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Datum: 17.05.2010Stadt: Karlsruhe




Die US-amerikanischen [Avantgarde/Ambient] Black Metaller WOLVES IN THE THRONE Room aus Olympia haben sich spätestens seit der Veröffentlichung ihrer noch aktuellen Scheibe, „Black Cascade“, alles andere als rar gemacht. Dennoch muss ich gestehen, die Band immer knapp verpasst zu haben, sodass dies jetzt auf jeden Fall im Rahmen des Gastspiels im Jubez in Karlsruhe nachgeholt werden soll. Montage sind zwar nach wie vor denkbar ungünstige Tage für ein Konzert, aber dennoch folgen viele dem Ruf der ‚Wölfe’, sodass das Jubez und dessen kleiner Saal brechend voll sind.



.: DER WEG EINER FREIHEIT :.
Los geht es nach etwas Ambient-/Drone-Beschallung nahezu pünktlich mit den Würzburger Black Metallern DER WEG EINER FREIHEIT, die eine gute halbe Stunde lang bereits auf einiges Gehör stoßen und von einigen Anwesenden hörbar abgefeiert werden. Die Jungs, die teils auch noch in der Deathcore-Band FUCK YOUR SHADOW FROM BEHIND – ich spare mir an dieser Stelle einen Kommentar zum Namen… – aktiv sind, passen zwar rein optisch nicht wirklich zu ihrer Musik, aber letztlich geht es ja in erster Linie genau um selbige. Und die ist wahrlich nicht übel, erinnert mich gelegentlich mal an NEGATOR und weiß vor allen Dingen durch das handwerkliche Können an den Instrumenten zu überzeugen. Da gibt es ein „Zum Abschied“ – übrigens schon als zweiten Song ;-) – oder auch „Ruhe“, wobei auffällt, dass DER WEG EINER FREIHEIT nicht nur sinnlos drauflos bolzen, sondern ihre Songs durchaus zu strukturieren wissen und auf Abwechslung setzen. Unterm Strich lösen die Band und ihre Musik jetzt zwar keine Begeisterungsstürme bei mir aus, aber als Opener des Abends ist dies ein gelungener Start.



.: UFOMAMMUT :.
Das italienische Trio UFOMAMMUT stellt dann das direkte Kontrastprogramm zum Opener und auch zu WOLVES IN THE THRONE ROOM dar, da die Jungs sich ausgiebig dem Sludge, Doom und Ambient mit Psychedelic/Synthesizer-Ausflügen widmen. Zudem haben die Jungs aus Mailand ihr neues Werk „Eve“ im Gepäck, sodass ausschließlich neues Material und das Album in einer leicht verkürzten Version am Stück geboten wird. Manch langjähriger Fan der Band zeigt sich davon etwas enttäuscht, aber dennoch trösten die neuen, gutklassigen Songs darüber hinweg. Allein schon beim Soundcheck bringen die Röhrenverstärker und der Bass das Jubez zum Beben, sodass UFOMAMMUT den wohl wuchtigsten und auch Bass-lastigsten Sound des Abends haben, was sich besonders bei den Riff-Wellen, die manchmal aufbranden, bemerkbar macht. Dennoch schleichen sich – wie auch schon auf der Albumversion von „Eve“ – gerne mal Längen ein, die hauptsächlich durch die zahlreichen, ausufernden ‚Schwurbel’- und Psychedelic-Parts entstehen, die oftmals nirgendwohin führen und vielmehr um ihrer selbst Willen eingeflochten scheinen. Zudem gehören UFOMAMMUT zu den Bands, die ich viel lieber rein instrumental sehen würde, da der Gesang eher überflüssig ist und vielmehr als zusätzlicher Effekt dient, nachdem Sänger und Bassist Urlo anfangs fast schon divenhaft mit dem Mischer herumhadert, bis er den perfekten Sound im Ohr zu haben scheint. Trotz der wunderbaren Melodie des schönen ersten Stücks wird es im Verlauf der knapp 40 Minuten zum Ende hin dann etwas zäh, wobei UFOMAMMUT insgesamt einen guten und vor allem intensiven Auftritt hinlegen. Dennoch gehört das Trio zu den Bands, bei denen ich daheim nicht auf die Idee kommen würde, jetzt unbedingt die CD hören zu wollen/müssen.



