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Mitte der 80er regierte das deutsche Label Noise Records den Heavy Metal – von CELTIC FROST bis HELLOWEEN war so ziemlich jeder nationale wie internationale Act von Rang und Namen bei der von Karl Walterbach geführten Plattenschmiede unter Vertrag. So auch die damals frisch gebackenen Thrasher KREATOR, deren erste vier Alben nun Teil der ersten Charge einer groß angelegten Neuveröffentlichungs-Kampagne im Zuge eines Deals mit BMG Music sind.





Endless Pain [1985]

So fing das damals also an mit der größten deutschen Thrash Metal-Band: Vor 32 Jahren hatten sich die Essener gerade frisch von TORMENTOR in KREATOR umbenannt und das Erbe des Vorgängers war noch deutlich spürbar. Optisch war die damals noch als Trio firmierende Band kaum von den ähnlich peinlich angezogenen SODOM zu unterscheiden und auch musikalisch waren Mille und Co. Noch meilenweit von den Edel-Riffs der heutigen Zeit entfernt. Dennoch: Verglichen mit dem, was die Kollegen um Tom Angelripper im gleichen Jahr auf „Obsessed By Cruelty“ zu bieten hatten, ist das was KREATOR mit „Endless Pain“ bieten, verflucht differenziert. Das angeschwärzte Erbe der TOMENTOR-Zeit ist auf dem Debüt der Mannschaft vor allem in Mille Petrozzas [und Ventors] Gesang noch deutlich hörbar, allerdings stecken in dieser Platte auch massenhaft kompromisslose Speed Metal-Riffs voll am Puls der Zeit, die etwa im Falle von „Total Death“ oder „Son Of Evil“ wie „Kill `Em All“ auf Koks klingen. Hier wird deutlich, dass Mille und Co. Damals voll auf die NWOBHM abfuhren. Dabei sollte bemerkt werden, dass KREATOR auch in ihrer Anfangsphase sicherlich keine Dilettanten waren – gut, bei den Leadgitarren bestand vielleicht noch etwas Nachholbedarf, aber mit „Flag Of Hate“ und „Tormentor“ hat die Truppe hier bereits zwei Songs auf Lager, die sich bis heute im Live-Set der Herren halten konnten. Auch ansonsten kommt die Abwechslung auf „Endless Pain“ nicht zu kurz, denn statt non-stop Gebolze gibt es hier zwar kompromisslosen aber durchdachten Thrash Metal, der stellenweise stark von der Bay Area inspiriert scheint und mit knackigen Riffs und effektvollen Tempowechseln so manches zu bieten hat. Und im abschließenden traut sich die Band sogar an ein bombastisches Intro mit perlenden Clean-Gitarren und das sorgt doch glatt für Atmosphäre. Übrigens singt auf „Endless Pain“ bei allen geraden Songnummern Herr Petrozza und bei allen ungeraden Drummer Ventor.

In der hier vorliegenden Neuauflage kommt das Album nun im überaus feschen Digibook zurück in die Regale, wobei das Booklet satte 28 Seiten umfasst. Die bieten neben allerhand Fotos direkt aus der Band-Mottenkiste auch umfassende Liner Notes vom Bandkopf höchst persönlich und so erfährt der Käufer allerhand amüsantes über die Herkunft des Bandnamens und wie es sich anfühlt, wenn der Vertrag mit dem Label nur durch die Unterschrift eines Elternteils gültig ist. Vieles davon werden eingefleischte Fans schon wissen, aber dennoch ist das Booklet der „Endless Pain“-Neuauflage ein gutes Beispiel für wertige Re-Releases. Als Bonustracks gibt es neben den vier bereits auf der im Jahr 2000 neu aufgelegten Fassung der Platte enthaltenen Demo-Songs noch das zwei Tracks vom „Blitzkrieg“-Demo, welches die Truppe zwei Jahre zuvor unter noch als TORMENTOR eingespielt hatte. Die klingen genau so, wie man es erwarten möchte, nämlich wie 32 Jahre alte Demo-Aufnahmen auf Kassette, die vermutlich schon bei ihrer ursprünglichen Entstehung nicht besonders definiert ausfielen - nette Dreingabe und ziemlich cool, dass das „Blitzkrieg“-Demo die NWOBHM-Affinität der Jungs deutlich offenlegt. „Endless Pain“ selbst wurde ebenfalls remastert und auch hier sollte man keine Wunder erwarten, dennoch klingt das Album in der Überarbeitung definierter und fetter aus als im Original, nur kommt die Platte immer noch reichlich leise aus den Boxen.






