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Als sich ENSLAVED im beschaulichen Örtchen Haugesund 1991 aus der Asche der Thrash-Band PHOBIA erhebt, sind Gitarrist Ivar Bjørnson 13 und Frontmann und Bassist Grutle Kjellson gerade einmal 17 Lenze jung. Was die beiden optisch so ungleichen Burschen eint, ist der Wunsch, durch die Underground-Clubs ihres Landes zu shreddern und einem möglichst großen Publikum die Schönheit der nordischen Mythologie näherzubringen. Während der Black Metal dank Morden, Kirchenverbrennungen und unsterblichen Alben zu dieser Zeit die Mainstreammedien ihrer Heimat erobert, umgeben sich die beiden Burschen nur rudimentär mit den Hauptdarstellern des Genres.

Auch wenn gerade ihre beiden ersten Alben "Vikingligr Veldi" und "Frost" aus allen Poren Schwarztod versprühen, ist es vor allem Grutle zeit seines Lebens ein Anliegen, sich nicht in einen Topf mit MAYHEM, DARKTHRONE, BURZUM und Co. werfen zu lassen. Ab dem 1997er Werk "Eld" werden ENSLAVED aber ohnehin verstärkt dem Viking Metal zugeordnet, den sie als "Übergenre" bis zum heutigen Tag treu bleiben werden.

Was dem Kernduo mit wechselnder Besetzung (Keyboarder Herbrand Larsen verließ erst vor wenigen Tagen die Band - so frisch, dass es noch nicht einmal Promofotos ohne ihn gibt) aber stets zum Vorteil diente: Niemals versteckten sich ENSLAVED hinter ihren eigenen Erfolgsalben. Keinen Studiorundling zweimal machen zu wollen, war bei den nach Bergen emigrierten Langhaarträgern schon immer mehr Grundsatz denn leere Floskel. So sind ENSLAVED nicht nur nach wie vor eine der spannendsten Extreme-Metal-Bands Skandinaviens, sondern auch zurecht vierfache Gewinner des Spellemannprisen, dem norwegischen Pendant des Grammy.

Vor ihrem grandiosen, aber leider nur mäßig besuchten Konzert in der Wiener Szene haben wir Frontmann Grutle Kjellson daher zum großen Jubiläumstalk gebeten. Der NHL-Fan war bestens gelaunt und hat sich viel Zeit für uns genommen. Nicht nur, um alle ENSLAVED-Alben noch einmal in der Rückblende zu besprechen, sondern auch um einen exklusiven Einblick in die Frühzeit der Band zu geben. Wie viel Humor der "Viking-Metal-Lemmy" wirklich hat, das wird euch spätestens beim Lesen klar. Viel Spaß!

„Vikingligr Veldi“ (1994):

Unser Debüt, das wir in den Grieghallen Studios aufgenommen haben. Das passierte etwa im April 1993 und das Album hätte auf Deathlike Silence rauskommen sollen, aber durch den Tod von Euronymous und den Folgen daraus mussten wir mit dem Release bis zum Frühling 1994 warten. Das Album war schon ein Jahr alt, als es herauskam. Es ist ein ziemlich gutes Album. Wir würden die Songstrukturen heute sicher anders machen, aber gut, das ist auch lange her. Wir waren ziemlich jung und ich bin heute noch sehr stolz darauf. Wir haben unser Bestes gegeben und mehr kann man nicht verlangen.


„Frost“ (1994):

Auf „Frost“ haben wir das erste Mal mehr beim Sound experimentiert. Die Einflüsse wurden breiter, wir hatten auch erstmals welche von außerhalb der Metal-Welt. Der Sound ist auch heute noch ziemlich extrem und dieses Album hat uns damals auf Tour gebracht. Wir hatten dann die ersten Touren in Europa und den USA. Für die Karriere war das Album ein absoluter Meilenstein.


