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.: NICHT EINGELOGGT
Band(s): | Share:
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| Datum: 30.03.2011 | Stadt: Karlsruhe | |||||
Lange, sehr lange hat es gedauert, ehe die norwegische Avantgarde-Truppe ULVER sich dazu entschlossen hat, überhaupt ein Konzert bzw. Konzerte zu geben und auf Festivals [siehe Brutal Assault Open Air] aufzutreten. Den Anfang machte dabei der Auftritt im Maihaugsalen in norwegischen Lillehammer vor gut zwei Jahren. Seitdem sind ULVER bereits mehrfach auf Tour gewesen und ackern sich allmählich, jedoch beharrlich durch Europa. Nun sind auch, nach den Konzerten in Berlin und Hamburg im letzten Jahr, deutlich mehr Auftritte in Deutschland hinzugekommen, so zum Beispiel in Bochum, München oder eben auch Karlsruhe, wo ULVER sich an einem kühlen Frühlingsabend im März ein Stelldichein geben. Dem ungefähr 200 zahlende Gäste beiwohnen, die sich im – inzwischen aus der Innenstadt weggezogenen und auf dem Gelände des alten Schlachthofs befindlichen, „neuen“ – Substage einfinden. Schon allein das Publikum zeigt eine bunte Zusammenstellung, die die Musik und den Werdegang von ULVER mehr als widerspiegelt, schließlich hat sich das Projekt nach dem Black Metal der Anfangszeiten schon seit etlichen Jahren den elektronischen Klängen [Trip Hop, Electronica, Industrial, Ambient] zugewandt. Ganz in diesem Zeichen steht nun auch das neue Album der Jungs um Kristoffer Rygg a.k.a. Garm, „Wars Of The Roses“, das zwar offiziell erst Ende April erscheint, jedoch in der Vinylversion bereits am Merch-Stand zu ergattern ist und oft über den Tisch gegangen sein dürfte. Dabei zeigt sich beim Eintreffen um kurz vor halb neun, dass die einzige Vorband, ZWEIZZ, bereits längst fertig zu sein scheint, obwohl der Beginn für 20 Uhr anberaumt war. Anscheinend haben wir aufgrund längerer bzw. verzögerter Anreise allerdings auch nicht viel verpasst, wie einige Aussagen von Zuschauern im Club vermuten lassen. Von „Mist“ bis zu „Manche nennen es wohl Schrott, andere dafür wiederum experimentelle Klangkunst“ ist der Grundtenor recht ähnlich, und da Geschmäcker nun einmal verschieden sind und der Redakteur leider noch nicht vor Ort war, um sich ein eigenes Bild zu machen, belassen wir es einfach dabei bzw. bei dem Link zur MySpace-Seite von ZWEIZZ.
.: ULVER :. Nach etwas längerer Umbaupause legen ULVER dann um 21 Uhr ziemlich undramatisch einfach mit ihrem Set los, bemerken davor mal kurz und trocken „We’re Norwegian, man. Takk.“, und weiter geht es im Text. Im Vordergrund steht im wahrsten Sinne des Wortes Kristoffer Rygg, der ruhig und in sich gekehrt sowie bei bester Stimme zu überzeugen weiß, während ansonsten vor allem Daniel O’Sullivan, ebenfalls recht weit vorne am Bühnenrand positioniert und abwechselnd Bass und Piano bedienend, hervorsticht. Der Rest der Band hält sich vornehm im Hintergrund – ganz große Klasse: der gelegentlich mit Pornobrille ausgestattete und ziemlich abgeranzt wirkende Drummer Lars Pedersen –, wirkt dabei hochkonzentriert und will – rein optisch betrachtet – irgendwie überhaupt nicht zusammenpassen. Was wiederum aufzeigt, wie unterschiedlich die Charaktere sind, die unter dem Banner ULVER zusammengefunden haben und die dort zusammen Kunst/Musik zelebrieren. Hinzu kommen einige minimalistisch gehaltene Projektionen, die vor allem beim wunderschönen und zweistimmig vorgetragenen „Providence“ sowie „Norwegian Gothic“ sehr zu überzeugen wissen und die Musik sinnvoll bereichern und unterstützen. Überhaupt tut man als Zuschauer gut daran, möglichst wenig vom Auftritt zu erwarten, denn gerade die alten Fans können fast nur enttäuscht werden. Warum? Weil ULVER während der doch arg knapp bemessenen 70 Minuten [inkl. Zugabe] zu 90% Material des neuen Albums, „Wars Of The Roses“, darbieten. Vielleicht auch ein cleverer Schachzug, um jegliche Erwartungshaltung bezüglich älterer Songs bewusst auszuhebeln? Wer weiß. Schade ist jedenfalls, dass kein einziges Stück vom grandiosen „Shadows Of The Sun“ oder auch „Blood Inside“ Platz finden, und wer gar Stücke der ersten Alben erwartet, nun ja, der hat mindestens die letzten zehn Jahre bei ULVER sowieso verpennt, da wir hier von einer gänzlichen anderen Band und Musik sprechen. Kritisch ist natürlich, dass somit kaum jemand mit dem neuen Material vertraut ist bzw. sein kann und daher auch nicht mit frenetischen Rückmeldungen gerechnet werden kann; vom bereits vorab verfügbaren, leider etwas schwachen und wenig innovativ klingenden „February MMX“ einmal abgesehen, das auch gleich als Opener fungiert.
