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Gut zwei Jahre nach dem durchweg überzeugenden „Everything Remains [As It Never Was]“ sowie etlichen absolvierten Konzerten meldet sich die Schweizer Pagan/Folk-Truppe ELUVEITIE mit ihrem neuen Album auf der Bildfläche zurück: „Helvetios“. Hierauf beschreiten die acht Musiker teils neue Wege, besinnen sich jedoch gleichzeitig auf ihre Wurzeln/Anfänge zurück, sodass neben dem textlichen Konzept vor allem die Vielschichtigkeit der Musik zu überzeugen vermag. Metalnews.de hatte im Vorfeld die Möglichkeit, im Zuge einer Listening Session bereits einen Vorgeschmack auf „Helvetios“ zu erhalten, während Sänger und Multiinstrumentalist Chrigel Glanzmann zusätzlich seine eigenen Eindrücke und Gedanken zu unserem Pre-Listening Report zu „Helvetios“ beisteuert.




Chrigel: Unser neuer Silberling ist unser erstes Konzeptalbum mit einer fortlaufenden, in sich geschlossenen Geschichte. „Helvetios“ erzählt die erschütternde Geschichte des Gallischen Krieges. Jedoch gibt das Album nicht einfach nur chronologisch die Geschehnisse dieses grauenvollen Krieges wieder, sondern es erzählt die Geschichte aus der Sicht des Keltenstamms der Helvetier. Dies ist an sich ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn wie wir alle wissen, wird die Geschichtsschreibung allermeist von den Siegern verfasst – in diesem Falle also vom römischen Imperium, genauer gesagt von Gaius Julius Caesar. Einen Großteil dessen, was man heute über den Gallischen Krieg weiß, weiß man aufgrund Caesars Niederschriften. Dass diese nicht einfach die schlichte Wahrheit wiedergeben, das liegt natürlich auf der Hand, und darüber sind sich auch sämtliche Forscher einig. Caesars Schrift „de bello gallico“ ist zu einem großen Teil eine politische Propagandaschrift zu seinen Gunsten, in welcher Haus, Familie und Leben verteidigende Gallier zu „kriegslüsternen Barbaren“ und blanker Genozid an gallischen Stämmen zu „glorreichen Schlachten“ werden, die von römischen Legionen „heldenhaft gefochten wurden, um das römische Volk zu schützen“.
Insofern also ein nicht ganz einfaches Unterfangen, den Gallischen Krieg aus helvetischer [also gallischer] Sicht zu schildern. Wir haben es trotzdem versucht – in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern die Geschichtsschreibung hinterfragt, wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen lassen, archäologische Erkenntnisse erwogen und zu einem guten Teil auch einfach Gefühle und Emotionen sprechen lassen, indem wir versuchten, uns in die damalige Zeit hineinzuversetzen und uns vorzustellen, wie die Dinge wirklich gewesen sein könnten.
Dies vorweg...



1. „Prologue“
Ein kurzer, einleitender Prolog, charismatisch und eindrücklich gesprochen von Alexander „Sandy“ Morton, der dem melancholischen Text mit seinem wunderbaren schottischen Akzent noch das i-Tüpfelchen aufsetzt und inhaltlich schrecklichen Kriegsjahre beschreibt. Zugleich fungiert das Intro als direkte Überleitung zum Titelstück.

