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ContradictionCrewshirtsLanfearCrikey
Datum: 24.05.2008 bis 24.05.2008
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Stadt: Duisburg



„Was für ein geiles Festivalwetter...“, ist mein erster Gedanke, als ich am Samstagmorgen aus dem Fenster sehe und mir das Wetter betrachte. Die Reise soll heute nach Duisburg gehen zum Jugendzentrum „Die Mühle“.
Aber beginnen wir die Geschichte der Reihe nach.

Da wir nun nicht unbedingt mitten in der Nacht losfahren wollen, machen wir uns schon am Freitag nach der Arbeit auf den Weg von Hamburg Richtung Ruhrpott. Meine Frau kennt im Pott eine ganze Menge Leute, weil sie von dort kommt. Also auch kein Problem, jemanden ausfindig zu machen, den wir spontan überfallen können und der sich auch noch darüber freut. Ein kurzes Telefonat und die Reise hat ein Ziel, nämlich Mülheim. Sehr praktisch, so brauchen wir am kommenden Morgen auch nicht allzu weit zu fahren. Ein Schlafplatz wird uns auch kurzerhand angeboten- so muß das sein.

Danke an dieser Stelle dafür. Ohne wäre auch kein Problem gewesen, aber im Van muß man den Sommer über noch oft genug schlafen.

Nach einer guten Tasse Kaffee und den ersten 5 Zigaretten sind wir bereit. Also schnell das Navi mit den erforderlichen Daten gefüttert und los...- Mist, ganz so leicht ist das doch nicht. Da kommt es mir wieder ins Gedächtnis. Duisburg hat zwei Clarenbachstraßen und zu allem Überfluss haben auch noch beide die selbe Postleitzahl, laut meines Navis. Also stehen die Chancen 50:50 für die richtige Straße.
Puh, Glück gehabt- es ist die richtige. Nun kann also der Tag beginnen. Stuhl raus und vor die Eingangstür gesetzt. Das erste Bier schmeckt auch schon wieder. Doch recht früh, aber was soll´s. Bier haben wir noch einige, um uns die Zeit zu vertreiben.

Aber erst ein kurzer Rückblick:

Das RAGE AGAINST RACISM [RAR] Festival ist ein Ein-Tages-Festival auf dem Aussengelände des Jugendzentrums „Die Mühle“ direkt am Rheinhausener Bahnhof in Duisburg . Das Festival wurde 2003 zum ersten Mal auf die Beine gestellt. Damals noch mit etwa 500 Besuchern mauserte sich das RAR zu einem mittlerweile festen Bestandteil des Festivalsommers. So kommen dieses Jahr über 4500 ‚Musikbegeisterte. Der Eintritt ist frei und das Rar finanziert sich ausschließlich über Bier- und Essenskonsum der Besucher. Geboten wird eine bunte musikalische Mischung, aus Rock und Metal, wo für jeden was dabei ist, vorausgesetzt man steht auf härtere Klänge.

Gegen Mittag treffen nun auch langsam die ersten bekannten Gesichter ein, was dazu führt, daß der Biervorrat zusehends schrumpft. Dafür ist es ja nun mal da - Prost. Über diese Tatsache und beim Erfahrungsaustausch mit einem Freund über amerikanische Vans verpassen wir die ersten beiden Bands C-Fiction und Downtime.


.:C-FICTION:.
C-Fiction aus Düsseldorf spielen eine moderne Mischung aus Thrashmetal und Hardcore mit leichten Industrialeinflüssen. Sehr heavy, aber nicht meine Baustelle.

.:DOWNTIME:.
Der Downtime Fünfer aus Kassel wäre da wohl eher was für mich gewesen, zumindest nach einem Blick und einigen Hörproben auf MySpace. Die Jungs sollte ich auf jeden Fall bei nächster Gelegenheit mal live antesten.