„Eld“ (1997):

Das Album passierte drei Jahre später und wir hatten einige Line-Up-Wechsel. Wir waren noch experimenteller unterwegs, vielleicht auch etwas zu viel. Als das Album herauskam, stieß es nicht unbedingt auf die positivste Resonanz. Es hat Jahre gedauert, bis die meisten Leute dieses Album geschätzt haben – zur Veröffentlichung fiel es klassisch zwischen die Stühle. Es war keinesfalls erfolgreich damals, „Frost“ verkaufte sich viel besser.


„Blodhemn“ (1998):

Das entstand wieder nach einem Besetzungswechsel und wir waren erstmals zu viert. Man merkt dem Album an, dass das Songwriting eben nicht mehr nur von zwei Leuten kam und sich alles erweiterte. Das Album ist sehr aggressiv und klingt total anders, weil wir erstmals in den schwedischen Abyss Studios waren. Ich bin nicht der größte Fan der Produktion, auch wenn einige gute, solide Songs auf dem Album zu finden sind. Ich finde, das Album ist manchmal zu schnell. [lacht] Das war nicht so geplant.


„Mardraum: Beyond The Within“ (2000):

Wir haben das Tempo gedrosselt und viel mehr Einflüsse älterer Musikgenres wie Prog Rock und sogar Stoner Rock zugelassen. Für das damalige Line-Up war „Mardraum“ wohl das solideste Album. Wir haben den Fokus stärker auf den Sound gesetzt und den Song über die Aggressivität gestellt. Wir waren damals so fokussiert wie nie zuvor.


„Monumension“ (2001):

Dort waren wir dann nicht mehr fokussiert. [lacht] Es gibt schon ein paar sehr gute Songs, aber die Enden sind irgendwie lose und es fehlt dem Album die Struktur. Ich bin mit „Monumension“ ich in unserer Diskografie am unglücklichsten. Als es rauskam war es okay, aber mir gefiel es über die Jahre immer weniger. Natürlich könnten wir es re-recorden, aber das ist doch für Pussys. [lacht] Skurril ist ja, dass wir immer noch gerne den Song „Convoys To Nothingness“ live spielen – das für mich schlechteste Album von uns hat einen unserer besten Songs drauf.


„Below The Lights“ (2003):

Ein weiterer Meilenstein für uns. Damals blieben nur mehr Ivar und ich in der Band und wir starteten quasi wieder bei null. Es war ein sehr erfrischender Prozess, weil wir wieder machen konnten, was wir wollten. Es gab keine Diskussionen mit anderen Gitarristen oder Bandmitgliedern. „Below The Lights“ war das purste, echteste ENSLAVED-Album in all den Jahren. Es war zudem unser letztes Album für Osmose, wodurch es nicht die Promotion bekam, die es verdient gehabt hätte. Aber ähnlich wie „Eld“ wurde das Album erst einige Jahre nach der Veröffentlichung richtig geschätzt. Ich bin extrem stolz darauf, da wir wieder sehr fokussiert waren und unsere Einflüsse haben sich so gut zueinander kanalisiert – das hatten wir bei „Monumension“ fast verlernt gehabt.


„Isa“ (2004):

Das Album nahmen wir schon zwei Jahre vor der Veröffentlichung auf, deshalb kam es so schnell nach „Below The Lights“ auf den Markt. „Isa“ war unser erstes Album mit fünf Bandmitgliedern und drei davon waren neu. Es war sehr aufregend und kommerziell war es unser vielleicht wichtigstes. Es sind viele Lieblingssongs unserer Fans drauf und wir spielen noch immer sehr viele davon live. Es war zudem das erste Mal seit unserem Debüt, dass wir ein Album auf einem norwegischen Label veröffentlichten, was uns in unserer Heimat enorme Aufmerksamkeit bescherte. Tabu Recordings haben das Album im norwegischen Fernsehen und bei den großen Tageszeitungen beworben. Das war für uns eine total neue Welt, diese Art von Aufmerksamkeit kannten wir nicht. Ab „Isa“ tourten wir auch wieder viel mehr.


