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KREATOR
"Gods Of Violence"

Listening Session





Große Ereignisse werfen bisweilen auch große Schatten voraus. So auch das neue KREATOR-Album „Gods Of Violence“. Nuclear Blast lädt ins Berliner Hotel Nhow ein, welches nicht nur über ein eigenes Aufnahmestudio, sondern auch über die technischen und räumlichen Möglichkeiten verfügt, musikalische Erzeugnisse in einem würdigen Rahmen zu präsentieren.

So finden sich also am 15. Oktober 2016 zahlreiche Pressevertreter ein, um dem neuen Werk der Essener Thrasher Gehör zu schenken. Immerhin ist es das erste Album seit über vier Jahren, solange ist die Veröffentlichung von „Phantom Antichrist“ bereits wieder her. Dementsprechend sind die Erwartungen nicht nur bei den Kollegen der schreibenden Zunft, sondern gewiss auch bei den Fans immens hoch.

Bevor das Album allerdings im Januar 2017 in die Läden kommt, ist es nun an der Zeit, die neue Platte den über fünfzig anwesenden Journalisten vorzustellen. Kollegen aus Deutschland, Schweden, Belgien, Niederlande, Italien, Frankreich sowie aus vielen weiteren Nationen sind vertreten und sehen einen zwar ruhig wirkenden, aber innerlich doch vermutlich sehr angespannten Mille Petrozza. Wohin gegen Produzent Bogren als Frohnatur kein Wasser trüben kann, so scheint es zumindest.




Nachdem „Gods Of Violence“ einen ersten Eindruck bei den Anwesenden hinterlassen hat, stellen sich KREATOR-Mastermind Mille und Gitarrist Sami Yli-Sirniö sowie Produzent Jens Bogren den Fragen der Presse. Besonders Bogren hat sichtlich Spaß an der Sache und plaudert gern über die zurückliegende Arbeit. Das Interview mit den drei Protagonisten führt jedoch zunächst Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt, bekannter Buchautor, Mitbegründer der Punkband MUFF POTTER und nicht zuletzt ein Freund der Band. Anschließend wird den anwesenden Journalisten die Gelegenheit gegeben, Fragen zu stellen.






Frage: Es ist euer vierzehntes Album, wie fühlt ihr euch gerade in dem Wissen, dass eine Menge Journalisten das Album zum ersten Mal gehört haben?
Antwort Mille: Es ist ein wenig wie damals in der Schule. Du hast hart gearbeitet, trägst es vor der Klasse vor und hoffst, dass es allen gefällt.

Frage: Es ist immer bemerkenswert, wie offen du für andere Genres bist, aber dennoch diese klassische Art von Heavy Metal-Alben schreibst.
Antwort Mille: Für mich gibt es gute oder schlechte Musik, dabei ist es völlig egal, um welches Genre es sich handelt. Ich würde mich selbst limitieren, wenn ich alles auf ein einziges Genre beschränken würde. Sowohl der Metal-Fan Mille als auch als Songwriter.




Frage: Jens. Es ist das zweite Mal, dass du mit KREATOR arbeitest.
Antwort Jens Bogren: So ist es. Wenn du das erste Mal mit einer Band zusammen arbeitest, ist das Ganze noch von gegenseitigem Respekt geprägt. Man testet einfach mal aus, wie weit man gehen kann und so weiter. Beim zweiten Album kennst du die Leute ein wenig besser und kannst sie etwas härter rannehmen.

Frage: Hast du dich an allen bisherigen Alben von KREATOR orientiert, was die Produktion angeht oder hast du dich voll auf das Material konzentriert, was dir die Band jetzt und hier präsentiert hat?
Antwort Jens: Es gibt ja mehrere Herangehensweisen. Ich bin jetzt nicht der Produzent, der eine völlig neue Band erschaffen will, sondern schaue erst einmal, was sind die Stärken der Band. Dann versuche ich zusammen mit der Band, die Trademarks heraus zu arbeiten und es so frisch wie möglich klingen zu lassen.

Frage: Es gibt eine Neuigkeit bei KREATOR, die deutschen Lyrics bei „Fallen Brother“.
Antwort Mille: Ich habe immer mal wieder deutsche Wörter eingefügt, aber noch nie eine ganze Strophe oder gar einen Refrain. Wir wollten diesem Song ein ganz speziellen Kick verleihen. Es ist aber das Zusammenspiel von mehreren Details, was diesen Song so stark macht.