.:CRIKEY:.
Als nächstes steht die Ausnahmeband CRIKEY um Produzent/Sänger/ Songwriter/Tontechniker und was weiß ich noch alles, Klaus Spangenberg, auf dem Programm. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als Sphere Metal. Wenn man sich dann diese Mischung aus Thrash / Power / Death / Heavy Metal anhört, wird einem klar warum. Die 7 Jungs und das Mädel an der Geige entführen einen in andere Sphären. Kraftvoll gerade die Sangesduelle und zugleich eingängig und sanft durch die beruhigenden Klänge des Streichinstruments. Das ganze kann man schwer beschreiben, wenn man es nicht gehört hat.
CRIKEY nutzen den Auftritt, um die gerade veröffentlichte neue CD „Future of the Loss“ zu promoten. Dem Publikum gefällt es und mir auch. Schade, dass nach knapp 40 Minuten schon wieder die Bretter geräumt werden müssen.

.:POWDERHOG:.
Nach einer kurzen Umbau- und Verschnaufpause wird es dann wieder richtig erdig. Das Quartett um Sänger und Bassist Johnny Houmark bieten dreckigen Rock´n´Roll. Super Stimmung macht sich vor der Bühne breit. Die seit 2004 existierende Band hat sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Klar; das Publikum ist gut drauf, der Sound ist gut und Bier gibt es auch in rauhen Mengen. Rockerherz was willst du mehr?
Die Songs des neuen selbstbetitelten Albums kommen kraftvoll und rotzig rüber. Echt geil und ein [noch] klasse Geheimtip von unseren nördlichen Nachbarn. Vor allem ist es mal eine klasse Abwechslung von einem ansonsten fast durchweg metallastigen Festivalbilling. Aber auch dieser Spaß ist nach viel zu kurzen 40 Minuten zu Ende.


.:CONTRADICTION:.
Eine schnelle Stärkung mit dem für Metaller zur Grundnahrung gehörenden Gerstensaft und schon können die Klänge wieder härter werden. Was nicht heißen soll, daß man Metal nur besoffen ertragen kann.
Die vier Jungs um Oliver „Koffer“ Lux aus Wuppertal bringen die Meute zum kochen. CONTRADICTION ist eine großartige Liveband und wissen auch bei schwachem Sound mit ihrer Brutalität zu überzeugen. Obwohl in letzter Zeit kaum Zeit zum proben bleibt, auch weil der Bassist Andreas „Westi“ Westphal nun in der Schweiz wohnt, spielen sie ihre Setliste gewohnt routiniert herunter, ohne dabei künstlich oder steril zu wirken. Mit Songs wie „Voice of Hatred“; „The Warchitect“ und „Tunes of War“ hat man das Publikum schnell im Griff. Da macht sich die 19jährige Erfahrung und die unzähligen Auftritte [z.B. mit Overkill, Sacred Reich uvm.] bemerkbar. Respekt, Jungs und weiter so...




Auch der gemeine Metaller an sich ist ja bekanntlich ein Herdentier und so ging ich, wie wohl fast alle anwesenden Besucher, in der (und auch allen anderen) Umbaupause an den völlig überfüllten Bierstand.

.:LANFEAR:.
Als nächstes prangt der Name LANFEAR auf dem Billing. *grübel*... nee kenne ich nicht. Mal angucken, man will ja auch nicht dumm sterben. Gesagt, getan...Gar nicht mal so schlecht... nee eigentlich sogar ganz gut. Progressiver Heavy Rock. Sehr interessant! Und die fünf Jungs können mich schnell überzeugen, nicht wieder umzudrehen und an den Bierstand zu gehen. Was für eine Metalband mit Keyboard gar nicht so einfach ist bei mir.
Die fünf Jungs aus Heilbronn haben bereit vier CDs am Start und spielen sich mit einem soliden Gig in die Gehörgänge des Publikums. Nach dem Gig hab ich mir auch gleich den aktuellen Output des Quintetts „ANOTHER GOLDEN RAGE“ aufschwatzen lassen. Einen Dank an die junge Dame am Merchstand für ihre Beharrlichkeit. Echt ne starke Scheibe.





