DIE SCHWARZEN HERZEN EINER STETIG WACHSENDEN FANGEMEINDE GESPIELT. NACH DEM ERSTEN EUROPAABSTECHER ENDE 2004 IM RAHMEN DER NO MERCY FESTIVALS WAR ES NUN IM JANUAR 2006 AN DER ZEIT, EUROPA MIT EINER ERSTEN HEADLINER TOUR HEIMZUSUCHEN – WäHREND DIE ERSTE SHOW IN DER ZECHE CARL IN ESSEN AUS ALLEN NäHTEN ZU PLATZEN DROHTE GINGS IM SCHWEINFURTER STADTBAHNHOF PUBLIKUMSTECHNISCH EHER BESCHAULICH ZU.

Als lokaler Support eröffneten pünktlich gegen 21 Uhr die Saalfelder REVENGE FALLS das Konzert – entstanden ist die Band vor noch nicht allzu langer Zeit aus den Überresten der Death Metal Kapelle MOURNING ENDS, bei welchen unter anderem auch schon Ex-HEAVEN SHALL BURN Gitarrist Patrick das Mikro geschwungen hat. Musikalisch hat man sich mittlerweile vom Death Metal abgewandt, man frönt stattdessen eher dem zur Zeit ach so gescholtenen Metalcore – stampfige Moshparts wechseln sich mit schwedisch anmutenden Gitarrenmelodien ab, auf cleanen und melodiösen Gesang verzichtet man aber größtenteils. Abgesehen vom wirklich grausigschlechten Sound fand ein Großteil der Zuhörer schnell Gefallen an dem, was da aus den Boxen schallte – auch wenn einem das ein oder andere Riff von Bands wie UNEARTH oder AS I LAY DYING bekannt vorkam. Das (Metalcore-)Rad haben REVENGE FALLS mit ihren Songs bisher sicher nicht neu erfunden, andererseits wirkte das Dargebotene für eine erst so kurz existierende Band durchaus sehr gelungen, am Songwriting gab es definitiv wenig auszusetzen. Etwas mehr allerdings an der Stageperformance der Band, die war nämlich abgesehen von der des Sängers schlichtweg nicht vorhanden - dieser konnte allerdings überzeugen und erinnerte mit seinem Bühnenauftreten ein ums andere Mal an HATESPHERE-Sympathikus Jacob Bredahl (natürlich ohne dessen Qualitäten bislang zu erreichen). Nach 40 Minuten war der Spuk vorbei und die Meute klatschte brav Beifall.

Nach einer übertrieben langen Umbaupause – und leider mit genauso miesem Sound – ging anschließend das belgische Hardcore Urgestein LIAR auf die Bühne: Fast hätten sie die Tour noch absagen müssen, da Drummer Bert die Band eine Woche vor der Tour aufgrund von persönlichen Problemen verlassen hat – als Aushilfsschlagzeuger konnte dann allerdings quasi in letzter Minute Ex-CLOUDED und jetzt MINUS45DEGREES Drummer Serge verpflichtet werden – aufgrund mangelnder Proben lief am Schlagzeug nicht alles perfekt, dies war aber nur zu verständlich, wenn man die Hintergründe kannte. Die Belgier wirkten etwas ausgepowert – vor allem Gitarrist Matthias und Basser UxJx wirkten äußerst müde, einzig und allein Sänger Hans war gewohnt agil auf der Bühne unterwegs. Songmäßig gabs von alten Hits wie „Shattered“ vom Debüt oder „New Born Fire“ von „Invictus“ bis hin zu einigen Songs vom aktuellen Opus „Murder Manifesto“ eine buntgemischte Setlist. Musikalisch nach wie vor im Thrash Metal(core) angesiedelt, wirkten die neuen Songs um einiges technischer und auch anspruchsvoller als alte, aber trotzdem beliebte Livegranaten – trotzdem ist weniger eben doch oft mehr, finde zumindest ich. Leider konnten LIAR das Publikum nur bedingt mitreißen, woran vielleicht auch der schlechte Sound schuld war (merke: laut und viel Bass ist nicht gleich gut). Schade war definitiv auch, dass mit „Battlecries“ und „Heavenshore“ die zwei wohl größten Liarhits komplett in der Setlist fehlten.

Meine anfängliche Befürchtung, dass der Sound bei THE BLACK DAHLIA MURDER genauso bescheiden sein würde, bewahrheitete sich Gott sei dank nicht – der fähige Livemischer der Band stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass aus dieser Anlage auch vollkommen klarer und differenzierter Sound kommen kann – man muss nur wissen, wie mans zu machen hat. Einen Augen- und Ohrenschmaus hatten die Detroiter Weirdos nicht zuletzt mit ihrem Tourdrummer zu bieten: Kein Geringerer als Reno Killerich (Ex-PANZERCHRIST, Ex-DIMMU BORGIR, Ex-VILE, Ex-EXMORTEM, Ex-HUMAN ERUPT,…) saß hinter den Kesseln und sorgte für einen drumtechnischen Ohrenschmaus sondersgleichen: Vollkommen unbeeindruckt und scheinbar ohne jede Anstrengung spielte er den kompletten Set, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Auf den anderen Positionen der Band sah es allerdings auch nicht viel anders aus: Brian Eschbach und John Kempainen schüttelten sich ein Killerriff nach dem anderen aus dem Ärmel, Sänger Trevor Stmad entledigte sich schon nach dem zweiten Song mit der Aufforderung „Let´s get naked“ seines T-Shirts und präsentierte neben seiner herausragenden Stimme auch gleich noch seine Wanne und Neu-Bassist Ryan Williams beeindruckte durch sein exzellentes Bass Spiel. Nicht nur der Sound war mittlerweile gut, sondern auch die Setlist der Band – neben den Hits „Funeral Thirst“, „Elder Misanthropy“ und „When The Last Grave Has Emptied“ vom Metalblade Debüt „Unhallowed“ gabs natürlich auch neue Songs wie den Setopener „I´m Charming“, „Statutory Rape“, den Videosmasher „A Vulgar Picture“, „Vice Campaign“ oder „Spite Suicide“, bevor nach ca. 50 Minuten Schluss war und sich die 5 jungen – etwas seltsamen – Herren unters Publikum mischten. Abschließend kann noch hinzugefügt werden, dass sich JEDER, der auch nur ansatzweise etwas mit einer musikalischen Schnittmenge aus AT THE GATESund CARCASS mit einer deftigen Prise Black Metal anfangen kann, schnellstens mit den beiden Scheiben der Band eindecken und sie sich live zu Gemüte führen sollte!

theburningdarkness

Autor: Thomas Gschwendner [theburningdarkness] | 01.02.2006 | 12:07 Uhr
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