„Ruun“ (2006):

Dieses Album war der perfekte Nachfolger zu „Isa“ und wir haben alle Details noch etwas besser hingekriegt: die Songs, die Produktion, die Arrangements. Für mich ist das Album eine Art Perfektion von „Isa“. Für uns war es ein natürlicher Schritt nach vorne mit dem Line-Up und rückblickend ist „Ruun“ wahrscheinlich mein liebstes ENSLAVED-Album.


„Vertebrae“ (2008):

Dort sind wir wieder zu unserer Experimentierliebe zurückgekehrt. Den Mix machte Joe Barresi, den man auch von den TOOL-Alben kennt und wir haben sehr viele interessante Sachen auf dem Album ausprobiert. Wir haben viele gute Songs geschrieben, die auch live hervorragend funktionieren, aber irgendetwas fehlt mir an diesem Album. Ich denke, die Produktion hat nicht die Qualität, die „Ruun“ hatte. Ich kann dir gar nicht sagen, woran es genau krankt, aber das Feeling war bei „Ruun“ einfach kräftiger. Während des Aufnehmens kriegst du das nicht mit, weil du so tief im Arbeitsprozess bist. Das passiert – manchmal gelingt dir etwas besser, manchmal weniger gut.


„Axioma Ethica Odini“ (2010):

Auch eines meiner Lieblingsalben von uns, das wirklich gut gelungen ist. Es herrscht viel mehr Energie als auf „Vertebrae“. Wir sind wieder aggressiver und schneller geworden und die verschiedenen Soundelemente und –schichten haben einfach perfekt zusammengepasst. Die Songs fließen einfach, was uns am Vorgänger auch nicht so gut gelang. Wir haben fast alles selbst aufgenommen und das Mixing erstmals in Schweden bei Jens Bogren in seinen Fascination Street Studios machen lassen – für uns war all das eine völlig neue Erfahrung. Das hat so gut funktioniert, dass wir gleich danach beschlossen haben, denselben Weg für das nächste Album noch einmal zu beschreiten. Für uns ein sehr kluger Schritt.


„RIITIIR“ (2012):

Was mir an diesem Album besonders gefällt ist, dass wir in punkto Produktion wieder zurück zu unseren Old-School-Wurzeln gegangen sind. Wir haben uns dafür entschieden, so zu arbeiten wie damals, als wir auf Tape aufnahmen. Wir haben das natürlich nicht genauso gemacht, aber Drums, Bass und Rhythmusgitarren haben wir live im Studio eingespielt, um das Bandfeeling zurückzuholen und eine neue Dynamik zu kriegen. Ich mag keine Produktionen, wo alles zu perfekt klingt – wir wollen wie eine echte Band klingen und das gelingt dir viel besser, wenn du einen „Old-School-Zugang“ hast. Wir sind immer versucht, uns nicht zu wiederholen und neue Dinge auszuprobieren. Sich zu wiederholen wäre langweilig. Leider machen das viel zu viele Bands. Die einzige Regel in unserer Band lautet, nichts zweimal zu machen – und daran halten wir uns bis heute.


„In Times“ (2015):

Ich bin verdammt zufrieden mit diesem Album, das unheimlich musikalische Schichten aufweist und auch viele verschiedene Instrumente integriert. Das Album würde ich als sogenannte „Kopfhörer-Süßigkeit“ bezeichnen, denn nur so erkennst du die vielen Details, die in den unterschiedlichen Songs stecken. Es gibt abgedrehte Instrumente, viele Stimmen und Backing-Vocals, Effekte und völlig abgespacte Melodiefolgen. [lacht]











Grutle, wollt ihr mit eurer Musik die Fans künftig vielleicht so überraschen, wie es OPETH ihrerseits seit einigen Jahren machen?