Pleasure To Kill [1986]

Während „Endless Pain“ unter Hochdruck und in extrem kurzer Zeit eingespielt wurde, hatte die Band im Vorfeld ihres zweites Albums etwas mehr Zeit für die Vorbereitungen und das macht sich in den enthaltenen Songs deutlich bemerkbar. So beginnt „Pleasure To Kill“ dank „Choir Of The Damned“ mit einem theatralischen Intro – auf dem Vorgänger noch undenkbar und doch bis heute auf fast jedem KREATOR-Album vorhanden. Und wenngleich KREATOR noch einen langen Weg zurücklegen würden, sind auf „Pleasure To Kill“ auch spielerisch auf ganzer Linie Verbesserungen auszumachen: Das Rabiato-Riffing der Mannschaft fällt um ein Vielfaches präziser aus als auf dem Vorgänger und während die Leadgitarren des Bandkopfs häufig noch immer Kraut und Rüben nach de Vorbild von SLAYER-Gitarrist Kerry King sind, hört man doch auch hier, dass der junge Mille sich seit „Endless Pain“ regelmäßig zum Üben hingesetzt haben muss. Und dann ist da ja noch das Songwriting: Hier ist in jeder Note hörbar, dass die Essener mehr Zeit für die Vorbereitungen zu ihrem nächsten Album hatten. Dabei begeistert weniger der gnadenlose Opener „Ripping Corpse“ als etwa Nummern wie „Death Is Your Savior“, der bis heute unverzichtbare Titeltrack oder das nachgerade epische Sahnestück „The Pestilence“, bei denen es sich um bis heute zeitlose Thras Metal-Granaten handelt. Dass „Endless Pain“ nur ein Jahr zuvor erschienen ist, kann man auf dieser Platte natürlich nur schwer überhören und so sind KREATOR hier natürlich bemüht, noch immer so ungestüm und kompromisslos wie irgend möglich zu klingen, aber der ansetzende Reifeprozess ist auf „Pleasure To Kill“ dennoch offenkundig – u.a. auch dank Songs wie dem schiebenden „Riot Of Violence“, in dem die Herren hörbar neue Ideen ausprobieren.

Als Bonus gibt es auf dem gleichen Silberling auch noch die EP „Flag Of Hate“, welche heute ebenfalls hoffnungslos vergriffen ist.Was die klangliche Überarbeitung angeht, so wurde auch beim zweiten KREATOR-Album ganze Arbeit geleistet: Zwar bringt die hochauflösende digitale Nachbearbeitung der heutigen Zeit die Schwächen des Originalsounds unerbittlich zum Vorschein – Spitzer Gitarrensound und dünne Drums – aber mehr Druck als auf diesem Re-Release hatte „Pleasure To Kill“ sicher noch nie.Wie immer lohnt es sich auch im Falle der Neufassung von „Pleasure To Kill“, die bei jedem Noise Records-Rerelease üppig bemessenen Liner Notes zu lesen. Da erfährt der Fan dann Unterhaltsames wie die Tatsache, dass KREATOR für ihr zweites Album das ursprünglich gewünschte Artwork von den Label-Kollegen CELTIC FROST weggeschnappt wurde oder dass Frontmann Mille auch 30 Jahre später keinen Schimmer hat, was Drummer Ventor mit dem Text von „Riot Of Violence“ sagen wollte. Freilich kann man in diesen Notizen eines CD-Booklets keine umfassende Bandbiographie erwarten, schön aufgemacht und spaßig zu lesen sind diese Anekdötchen jedoch allemal.






Terrible Certainty [1987]

Für „Terrible Certainty“ hatte es sich KREATOR in den Kopf gesetzt, mit einem internationalen Produzenten zusammenzuarbeiten, um den Stallgeruch einer „typisch deutschen Metal-Band“ abzuwaschen – am liebsten hätten Mille und Co. Dabei niemand Geringeren als Rick Rubin an Bord gehabt. Labelchef Karl Walterbach sah das anders und stellte den Burschen Roy Rowland zur Seite, der bereits mit ONSLAUGHT sowie den ebenfalls bei Noise Records beheimateten SABBAT gearbeitet hatte. Während KREATOR die Arbeit mit dem Mann sehr genossen haben, gingen die jugendlichen Chaoten Mr. Rowland mit ihren Party-Eskapaden der Legende nach so sehr auf die Nerven, dass er Tonaufnahmen der zügellosen Feierei seiner Klienten an einen Freund in England schickte – so zumindest geht es aus den wie immer illustren Liner Notes der Neuauflage von „Terrible Certainty“ hervor. Auf die Studioarbeit der Band schien derart „unprofessionelles“ Verhalten jedoch keinen Enfluss gehabt zu haben: Auf ihrer dritten Platte machen KREATOR erneut einen hörbaren Schritt nach vorne und kommen endgültige in der vordersten Reihe des Thrash Metal an. Das ungestüme Gebolze ihrer ersten beiden Platte weicht hier ein für allemal ultrapräzisem Riffing, das stellenweise fast schon klinisch ausfällt, dabei jedoch nie angestrengt klingt.