Chrigel: Der Track, der das Album – und die Geschichte – eröffnet [welche vom „Epilogue“ wiederum geschlossen wird]. Im Prinzip besteht der Track nur aus gesprochenem Wort. Dies soll das Gewicht des Stücks aber keinesfalls mindern! Der Text enthält sehr viel Gefühl und Essenz. Insofern war auch der Sprecher des Textes sehr wichtig. Ich suchte lange nach einem geeigneten Kandidaten, und es waren auch verschiedene im Rennen. Letztlich fiel die Wahl auf den schottischen Schauspieler Alexander Morton [„Valhalla Rising“]. Er hat nicht nur eine ungeheuer sonore Stimme und einen wundervoll urigen Akzent, sondern er schaffte es, sich wirklich in den Text – und die ganze Geschichte – hineinzufühlen und sie wirklich zum Ausdruck zu bringen! Die Idee des Textes ist es, dass ein alter Mann, der in seiner Jugend die Schrecken des Gallischen Krieges auf dem Schlachtfeld hautnah miterlebte, aber all die Kriegsjahre überlebte, an seinem Lebensabend zurückblickt... und erzählt.
Während der Aufnahmen sagte ich zu Alexander: „Stell Dir vor, die schrecklichen Jahre des Krieges sind seit Jahrzehnten vergangen und deine Welt ist wieder in Ordnung, die Wunden des Krieges verheilt; du sitzt auf einer Bank vor der kleinen Hütte, in welcher du deinen Lebensabend verbringst; auf deinem Schoß hockt an einem gemütlichen Nachmittag vergnügt dein Enkel/deine Enkelin; und nun beginnst du zu erzählten... du erinnerst dich zurück an all die schrecklichen Jahre und das Grauen, das du und deine Liebsten erleben mussten und erzählst; dein Enkel/deine Enkelin hat keinen Plan und kann auch nicht nachvollziehen, was du sagst... spielt aber auch keine Rolle, denn nach einer Weile realisierst du, dass du eigentlich vielmehr zu dir selbst sprichst, gedankenversunken, als zu deinem Enkel/deiner Enkelin.“
Das war, was der Sprecher ausdrücken sollte – und genau das hat Alexander hingekriegt!



2. „Helvetios“
Direkt und ungestüm, so könnte man den knackigen Titeltrack beschreiben, jedoch gleichermaßen auch atmosphärisch und melodisch bis verspielt, sodass insgesamt ein wuchtiger und eingängiger Melo-Death-Kracher entstanden ist, der sämtliche Markenzeichen von ELUVEITIE beinhaltet und wunderbar auf den Punkt bringt. Großartig!

Chrigel: Hier geht – lyrisch – die Geschichte los. Und zwar mit dem Ursprung der Helvetier bzw. der gallischen Völker an sich. Der Song schildert nämlich den Entstehungsmythos der Gallier, welcher in unseren heutigen Ohren ziemlich sonderbar, ja geradezu psychedelisch anmutet. Aber ebenso auch mystisch und majestätisch. Und genauso kommt die Musik daher – verspielt, kraftvoll, wuchtig und mit einer großen Portion Epik und Mystik. „Helvetios“ ist einer meiner Lieblingssongs des Albums. 100% rasanter Melodic Death Metal und 100% wilde Folklore. So soll das sein! ;)


3. „Luxtos“
Ein Stück, das nicht nur aufgrund seiner traditionellen bretonischen Melodie sofort an den Hit „Inis Mona“ von „Slania“ erinnert. Sehr verspielt und mit seiner ungewöhnlichen, fast schon kantigen, aber gleichzeitig sofort ins Ohr gehenden Melodie kommt „Luxtos“ zwar nicht ganz an „Inis Mona“ heran [was sowieso schwer ist], wird sich jedoch vor allem live als mächtiger Stampfer und Mitsinghymne bewähren, so viel ist jetzt schon klar – zumal ELUVEITIE das Stück mit einer sehr gelungenen Mischung aus harten Gitarren und verspielter Folkinstrumentierung versehen haben.

Chrigel: Ein sehr folkloristischer, aber wuchtiger Song in der Art von „Uis Elveti“ oder auch „Inis Mona“. Tatsächlich fanden auch diverse uralte, traditionelle [Tanz-]Melodien aus der bretonischen Volksmusik ihren Weg in diesen Song.
Lyrisch ist „Luxtos“ [gallisch für „Stamm/Clan“] quasi eine „Selbstdarstellung“ der Helvetier. In der historischen Literatur zeichnet sich scheu ein Bild von ihnen [und allgemein den gallischen Völkern] ab, in welchem sie einerseits zwar als wild, stark und kriegerisch, aber ebenso als sehr gutmütig, offen, geradezu liebenswert erscheinen. Und eine Eigenschaft scheint allen Galliern eigen gewesen zu sein: ein kindlicher, vielleicht geradezu naiver, aber ungemein starker, herzlicher Stolz. Und genau diesen drückt „Luxtos“ aus – nicht ohne Selbstironie und Augenzwinkern. Und dies zu einem guten Teil übrigens in gallischer Sprache!



