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Datum: 08.10.2010Stadt: Würzburg



Vermutlich nicht zuletzt weil BLIND GUARDIAN am heutigen Freitagabend zeitgleich und unweit – nämlich in der Bamberger Arena – auftreten, ist der „B-Hof“ zu Würzburg zwar recht ordentlich gefüllt, aber leider dennoch weit jenseits von ausverkauft.
Dabei wird hier mit dem Auftritt der Bay Area-Legende VICIOUS RUMORS, die sich auf europäischem Boden in den letzten Jahren live ausgesprochen rar gemacht hatte, eine mehr als gute Alternative zum Sound der Krefelder Tolkien-Metaller geboten, vom - mit den Thrashern von HATRED nicht minder hochqualitativ besetzten - Rahmenprogramm ganz zu schweigen.



.:HATRED:.
So kommt es, dass die Schweinfurter Mosh-Crüe um Frontberserker „Bacchus“ ihren herrlich gestrigen und eigentlich zwingend moshigen Thrash Metal vor fast leerem Kellergewölbe zelebrieren muss.



Davon weitgehend unbeeindruckt ballern die Unterfranken routiniert vorneweg mit „United“ gleich mal einen neuen Song vom aktuellen Album, „Destruction Manual“, und gleich hinterher bereits bewährte Thrash-Granaten vom Kaliber „Follow The Leader“ und „Caught In The Pit“ in die übersichtliche Kulisse bzw. den bedauerlicherweise nonexistenten Pit vor der Bühne.
Der Sound kommt erfreulich druckvoll aus den Boxen und die gesamte Band agiert spielfreudig und motiviert, als es mit dem eingängigen „Run Amok“ dann noch mehr frisches Material gibt, dem die kultige Bandhymne „[We Are The] Mosh Crew“ und „Madhouse Symphonies“ [vom letztjährigen gleichnamigen Opus] folgen.
Weil unverständlicherweise immer noch nichts vor der Bühne geht, wird der unablässig bangende Bacchus zwar allmählich – und auch nicht wirklich ungerechtfertigt – etwas ungeduldig [„Was ist denn los mit Euch? Ihr habt doch Eintritt bezahlt...!“], macht seinem Frust aber ausgesprochen professionell bei den nun folgenden Klischee-Thrashbomben „Metal Bastards“ [mit unsterblichem Refrain zum Mitplärren auch noch nach sechs Bier] und „Metal Massacre“ Luft.
Zum Abschluss gibt es mit „Porkers Revenge“ nochmal frische Munition für zukünftige Moshpits und rotierende Häupter, die trotz engagierter und energetischer Performance des Schweinfurter Quintetts heute leider ausbleiben.



.:VICIOUS RUMORS:.
Als kurz darauf Geoff Thorpe und seine aktuelle VICIOUS RUMORS-Besetzung die übersichtliche Bühne entern und mit „Worlds And Machines“ [von „Digital Dictator“] loslegen, herrscht dagegen fast unmittelbar Feierstimmung unter den anwesenden Metalfans, von denen nicht wenige scheinbar ausschließlich wegen der Kalifornier den Weg in den – mittlerweile immerhin halbvollen - „B-Hof“ gefunden haben.



Geoff Thorpe ist zwar merklich in die Jahre gekommen, wovon ein nicht zu übersehender Bauchansatz und der deutlich nach hinten gerückte Ansatz seiner – mittlerweile schwarzgefärbten – immer noch respektablen Matte zeugen, beweist aber auch zeitgleich seine unbestritten beeindruckenden Fähigkeiten als Gitarrist.
Der neue Sänger, Brian Allen, kommt zwar vielleicht ob seiner Posen, des pseudo-rockigen Outfits frisch aus dem Metal-Katalog und seiner diversen Piercings zunächst etwas befremdlich 'rüber, macht sein gewöhnungsbedürftiges Auftreten aber rasch durch eine wirklich beachtliche Gesangsleistung wieder wett, denn der Mann verfügt über eine wirklich beeindruckende Metalröhre und kann alte VICIOUS RUMORS-Songs wie „Soldiers Of The Night“ und „Blistering Winds“ [beide vom 1986er Debüt] tatsächlich tadellos interpretieren.
Mainman Thorpe an seiner Dimebag-Signature-Klampfe und Kollege Kiyoshi Morgan riffen unterdessen um die Wette, lassen nach Kräften die Haare fliegen und scheinen guter Dinge, ebenso wie der Rest der Band, allen voran Originaldrummer Larry Howe.
Weiter geht der Parforce-Ritt durch den VR-Backkatalog: „Digital Dictator“ vom gleichnamigen Album von 1988 und „Minute To Kill“ lassen Freude im Auditorium aufkommen, es folgen „Ship Of Fools“ vom selbstbetitelten 1990er-Werk und die beiden „Welcome To The Ball“-Kracher „Abandoned“ und „Six Stepsisters“. Dann gibt es „Lady Took A Chance“ [ebenfalls von „Digital Dictator“] und gleich zwei neue Songs namens „Murder“ und „Razorback Blade“ vom angekündigten Album, bevor mit dem Klassiker-Triple „Down To The Temple“, „Hellraiser“ und „Don't Wait For Me“ - sämtlich vom „Vicious Rumors“-Album – bereits zum Schlusspurt angesetzt wird.



Das Publikum dankt seinen wiedergeborenen Helden euphorisch für dieses Feuerwerk an VR-Evergreens und auch Geoff Thorpe, der neu eingeführte Frontmann Allen, Trommler Larry Howe und die restliche Mannschaft können sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen, denn der Tournee-Auftakt kann hiermit getrost als gelungen gewertet werden!

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 14.11.2010 | 23:04 Uhr
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