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Live-Berichte über Triggerfinger
CD Review: 1349 - Massive Cauldron of Chaos

1349
Massive Cauldron of Chaos


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"Heimatlosigkeit der Städte"
Band(s):
Metalnews nach 'Triggerfinger' durchsuchenTriggerfinger
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Datum: 18.04.2012Stadt: Hamburg




„Ey los, 18. April TRIGGERFINGER im Hafenklang!“ Wiewaswer? Abzugflosse? Nie gehört. Was soll das sein? Aber wenn Maestro Bayer so begeistert ist, kann's ja zumindest nicht ganz für'n Arsch sein – also einfach mal auf Verdacht den Listenplatz beansprucht und ab nach Hamburg. An dieser Stelle noch ein kleiner Tipp für nicht ortskundige Autofahrer: Einfach mal losfahren und dem Zufall vertrauen. Irgendwann – in unserem Fall nach etwa zweieinhalb Durchläufen von FANTOMAS' „The Director's Cut“ - kommt man genau da an, wo man hin will und findet auch gleich einen Parkplatz. Klappt hundert pro, verlasst euch drauf!

Im Hafenklang, mittlerweile umgeben von dubiosen Software-Klitschen und Touristenfallen, stehen heuer zwei Bands auf dem Programm. Im Erdgeschoss spielen THE GHOST OF TOM JOAD eines ihrer letzten Konzerte, sodass TRIGGERFINGER eine Etage weiter oben im „Goldenen Salon“ auftreten müssen. Gleich zu Beginn erweist es sich als gute Entscheidung, auf den „Abendkassen-Poker“ verzichtet zu haben. Ausverkauft – offenbar ist der Herr Metalredakteur mal wieder einem Trend haarscharf auf der Spur, den er dann in bierseliger Wurschtigkeit ignorieren kann. Super!

Nicht so super ist, dass die drei Belgier, die heute ohne Vorband unterwegs sind, ihr Publikum zunächst einmal ganz schön auf die Folter spannen. Man lässt sich Zeit, geht den Abend entspannt an und wartet dann noch ein wenig, ehe man die niedrige Bühne im mittlerweile rappelvollen „Goldenen Salon“ betritt. Woher der seinen Namen hat? Gute Frage eigentlich. Ich tippe auf den irgendwie schuppig und abgewetzt wirkenden Vorhang, der die hintere Bühnenwand verkleidet. Ballonseide? Mag sein. Vielleicht auch eher Halbseide, was ganz hervorragend zu den drei Gestalten passt, die mit einem Mal auf der Bühne stehen.




TRIGGERFINGER, das muss man einfach mal so sagen, können in Sachen unvertrauenswürdiges Aussehen der aktuellen ELECTRIC WIZARD-Besetzung ohne Weiteres das Kölnisch Wasser reichen. Schlagzeuger Mario Goossens stellt eine optische Mischung aus Bernd Knauer aus Youth Wars und Bela B dar, gewandet in einen rot-weiß gestreiften Zahnpasta-Anzug. Am rechten Bühnenrand baut sich ein Hüne auf, dessen dunkler Anzug von einer beachtlichen Wampe straffgezogen wird. Vor dieser wiederum baumelt der Viersaiter, während sich das Licht der Bühnenscheinwerfer in der polierten Glatze und der dunklen Fliegerbrille spiegelt. Links außen – vom Saal aus betrachtet – steht ein weiterer Anzugträger. Seine schütteren, grauschwarzen Haare sind glatt zurückgekämmt und glänzen nass. Von Gel, Wasser oder Spucke – wer kann oder will das sagen? Das Gesicht rahmt ein imposanter, fieser Backenbart – ebenfalls grau, nur der Teil unter der Nase hat noch Farbe. Pechschwarz. Ob das echt ist? Kann auch gefärbt sein. Warum ich mich an Äußerlichkeiten so aufhalte? Weil es wichtig ist. Weil TRIGGERFINGER nämlich ganz genau wissen, dass sie wie schmierige Gebrauchtwagenhändler aus Las Vegas – oder wie man sie sich vorstellt – aussehen und es zu ihrer Show gehört. Leuten, die so aussehen, traut man normalerweise nämlich nicht viel zu, schon gar nichts Gutes. Das Trio aus Antwerpen hat es, das muss man einfach mal so hinnehmen, voll und ganz drauf. Perfekt eingespielt und saumäßig tight hauen TRIGGERFINGER einen Song nach dem anderen ins begeisterte Hamburger Publikum. Unerbittliche, knallharte Rhythmusarbeit trifft auf monströse, wuchtige Riffs. Schade bloß, dass Sänger und Gitarrist Ruben Block seiner Stimme nicht voll und ganz zu trauen scheint – mit etwas weniger Hall wäre sie sicher besser zur Geltung gekommen. Macht aber nichts, Hamburg frisst den Belgiern sowieso aus der Hand. Dass die Band in ihrer Heimat sowie in den angrenzenden Niederlanden bereits einiges an Charterfolgen vorzuweisen hat, wundert angesichts ihrer Songs nicht. Sowohl mit LED ZEPPELIN als auch mit QUEENS OF THE STONE AGE hat man sie verglichen – vor allem letzteres scheint naheliegend, auch wenn TRIGGERFINGER ihren Gitarrensound vielleicht noch eine Spur drückender und dröhnender schätzen und ihr allgemeiner Rockfaktor auch angenehm an CLUTCH erinnert. Hinzu kommt ein dezenter Noise-Einschlag, der zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle bleibt. Nick Caves Schaffen bei THE BIRTHDAY PARTY und GRINDERMAN kann man ebenfalls als Vergleich heranziehen, wenngleich TRIGGERFINGER sichtlich ihr eigenes Ding drehen und die Stimmung fast zwei Stunden lang konstant hoch halten können. Ein Hamburger Publikum zum Gröhlen zu bringen, noch dazu an einem Mittwoch, ist etwas, das bei weitem nicht jeder Band gelingt – schon gar nicht, wenn sich das Publikum zu einem guten Teil aus aktiven Musikern zusammensetzt, die ja schon von Amts wegen oft abgebrühtere Zuschauer darstellen. Kein Wunder, dass die beiden Alben „What Grabs Ya?“ und das aktuelle „All This Dancin Around'“ trotz nicht ganz günstiger Preise [20 € für Vinyl] im Anschluss wie geschnitten Brot über den Tisch gehen. Wer noch nichts von TRIGGERFINGER gehört hat, aber mit den Referenzen oder auch einfach nur mit geiler Rockmusik etwas anfangen kann, der sollte die Antwerpener definitiv austesten – am Besten natürlich live. Wobei die Albumversion auch etwas taugt – sie ist halt nur nicht laut genug.

Grim_Rieper

Autor: Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper] | 21.04.2012 | 11:51 Uhr
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