4. „Home“
Abgelöst wird das sehr Folk-lastige „Luxtos“ von dem wiederum sehr direkten und treibenden „Home“, das in bester Melodic-Death-Manier mächtig aufs Gaspedal drückt, dabei aber nicht nur aggressiv, sondern hauptsächlich sehr melancholisch klingt. Kein Wunder, schließlich geht es thematisch um den bevorstehenden Verlust der Heimat für das gallische Volk, sodass das Stück gemeinsam mit dem wütenden Gekeife von Chrigel und den verspielten Flötenklängen ein bisschen wie die Vertonung eines herannahenden Sturms anmutet. Definitiv ein Highlight auf „Helvetios“!

Chrigel: Lyrisch gesehen beginnt sich das Blatt zu wenden – sprich, dunkle Wolken ziehen über dem bislang sonnenverwöhnten „Helvetien“ auf. Politische Unruhen machen sich bemerkbar, vor allem aber macht sich der lange Arm einer Imperialmacht, die das derweil noch freie Gallien gerne ihr Eigen nennen würde, langsam aber sicher bemerkbar: Rom. Am Horizont zeichnet sich die Zukunft langsam ab: Entweder die Helvetier ziehen fort – oder sie ziehen in den Krieg.
Insofern ein ziemlich melancholischer, aber energieerfüllter Song. Er drückt die Sehnsucht nach Frieden ebenso aus wie das Leiden von Drangsal und Krieg.



5. „Santonian Shores“
Beginnend mit einer von der Drehleier getragenen Melodie, zeigt sich „Santonian Shores“ von Anfang an als wuchtiger Mid-Tempo-Stampfer, der durch die Folk-Instrumentierung wunderbar unterstützt und untermauert wird. Auch dieses Stück wird sich mit Sicherheit sehr schnell live bewähren, und das liegt nicht nur an dem schicken Drehleiersolo von Anna, die hier ihr ganzes Können zeigen darf!

Chrigel: Die Helvetier entschieden sich gegen Krieg und beschlossen, ihre Heimat zu verlassen und umzusiedeln. Davon erzählt dieser Song. Es muss ein gewaltiger Schritt gewesen sein, fortzuziehen in eine weit entfernte, ungewisse „neue Heimat“; wohl verbunden mit Ängsten ebenso wie mit Hoffnungen und Träumen. Und genau das drückt der Song auch aus. Quasi ein „Aufbruchslied“!




6. „Scorched Earth“
Ein gut vierminütiges, sehr melancholisches Stück, das vielmehr als Klagegesang angesehen werden kann. Und auch wenn von dem gallischen Text natürlich nichts verstanden kann, rufen die erzeugten Emotionen und der vermittelte Schmerz dennoch beinahe eine Gänsehaut hervor. Unterstützend kommen noch Flöte und Uillean Pipe zum Einsatz, jedoch immer schön dezent und im Hintergrund, um dem Gesang mit seiner einerseits unheilverkündenden, andererseits tieftraurigen Stimmung den nötigen Freiraum zu gewähren. Dieses Stück hätte sich auch problemlos auf „Evocation – The Arcane Dominion“ einfügen können und sorgt für eine kleine Verschnaufpause.

Chrigel: Am letzten Abend vor der Abreise bzw. der Auswanderung wurden die leergeräumten Häuser, Höfe und die geernteten Felder in Brand gesetzt – die alte Heimat wurde verbrannt, symbolisch zu Grabe getragen. Und genau dies beschreibt „Scorched Earth“. Es muss ein unheimliches Gefühl gewesen sein, am Abend der Abreise außerhalb des Dorfes zu stehen, in welchem man sein bisheriges Leben verbrachte, und zuzusehen, wie dieses zu Schutt und Asche verbrennt.
Musikalisch diente hier ein uraltes, traditionelles bretonisches „Gwerz“ als Vorbild. „Gwerziu“ sind in der traditionellen bretonischen Volksmusik Klagelieder, welche meist von tragischen Schicksalen [z.B. aus Kriegen] erzählen. Sie werden traditionellerweise musikalisch sehr minimalistisch vorgetragen und bestehen nur aus einer Gesangsstimme und minimaler instrumentaler Begleitung. Dementsprechend simpel kommt auch „unser Gwerz“ daher. Der in gallischer Sprache verfasste Text drückt allein durch den Klang der Worte sehr viel aus.