Dafür weiß „England“ mittels seiner düsteren und nachdenklichen Atmosphäre sowie der unter die Haut gehenden Pianomelodie gänzlich zu überzeugen, während beim 15-minütigen „Stone Angels“, dessen Text aus dem gleichnamigen Gedicht von Keith Waldrop besteht und eindrücklich von O’Sullivan intoniert wird, wirklich dauerhaft Gänsehautatmosphäre erzeugt wird und noch lange im Ohr hängen bleibt – fraglos das Highlight des Sets. Doch dann ist auch schon die Zeit fast vorbei und nach einigem Bitten geben sich ULVER noch die Ehre, mit „Hallways Of Always“ ein Stück von „Perdition City“ zu spielen, das frenetisch bejubelt wird und wiederum unterstreicht, dass man an diesem Abend mit ein paar älteren Nummern sehr leicht hätte punkten können. Doch nach 70 Minuten ist wie gesagt Schicht im Schacht, nachdem man sich fast schon schüchtern und wortkarg verabschiedet hat, sodass das Konzert bereits um kurz nach 22 Uhr vorbei ist. Fazit: Wer ULVER noch nie gesehen hat und grundsätzlich etwas mit deren Musik, wenn auch vielleicht nicht mit jedem Album, etwas anfangen kann, sollte sich wirklich überlegen, die Band live anzusehen. Allzu hohe Erwartungshaltungen sollte man jedoch nicht mitbringen, denn die Musik von ULVER funktioniert nun einmal in den eigenen vier Wänden, am besten mit Kopfhörern, am meisten und eindrücklichsten, auch wenn die Setlist durchaus ein paar Perlen bereithielt und es soundtechnisch wenig bis nichts zu beanstanden gab. Eine große Bühnenshow oder Interaktion mit dem Publikum sollte man jedoch nicht erwarten, denn dafür sind die Musiker viel zu sehr in sich gekehrt und bei der Sache. Oder wie Kollege Thomas von Metal.de treffend anmerkt: „Es ist halt nicht so sexy, sechs Typen beim Knöpfchendrehen bzw. beim Rauchen [Kristoffer Rygg] zuzuschauen, dafür sind die viel zu konzentriert in ihrer eigenen Welt.“ – Wer damit gut leben kann und diese Avantgarde-Einstellung zu schätzen weiß bzw. erleben will, wird sehr zufrieden nach Hause gegangen sein; wer jedoch mehr erwartet hat, gerade auch bei der Spielzeit und bei der Songauswahl, kann jetzt guten Gewissens sagen, „ULVER mal gesehen zu haben“, aber dass das jetzt damit auch abgehakt ist, zumal 30 Euro an der Abendkasse nicht gerade ein Freundschaftspreis ist – denn so selten und exklusiv sind die Auftritte der Band inzwischen nun halt auch nicht mehr.
Setlist: – February MMX – England – September IV – Improvisation – Norwegian Gothic – Island – Providence – Stone Angels – Hallways Of Always [Zugabe]
soulsatzero | ||||||
| Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 31.03.2011 | 16:26 Uhr | ||||||
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Kommentar von: Krickel
13.04.2011 -- 16:44
Das ich aber für 30 Tacken nur Songs einer nicht veröffentlichten Platte zu hören bekomme, und mir die selbstdarstellerische Show eines Herrn O'Sullivan geben muss vergrätzt mir doch sehr, zumal Herr Sullivan mit den Ulver bis 2009 wenig zu tun hat. Sozusagen eine fremde Band mit einer fremden Platte und einer befremdlich arroganten Einstellung zur Hörerschaft. Schade, dieses Erlebnis hat mir das zukünftige Hören arg versaut.
Kommentar von: MS
10.04.2011 -- 21:44













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