Frage: KREATOR ist eine Band mit zwei Gitarristen und wahrscheinlich war die Gitarrenarbeit noch nie so ausgefeilt produziert wie auf diesem Album. Frage an alle drei: Wie hat das bei den Aufnahmen funktioniert?
Antwort Mille: Ich habe eine Idee und präsentiere es der Band, bei Sami ist es ganauso. Schließlich hat Jens ebenfalls Ideen, wie man es umsetzen könnte. Es ist so, dass Sami dieses Mal die meisten Leadgitarrenparts spielt.
Antwort Jens: Es ist eine Freude, mit zwei solch hervorragenden Gitarristen zu arbeiten. Beide interpretieren ein und dasselbe Riff auf unterschiedliche Weise und genau das macht das Album auch so spannend.
Antwort Sami: Mit zwei Gitarristen kann man einfach viel mehr Möglichkeiten ausschöpfen.

Frage: Basieren die Lyrics auf den politischen Ereignissen der letzten zwei Jahre?
Antwort Mille: Nicht nur. Ich habe dieses Mal die griechische Mythologie eingebunden, wie eben beim Titelsong „Gods Of Violence“. Eigentlich wollte ich dieses Konzept weiter ausdehnen, doch es passte irgendwann nicht mehr, als die Songs sich Stück für Stück weiter entwickelten.






Der erste Eindruck von „Gods Of Violence“ lässt erahnen, dass KREATOR die Entwicklung, die sie mit „Hordes Of Chaos“ und vor allem mit „Phantom Antichrist“ bereits angedeutet haben, konsequent weiterführen. Die Essener sind auch 2017 nicht aus der deutschen Heavy Metal-Oberliga zu vertreiben. Ganz im Gegenteil.



Track-by-Track Analyse nach dem ersten Hördurchlauf





Apocalypticon
Episches, etwa einminütiges Intro

World War Now
Gradlinig, treibend, melodisch, der „neue“ KREATOR-Style. Dann wieder -zack- Thrash der alten Schule mit filigraner Gitarrenarbeit. Der Song ist richtungsweisend und macht als Opener eine gute Figur.

Satan Is Real
Fette Rhythmusgitarren, Midtempotrack der Sorte „Neckbreaker“ tendenziell schon fast Power Metal wie so manches auf diesem Album.

Totalitarian Terror
Up-Tempo Nummer, cooles Eröffnungsriff. Typische KREATOR-Nummer, der Refrain erinnert zunächst an „Betrayer“. Dazu noch Mitklatschpart in der Mitte, könnte eine Live-Hymne werden.

Gods Of Violence
Akustischer Einstieg a la METALLICAS „Fade To Black“, dann bietet der Song einen Hit-verdächtigen Querschnitt aus allem, was KREATOR sich derzeit einfallen lassen. Tempowechsel, eingängiger Refrain und vielschichtige Gitarrenarbeit weg vom Rumpelthrash der frühen Jahre.

Army Of Storms
Unauffälliger Song mit typischen KREATOR-Trademarks, zudem IRON MAIDEN-Einflüsse und hauptsächlich im Mitteltempo gehalten.

Hail To The Hordes
Power-Metal Nummer mit Hymnencharakter der Sorte „Helden-Metal“. Überwiegend im Midtempo. Ein Song, den man wohl öfter hören muss.

Lion With Eagle Wings
Beginnt mit Sprechgesang in Dani Filth-Manier, bevor der Song sich facettenreich bis zum Finale kontinuierlich entwickelt.

Fallen Brother
Headbanger-kompatibler Beginn, melodischer und einprägsamer Refrain. Ein Song mit gefühlt dezentem MEGADETH-Touch. Mille fügt zudem Textfragmente in deutscher Sprache ein. Empfielt sich für das Live-Programm.

Side By Side
Old-school KREATOR. Up-Tempo Nummer mit Akustikpart und Sprechgesang.

Death Becomes My Light
Balladenhafter Beginn. Variabler Songaufbau mit epischem Refrain, einprägsamen Riff und mehrstimmigen Gitarren. Als Albumausklang eine gute Wahl.

[Fotos: Manuela Dieringer / DIMA Photography / dima-photography.de]

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