7. „Meet The Enemy“
Im Gegensatz zu „Scorched Earth“ stellt „Meet The Enemy“ eines der härtesten Stück dar, die ELUVEITIE bislang geschrieben haben. Somit entsteht ein sehr guter Kontrast, denn hier wird mächtig auf die Tube gedrückt, während der wiederum Folk-lastige Refrain sowie Zwischenteil sofort ins Ohr gehen und einen mitwippen lassen, während Chrigel [und im späteren Verlauf auch Anna] sich den Frust von der Seele schreit. „Meet The Enemy“: kurz, prägnant, auf den Punkt gespielt und vor allen Dingen höllisch aggressiv und einfach ganz klassisch ELUVEITIE!

Chrigel: Kurz nach Beginn ihrer Auswanderung wurde der helvetische Tross von römischen Legionen angegriffen – nachts und in nicht kampfbereitem Zustand. Dies war wohl die maßgebliche Begegnung zwischen Gallien und Rom, und dies war auch mehr oder minder der Beginn des Gallischen Krieges.
Dementsprechend klingt auch der Song: Zornig, aggressiv, rasant. Es ist ein ziemlich typischer ELUVEITIE-Track in der Art von „Bloodstained Ground“, „Kingdom Come Undone“ oder „Lament“. Die ohnehin reiche Instrumentierung wird in diesem Song noch durch einen der Gastmusiker bereichert – Fredy Schnyder [von NUCLEUS TORN] haut hier kräftig auf die Saiten seines Hackbretts [ebenso wie auch bei „Home“ übrigens].



8. „Neverland“
Trotz des schönen und melodischen Beginns stellt „Neverland“ meiner Meinung nach das schwächste Stück von „Helvetios“ dar. Schlecht ist es deswegen noch lange nicht, aber irgendwie fehlt dem Stück ein wenig der richtige Kick, und der Refrain wirkt ein bisschen belanglos, heruntergeleiert und rauscht etwas an einem vorbei. Trotz der sehr guten und vielseitigen Instrumentierung – gerade im Mittelteil – daher meiner Ansicht nach leider kein Überflieger im Vergleich zum restlichen Album.

Chrigel: Der Auszug ins „gelobte Land“ bzw. in die neue Heimat erwies sich für die Helvetier als Illusion, nachdem ein großer Teil ihres Volkes und ihrer Zivilbevölkerung in einem nächtlichen Überfall dahingemetzelt wurde. Dies drückt der Song aus. Ein zorniger, bitterer Song mit einem melancholischen, aber eingängigen Refrain.


9. „A Rose For Epona“
Womit wir bei einem der unbestrittenen Höhepunkte der neuen Scheibe wären, denn „A Rose For Epona“ überzeugt schon nach dem ersten Durchlauf. Irgendwie poppig und eingängig, aber keineswegs kitschig [also ähnlich wie „Omnos“ auf „Evocation“], stellt sich der Song sofort als Ohrwurm heraus. Was nicht zuletzt an dem wunderbaren und erneut gereiften, kraftvollen Gesang von Anna Murphy liegt, die dem Stück ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt und dabei völlig zurecht im Mittelpunkt steht. Sehr gefühlvoll, nachdenklich und fast schon sanft ist „A Rose For Epona“ einer der ganz großen Hits auf „Helvetios“!