.: WOLVES IN THE THRONE ROOM :.
Nach einer wiederum kurzen Umbaupause entwickelt sich das Jubez gänzlich zur Sauna, die Luft steht im Konzertraum und man fühlt sich wie eine Ölsardine in der Dose, so dicht gedrängt stehen die Leute. Ergo ist auf der sehr niedrigen Bühne auch nur wenig bis gar nichts zu sehen, es sei denn, man steht direkt in der ersten oder zweiten Reihe. Dabei hat sich die Band alle Mühe gegeben, Kerzen angezündet, Äste und Kristalle ausgelegt und die Bühne rundherum mit Bannern geschmückt, um einen gänzlich in ihre [Klang-]Welt zu entführen. Auch das Licht wird mehr als spärlich eingesetzt, was auch den tiefblauen LED-Strahler an Nathan Weavers Gitarre erklärt. Letztlich geht es aber bei WOLVES IN THE THRONE ROOM – Live-Konzert hin oder her – in erster Linie um die Atmosphäre und die vermittelten Stimmungen, sodass der Blick auf die Bühne zwangsläufig zweitrangig wird. Ansagen übrigens ebenso, denn abgesehen von einem „Welcome, people“ und einem abschließenden „Thank you“ hält man sich nicht mit Ansagen oder Ähnlichem auf, sondern lässt einfach eine Stunde lang die Musik sprechen. Vier Songs werden somit geboten, u.a. das wunderbare „Wanderer Above The Sea And Fog“ von „Black Cascade“ oder auch „Face In A Night Time Mirror“ vom Debüt, „Diadem Of 12 Stars“. Als großer Fan von „Two Hunters“ kann dieses Meisterwerk für mich sowieso an diesem Abend nur zu kurz kommen und hätte von mir aus auch einfach in seiner Gänze gespielt werden können, aber kommen wir mal wieder zurück in die Realität, denn alles andere wäre unfair der Band gegenüber. Die ist übrigens diesmal wieder gänzlich ohne Tieftoner am Start, und Nathan kreischt sich, gelegentlich unterstützt durch den zweiten Gitarristen Will Lindsay, durch seine Gesangsparts und schädelt zwischendrin so viel wie möglich ab, worin ihm auch sein Bruder und Schlagzeuger Aaron in nichts nachsteht. Auffallend ist auch der überaus gute Sound, sodass die Gitarrenlinien, Melodien und druckvollen Riffwände, aber auch das Schlagzeug stets gut auszumachen sind und somit die Grundlage für die ausgezeichnete Atmosphäre liefern. Diese wird noch durch zahlreiche Einspielungen vom Band/DAT unterstützt, was wiederum ein wenig den Gedanken eines ‚Live’-Konzerts unterläuft, aber was soll’s? WOLVES IN THE THRONE ROOM spielen sich souverän und sehr intensiv durch ihr Set und beenden nach ziemlich genau einer Stunde ihr Konzert, das von der Länge her genau richtig ist und schön auf den Punkt gespielt ist. Die Songauswahl ist wie gesagt sowieso immer Geschmackssache, aber insgesamt haben WOLVES IN THE THRONE ROOM prima aufgezeigt, dass man auch live – Hype um die Band hin oder her – mit ihnen rechnen muss, wobei die Musik der Amis wohl am besten auf solchen kleinen, eingenebelten Bühne funktioniert. Gerne wieder!

PS: Sorry wegen der eher mittelprächtigen Bilder. Da WITTR in fast völliger Dunkelheit spielten, zudem Blitzlichtverbot herrschte und sowieso nur wenig von dem Treiben auf der Bühne zu sehen war, war leider nicht mehr drin.


soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 24.05.2010 | 09:14 Uhr
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