Das würde bedeuten, dass wir auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten und das ist falsch für uns. Sobald du versuchst, Musik zu konstruieren oder am Reißbrett zu entwerfen, fehlt ihr die Echtheit. Für mich müssen ENSLAVED-Songs immer direkt aus dem Herzen entstehen. Konstruktion zerstört die Kreativität. Wenn die Leute von uns überrascht sind, ist das gut, wenn nicht, ist das aber auch kein Problem für mich. Jedenfalls machen wir nichts mit einem bestimmten Vorsatz.


Wie sieht es mit einem neuen, weiteren Studioalbum aus?

Wir sind dabei. Im Frühling wollen wir es aufnehmen und im Herbst herausbringen. Mehr kann ich dir dazu aber noch nicht sagen. [lacht]


Lass uns zu eurem 25-Jahre-Jubiläum ein bisschen in der Vergangenheit graben. Vor nahezu exakt 25 Jahren eben habt ihr im norwegischen Haugesund eurer allererstes Konzert gespielt. Du warst damals 17, Ivar erst 13. Erinnerst du dich noch daran?

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Das passierte ein paar Monate, nachdem wir die Band gründeten und das Konzert fand in der Nacht zum 1. Dezember 1991 statt. Das war so eine Jugendhütte mit Proberäumen in den Kellern und ein paar Bühnen darüber. Eine Art Festival mit verschiedensten Bands und jede Band spielte drei Mal. Wir waren damals in der gesamten Gegend die einzige Extreme-Metalband und ich glaube, wir haben den Leuten damals den Schock ihres Lebens eingejagt. [lacht] Das war ziemlich cool. An die einzelnen Songs kann ich mich nicht erinnern, aber ein paar von den anwesenden Typen haben fast geheult. [lacht]


Die Band entstand aus der Asche von PHOBIA, einer Death-Metal-Truppe, in der ihr damals gespielt habt.

1990 haben wir damit begonnen, ja. Wir hatten ein paar Konzerte hier und da. Sechs oder sieben waren das.


Als ihr dann mit ENSLAVED angefangen habt, hattet ihr da bestimmte Ziele und Vorhaben?

Am wichtigsten war uns, dass wir uns von der damaligen Death-Metal-Szene entfernen. Für uns war dort ein klarer Abstieg zu spüren. Du sahst diese Bands auf MTV und sie spielten Konzerte mit Hawaii-Shirts. So etwas fanden wir nicht cool und wollten es nicht unterstützen. Wir wollten zurück in den Underground und dort ein Teil sein – ernsthafter vorgehen. Wir haben echte Musik gespielt, die uns gefallen hat und nicht unbedingt für die Massen gedacht war. [lacht]


In Norwegen möglichst extrem und provokant zu sein, in den Jahren rund um 1991, muss aufgrund der Bandkonkurrenz aber keine leichte Sache gewesen sein?

Wir wollten eigentlich niemals aus dem Rahmen fallen. Natürlich wollen Kids provozieren, aber nur mit der Musik. Wir waren voller Energie und spielten extrem, aber unser Ziel war es nie, irgendwelche Leute umzubringen oder derlei Aktivitäten. Bei uns ging es immer um die Musik und nicht darum, im Knast zu sitzen und einen Hass auf die Gesellschaft zu entwickeln. Bei anderen sah das bekanntlich anders aus. [lacht]


Ivar und du sind nicht nur seit 25 Jahren ein Gespann bei ENSLAVED, sondern auch privat sehr dick zusammengewachsen. Wie würdest du eure Beziehung zueinander auf privater und beruflicher Ebene beschreiben?

