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Eigentlich ist das Ganze ja eine kleine Mogelpackung. KATATONIA sind zwar tatsächlich exakt 25 Jahre alt, doch wenn man das Vorprojekt MELANCHOLIUM dazurechnen würde, müssten wir noch vier Jahre dazuaddieren. So bürokratisch genau muss es aber nicht sein, und die große und in allen Extreme-Metalkreisen beachtete und respektierte Karriere der beiden Bandgründer, Überbleibsel, Freunde und Lebensmenschen Jonas Renkse und Anders "Blakkheim" Nyström hat sich eben über die letzten zweieinhalb Dekaden manifestiert. Das war für uns Grund genug, um sich gleich beide gemeimsam zur Brust zu holen, um in den kultigen Backstagebereichen der Wiener Arena eine knappe Stunde ausführlich über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band zu sprechen. Wie man es sich bei den introvertierten Schweden erwarten konnte, wurde die Unterhaltung mit viel Respekt, Geduld und der richtigen Dosis aus Reden und Zuhören geführt. Neben aktuellen Belangen und dem Status Quo ihres Death-Metal-Nebenprojekts BLOODBATH lag der Fokus auf Geschichtsbewältigung. Für Metalnews.de blickten die beiden kompositorischen Kapazunder exklusiv auf ihre Erfolgskarriere zurück und analysierten zudem noch einmal alle Studioalben. Wohl bekomms!

KATATONIA feiern 2016 das 25-Jahre-Jubiläum und es scheint so, als ob ihr mit dem neuen Album „The Fall Of Hearts“ populärer wärt als je zuvor. Warum ist das eurer Meinung nach so?

Anders Nyström: Wir sind einfach dankbar, dass es so ist. Es ist eine lange Reise und in dieser Zeit lösen sich die meisten Bands auf.
Jonas Renkse: Das ist vielleicht auch der Grund für die Popularität. Wenn du immer weitermachst, dann erntest du einmal die Saat. Wir versuchen uns zudem mit jedem Album zu verbessern, das ist sicher auch ein Erfolgsbaustein.


Jonas, du hast öfters gesagt, dass du beim Texteschreiben auf deine innere Stimme hörst und sehr introvertiert vorgehst. Ist es nicht manchmal schwierig, so melancholisch und atmosphärisch zu arbeiten?

Renkse: Es kann auch eine große Entlastung sein, wenn man in seinem Inneren wühlt und die schweren Brocken hervorholt. Manchmal ist diese Vorgehensweise sehr hilfreich. Wenn dich etwas sorgt oder ärgert, dann kannst du deine Gefühle so kanalisieren. Wir machen das aber schon viele Jahre so und für mich ist es ein ganz normaler Prozess.


Ist es auch immer noch leicht und logisch, 20, 25 Jahre alte Texte auf der Bühne wiederzugeben? Ihr habt damals doch in einer komplett anderen Lebensphase existiert…

Renkse: Natürlich reflektieren nicht mehr alle meine Gedanken, aber sobald ich auf der Bühne stehe, kann ich mich in diese Zeit zurückversetzen. Mit der Musik verläuft das ähnlich, da muss man eben in eine Rolle schlüpfen. In das eigene Selbst aus der Vergangenheit und man merkt dann schnell, warum man diesen oder jenen Song überhaupt schrieb.




Ihr beide habt die Flagge von KATATONIA seit dem ersten Tag hochgehalten und seid auch seit einiger Zeit federführend beim Death-Metal-Projekt BLOODBATH. Wie würdet ihr eure Beziehung zueinander beschreiben?

Renkse: Zwischen Job und privater Beziehung besteht kaum ein Unterschied. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander und wir teilen dieselben musikalischen Interessen, sind auch außerhalb dieses Kosmos sehr gut befreundet.
Nyström: Darüber denken wir gar nicht nach, weil es total selbstverständlich für uns ist. Unsere Freundschaft ist wie das tägliche Aufwachen, so etwas hinterfragst du nicht. Natürlich muss man dafür dankbar sein, das ist klar.


Ist diese enge Freundschaft immer ein Vorteil? Wenn es etwas zu Geschäftsentscheidung oder zum Songwriting kommt?

Nyström: Wir haben natürlich verschiedene Meinungen, was auch gut ist, weil man dann aus seiner Komfortzone ausbricht. Solange wir nicht mit den Fäusten aufeinander losgehen, ist aber alles okay. [lacht]


Das Line-Up von KATATONIA wurde schon x-mal ausgewechselt. Ist es wirklich so schwer, mit euch Jungs zusammenzuarbeiten?

