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Datum: 17.05.2007 bis 19.05.2007
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Stadt: Jüterbog
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Endlich normale Leute....


Was hatten sich die Lästerer nicht im Vorfeld das Maul über die zehnte Ausgabe des legendären FUCK THE COMMERCE-Festivals zerrissen. Organisatorisches Chaos in Sachen Festivalgelände [man musste kurzfristig von Neiden nach Altes Lager bei Jüterbog umziehen], miese Bands und zu erwartendes Scheißwetter waren die Steine des Anstoßes. Hinzu kamen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, die den Beinahe-Ausverkauf einer Anti-Ausverkauf-Veranstaltung gesehen hatten. Für viele Stammbesucher bedeutete dies unmissverständlich: „Wir fahren da nicht mehr hin.“ Tja – die Entscheidung war die falscheste eures Lebens, Kollegen.




Die knapp 850 zahlenden Gäste sollten nämlich das bestorganisierte, sonnenreichste und einfach schönste „Fuck“ aller Zeiten erleben. Das fing bei dem tollen neuen Gelände an. Der ehemalige Militärflughafen liegt mitten in der brandenburgischen Wildnis. Camping-/Parkplatz grenzen unmittelbar ans Festivalgelände. Einige Spezialisten haben das gesamte Konzert gemütlich vom Zelt aus beobachtet – was natürlich kein Metal ist, keine Frage. Weiterer Bonus: Statt Ekel-Dixies gab’s dieses Mal ausschließlich Edel-Wasserklos, die regelmäßig geputzt wurden – das IST Metal. Und damit die Sonne nicht nur aus dem Allerwertesten scheinen konnte, hatte unser dunkler Fürst den blöden Petrus kurzerhand gekidnappt und für ordentlich Hitze gesorgt, was am Samstag zu Temperaturen um die 30 Grad führte.

Ergo: Sonnencreme musste beschafft werden – konnte man am Anreisetag Mittwoch prima mit einem Kneipenbummel durch das Nachbarkaff Niedergörsdorf verbinden. Und die Eingeborenen taten alles, was sie konnten, um den fremd aussehenden Menschen ihren Aufenthalt so behaglich wie möglich zu gestalten. Er habe gar nicht gewusst, dass wieder ein Rechtsrock-Festival auf dem Flugplatz geplant sei, verkündete ein Einheimischer, der sich ungefragt kumpelnd zu den acht schwarzen Gesellen an den beschlagnahmten Stammtisch setzte. Mit so etwas hätten wir nichts zu tun – wiegelten wir schnell ab. Und wurden dann gleich dogmatisch-belehrend: Politik und Musik würden eh nicht zusammenpassen. Was uns anlockte sei eher der hiesige, erste internationale Porn Grind-Satanisten-Kongress, eine Art Nudisten-Gotscha mit anschließender Bejagung und postmortaler Dreiloch-Begattung einer bestimmten Sorte Wildziege, wobei der dritte Penetrationstunnel mittels eines Patronengurtglieds zuvor zwischen den Augen des noch lebenden Tiers fixiert werden müsste, damit das Ritual seine volle Wirkung entfalte .
Wir tranken unser Pils alleine und ungestört aus.

Donnerstag, 17. Mai

FALLEN SAINTS
Böse Vorzeichen. Die deutschen FALLEN SAINTS sind genau die Art von Truppe, vor der die meisten Nörgler und Festivalkritiker gewarnt hatten. Die Band war bestenfalls Durchschnitt, spielte recht belanglosen und eher in gemäßigtem Tempo vorgetragenen Melo-Death ohne Wiedererkennungswert. Die Zuschauer quittierten die Darbietung mit dem Belagern der Bierstände. Ganze drei Leute standen zeitweilig vor der Bühne.