Ivar ist wie ein Bruder für mich und umgekehrt ist es gleich. Die Dynamik zwischen uns ist hervorragend. Wir wissen, wann wir zusammen abhängen und wann lieber nicht, außerdem wissen wir, wann wir mal richtig miteinander fighten müssen und wann nicht. Diese Symbiose funktioniert und wir gleichen uns gut aus. Wir haben dasselbe Interesse an der Musik, aber auch viele Differenzen, was die Sache interessant und spannend hält. Ich denke, das ist ein gesunder Prozess. So etwas sollte man nicht für selbstverständlich nehmen. Mit jemanden so lange so nah und professionell zusammenzuarbeiten, ist ein gutes Zeichen für Qualität. Das funktioniert ja nicht überall – sieh dir nur die Typen bei PINK FLOYD an. Die haben verschiedene Tourbusse und ganze Wände zwischen ihnen auf der Bühne – das ist nicht sonderlich gesund. [lacht]


Ich finde es interessant, dass gerade in der norwegischen Metalszene so viel mit Duos funktioniert. Samoth und Ihsahn bei EMPEROR, Fenriz und Nocturno Culto bei DARKTHRONE, Satyr und Frost bei SATYRICON oder früher auch Abbath und Demonaz bei IMMORTAL…

Was weiß ich – ich denke, das hängt mit dem Wetter zusammen. Du nennst den Regen hier in Wien anstrengend? In Norwegen hast du das das ganze Jahr. Es ist ein schöner Platz um zu leben, aber das Wetter macht dich dort oben wirklich sauer und missmutig. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir introvertiert sind und dann ist es natürlich einfacher, wenn man nur zu zweit arbeitet. Ich könnte mir niemals vorstellen, dass fünf verschiedene Musiker ihren Brei zu ENSLAVED abgeben.


Es war bei euch von Anfang an klar, dass es nur zu zweit laufen würde?

So hat sich das über die Jahre ergeben und es wird sich jetzt nicht mehr ändern. Es war nicht so, dass wir das so gefördert hätten, aber der ganze Schreibprozess, die Riffs und die Texte stammen allesamt von uns beiden. Die anderen können natürlich ihre Einflüsse beisteuern, aber die Entscheidung obliegt uns. Das macht alles viel einfacher. [lacht]




Ihr habt euch immer dagegen verwehrt, als Black-Metal-Band bezeichnet zu werden, da ihr auch nie satanische Texte hattet. Andererseits wart ihr aber von Beginn an dicht mit den norwegischen Black-Metal-Bands verwurzelt, habt eine Split mit EMPEROR rausgebracht und allgemein viele Berührungspunkte. Wie passt das zusammen?

So viele Bands und Menschen gab es dort ja gar nicht. Wir hatten niemand, mit dem wir abhängen konnten außer die verdammten Satanisten. [lacht] Viele von uns waren schon von den Death-Metal-Tagen Ende der 80er-Jahre befreundet. Ich bin mir nicht sicher, wie viele von den Jungs tatsächlich tief in den Traditionen des Satanismus verwurzelt waren, das muss jeder für sich selbst beantworten. Ich bezweifle jedenfalls stark, dass da jeder ehrlich war. Wir hatten niemals Lust oder Interesse, in diese Richtung Texte zu schreiben, das war eigentlich niemals ein Thema. Es wäre für uns einfach falsch gewesen.


Gab es damals Glaubenskriege oder Kämpfe, weil ihr eben nicht in dieselbe Richtung geströmt seid wie viele andere?

Absolut nicht. Wir haben uns immer gegenseitig respektiert, es gab da niemals Probleme. Es gab mehr Freundschaft als Rivalität. Auch zwischen Ost- und Westküste in Norwegen gab es keine Kämpfe. Wir waren nur eine Szene, und die war ziemlich klein, bestand nur aus einer Handvoll Bands. Jeder hing mit den anderen ab, es war total friedlich.


Im Endeffekt müssen die norwegischen Black-Metal-Bands diesen Skandalen rund um Morde und Kirchenverbrennungen aber auch in gewisser Weise dankbar sein – ansonsten hätte die Popularität niemals diese Dimensionen angenommen.