Nyström: Auf keinen Fall. Das können nur Leute vermuten, die nicht tief genug mit der Band zu tun haben. Wir hatten sehr viel Pech mit den Mitgliedern. Ursprünglich starteten wir als Zwei-Mann-Band, weil wir einfach keine Mitstreiter fanden und dieses Problem setzte sich einige Jahre fort. Wir haben immer nach mehr Jungs gesucht, aber da hat sich bis heute keine wirkliche Kontinuität ergeben. Vor etwa vier, fünf Jahren hatten wir ein recht stabiles Line-Up, mussten letztes Jahr aber wieder justieren. Das ist jedenfalls nicht geplant oder forciert.
Renkse: Es ist langweilig, weil es jeder sagt, aber derzeit haben wir die stärkste Besetzung und jeder ist total fokussiert. Unser Bassist Niklas Sandin ist mittlerweile seit sechs Jahren Teil bei uns und damit schon ein altes Mitglied. [lacht] Wir fühlen uns jetzt alle wohl, es funktioniert gut und wir haben denselben Fokus. Hoffentlich bleibt die Band jetzt mal gleich.




Euer aktuelles Album „The Fall Of Hearts“ ist nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch wieder ein musikalisches Statement, eine Abkehr vom bisher Bekannten. Liegt das am frischen Blut in der Band, dass ihr progressiver und teilweise vertrackter denn je zuvor klingt?

Renkse: Das liegt nicht beabsichtigt am Line-Up, aber natürlich fließt so etwas mit ein. Unser neuer Drummer spielt ganz anders als der letzte und wir lassen jeden in der Band seine Fähigkeiten zeigen. Viele denken, dass das Album sehr anders ist als alles andere, für mich ist es eher eine Entwicklung. Es ist wohl ein größerer Sprung, weil wir uns viel Zeit genommen haben und durch viele Touren eine neue Perspektive auf unser Material bekamen.


„The Fall Of Hearts“ ist euer zehntes Studioalbum. Fällt es euch heute schwer, neue Territorien zu erforschen und euch stets mit einem veränderten Sound zu präsentieren?

Nyström: Das ist unser großes Ziel. Wir wollen nicht in die „Klon-Falle“ tappen und uns ständig wiederholen. Man muss immer außerhalb seiner Box denken und das macht unsere Band besonders. Wir suchen stets nach neuen Zutaten, wollen aber auch nicht zu drastisch vorgehen. Die Menschen sollten sich selbst und uns als Band in den Songs wiederfinden. Dieses Mal haben wir viele Songs länger gemacht als früher, haben uns mehr zugetraut. Für uns war das ein großer Schritt, weil wir das bislang vermieden haben. Zudem vermischen wir wieder Genres wie Jazz oder auch Singer/Songwriter in unser Gemisch. Diese Ingredienzen mit dem schweren, für uns typischen Sound vermischt, macht KATATONIA aus. Jonas und ich reden niemals über Genres oder Kategorien. Ein Song muss gut genug für ein Album sein, völlig egal, ob der jetzt Metal oder nicht Metal ist.


Es gibt aber wohl immer eine natürlich Grenze, da man die Erwartungshaltung der Fans wohl nicht ganz durchbrechen kann. Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr euch vielleicht einmal so drastisch entwickelt wie eure Freunde von OPETH, von deren altem Sound heute kaum was übrig ist?

Nyström: Wer weiß? Ich würde auf keinen Fall etwas verneinen, das wäre dumm. Wir haben in der Band schon viele drastische Wechsel gehabt. Anfangs machten wir Extreme Metal, dann eher dunklen, alternativen Rock und schon dieser Umschwung hat unsere Fans gespalten. Wir sind immer unseren Herzen gefolgt und haben das gemacht, was wir für richtig hielten. In erster Linie hören wir auf uns selbst. Wenn wir nicht glücklich mit den Songs sind, dann hätte es keinen Sinn mehr. KATATONIA sollte niemals eine Pflicht sein, die Band reflektiert unsere Freiheit in der Musik. Es ist aufregend, dass wir nie wissen, was als nächstes hinter der Ecke lauert.


Wenn man jung eine Metalband startet ist das wichtigste Ziel, so extrem wie möglich zu klingen. Welche Ziele verfolgt ihr heute, wo ihr euch beide in euren 40ern befindet?