Chrigel: Wohl eines der besondersten Lieder auf „Helvetios“. Und lyrisch auch eines, das die Emotionen der Geschichte am deutlichsten ausdrückt. Der Song versetzt sich in eine junge gallische Frau hinein: Sie erhoffte und erträumte sich eine neue, sichere und schöne Zukunft in der angepeilten neuen Heimat – gemeinsam mit ihrem Angetrauten und dem neugeborenen Nachwuchs. Nun liegt aber alles in Scherben – die Aussicht, die neue Heimat zu erreichen, ist dahin, ihr junger Gatte kam auf dem Schlachtfeld um, ihr Volk ist halb dahingerafft, kurz – ihr ganzes Leben liegt in Trümmern.
Die junge Gallierin verzagt, sie hadert mit der Situation, mit ihrem Leben, mit ihrem Glauben – und sie klagt ihre Göttin an [„Epona“ war eine gallische Göttin, welche unter anderem für den Schutz der Reiter zuständig war].
Dies ist der Inhalt des Songs. Und dementsprechend gefühlvoll kommt die Musik daher – der Song birgt musikalisch eine Menge Emotion und auch Schmerz in sich. Ein eher sanfter, sehr folkiger, schon fast „poppiger“ Song der Marke „Slania's Song“ und „Siraxta“ mit leichten „Omnos“-Anleihen. Weiblicher Gesang dominiert hier natürlich. Anna hat hier meiner Meinung nach eine unglaubliche Leistung vollbracht und den lyrischen Inhalt sehr ergreifend umgesetzt!



10. „Havoc“
Ähnlich wie bei „Meet The Enemy“ drücken die Schweizer wieder mächtig aufs Gaspedal, was sich vor allem bei der höllisch schnellen Folk-Instrumentierung umgehend herauskristallisiert, die die Führung übernimmt und von kantigen, direkten Riffs sowie dem treibenden, Doublebass-lastigen Schlagzeug unterstützt wird. Geradlinig, kompromisslos und hart ist „Havoc“ ein Melo-Death/Folk-Knaller in bester ELUVEITIE-Tradition!

Chrigel: Das römische Imperium machte bei den Helvetiern nicht Halt – der Krieg beginnt sich auf ganz Gallien auszuweiten. Diese düsteren Vorgänge beschreibt der Song – und dies entsprechend hart und aggressiv. „Havoc“ ist wohl einer der rotzigsten und bitterbösesten ELUVEITIE-Songs ever.
Und als kleine Anekdote: Es ist der Song, der die schnellsten Fiddle- und Whistle-Parts beinhaltet, die wir jemals hatten. War im Studio eine gottverdammte Herausforderung, haha! :)



11. „The Uprising“
Von einem Kracher zum nächsten: „The Uprising“ führt das hohe Tempo von „Havoc“ direkt weiter, d.h. ein weiterer schneller Melo-Death-Song mit wieselflinken, melodischen Folk-Anteilen, der im Mittelteil durch erneuten Sprechgesang von Alexander Morton ergänzt wird und somit eine nahezu greifbare düstere Spannung erzeugt – analog zum in Titel sowie Text erwähnten Aufstand. Sehr gelungen ist übrigens auch der schnelle Uillean-Pipe-Teil zum Ende hin!

Chrigel: Ganz Gallien steht inzwischen in den Flammen des Krieges. „The Uprising“ erzählt die Geschichte eines jungen gallischen Kriegers, welcher die Stämme zu vereinen versuchte, um den übermächtigen Feind „Rom“ ein für alle Mal abzuwehren: Vercingetorix.
Also ein erneut recht rasanter Song der Marke „Nil“ oder „The Somber Lay“.



12. „Hope“
Nach mehreren rasanten und harten Stücken stellt „Hope“ genau das Gegenstück hierzu dar und hätte ähnlich wie „Scorched Earth“ sehr gut zu „Evocation“ gepasst. Getragen von Flötenklängen und der durchweg akustischen Instrumentierung sorgt „Hope“ für eine kurze Pause zum Durchatmen und gibt dabei gleichzeitig sehr gut die sprichwörtliche „Ruhe vor dem Sturm“ wieder. Melodisch, sehr verspielt, ruhig und nachdenklich – und sehr gelungen!

