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Datum: 29.01.2009Stadt: Schweinfurt



Die geschnürten Tourpakete dieses Winters haben ja so langsam wenigstens mal annähernd Ähnlichkeit mit der amerikanischen Wirklichkeit, denn mit der Kombination THE BLACK DAHLIA MURDER, CEPHALIC CARNAGE, PSYCROPTIC und SYLOSIS gab es nicht nur einen repräsentativen Querschnitt durch den aktuellen Sektor des Extrem-Metals, sondern auch noch „value for money“, denn 17 Euro an der Abendkasse waren eine verhältnismäßig faire Unkostenpauschale für vier teilweise weitgereiste Kapellen.



SYLOSIS aus Großbritannien machen im bis dahin nur mäßig gefüllten Stattbahnhof zu Schweinfurt den Anfang und notgedrungen gute Miene zum bösen Spiel, denn trotz beeindruckend tighten Zusammenspiels dieser jungen Combo, glasklar-differenzierten Sounds [der übrigens auch allen folgenden Bands zuteil wurde] und mehr als Mosh- oder zumindest headbangkompatibler Kompositionen ist die Publikumsresonanz doch eher, naja, übersichtlich. Dabei haben die Briten im Rahmen ihres Supports für WAR FROM A HARLOTS MOUTH doch erst unlängst in der unterfränkischen Industriehochburg Station gemacht und nicht zuletzt mit „Conclusion Of An Age“ ein heißes Eisen bzw. starkes Album in der Hinterhand. Demensprechend genervt, um nicht zu sagen frustriert, zeigt sich denn verständlicherweise auch Frontmann Jamie ob der zögerlichen Reaktionen, die sich selbst trotz vehementen Bemühens des Quintetts erst gegen Ende des Auftritts von SYLOSIS nur in höflich-zurückhaltenden Applaus steigern. Kaum verständlich bei derart starkem Material wie „Reflections Through Fire“ oder „Withered“, das das gesamte Spektrum zwischen Thrash, Melodic Death und Hardcore souverän, spielfreudig und technisch absolut eindrucksvoll abdeckt. Klasse Band, die definitiv mehr Zuspruch verdient gehabt hätte!



PSYCROPTIC ziehen dann im Anschluss mit absolut brachialem Sound, angetrieben von David Haleys kompromisslos drückendem Drumming, der anwesenden Death Metal-Fraktion mit Material u.a. von ihrer aktuellen Platte „[Ob]servant“ den ersten offiziellen Scheitel. Die tasmanischen Teufel produzieren einen bemerkenswert wuchtigen und mitreißenden Livesound, der [mich zumindest] an eine ausgewogenene Mischung aus CANNIBAL CORPSE, CRYPTOPSY und SIX FEET UNDER erinnert und somit auch die ersten Pitaktivitäten hervorruft.
A propos: Die sich vor Jahren immer mehr durchgesetzt habende Einigkeit unter den Fans der verschiedenen und dabei doch so ähnlichen [Metal bzw. Whatever-Core-] Musik- und Lebensstile scheint mittlerweile längst der Vergangenheit anzugehören, betrachtet man die ohne Rücksicht drauflos dreschflegelnden Core-Anhänger, die sich offenbar nur noch durch gezielte Kicks und sinnfreies Pseudo-Martial Arts-Gepose gegen Headbanger und ihre Lieblingsbeschäftigung profilieren können. Handfeste Auseinandersetzungen können da auch heute in Schweinfurt jeweils nur ganz knapp abgebogen werden. Ging es bei dem Ganzen nicht früher mal um „good FRIENDLY violent fun“ und nicht um den kürzesten Weg in die nahegelegene chirurgische Notaufnahme?
Wie auch immer: PSYCROPTIC ballern ihren „Tasmanian Extreme Metal“ jedenfalls zügig und treffsicher unters Volk, dass es eine wahre Pracht ist.



Die Hydrogrinder von CEPHALIC CARNAGE machen hernach auch nicht viele Gefangene, wenn ihr musikalisches Angebot ob der Frickelparts auch manchmal eher etwas schwerer verdaulich ist. Schreihals „Lenzig“ Leal mit JAG PANZER-Shirt jedenfalls hat ganz offensichtlich Spaß an seinem Job, Basser Nick Schendzielos mit seinem Sechssaiter übernimmt auch mal die Schrei-Vocals und die beiden Gitarren fräsen sich dazu munter durchs Bahnhofsgelände und sämtliche Metalspielarten. Geboten werden u.a. „Hybrid“, „Dying Will Be The Death Of Me“, „Endless Cycle Of Violence“ und eine Black Metal-Verarsche mit Faschingsmasken zu „Black Metal Sabbath“. Wirklich nicht unlustig, aber zur bereits etwas vorgerückten Stunde auch zunehmend anstrengend.



THE BLACK DAHLIA MURDER haben nicht nur die größte Merchandise-Auswahl vor dem Saal [u.a. ein wirklich witziges BOLT THROWER-"Warmaster"-Rip off-Shirt], sondern vermögen auch nochmal die letzten Reserven der moshwilligen Anwesenden zu mobilisieren. Damit generieren sie erneut einen ansehnlichen Circle Pit, der diesmal auch weitgehend ohne Prügeleien funktioniert und bis zum Schluss tapfer mit Leibern befeuert wird.
Sänger Trevor Strnad hat sichtlich abgespeckt, wirkt mit kürzerem Fassonschnitt nun auch nicht mehr ganz so wie eine Tanzbärausgabe von Jack Osbourne, legt seine Hornbrille ab, brüllt ins Mikro und los geht’s mit Melodic Death Metalcore-Entertainment vom Feinsten. Verstärkt durch den vollbärtigen ex-ARSIS-Klampfer Ryan Knight werden in rascher Folge zunächst überwiegend Melo-Death-Abrissbirnen von der immer noch aktuellen „Nocturnal“-Scheibe dargeboten: „What A Terrible Night To Have A Curse“, „Everything Went Black“, „I Worship Only What You Bleed“ und wie sie alle geheißen haben mögen, werden begeistert abgefeiert.
Auch „Elder Misanthropy“ gibt es, vom „Unhallowed“-Debüt, sowie „Miscarriage“ und „Statutory Ape“ von „Miasma“. Trevor ist zudem mittlerweile ein recht passabler Animator geworden, der seine Gefolgschaft durch launige Ansagen [„Come on, show 'em how tough you really are!“, „Come upfront, they won't hurt you!“ oder „This is a metal show, let's have some fun...!“] zu motivieren weiß.
Gitarrist Brian ist zwar bereits sichtlich euphorisiert, fordert aber nichtsdestotrotz zwischen den Liedern penetrant Nachschub an psychotropen Tabakwaren, mit denen sich die Herren aus Michigan den dröge-anstrengenden Touralltag offensichtlich erträglich rauchen.
Alles in allem bieten THE BLACK DAHLIA MURDER aber eine ebenso routinierte wie mitreißende Show, die ihren Headlinerstatus durchaus zu rechtfertigen weiß [schließlich hat man sich ja auch schon lange genug im Vorprogramm diverser Kollegen hochgedient] und den würdigen Abschluss dieses gelungenen Konzertabends darstellt, bevor sämtliche Bands wieder ihren Nightliner besteigen und die dampfenden Fans in die kalte Winternacht entlassen werden.

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 04.02.2009 | 22:27 Uhr
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