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Datum: 15.11.2011Stadt: Nürnberg



WOLVES IN THE THRONE ROOM aus Olympia, Wichita, sind derzeit - nicht zuletzt wegen ihres aktuellen Albums „Celestial Lineage“ - ausgesprochen populär und gelten vielen gar als Erneuerer des Black Metal-Genres, wohingegen Kritiker/Hater das Brüder-Duo eher als Nestbeschmutzer oder auch schon mal abschätzig als „Waldorfschulen-Black Metal“ herabwürdigen, hat die Band doch bekanntermaßen mit den sonst Genre-gängigen Themen Satanismus, Menschenverachtung und Nihilismus nicht allzu viel am Filzhut.
Wie dem auch sei, nachdem WITTR ja sogar regelmäßig im Online-Feuilleton von „Der Spiegel“ auftauchen, ist die Anwesenheit bei einem ihrer – ohnehin eher raren – leibhaftigen Gastspiele auf europäischem/deutschem Boden beinahe schon Pflicht.


Die mittelfränkischen Musikfreunde scheinen das ganz ähnlich zu sehen, der kleine Saal des Nürnberger „K4“ [ehemals „Komm“] platzt bereits beim Support-Act, WOLVSERPENT, aus allen Nähten, denn die Show ist komplett ausverkauft und es tummelt sich ein interessanter Mix aus klassisch langhaarigen, schwarzbefrackten/lederbejackten Metalfans, aber auch Normalos bzw. Szene-Publikum mit Nerdbrillen und komisch gescheitelten Frisuren vor Ort.



.:WOLVSERPENT:.
Das Duo WOLVSERPENT aus Boise in Idaho präsentiert sich hierbei erstmals dem deutschen Publikum und produziert dabei ausgesprochen sperrigen, reduktionistischen Sound zwischen Drone, Doom und/oder Sludge Metal.



In nahezu völliger Dunkelheit zelebrieren Sänger und Gitarrist Blake Green und seine Partnerin Brittany McConnell an den Drums ihre Musik als bizarre, gleichwohl betörende Mischung aus Ritual, Selbstvergessenheit und Eskapismus, denn noch weniger bpm, also „beats per minute“ als besagte Drummerin generiert, geht eigentlich schon gar nicht mehr, während erdig-sludgiges Riffing die morbid-mystische, abgrundtief düstere Stimmung der Musik noch betont.
Nach dem eher abrupten Ende ihres Auftritts ernten WOLVSERPENT für ihr Treiben allemal ordentlich Applaus und es herrscht hernach reges Treiben in ihrer Merchandise-Ecke.

A propos Merchandise: hier können ALLE Metalbands heute abend noch etwas lernen, denn eine so liebevolle bzw. detailverliebte Waren-Präsentation sieht man nicht alle Tage. Auf grobgewebtem, schwarzgefärbtem Linnen werden zwischen Kristallen und Steinen die diversen WITTR-Tonträger [v.a. natürlich auf Vinyl!] feilgeboten, u.a. rare Demo-Aufnahmen, ein Mitschnitt vom „Roadburn“ und diverse andere Langspieler und natürlich Textilien, ob nun mit oder ohne Tourdaten. Der Geldbeutel sitzt den meisten Fans auch offenkundig locker und die ausgesprochen freundliche Dame am Merchandise hat alle Hände voll zu, selbst wenn eine Doppel-LP hier mit stolzen 25 Euro ausgepreist ist und ein Tourshirt immerhin noch mit 15 Euro zu Buche schlägt – bei der bekannten/offensichtlichen DIY-Attitüde und Verweigerungshaltung beider Bands und einem Eintrittspreis von gerade einmal 13 Euro an der Abendkasse fast schon verwunderlich...

.:WOLVES IN THE THRONE ROOM:.
Wesentlich passender als mit den bizarren Doomklängen von WOLVSERPENT hätte man den nun folgenden Auftritt von WOLVES IN THE THRONE ROOM wohl schwerlich einläuten können, denn - nach kurzem Soundcheck und nachdem die Bühne vermittels diverser Petroleumlampen die nötige, lauschige Blockhüttenatmosphäre bekommen hat – legen Aaron Weaver am Schlagzeug, sein Bruder Nathan und Gastgitarrist Kody Keyworth mit „Thuja Magus Imperium“ los, dem Opener ihres aktuellen „Celestial Lineage“-Opus.



Dunkel ist's im Thronsaal und es herrscht nun erst recht drangvolle Enge vor Ort, ein Durchkommen in Richtung Bar ist längst unmöglich und weil Blitzlicht sowieso verpönt ist bei WITTR-Gigs, ist die Qualität der Live-Pics [s.o.] erwartungsgemäß mäßig, auch wenn das kalte, blaue Licht an den Gitarrenhälsen der Sechssaiter das sich bietende Schauspiel durchaus passend/stimmungsvoll illuminiert und auch mit Trockeneisnebel nicht gespart wird.
Der Sound ist zunächst etwas matschig, pendelt sich aber im Laufe des Abends auf ein ganz ordentliches Level ein, vielleicht aber auch nur, weil man unwillkürlich von WITTRs Performance in den Bann gezogen wird, denn dieser Intensität und drängenden Atmosphäre ihrer Elegien muss man auf Dauer wohl einfach erliegen...



Trotz gelegentlicher Blastbeat-Eruptionen und schwarzmetallischer Schrammelattacken wird - ob der majestätischen Grandezza und herrlichen Melodien der präsentierten Kompositionen - binnen kurzem klar, warum WITTR noch immer eine echte Ausnahmeerscheinung in Sachen Black Metal darstellen und daher auf das Auflegen von Corpsepaint, Anlegen von Stachelornat und aufgesetzte Grimness getrost verzichten können.
Eine eindeutige Setlist festzumachen, fällt allerdings schwer, denn sämtliche Songs scheinen wie selbstverständlich ineinander überzugehen, und Ansagen gibt es natürlich immer noch keine. Sehr wahrscheinlich dürften aber "Ahrimanic Trance" von "Black Cascade", die „Two Hunters“-Favoriten „Cleansing“, „I Will Lay My Bones Among The Rocks And Roots“ [Epik pur!] und „Prayer Of Transformation“ [ebenfalls von der aktuellen „Celestial Lineage“] dabei gewesen sein.

Ein nachhaltig beeindruckender Clubkonzertabend jedenfalls – hoffentlich nicht der letzte, haben WITTR doch mit „Celestial Lineage“ ihre geplante Trilogie nunmehr vollendet und streben nach neuen Ufern, was womöglich noch weniger Live-Präsenz, noch mehr Zurückgezogenheit und - nach planmäßigem Labelwechsel - auch noch weniger Vermarktbarkeit einschließen soll...

dkay

Autor: Dirk Konz [dkay] | 25.12.2011 | 23:10 Uhr
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