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"Hörbare Weiterentwicklung"
Band(s):
Metalnews nach 'The Intersphere; Katortz; On Top Of The Avalanche' durchsuchenThe Intersphere; Katortz; On Top Of The Avalanche
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Datum: 08.05.2012Stadt: Stuttgart

ON TOP OF THE AVALANCHE

Es ist vor allen Dingen auch der bescheidenen Stuttgarter Parkplatz-Situation zu verdanken, dass ich von der lokalen Vorband ON TOP OF THE AVALANCHE leider nur noch die letzten drei Songs mitbekomme. Denn das junge Trio, das sich stilistisch grob in der Schnittmenge von Postcore und Alternative Rock verorten lässt und immer wieder geschickt zwischen aggressiven Parts und starken Melodien hin- und herspringt, kann sich durchaus hören lassen. Das sehen auch die ca. 150 Nasen so, die sich an diesem Abend im Club Zentral eingefunden haben und von denen nicht nur der Großeil der jungen Band seine vollste Aufmerksamkeit schenkt, sondern deren Leistung auch mit reichlich Applaus honoriert. Den großen Lacher des Gigs hat allerdings eine junge Dame aus dem Publikum auf ihrer Seite, die sich während einer Ansage des Sängers mit ihrer Begleitung unterhält und sie diese just in jenem Moment, als der Sänger kurz innehält und es im gesamten Saal mucksmäuschenstill ist, recht wirsch – und für alle gut hörbar – mit den Worten „Wenn Du mit mir flüsterst, verstehe ich Dich nicht!“ anraunzt.


KATORTZ

Krampfhaft nach Lachern gesucht haben auch KATORTZ, die permanente Supportband von THE INTERSPHERE auf dieser Tour – gefunden haben sie sie jedoch nicht. Ganz im Gegenteil, sie haben es sogar geschafft, anhand ihrer unfassbar unkomischen Ansagen dem alten Ausspruch „Füße hoch – Flachwitz!“ eine völlig neue Dimension zu verleihen. Sie können einem schon fast leid tun, wenn sie in freudiger Erwartung eines sich gleich vor Lachen schüttelnden Publikums, Zoten à la „Das ist Ka, ich bin To und unser Drummer heißt Rtz – zusammen sind wird KATORTZ!“ reißen, letztendlich damit aber nur weitere Zuschauer dazu bewegen, den Saal zu verlassen. Mitunter entwickelt sich eine regelrechte Massenflucht, sodass sich im Endeffekt wohl nicht viel mehr als 30 Anwesende den kompletten Auftritt des Trios anschauen. Aus musikalischer Sicht waren die knapp 35 Minuten aber gar nicht mal so schlecht. Die Band spielt enorm groove-orientierten Rock mit deutschen Texten und erschaffen überraschenderweise einen absolut eigenständigen Sound. Mir persönlich würde zumindest keine Band einfallen, mit der man KATORTZ vergleich könnte. Trotzdem sind es nicht nur ihr merkwürdiger Humor und die Musik an sich, die hier nicht jedermanns Geschmack trifft, sie wirken auch durch ihr geschätztes Alter, das bei den drei Herren – vielleicht mit Ausnahme des Sängers – vermutlich schon deutlich jenseits der 40 liegt [womit sie alt genug sein dürften, um die Väter von mindestens 90% der im Saal anwesenden - inklusive der beiden anderen Bands - sein zu können], wie ein Fremdkörper in dieser Tourkonstellation wirken. Da kann auch ihre grundsympathische Erscheinung nicht hinüber weg täuschen.


THE INTERSPHERE

Dann ist es aber endlich Zeit für den Headliner des Tages, die Neuentdeckung des Jahres in Sachen anspruchsvolle Rockmusik aus deutschen Landen: THE INTERSPHERE. Nachdem die Gigs der vorangegangenen Tage aufgrund einer Erkrankung abgesagt werden mussten, kehrt die Band in Stuttgart schließlich auf die Bühne zurück – und wie! Man merkt ihnen die kurze Zwangspause eigentlich zu keiner Sekunde an [es sei denn, dass sich der größtenteils recht angestrengt wirkende Gesichtsausdruck von Sänger Christoph Hessler dadurch erklären lässt], die Band sprüht an diesem Tag nur so vor Spielfreude und auch das Publikum zeigt sich jetzt von seiner besten Seite und ist einfach enorm dankbar für jede einzelne dargebotene Songperle, was mit langen und lautstarken Ovationen belegt wird. In puncto Songauswahl legen THE INTERSPHERE den Fokus erwartungsgemäß in erster Linie auf die Stücke ihres aktuellen und fabelhaften Albums „Hold On, Liberty!“ [das im Februar sensationell auf Platz 63 der deutschen Albumcharts eingestiegen ist], lassen aber auch immer wieder die nicht minder großartigen Songs vom Vorgängeralbum „Interspheres >< Atmospheres“ einfließen und auch der Erstling „s.o.b.p.“ ist mit dem Quasi-Titelstück „Small Ones Brain Pain“ und „Koma“ vertreten. Das Ganze kommt in einem enorm wuchtigen, aber dennoch äußert ausgeklügelten Sound daher, in dem das filigrane Element der Kompositionen auch bestens zur Geltung kommt. Insgesamt ist es eine überaus beeindruckende Vorstellung und ein sehr intensives Konzert, bei dem wirklich alles stimmt, wovon auch die extrem euphorischen Reaktionen des Publikums zeugen, das speziell „Masquerade“ und „Hold On, Liberty“, sprich den Opener und den Titelsong des aktuellen Albums, frenetisch abfeiert. Nach 75 überaus kurzweiligen und einfach hochklassigen Minuten ist dann schließlich Schicht im Schacht, aber wirklich jeder, der daraufhin seinen Heimweg vom Club Zentral aus antritt, tut dies freudestrahlend. Und auch wenn sich das [noch] nicht in den Zuschauerzahlen niederschlägt, so spielen THE INTERSPHERE doch bereits jetzt in einer Liga mit DREDG oder MUSE und sind – live wie auf Platte – wohl das Beste, was Deutschland im Bereich anspruchsvoller, moderner Rockmusik derzeit zu bieten hat!


Setlist THE INTERSPHERE:

01. Intro
02. Prodigy Composer
03. Small Ones Brain Pain
04. Aurora
05. Cap It All
06. Snapshot
07. Interspheres >< Atmospheres
08. Over
09. Hold On, Liberty!
10. Masquerade
11. Koma
12. Sleeping God
13. I Have A Place For You On Google Earth
______________________________________

14. Early Bird
15. Parallel Lines
16. Destination

kaamos

Autor: Timo Beisel [kaamos] | 14.05.2012 | 22:15 Uhr
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