Ich glaube, da irrst du dich. Es hätte natürlich länger gedauert, aber es wäre gegangen. Für uns hat das überhaupt keinen Ausschlag gegeben, denn die Bands, für die sich die Zeitungen und Magazine interessierten, waren ohnehin nur die kriminellen, direkt beteiligten. Die potenziellen Interviewpartner saßen alle im Knast. [lacht] Für Festivals und Konzertveranstalter waren wir erst ab 1995 interessant, wo wir unsere erste Tour spielten. Das hatte aber nur mit unserer Musik zu tun und nicht damit, dass wir Leute umgebracht oder Kirchen verbrannt hätten – was ja auch nie passierte. Aber klar – ich weiß, worauf du hinauswillst. Es gab eine Zeit, da musstest du dich nur schminken, eine Gitarre halten und aus Norwegen kommen, um einen Plattenvertrag zu kriegen.


Nachdem du weder Leute umgebracht, noch Gebäude abgebrannt hast – was waren denn so deine dümmsten Aktionen?

Ich bin generell ziemlich albern, da fällt mir jetzt gar nichts Spezielles ein. [lacht] Meine Gefängniserfahrungen beruhen auf die Ausnüchterungszellen, weil ich oft mal zu besoffen war und dann Scheiße gebaut habe, wenn du das wissen willst. [lacht]


Du hast ja auch lange im berühmten Bergener Club Garage gearbeitet – bist du dort noch immer tätig, oder kannst du von ENSLAVED leben?

Jetzt nicht mehr, früher war ich dort tätig. Es würde sich mit ENSLAVED wohl ausgehen, aber wenn ich daheim bin, dann trete ich immer mal Teilzeitjobs an. Ich bin ja oft monatelang zuhause und habe dort nichts zu tun, das ist langweilig. Außerdem kostet das Leben in Norwegen doch ein bisschen was. [lacht]


Hast du schon einmal daran gedacht, ein paar Side-Projects zu machen, die vielleicht auch auf längere Dauer existieren?

Hier und da bin ich schon auch woanders tätig, aber in dem Ausmaß von ENSLAVED kann ich natürlich nichts machen. Ich habe auch ein paar andere Alben veröffentlicht, aber dort hatte ich nie dieselbe Ernsthaftigkeit. Wenn ich mal für zwei Stunden wo einspringe und für befreundete Bands Session-Vocals mache, ist das was anderes, als sein ganzes Herzblut und seine ganze Zeit in etwas zu legen. Es ist nicht möglich, mit einer anderen Band zu touren. Das wird wohl niemals passieren, zumindest nicht solange es ENSLAVED gibt.


Was war die beste und was die schlimmste Zeit für dich in den letzten 25 ENSLAVED-Jahren?

Der stolzeste Moment war sicher, als wir das allererste Mal ein offizielles Produkt von uns in Händen hielten. Eine Mini-LP im Jahr 1993, dieses Gefühl war unbeschreiblich. Ich habe darauf gestarrt, die Platte aufgelegt und war einfach unheimlich stolz und froh, dass wir es schafften. Der schlimmste Moment, der passierte wahrscheinlich auf einer US-Tour 2003. Wir dachten, wir würden in Cleveland, Ohio spielen und haben dort ein paar Freunde, also haben wir auch ein paar Besucher erwartet. Dieses Arschloch von Promoter hat uns aber eine Stunde entfernt davon auf einer Art Parkplatz gebucht – so eine Redneck-Scheune. Zwölf handgezählte Typen tauchten dort auf und da fürchtete ich wirklich, dass das jetzt das Ergebnis einer Reise von Norwegen in die USA ist. Ich war da wirklich genervt. Wir haben die Show aber durchgezogen. Zu einem gewissen Zeitpunkt wanderten alle zur Bar, um sich dort zu besaufen und ich grölte „Kommt zurück, hier wird live gespielt“ ins Mikrofon. Es war einfach grauenhaft, das war sicher der Tiefpunkt unserer Karriere, aber sogar da hatten wir Spaß dabei. [lacht]

Interview: Robert Fröwein (Froewe)
Fotos: Christoph Kaltenböck (3), Nuclear Blast (3), Indie Recordings (2), Tabu Recordings (2), Osmose Productions (6), Deathlike Silence Productions


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