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Sehr zur Freude vieler Metalfans werden BMG im Zuge der Neuveröffentlichung des Noise Records Backkataloges auch die ersten vier CELTIC FROST-Alben "Morbid Tales", "To Mega Therion", "Into The Pandemonium" und "Vanity/Nemesis" am 30. Juni neu veröffentlichen. Wie der ehemalige CELTIC FROST- und heutige TRIPTYKON-Boss Tom Gabriel Fischer nun in einem Blog offenbarte, haben diese Neuauflagen jedoch nicht den Support der Band. Hier einige Auszüge aus Fischers Stellungnahme:

"Neben Mastering, Design, Archivmaterial und Art Direction umfasste meine Beteiligung auch einige detaillierte persönliche Texte, die ich speziell für die Booklets der 2017 erscheinenden Alben geschrieben hatte. Und hier werden CELTIC FROST mal wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt. Das betrifft vor allem das Album 'Into The Pandemonium', das 1987 aufgrund der zuhnehmend schlechten Verhältnisses der Band zum Label unter extrem widrigen Umständen entstand. Aber andere Alben, die bei Noise Records erschienen, sind ebenfalls betroffen.

Es ist selbstverständlich, dass solch entscheidende Ereignisse Teil meiner Ausführungen sein würden und es ist genauso selbstverständlich, dass solche Liner Notes unweigerlich auch meine persönlich Sicht als jemand, der zu dieser Zeit ein Teil der Band war, die Songs geschrieben hat, am Design jedes Album mitgearbeitet hat und im Studio aufgenommen und produziert hat, wiedergeben. Und genau aus diesen Gründen haben die Mächtigen in der Rechtsabteilung von BMG widersprochen.

Als teil eines stets außerordentlich freundlichen und professionellen Austausches mit dem Rechtsbeistand von BMG, der jegliche mögliche Probleme einschätzen sollte, habe ich aus London gekürzte Fassungen meiner Liner Notes zur Durchsicht und Absegnung erhalten. Diese haben den niedlichen Namen 'Rotstift-Fassungen' bekommen. In diesem speziellen Fall bedeutet 'gekürzt' allerdings so viel wie 'auf schlimmste Art zensiert'. Um nur ein Beispiel zu nennen: Angetrieben von der ziemlich offensichtlichen Sorge im Hinblick auf eine mögliche Klage von einer der in den Orginalveröffentlichungen der 1980er involvierten Parteien hat BMG meine Liner Notes zu 'Into The Pandemonium' auf etwa ein Drittel ihres ursprünglichen Umfangs gekürzt und somit beschnitten. Das, was von meinem Texte übrig ist, ist vollkommen verstümmelt und reicht nicht mehr für eine zusammenhängende Erzählung, die Sinn ergibt. Diese bedauernswerten Textfragmente schaffen es nun nicht, die volle Geschichte dieser Alben zu erzählen.

Genau aufgrund dieser Dinge, die CELTIC FROST in den 80ern mitmachen mussten, bin ich ein strikter Gegner von irgendeiner Form von Einflussnahme oder Zensur durch eine Plattenfirma und deshalb ist meine heutige Karriere auch nur von mir abhängig. Egal, auf welcher Seite jemand in dieser Sache stand, die Konflikte mit Noise Records haben die meisten Aktivitäten von CELTIC FROST signifikant belastet.

Jetzt ist es wohl erlaubt, mal darüber nachzudenken, ob die Umsetzung solcher 'Rotstift'-Übergriffe nicht in gewisser Weise die Wiederholung genau der Vorgehensweise durch BMG ist, die auch schon die von ihnen übernommenen Noise Records an den Tag gelegt haben. Was mich betrifft, ich stimme natürlich nicht zu, dass meine Texte zensiert werden. Ich habe BMG daher darüber informiert, dass ich meine Liner Notes lieber zurückziehen würde, als sie in diesem enstellten Zustand veröffentlicht zu sehen [mir wurden unterschiedliche zensierte Fassungen vorgeschlagen] - vor allem, weil die darin beschriebenen Ereignisse der Allgemeinheit schon lange bekannt sind und auch von anderen Noise Records-Bands erlebt und offengelegt wurden.

Und genau so ist es in der Zwischenzeit auch gekommen: Anfang Februar 2017 habe ich sämtliche der von mit zur Verfügung gestellten Liner Notes für die von BMG neu aufgelegten Alben - 'Morbid Tales', 'To Mega Therion', 'Into The Pandemonium' und 'Vanity/Nemesis' - zurückgezogen und meine Zusammenarbeit mit BMG Rights damit abgeschlossen. Daher war ich auch nicht länger involviert, als das Reissue-Projekt seine finale Review- und Ausroll-Phase erreicht hat.

Während all dieser Entwicklungen im Bezug der Reissues sollte der Mitgründer und Bassist von CELTIC FROST, Martin Eric Ain, auf dem Laufenden gehalten werden.

Im Hinblick auf diese Situation habe ich das Gefühl, dass ich diese Neuauflagen nicht länger unterstützen kann, nachdem sie die Wünsche, Intentionen und Identität der Band nicht länger reflektieren.

Es war für viele, viele Jahre unser Wunsch, dass diese Alben als vollständige - und daher ultimative - Editionen neu veröffentlicht werden. Im letzten Jahrzehnt gab es sogar den [gescheiterten] Versuch, eine Kooperation zwischen unserem eigenen Label Prowling Death Records und dem aktuellen Inhaber der Rechte anzustoßen. Leider scheint es aufgrund des Scheiterns deises Reissue-Projekts nun äußerst unwahrscheinlich, dass solch ultimative und von der Band gut geheißenen Neuauflagen noch zu meinen Lebzeiten erscheinen werden. "

18.05.17 | 18:36 Uhr
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