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Datum: 21.02.2013Stadt: Kiel

So schnell ändern sich die Vorzeichen: Hatten TRIGGERFINGER noch letztes Jahr kleine Clubs wie das Hamburger Hafenklang auf ihrem Tourplan, so reiht sich keine zwölf Monate später eine monströse Schlange vor dem Eingang der Kieler TraumGmbH auf. Nun ist die sicherlich auch zum Teil der etwas desorientiert wirkenden Einlasspolitik zu verdanken [wer keine Jacke abgeben will kann manchmal vorbei, da lang wo Gäste und Presse laut Schild hinsollen aber letztlich dann auch nicht immer gelassen werden] aber gut war es wohl doch, den Gig der Belgier aus dem kleineren Orange Club in den großen Saal der „Trauma“ zu verlegen.

.:HONG KONG DONG:.


Ist die Schlange überwunden, tritt man um kurz nach 20:00 Uhr in ein unerwartetes Inferno. Auf der Bühne buhlt etwas um die Gunst des Publikums, das man optisch und akustisch durchaus als fleischgewordene Bad-Taste-Party bezeichnen kann. HONG KONG DONG spielen eine absurde Mischung aus Discopop, Alternative Rock, Noise und Dub mit gleichermaßen hohem Nerv- wie Faszinationspotenzial. Einflüsse von TALKING HEADS, FLAMING LIPS oder YEAH YEAH YEAHS lassen sich der Band um das Geschwisterpaar Sarah Yu und Boris Zeebroek ebenso attestieren wie ein ausgeprägter Zerstörungswille. Wie man damit umgehen soll? Keine Ahnung. Jedes Stück der Belgier hat seine Momente und ist erkennbar liebevoll gemacht. Andererseits gibt’s auch in jedem Stück Parts, bei es mir hochkommt, besonders bei „Lesbians Are A Boy's Best Friend“. Ob sich die Band in Kiel mehr Freunde oder mehr Feinde gemacht hat, ist schwer zu sagen. Mir persönlich liegt der Wahnsinn von DE STAAT oder GOON MOON eher. Interessant sind HONG KONG DONG trotzdem. Glaubt ihr nicht? Hier:







Außerdem passt es irgendwie zu TRIGGERFINGER, eine solche Band gut zu finden und mit auf Tour zu nehmen. Auch, wenn man sie einem Publikum vorsetzt, das bloß das schöne, aber eher untypische LYKKE LI-Cover „I Follow Rivers“ kennt und sicher einen anderen Härtegrad erwartet. Nicht zuletzt genanntem Cover und seiner ausgeprägten Medienpräsenz [inklusive von RTL begleitetem Kurzgastspiel in Wladimir Klitschkos Garten] ist es sicher zu verdanken, dass das belgische Trio auf der Verlängerung seiner „All This Dancin' Around“-Tour vor grob geschätzt siebenmal so vielen Leuten auftritt wie noch im letzten Jahr. Und diesem Hit mag es auch anzulasten sein, dass auf einem Rockkonzert Leute mit einem Mal meinen, sich einen Stehplatz freihalten lassen zu können, während sie eine halbe Stunde für Weinschorle anstehen. Schon klar. Nächstes Mal bitte dran denken, das Handtuch auszulegen. Und tschüss!




TRIGGERFINGER können nichts dafür und tun von Anfang an, was sie am Besten können. Sie rocken und kümmern sich herzlich wenig um Nebensächlichkeiten. Okay, ihr unvertrauenswürdiges Aussehen ist ihnen anscheinend nach wie vor wichtig. Wie gehabt: Anzüge + diverse Alleinstellungsmerkmale. Fieser Backenbart auf Gitarristen-, Glatze, Wampe und Fliegerbrille auf Bassistenseite. Im Hintergrund ein Schlagzeuger, der offenbar Spaß an den grausamstmöglichen Farbkombinationen hat. Lilafarbener Anzug mit extra kurzen Hosenbeinen und dazu rote Schuhe? Aber sicher doch! Solange er zum knarzigen, bluesigen und geschmackssicheren Rock TRIGGERFINGERs nicht nur den Rhythmus liefert, sondern gleichzeitig auch noch seine eigene Rock'n'Roll-Show ist, darf sich der Mann von mir aus schlimmer anziehen als ganz KNORKATOR zusammen. Man muss nicht unbedingt wissen, dass er 2011 von der belgischen Musikindustrie eine Auszeichnung in der Kategorie bester Musiker bekommen hat. Aber wenn ein Schlagzeuger mit einem Solo und seinen überdrehten Mitsing- oder eher Mitkreisch-Spielchen ein Publikum so unterhalten kann wie es Mario Goossens heute tut, dann handelt es sich in jedem Fall um eine Rampensau erster Güte. Schon klar, dass, Gitarrist und Sänger Ruben Block sich solange darauf beschränkt, auf allen möglichen Boxen herumzutanzen, während Bass-Brocken Paul Van Bruystegem grinsend an einer kleinen, weißen Kaffeetasse nippt. Was drin ist wird nicht verraten – überhaupt gibt es wenige Unterbrechungen der von Songs des 2012er Albums „All This Dancin' Around“ dominierten Setlist. Wenn Ruben doch mal etwas sagt, dann sind es entweder Kommunikationsbausteinchen in nahezu akzentfreiem Deutsch [ob er es wirklich spricht bleibt offen, kann aber gut angehen], Dankesworte für den reichlichen Applaus oder Witzeleien über seine durch eine Erkältung angeschlagene Stimme bzw. seinen „inneren Barry White“. Gesanglich schont er sich allerdings kein Stück und schreckt auch vor exaltiertestem Bluesgott-Geschrei nicht zurück, sodass der LED ZEPPELIN-Vergleich auch diesmal neben demjenigen mit QUEENS OF THE STONE AGE stehen wird. Dass die Belgier das Publikum auf das ersehnte „I Follow Rivers“ bis zum Zugabenblock warten lassen, erinnert zwar an die Kieler-Woche-Strategie von GUILDO HORN und MATTHIAS REIM. Immer schön die Spannung halten, jaja. Aber obgleich die richtige Party höchstens in den ersten paar Reihen vor der Bühne gefeiert wird hat man nicht den Eindruck, dass für die anwesenden Kielerinnen und Kieler die Zeit nicht vergeht. Dass jemand einfach gegangen wäre, erscheint schwer vorstellbar. Außer vielleicht den Handtuchvergessern und Möchtegern-Pooltyrannen, auf die man im Rahmen eines Rockkonzertes und auch sonst im Leben wunderbar verzichten kann. Und am Ende finden TRIGGERFINGER neben der Pflicht auch noch Zeit für die Kür in Form des saumäßig guten RIHANNA-Covers „Man Down“ und der eher psychedelisch gelagerten, bisher noch nicht veröffentlichten Neuauflage von NEIL YOUNGs „Driveby“. Stimmt, die haben ja als Coverband angefangen. Und können's immer noch, und das nicht zu knapp!

grim_rieper

Autor: Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper] | 26.02.2013 | 03:05 Uhr
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