Nyström: Ein wichtiges Ziel ist es, in möglichst jedem Land der Welt zu spielen. Die meiste Zeit spielt man in denselben Locations, aber wir würden gerne mal in Asien touren – zum Beispiel in Japan. Da waren fast alle, aber wir noch nicht. Ein wichtiges Ziel ist es auch, immer das beste Album zu machen. Wir haben niemals gesagt, dass das aktuelle Album das beste ist, weil man damit die anderen abwertet. Perfekt ist aber noch lange nichts und wird es auch nicht werden. Wie willst du Perfektionismus übertreffen? Dann müsstest du sofort aufhören. Ursprünglich hatten wir mal nur ein Ziel: einen Plattenvertrag zu bekommen – das war 1992. Das gelang uns zum Glück schnell. [lacht]
Renkse: Die Ziele sind heute natürlich andere, aber sie sind noch da. Wir reden hie und da darüber, was die nächsten Schritte für uns und die Band sind.
Nyström: Heute geht es uns mehr um die kleinen Schritte. Vor einigen Wochen haben wir mit einem kompletten 40-Mann-Orchester in Bulgarien gespielt – so etwas haben wir uns davor noch nicht einmal erträumt, aber es hat funktioniert und wir können es abhaken. Es gibt viele kleine Schritte, die wir von Zeit zu Zeit gehen.


Seid ihr wirklich Typen, die zuhause die Wand anstarren und alle fünf Minuten glauben, dass nun sofort die Welt untergehen wird, weil ihr oft derart dunkle, fast schon depressive Musik erschafft?

Renkse: Das denkst du dir vielleicht, wenn du die Musik hörst, aber das stimmt natürlich nicht. Wie jeder Mensch sammeln sich auch bei uns viele Dinge im Unterbewusstsein an und wenn man kreativ ist, dann kommt das raus. Man kann aber nicht kreativ sein, wenn man depressiv ist. Das ist ein Irrglaube. Wir versuchen diese unterbewussten Gedanken einfach richtig zu kanalisieren und haben dabei viel Melancholie im Gepäck.


Es ist aber auch kaum möglich, solche Songs zu schreiben, wenn man vor Freude Bäume ausreißen möchte…

Nyström: Das geht natürlich nicht, deshalb schreiben wir keine KATATONIA-Songs auf Tour. Das ist unmöglich, wenn man eine Backstage-Party feiert oder im Bus fährt. Wir schreiben nur im Proberaum und jammen nie. Jeder schreibt für sich, dann treffen wir uns und spielen die Songs ein. Wir haben noch niemals improvisiert, nicht einmal am Anfang. Man muss das differenzieren. Es geht niemals um Depression, sondern um Melancholie und für mich auch um Nostalgie. Ich kann mich schnell in diesen Modus befördern. Eine depressive Stimmung kannst du nicht wählen, sie wählt dich. Wenn ich in einer Stadt entlangspaziere und Dinge sehe, dann erinnern sie mich an einen Film oder meine Kindheit – daraus kreiere ich meinen melancholisch-nostalgischen Zustand.


Passiert es euch manchmal, dass ihr Songs schreibt und sie schlichtweg zu fröhlich für KATATONIA sind?

Nyström: Das ist eine gute Frage. Unterbewusst passiert das manchmal sicher, dass ich auf der Gitarre mal eine Note spiele, die einfach zu hell erstrahlt. Dann musst du dich einfach von dieser Idee wegbewegen, aber wir sitzen nicht zusammen und analysieren unsere Riffs.
Renkse: Das ist ein natürlicher Ausfilterungsprozess. Wir wissen, wie die Band klingt und können instinktiv entscheiden, ob dieses oder jenes Riff jetzt zu hell oder nicht für einen KATATONIA-Song ist.
Nyström: Es wird immer das Zwischenspiel zwischen Licht und Dunkelheit geben, denn ohne das eine kann das andere nicht existieren. Wir haben auch hoffnungsvolle Parts in unserer Musik. Hoffnungsvoll ist aber nicht gleich fröhlich, das ist ein wichtiger Unterschied! Unsere Wurzeln liegen in der Dunkelheit, aber wir suchen manchmal auch das Licht.




Und wenn ihr dann Backstage feiert, entstehen einfach BLOODBATH-Songs?

Nyström: [lacht] Auf jeden Fall eher als Songs für KATATONIA.


BLOODBATH ist im Death-Metal-Bereich eine Kultband, die gerne Festivals und Kreuzfahrten spielt, aber niemals tourt.