DESPISE
Da hatte man sich, pessimistisch wie man ist, schon mal auf einen Festivaltag beim Getränkehändler eingerichtet und dann kam eins der Highlights der Veranstaltung ganz locker um 14 Uhr auf die Bühne gestiefelt und spielte sich und die Zuschauer in Trance. Was hatten wir doch anfänglich über das Couchpotato-Outfit von Gitarrero Jarda amüsiert. Doch als die Tschechen DESPISE loslegten, konnte man vor allem vor diesem Mann eigentlich nur noch in die Knie gehen. Was für geniale Frickeleien der Kerl sich aus den Fingern saugte, war nicht von dieser Welt. Komplexer Ultra-Brutal-Death Metal, gepaart mit melodischen Licks ist eh schon etwas Besonderes. Das aber von einer so arschtighten und dabei völlig entspannt und spielfreudig agierenden Band dargeboten zu bekommen – dafür gibt es nur ein Wort: Perfektion. Dementsprechend rasteten die leider immer noch nicht zahlreich vertretenen Fans vor der Bühne kollektiv aus und tobten zu Hymnen wie „A Spiral Of Paranoia“ und „Self-Analysis-Overdose“ über den Asphalt. Das FTC 2007 hatte sein erstes Highlight.

Despise



GODPHOBIA

Natürlich lassen sich die Nachwirkungen von Highlights auch locker wieder zerstören, wenn man Bands holt, die aufgrund der geringen Zuschauerzahlen die beleidigte Leberwurst abgeben und meinen, die Performance und Spielkultur auf ein Minimum reduzieren zu müssen. GODPHOBIA aus Schweden kamen mit dieser Rockstar-Attitüde auf die Bühne und wurden entsprechend von den FTC’lern ignoriert. Schlimm war’s nicht, den die Band machte auch musikalisch nicht wirklich was her – schlechter Durchschnitt, schon vergessen.

TOMBTHROAT

TOMBTHROAT dagegen wissen wie man’s macht. Im wesentlichen Oldschool-Death Metal holzend, der einen Tick kompromissloser und schneller in die Meute gedroschen wurde als das bei vielen artverwandten Kollegen der Fall ist, gaben hauptsächlich die Hymnen ihres neuen Albums „Blood Red History“, vermischt mit einer sehr sympathischen und agilen Ausstrahlung, den Jungs den Erfolg, den sie verdienen. So wurde der Ludwigshafener Fünfer ordentlich abgefeiert und konnte den auch musikalisch sehr solide umgesetzten Gig als Visitenkarte für größere Taten in der Zukunft abgeben. „A Lesson In Fear“? Na, zumindest für die ein oder andere Band, die noch folgen sollte…

ARS MORTIS

Keine Ahnung, warum die K17-Leute diese Amateurband aus Berlin a) eingeladen und b) auf einen so späten Spielplatz gesetzt hatten. Der Auftritt ist jedenfalls schnell behandelt: Die Band hatte keinen Bock und das Publikum offenbar auch nicht. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen.

WOJCZECH

Nu wurde es hysterisch-flippig. Sänger, so ungefähr die Grindcore-Ausgabe von Keith Caputo kreischbrüllte sich durch die ca. 20 Nummern, als hätte er morgens eine viel zu enge Jeans angezogen. Die Instrumentalisten begleiteten solide – es ist eine Freude. Songs wie „Krebskult“ oder „Dogmafalle“ schrieen sprichwörtlich nach den ersten Divern des Tages, die allerdings ihre liebe Mühe mit dem nicht wirklich eng zusammengerückten Publikum hatten, das noch immer nicht vollzählig erschienen war. (mat)

Wojczech



PUNISHED EARTH

Als nächstes legten die Belgier von PUNISHED EARTH nach und zelebrierten nun eher etwas gemäßigten Death Metal. Ok, ganz nett das Ganze, aber für die nun langsam einbrechende Dämmerung und die damit irgendwie ständig ansteigende Spannung auf was mindestens so Geiles wie DESPISE, war die Mucke des Fünfers einfach zu gewöhnlich. Allein Dank Ihrer dargebotenen Agilität schafften sie es aber dennoch das vor der Bühne versammelte Völkchen größtenteils zusammenzuhalten.