Chrigel: Während des gallischen Aufstands gab es eine leider recht kurze Zeit der Hoffnung, dass das ungestüme, freie Gallien frei bleiben würde. Diese Hoffnung vertont dieser melancholisch-gefühlvolle, akustische und instrumentale Folk-Track.




13. „The Siege“
Dies könnte der Zwillingsbruder von „Meet The Enemy“ sein, denn hier wird geknüppelt und Gas gegeben, dass es eine wahre Freude ist. Ohne große Schnörkel und zudem unterstützt durch wütendes, in dieser Form bei ELUVEITIE weitgehend unbekanntes Frauengeschrei folgt im Mittelteil ein treibender Fiddle-Part, der durch die sehr modern klingenden und groovenden Gitarren getragen wird. Ein sehr zorniger, wütender Song, der in unter drei Minuten alles auf den Punkt bringt und eines der heftigsten Stücke der EidgenossInnen geworden ist.

Chrigel: Der gallische Aufstand wird ein erstes Mal vernichtend niedergeschlagen und endet in einem schon fast genozidartigen, blutigen Gemetzel, bei der verhängnisvollen „Schlacht um Avaricum“. Diese beschreibt dieser Track. „The Siege“ ist wohl einer der härtesten und aggressivsten Songs, die wir jemals schrieben – schnell und rasant, bitterböse und zornig, brutal und kalt.


14. „Alesia“
„Alesia“ reicht in musikalischer Hinsicht quasi „A Rose For Epona“ die Hand, denn auch hier steht der wunderbare Gesang von Anna deutlich im Vordergrund, wobei „Alesia“ spürbar härter ist und dabei mit seiner Laut-leise-Dynamik gleichzeitig verzweifelter klingt. Für mich eigentlich das Highlight von „Helvetios“, da das Stück vor allem mit seinem großartigen Refrain, der einem schier nicht mehr aus dem Ohr gehen will, und der tollen Melodie sofort zu überzeugen weiß. Ein sehr emotionaler und mit viel Pathos ausgestatteter Hit [man höre nur die Chöre am Schluss]!

Chrigel: In der gallischen Metropole „Alesia“ geschah der zweite und endgültige Todesstoß für das freie Gallien. Der gallische Widerstand wurde von Rom endgültig niedergewalzt – in einem unglaublichen Gemetzel, welches nach modernen wissenschaftlichen Schätzungen über 50.000 Galliern das Leben kostete. Drastisch ist hier, dass viele Tausende davon Zivilisten waren – Frauen, Kinder und Alte. Ein sinnloses und erbarmungsloses Töten.
Der Song beschreibt die Vorgänge wiederum aus Sicht einer gallischen Zivilistin – entsprechend ergreifend und heftig der lyrische Inhalt und entsprechend emotional, melancholisch und drastisch die musikalische Umsetzung davon. Nicht gerade leichtes Kino.



15. „Tullianum“
Eine sehr kurze Überleitung mit nur wenigen gesprochenen Worten und leise gezupften Akustikinstrumenten, die als „Brücke“ zu „Uxellodunon“ dient.

Chrigel: „Tullianum“ wurde die römische Todeszelle genannt [wo eben zum Tode verurteilte bis zu ihrer Exekution gefangen gehalten wurden]. Der Anführer des gallischen Widerstandes [Vercingetorix] ergab sich Rom nach der Schlacht bei Alesia – in der Hoffnung, dass er dadurch zumindest das Leben der verbliebenen Bevölkerung retten könnte [was sich als falsche Hoffnung erwies]. Er war danach noch sechs Jahre lang im „Tullianum“ inhaftiert. Als Caesar von seinen Raub-/Eroberungszügen durch Gallien, Kleinasien und Nordafrika nach Rom zurückkehrte, um sich im traditionellen Triumphzug feiern zu lassen [worauf er bald die Alleinherrschaft an sich riss], führe er Vercingetorix in Ketten mit sich [quasi als Trophäe]; Vercingetorix wurde anschließend im Tullianum durch Erdrosselung hingerichtet.
Dies hält dieses kurze, akustische Intermezzo in kurzen Worten fest [„Und so endet es? Mit einem bloßen Strick?“]. Das kurze Stück besteht primär aus gezupfter Harfe und gesprochenem Wort.