Nyström: Derzeit ist BLOODBATH für jedes Mitglied das ideale Side-Project, weil all unsere anderen Bands sich musikalisch so drastisch davon unterscheiden. Mit BLOODBATH zu spielen macht extrem Spaß. Wir treffen uns oft und haben eine tolle Zeit miteinander, aber wir nehmen das Projekt nicht so ernst, wie unsere anderen. BLOODBATH ist quasi der Urlaub und KATATONIA der Alltag. Im Leben braucht man beides.


Ist BLOODBATH für euch ähnlich wichtig wie KATATONIA?

Renkse: Nicht einmal annähernd. Die Songs schreiben sich leicht und wir haben Spaß dabei, aber KATATONIA ist unser Leben, fließt durch unser Blut. BLOODBATH ist mehr eine Art Philosophie für uns. Wir besuchen damit gerne unsere Jugend und die Musik, die wir damals liebten und hörten.


Da kommen also eure inneren Kinder hervor?

Nyström: Jeder trägt doch sein eigenes Kind mit sich herum und viele Leute vergessen im Erwachsenenalter darauf. Wir leben es mit BLOODBATH aus und das macht den Spaß. Zudem erweitert man seine Persönlichkeit und Sichtweise auf Dinge, wenn man zwei so verschiedene Dinge macht. Würde ich BLOODBATH nicht haben, würde ein großer Teil meines Lebens fehlen.




Nach dem ausführlichen Interview haben wir die zwei Masterminds zum Jubiläum darum gebeten, ausführlich auf ihre eigene Diskografie zurückzublicken. Das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen.

„Dance Of December Souls“ (1993):

Nyström: Unser Debütalbum, das wir sehr ambitioniert angegangen sind. Wir dachten damals, wir könnten die Welt erobern und waren ziemlich übermütig, als wir das Album aufnahmen. Wir waren weit von Perfektion entfernt. In gewisser Weise ist das Album aber charmant.
Renkse: Wir hatten viele Ideen und waren unheimlich motiviert. Wir wussten damals nicht, dass man für ein gutes Produkt viel Zeit im Studio braucht. All unsere Lieblingsalben wurden in einem langen Prozess aufgenommen und wir waren ungefähr vier Tage im Studio.
Nyström: Wir haben kaum geprobt, dachten, wir wüssten alles und haben nicht lang daran gefeilt. Wir waren ziemlich naiv, aber es waren schon damals magische Zeiten.












„Brave Murder Day“ (1996):

Nyström: Das ist wohl immer noch das Album, das auf ewig als total anders und einzigartig herausstechen wird. Ich bin immer noch der Meinung, dass es ganz anders klingt, als alles andere.
Renkse: Die Leute haben nach dem Debüt erwartet, dass wir so einen orchestralen, pompösen Gothic/Doom-Metal spielen würden, aber das war niemals unser Ziel. Wir haben das Gegenteil gemacht. „Brave Murder Day“ ist sehr einfach gehalten und unser Vibe war damals magisch. Das Werk ist sehr spontan, dunkel und das Ergebnis daraus überraschend.
Nyström: Es ist unglaublich, wie monoton das Album klingt. Die Riffs sind essenziell und waren uns immer am Wichtigsten. Das haben die Leute damals nicht geglaubt. Als wir an dem Album arbeiteten, fühlte es sich so an, als ob wir niemals damit aufhören würden. Wir hatten so viele Ideen, wir hätten das ewig weiterziehen können. Wir klangen aber niemals wieder so, deshalb ist das Teil auch so einzigartig. Außerdem hat OPETH-Mikael für die Growl-Vocals gesorgt, was das Album aus der Diskografie hervorstechen lässt.








„Discouraged Ones“ (1998):

Renkse: Das war ein großer Schritt für uns, nur eben anders als „Brave Murder Day“. Hier hatten wir erstmals Clean Vocals verändert und für dieses Album ein paar Songwriting-Formeln behalten, sie aber zugänglicher gemacht. Es war eine Art Babyschritt in die Welt des echten Gesangs. Das Album klingt sehr entmutigend, aber wir wollten diese Richtung einschlagen. Ein ganz wichtiger Schritt für unsere Karriere.
Nyström: Ein sehr ehrliches Album, das deutlich zeigt, dass wir mehr auf die emotionale Komponente fokussiert waren als auf die Musik. Die Unvollkommenheit dieses Albums war ein wichtiger Teil unseres Sounds, was ich noch immer sehr charmant finde. Ich liebe noch heute viele Songs von diesem Album, auch wenn einige sehr naiv sind. Für mich fühlt sich „Discouraged Ones“ an, wie für andere eine 80er-Jahre-Scheibe – einfach unheimlich alt. [lacht] Der Sound ist sehr holprig, aber für diese Phase unserer Karriere perfekt. Es ist immer schön, diese Zeit und die Songs wieder zu besuchen und sie live zu spielen – was wir immer noch machen.