.:DEW-SCENTED:.
Um die Abwechslung zu wahren, steht nun wieder die härtere Gangart auf dem Plan. Obwohl inzwischen nicht mehr ganz nüchtern, freue ich mich auf DEW SCENTED, die ich auch schon ewig nicht mehr gesehen habe. Mit ihrem Thrash Metal ganz meine Welt und mit seit nunmehr 16 Jahren im Geschäft schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr in der deutschen Metalszene. Die Jungs haben inzwischen schon mit unzähligen Größen der nationalen und Internationalen Death- und Thrashmetalszene die Bühne geteilt. Geboten wird ein bunter Querschnitt aus 7 bisher veröffentlichten Alben. Technisch perfekt und abgeklärt wird der Meute vor der Bühne ein Dampfhammer nach dem anderen um die Ohren gehauen, daß einem hören und sehen vergeht. Wirklich beeindruckend und für mich oberste Liga.

.:NACHTGESCHREI:.
Zu fortgeschrittener Stunde, inzwischen fast halb Neun, endlich mal eine Verschnaufpause. NACHTGESCHREI hmm.. Klingt nach Gothic oder Mittelalter... na beides nix für mich. Doch schon nach den ersten Tönen muß ich neugierig auf die Bühne schielen. Wieder mal droht die kleine Bühne wegen Überfüllung fast geschlossen zu werden. Aber die sieben Jungs nehmen es mit Humor und entfachen ein Feuerwerk der guten Laune. Liegt es am Alkoholpegel oder ist Mittelalterliche Musik doch nicht so schlecht? NACHTGESCHREI bieten einen echten Ohrenschmaus a la „Subway to Sally“ oder frühe „In Extremo“. Also doch keine Zeit zum ausruhen.

Zwar gibt es die Band erst seit Anfang 2006, trotzdem gelten die Jungs aus Frankfurt als Senkrechtstarter der Szene. Völlig zu Recht in meinen Augen. Dudelsack, Drehleier, Flöten, gepaart mit harten Gitarren. Dazu einen ordentlichen Schuss Spaß an der Sache, fertig ist ein würdiger Co-Headliner. Sicher nix neues oder sonderlich innovatives, aber es macht einfach Freude, diese Jungs zu sehen. So geht es auch dem Großteil des Publikums, die die Einladung zum Feiern gerne annehmen und zu Songs wie „Der Meister“; „Das Spiel“ oder „Räuber der Nacht“ richtig abrocken. So modern muss Mittelalterrock anno 2008 klingen.






.:SCAR SYMMETRY:.
Die letzte Umbaupause steht an und wir beginnen nun aber wirklich den Abend ausklingen zu lassen. Mittlerweile ist es kurz vor Zehn und langsam macht es sich deutlich bemerkbar, daß ich außer Flüssignahrung den Tag über nix weiter zu mir genommen habe. Zwar sehe ich mir noch die ersten Songs der Schwedenstars SCAR SYMMETRY an, doch habe ich diese fünf Jungs doch recht schnell über. Unterstützt wird meine Meinung noch von dem einsetzenden Regen, meiner Müdigkeit und die Vorfreude auf meinen Schlafsack. Schade, aber für progressive Schweden ist da einfach kein Platz mehr in meinem Kopf.


Als Fazit kann ich nur sagen, mal wieder ein super Wochenende mit viel geiler Musik, für mich neue und interessanten Bands, super Wetter und zuwenig Essen für zu viel Bier.
Bemerkenswert, dass alle etwa 100 Helfer ehrenamtlich für das „Rage against racism“ arbeiten. [Jungs, bekomme übrigens immer noch das versprochene rosa Crewshirt von einem von euch!!!]

Gratulation zu einem wirklich rundum gelungenen Festival.
Nur echt schade, daß man in der heutigen Zeit ein Festival noch unter solch ein Motto stellen muß, weil es immer noch hirnloses braunes Gesocks in unserer Gesellschaft gibt. Viele Grüße an dieser Stelle an das ältere Paar, daß am Sonntagmorgen am Festivalgelände vorbeispaziert und über das „Pack, was nix mehr wert ist“ diskutiert. Nun, darauf frei nach Napalm Death „ ...In the real fourth reich, you´ll be the first to go“.

Tino Sternagel [Gastautor]

Autor: Stina Eeltink [Stina] | 13.07.2008 | 19:06 Uhr
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