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Datum: 14.06.2009Stadt: Nürnberg

Mit dem im August erscheinenden „Dominator“ steht das inzwischen zwölfte Studioalbum der einheimischen Heavy Metal-Urgesteine U.D.O. praktisch schon direkt vor der Haustür – aus gegebenem Anlass luden uns die Herren um Bandchef Udo Dirkschneider nach Nürnberg ein, um dem Fotoshooting für die nächste Platte beizuwohnen. In der anheimelnden Atmosphäre eines Mercedes-Cockpits bekamen wir auf dem zugehörigen Parkplatz dann auch gleich noch die Möglichkeit, uns einen ersten Eindruck der Songs von „Dominator“ zu verschaffen.





„The Bogeyman“
Der erste Track eröffnet die Platte mit düsteren Synthie-Sphärenklängen, die sogleich von einem mächtigen Teutonenstahl-Riff aus dem Midtempo-Bereich sowie typischem Dirkschneider-Gesang abgelöst werden. Vor allem im Refrain erinnern die knallharten, stampfenden Riffs an RAMMSTEIN, was den Song sehr modern und düster anmuten lässt. Um das Bild etwas aufzulockern wartet man noch mit einem eingängigen Mittelteil, der in ein furioses Solo übergeht, auf – alles in Allem also ein mächtiger Einstieg ins neue Album.


„Dominator“
Der Titeltrack schlägt in die gleich Kerbe wie sein Vorgänger, allerdings ein wenig schneller aber immer noch mit tonnenschwerem Riffing und merklich düsterem Unterton, jedoch fließen auch hier wieder die altbekannten Trademarks der Band mit ein. Hinzu kommen coole, stimmige Breaks im Prechorus und ein ACCEPT-mäßiger Refrain, danach folgt ein von eingängigen Gitarrenmelodien eingeleitetes, rockiges Solo.


„Black And White“
Dieser Song wird als erstes mit einem Video aufgewertet werden und begeistert von Anfang an als die erste traditionelle U.D.O.-Nummer auf „Dominator“: Ein Metalriff typisch deutscher Machart geht einer von unverzerrten Gitarren getragenen Strophe voran und in Prechorus und Refrain packt Herr Dirkschneider endlich das „I’m A Rebel“-Organ aus – herrlich.


„Infected“
Der EP-Song und damit Vorbote des neuen Albums. Uptempo-Riffs und treibende Gesangslinien gehen hier mit einem von Doublebass-Salven angetriebenen Refrain einher, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen. Betrachtet man dazu noch die überaus gelungene Gitarrenarbeit, wird deutlich, dass „Dominator“ nicht besser repräsentiert werden könnte.


„Heavy Metal Heaven“
Hier wird es wieder etwas langsamer und dank des Refrains, der auch aus der Feder der Hanseaten GAMMA RAY stammen könnte und der nur von Bass und Schlagzeug begleiteten Strophe, mutet dieser Song beim ersten Hören auch etwas befremdlich an. Sobald die Gitarren einsetzen wirkt der skandierte Gesang jedoch äußerst mitreißend und der Songaufbau legt nahe, dass „Heavy Metal Heaven“ sich im Live-Betrieb als überaus interessant erweisen könnte.


„Doom Ride“
Nachdem „Doom Ride“ mit einem heftigen ACCEPT-Riff eingesetzt hat, wird in der Strophe das Gas erstmal etwas zurück genommen – nur, um im Refrain dann wieder voll loszulegen. Zusammen mit Udos unverkennbarem Gesang und dem passenden, rockigen Solo ergibt dieser Track eine wirklich amtliche Teutonenstahl-Hymne.


„Stillness Of Time“
Ein vom Klavier getragenes Intro mit Synthie-Streichern legt es bereits nahe: Jetzt wird es balladesk. Auf ein für Power-Balladen typisches, eher langsames Riff folgt dann auch erstmal eine – leider etwas überladene – Strophe, in der Udo von Streichern begleitet wird und sehr variabel singt. Zum Glück regiert im Refrain wieder der Rock, was den Kitsch auf erträglicher Distanz hält. Insgesamt ist dieser Song zwar etwas vorhersehbar aber dennoch gut hörbar.


„Devil’s Rendevous“
Udos schelmisches Lachen leitet eine sehr vom Rock ‚n’ Roll inspirierte, fast schon tanzbare Nummer ein, die überrascht und amüsiert. Damit sticht der Song stark heraus ohne deplaziert zu wirken und mutet auch ein bisschen wie eine amerikanisierte Version von „Trainride To Russia“ an. Nicht unbedingt das, was man erwarten würde, aber dennoch großes Kino.


„Bleeding Heart“ [Japan Bonus-Track]
Endlich wieder ein traditioneller U.D.O.-Song der vorbehaltlos als Hommage an alte ACCEPT-Tage angesehen werden kann. Mit seinem ungeschliffenen, punkigen Charme erinnert dieses Lied stark an „I’m A Rebel“ und macht mit seinem Mitsing-Refrain ordentlich Laune – schade, dass nur Japan in den Genuss dieses Songs kommen wird.


„Pleasure In The Darkroom“ [Digipack Bonus-Track]
Und noch ein Song, der sich nicht auf der regulären Version des Albums befinden wird. Eingeleitet von verheißungsvollen, unverzerrten Gitarren geht „Pleasure In The Darkroom“ bald in ein trümmerndes Midtempo-Riff über und bietet das, was U.D.O. am besten können: Gradlinigen, beinharten Heavy Metal nach Solinger Rezept. Auch hier passt die Band ihren Stil jedoch an aktuellere Hörgewohnheiten an und so sind auch hier leichte RAMMSTEIN-Reminiszenzen nicht zu überhören.


„Speed Demon“
Nomen est omen: Hier wird die Geschwindigkeit merklich angezogen und Udos hektischer Gesang gesellt sich – eingeleitet von kreischenden Gitarren – zu einem hämmernden Hochgeschwindigkeits-Riff mit Doublebass-Repetierfeuer. Die so aufgebaute Spannung gipfelt dann in einem Band-typischen Mitgröl-Refrain, gefolgt von zweistimmigen Leadgitarren mit leichtem Kopfnicken in Richtung „Fast As A Shark“.


„Whispers In The Dark“
Erneut von Klavier- und Streicherklängen eingeleitet wirkt der Rausschmeißer dank unverzerrter Gitarren, mehrstimmigem Chorus und spanischem Gitarrenzwischenspiel bis zur zweiten Strophe wie eine waschechte Ballade. Im weiteren Verlauf folgen gediegener Gitarrenbombast und ein packendes Solo. An sich handelt es sich hier um einen guten Song, am Ende des Albums ist er jedoch vielleicht etwas deplaziert.


Auf „Dominator“ machen U.D.O. den nächsten logischen Schritt nach „Mastercutor“ und fahren mit der Modernisierung ihres Sounds fort, ohne dabei ihre Wurzeln zu verleugnen. Schön ist, dass die neue Platte mit einer ordentlichen Portion Abwechslung begeistern kann, was die Hörerschaft von Anfang bis Ende bei Laune halten sollte. Insgesamt eher im Midtempo-Bereich angesiedelt unterstreicht gerade das neue Klanggewand die Heaviness und Düsternis der neuen Kompositionen, was durch die vereinzelten Uptempo-Brecher und balladesken Momente hervorragend ausbalanciert wird. Ersteindruck: Sehr gut.

Metalviech

Autor: Thomas Meyns [Metalviech] | 15.06.2009 | 01:08 Uhr
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