„Tonight’s Decision“ (1999):

Nyström: Auf „Discouraged Ones“ haben wir den richtigen Sound gefunden und hier wollten wir die Songs perfekter gestalten. Wir wollten definitiv alles verbessern und auch ein bisschen neu erfinden. Wir haben sehr stark an der Produktion gearbeitet und wollten sie einfach gut klingen lassen. Im Studio haben wir den Produzenten und den Mixer damit genervt und unendlich oft Gitarren eingespielt. Es ist irgendwie ein seltsames Album.
Renkse: Es ist nicht so atmosphärisch wie es hätte sein sollen. Wir haben Reverbs bei den Vocals gemacht und die Drums sehr trocken gestaltet, das war für viele Fans ungewohnt strikt und geradlinig. Für unsere Geschichte ist das Album extrem wichtig, wir haben zudem das erste Mal von Travis Smith das Artwork bekommen, der seitdem alle anderen für uns gestaltet hat.
Nyström: Diese Kunst wurde ikonisch für uns. „Tonight’s Decision“ ist für viele das beste Artwork. Wir haben diesen Typen mit Hut und die Vögel in unseren Kosmos gebracht und wir hatten erstmals nach einer extrem langen Pause wieder live gespielt. Wir hatten „Discouraged Ones“ nicht betourt und hier auch erstmals ein permanentes Line-Up – zumindest direkt danach.






„Last Fair Deal Gone Down“ (2001):

Renkse: Als wir die Songs beisammen hatten, fühlten wir, dass das unser Masterpiece werden würde. Wir haben sehr viel Zeit damit verbracht, die Songs zu verbessern und zu verfeinern.
Nyström: Wir wussten hier einfach wirklich, was wir wollten und wo wir die Hebel ansetzen müssen. Der Sound klingt wärmer und nicht mehr so erzwungen. Wir waren unendlich lang im Studio. Nicht wie METALLICA ein halbes Jahr durchgehend, aber immer wieder neu mit Pausen dazwischen. Diese Produktion ist so schwer und organisch, dass sie mich noch immer wegbläst. Es ist wohl der beste Sound, den ich jemals aus dem Sunlight Studio hörte. Ich bin extrem stolz auf das Album, es ist wahnsinnig episch. Als wir 20 Jahre KATATONIA betourten, haben wir dieses Album gewählt, um es ganz zu spielen. Es gibt so viele gute Songs darauf, und es sind viele Favoriten unserer Fans darauf zu finden.






„Viva Emptiness“ (2003):

Nyström: Das war ein großer Sprung. Es war eine direkte Antwort auf „Last Fair Deal Gone Down“ und wir sind stark vom epischen Songwriting abgekommen und wieder tiefer in den Metal eingetaucht.
Renkse: Zu dieser Zeit fühlten wir, dass wir wieder basischer werden wollten, hatten kaum mehr Distortions auf den Gitarren und konzentrierten uns mehr auf einen definierten Rock-Sound. „Viva Emptiness“ war unsere Rückkehr zum Metal. Das Album ist bei den Fans sehr populär.
Nyström: Wir haben darauf sicher die aggressivsten Momente unserer Karriere. Das ist purer Metal. [lacht] Das Album war jedenfalls der Beginn unseres bislang letzten Alben-Zyklus-Kapitels, das bis jetzt anhält. Unser aktuelles Album „The Fall Of Hearts“ hat seine Wurzeln übrigens genau hier.