VIRAL LOAD

Scheinbar musste doch erst wieder eine Band aus dem Reich der Burger und Plastiktittis auftauchen um dem oft zitierten Frosch die Locken zu zeigen. VIRAL LORD sind zwar gerade mal zwei Männeken (Drums und Git/Voc) aber pusteten einen auf der Stelle und ungefragt zu Boden. Ami Death „par exellence“ und genau zur richtigen Stunde. Natürlich fehlte es bei besagter Besetzung etwas an Bewegung auf der Bühne, aber angesichts der Präzision, mit der die beiden wirkten, sah man gern über dieses Manko hinweg. Eben diese fehlende Bewegung wurde aber nach wenigen Minuten von den nun zum ersten Mal wirklich zahlreich erschienen FTC Besuchern übernommen. Das die VIRAL LOADs in ihrer Freizeit noch für ORIGIN musizieren und auch so einiges an Parallelitäten zu diesen erkennen lassen, wirkt bei den blasthungrigen Sickos auf dem Rasen wie ein Pils zum Schnitzel. Sehr geil und außerdem ein perfektes Warm Up zum gleich anrauschenden Güterzug DEVOURMENT (trey)

DEVOURMENT

Mike Majewski, Ruben Rosas, Chris Andrews und Eric Park. Das sind alle Informationen, die ein Extrem-Sicko braucht, um seine Mutti zu verkaufen und seinen fucking Platz vor der fucking stage einzunehmen. „Let’s kill each other“ gab der Typ, der so aussieht, als würde er tagsüber Versicherungen verscherbeln noch als letzten verständlichen Satz von sich, bevor ein Gemetzel losbrach, das mit dem Wort Krieg perfekt beschrieben ist. Inzwischen waren alle Besucher auf dem Festivalgelände angekommen. Und alle liefen im Kreis – d.h., in Altes Lager fand wahrscheinlich an jenem geschichtsträchtigen Donnerstag der größte Circle Pit aller Zeiten statt. Körper flogen durch die Luft, Zombies wankten mit verzückt-entrückt wirkendem Gesichtsausdruck im Takt durchs Tal des Todes, es war schlicht herrlich.

Devourment



Und dabei war im Vorfeld noch nicht einmal klar, ob die vier Chaoten auch die erforderlichen Visa zur Einreise ins Adlerländle erhalten würden. Welch gottgleiches Geschenk, dass sie vorbeischauen durften. Keine Ahnung, welche Drogen Mr. Park einwirft, bevor er sich hinter die Schießbude setzt, aber davon will sicher so mancher Drummer auch was abhaben. Das Inferno wälzte sich immer abwechselnd rasend und stampfend durch den Set über Stationen wie „Masturbating At The Slab“, „Fuck Her Head Off“ oder „Babykiller“, ohne dass irgendjemand Ermüdungserscheinungen zeigte. Wie auch? Schließlich sind DEVOURMENT wie eine „Anal Electrocution“ – extrem kribbelig, so lange es dauert. Nach einigen Zugaben und vielen „we love you“s gehen die sichtlich gerührten Amis von der Bühne. Definitiv DAS Highlight des FTC 2007.

DISBELIEF

Konnte der kurzfristig für die trüben Tassen von DENIAL FIEND eingesprungene Headliner hier noch einen draufsetzen? Das hielt richtigerweise niemand für möglich – und so taten Jagger und Co. Einfach das, was sie am besten können. LAUT und groovy ihre Hymnen zum Besten geben. „Navigator“ oder „Rewind It All“ peitschten das völlig fertige Publikum zwar nicht mehr auf, sorgten aber für gefälliges Bangen und erbrachten den Beweis, dass auch eine Band, die musikalisch so aus dem Rahmen fällt, auf einem Brutal Death Metal-Festival bestehen kann und durchaus für angenehme Abwechslung und freie Ohren sorgte. Ich hätte jedenfalls vor dem Gig mein letztes Hemd verwettet, dass DISBELIEF bei den Anwesenden keine Schnitte haben würden. Gut gemacht, Herrschaften! (mat)

Disbelief


Mattaru/Trey

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Autor: Marcus Italiani [Mattaru] | 04.06.2007 | 22:22 Uhr
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