16. „Uxellodunon“
Verspielt und gleichzeitig im Gitarrenbereich sehr groovig, ist „Uxellodunon“ wieder eine knallharte Death-Metal-Vollbedienung, der es bei aller Härte und dem zornigen Gebrüll von Chrigel nicht an Melodie mangelt – man betrachte sich nur den treibenden Drehleiher-Part, der für den nötigen Ausgleich sorgt, auch wenn „Uxellodunon“ ganz klar und aus gutem Grund ein gitarrenlastiger Kracher ist!

Chrigel: Nachdem ganz Gallien bereits unter römischer Besatzungsmacht war, kam es noch zu einem allerletzten Aufstand – einem letzten, verzweifelten Versuch, die Tyrannei Roms zu brechen: in der Stadt Uxellodunon. Kriegsgebeutelte, halb verhungerte Männer und Frauen rafften sich zu einer Schlacht auf. Das Unterfangen war von Anfang an zum Scheitern verurteilt – der Aufstand wurde von römischen Legionen blutig niedergeschlagen. Zusätzlich wurde ein Exempel statuiert – allen am Aufstand beteiligten Galliern [mehreren Tausend Männern und Frauen] wurden zur Strafe die Hände abgehackt.
Trotz des schrecklichen Endes birgt diese letzte Schlacht etwas Starkes, Positives, Unsterbliches in sich – eine Leuchtkraft der Unbeugsamkeit. Lieber wurde das eigene Leben geopfert, als dass man sich kampflos ergab und sich einer Besatzungsmacht unterwarf. Dies war nicht nur eine Schlacht – dies war ein Zeichen, ein Mahnmal, ein Zeichen für die Ewigkeit.
Damit endete der Gallische Krieg und damit endet auch unser neues Album. Dementsprechend kraftvoll und energiegeladen ist auch der letzte Song – eine zornige Death-Metal-Walze, die aber dennoch auch etwas Erhabenes, Positives und Stolzes versprüht. Unbeugsamkeit sei das Stichwort! :)



17. „Epilogue“
Hier schließt sich der Kreis, die Schlange beißt sich in den eigenen Schwanz – und der Hörer landet wieder beim Erzähler, der seine Geschichte abschließt und als einer der wenigen Überlebenden zurückblickt. Und was könnte besser als Träger und Vermittler von Geschichte[n] fungieren als Musik und traditionelle Melodien? – Womit wir wieder bei ELUVEITIE wären, die nach dem gesprochenen Part die volle Epik-Breitseite auffahren und damit bei aller düsterer Thematik des Albums auch ein wenig „das Licht am Ende des Tunnels“ aufzeigen, dass es immer irgendwie weitergehen wird und dass die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt. Der Epilog hätte somit auch gut und gerne als Abspannmusik für einen Film fungieren können, denn hier werden zusätzlich zur Akustikinstrumentierung noch Orchesterklänge und ein Chor herangezogen, die „Helvetios“ sehr episch und emotional enden lassen – und den Hörer dazu ermuntert, die Repeat-Taste zu drücken und sich erneut in das Geschehen zu stürzen. :-)

Chrigel: … und wir sind wieder beim alten Mann, der sich an die Jahre zurückerinnert, in welchen er an den Fronten gegen die römischen Legionen kämpfte. Ist schon eine Stunde vergangen? Hat er tatsächlich die ganze Geschichte des Gallischen Krieges erzählt? Offenbar.
Der Erzähler endet mit der Unsterblichkeit der Lieder, die die Gallier sangen. Ihr Blut versickerte im Boden der Schlachtfelder..., aber ihre Lieder lebten weiter. Bis heute.
Der Epilog wird von einem sehr epischen, akustischen Folk-Stück vervollständigt, welches sich zum Ende in einem gallischen Chor verliert. Wie zu Beginn, so am Ende – sehr viel Emotion, sehr viel Gefühl und sehr viel Epik.




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