„The Great Cold Distance“ (2006):

Nyström: Das Album ist DER große Favorit der Fans. Es dominiert eigentlich seit seinem Erscheinen alle Setlists unserer Konzerte. [lacht]
Renkse: Wir haben schon oft versucht, ein paar Songs von diesem Album zu Gunsten anderer zu kippen, aber wir können einfach nichts streichen. Natürlich ist es eine Ehre, so ein Album geschrieben zu haben, aber wir würden oft gerne mehr daraus wegkürzen. Aber gut, das ist wohl der Preis des Erfolgs, wenn man das so nennen will. Dieses Album ist unheimlich populär und wir waren dafür am längsten von allen im Studio. Es ist auch das teuerste unserer Karriere. [lacht] Zudem hat es den besten Sound und wir waren sehr penibel mit allen Details. Wir waren davor oft sehr spontan und emotional, aber hier war einfach alles auf größtmögliche Perfektion ausgelegt. Die Belohnung dafür war wohl der Ruhm, den dieses Album schlussendlich erreicht hat.









„Night Is The New Day“ (2009):

Renkse: Es war unheimlich schwer, für „The Great Cold Distance“ einen Nachfolger zu schreiben. Es fehlen diese Art von „Hit-Songs“ und die Atmosphäre ist wesentlich dunkler. Dieses Album fühlt sich für mich immer noch extrem neu und frisch an, auch wenn es schon wieder sieben Jahre her ist. Wir haben sehr viele gute Songs drauf, auch wenn nicht alle live-tauglich sind.





















„Dead End Kings“ (2012):

Nyström: Wenn es um die Verkaufszahlen geht, ist es wohl unser erfolgreichstes Werk. Wir haben die Zahlen von „The Fall Of Hearts“ noch nicht, aber es hat alles davor Gelegene übertroffen. Von diesem bis zu unserem aktuellen Album vergingen vier Jahre - die längste Albumpause unserer Bandgeschichte.
Renkse: Es war harte Arbeit, das wussten wir aber von Anfang an. Wir wollten gute Live-Songs schreiben, denn das musst du heutzutage machen. Ohne Touren kannst du als Band kein Geld mehr machen und darauf haben wir uns fokussiert. Es ist für mich vielleicht das Album, dass KATATONIA als Band am besten widerspiegelt.
Nyström: Für mich ist es sehr stark mit „Night Is The New Day“ verbunden. Während das ältere aber mehr ein Kopfhörer-Album war, ist „Dead End Kings“ ein Livekracher. Du spürst die Band-DNA in jedem Song und wir waren extrem aufgeregt, diese Songs live zu präsentieren. Ich mache oft den Fehler, und bezeichne „Dead End Kings“ als unser neues Album, was natürlich nicht stimmt. Aber es fühlt sich noch immer so an.










„The Fall Of Hearts“ (2016):

Renkse: Das Album ist jetzt auch schon ein halbes Jahr alt, fühlt sich aber noch an, als ob wir es gestern fertig gemacht hätten. Ich bin sehr glücklich damit, weil es die Band in der Gegenwart reflektiert. Wir haben die Stärken unserer Vergangenheit darin versammelt. Den damaligen Drang nach Abenteuer mit dem Wunsch, neue Gebiete zu entdecken. Für uns als Teenager gab es keine Grenzen und dieses Gefühl haben wir versucht, hier zu reproduzieren. Es ist ein sehr breites Album. Es gibt direkte Rock/Metal-Songs, aber auch viele progressive Parts und sogar ein paar folkig angehauchte Balladen.
Nyström: Es ist irgendwie alles drin, was wir gerne spielen und hören. Wenn du „The Fall Of Hearts“ zu „Discourged Ones“ vergleichst, das ist wie Eins zu Tausend. Damals gab es überhaupt keine Variation, alles klang geradlinig und gleich. Auf diesem neuen Album haben die Songs eigene Flügel und fliegen selbstständig durch die Gegend. Wir können aus diesem Album verschiedenste Songs für verschiedenste Umstände und Konzerte wählen. Auch das ist ein Gefühl von immanenter Freiheit. Wenn wir einen Akustik-Gig machen, haben wir großartige Songs dafür. Wollen wir eine fette Metal-Show machen, haben wir auch genug Material. Wir prüfen noch immer, wie sich das Album schlägt und wären wir nicht zufrieden gewesen, würden wir ohnehin noch daran schreiben. Die Meinungen gehen aber natürlich auseinander.
Renkse: Das Album ist noch so jungfräulich. Es ist ja auch erst die erste Tour damit.
Nyström: In zwei bis drei Jahren werden wir wissen, welche Songs am besten angekommen sind – das ist noch so spannend, dass wir in diese Richtung derzeit noch keine Ahnung haben. Es ist wie ein Ratespiel und macht irgendwie Spaß. [lacht]




Interview: Robert Fröwein (Froewe)
Fotos: Andreas Graf (5), Peaceville Records
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