Dabei punkten KREATOR hier mit weitaus ausgeklügelteren Songs als in der Vergangenheit, was sich bereits am Opener „Blind Faith“ sowie dem bis heute unverzichtbaren Titeltrack oder auch dem schiebenden „Toxic Trace“ bemerkbar macht. Dass die Truppe keinen Produzenten aus Übersee gewinnen konnte, war offenbar kein Beinbruch, denn auch der zerknirschte Roy Rowland konnte den Jungens offenbar knochentrockenen Hartwurst-Sound nach amerikanischem Vorbild zaubern. Da Gitarrist Tritze an den Aufnahmen zu „Terrible Certainty“ noch nicht beteiligt war, herrscht hier nach wie vor das totale Leadgitarren-Chaos, allerdings ist auch hier eine merkliche Steigerung zu verzeichnen und so wird deutlich, dass sich auch Frontmann Mille seit „Pleasure To Kill“ nicht nur zum Saufen, sondern auch zum fleißigen Üben auf den Allerwertesten gesetzt haben muss. Neben dem gewohnt hochwertigen Digibook-Design nebst der erwähnten Liner-Notes umfasst die Neuauflage von „Terrible Certainty“ noch eine Bonus-CD mit der „Out Of The Dark... Into The Light“-EP, die neben einigen Live-Songs sowie „Impossible To Cure“ auch das RAVEN-Cover „Lambs To The Slaughter“ beinhaltet.






Extreme Aggression [1989]

Die illustre Entstehungsgeschichte der Platte ist wie bei allen Noise Records-Neuauflagen auch im Falle von „Extreme Aggression“ en detail im hübsch aufgemachten Booklet nachzulesen. Auf ihrem vierten Album agieren KREATOR insgesamt noch eine ganze Ecke professioneller und routinierter und hieven ihren inzwischen etablierten Sound elegant auf das nächste Level. Nicht nur hat Frontmann Mille seine Gitarrenkünste seit „Terrible Certainty“ stark verbessert – das ist auch nur zu begrüßen, denn obwohl Gitarrist Tritze inzwischen fester Teil der Band ist, wollte der Mann nicht mit ins Studio. Dennoch gibt es auf „Extreme Aggression“ allerhand saustarke Leads aus Herrn Petrozzas zunehmend begabten Fingern zu hören, die eine ganze Ecke sauberer, präziser und vor allem nachvollziehbarer als auf vorangegangenen Aufnahmen ausfallen.

Zudem glänzen KREATOR auf diesem Album durch gesteigerte Experimentierfreude und sind hörbar bemüht, ihren Sound zu diversifizieren. Das macht sich bereits an den erhabenen Melodiebögen, die das knallharte Riffing des Titelsongs kontrastieren, bemerkbar, aber auch anhand der verschachtelten Rhythmik von „No Reason To Exist“ oder den düster-atmosphärischen Elementen von Nummern wie „Some Pain Will Last“ oder dem mitreißenden „Don`t Trust“. All dies weben die Ruhrpöttler hier gekonnt in ihren Sound und laufen so kaum Gefahr, Fans ihrer vorigen Platten vor den Kopf zu stoßen, wobei sie gleichzeitig neues musikalisches Terrain erschließen. „Extreme Aggression“ ist somit sicherlich das zum damaligen Zeitpunkt stärkste Album im Katalog von KREATOR. Auf Bonus-CD gibt es dann noch das komplette Konzert, das KREATOR am 4. März 1990 [vier Monate nach Mauerfall, übrigens zusammen mit ihren Label-Kollegen TANKARD, SABBAT und CORONER] in der Wernern-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin spielten, als sie mit „Extreme Aggression“ auf Tour waren. Das wurde ursprünglich im gleichen Jahr unter dem Titel „Live In East Berlin“ veröffentlicht und erschien 2008 noch einmal als Neuauflage inklusive DVD unter dem Titel „At The Pulse Of Kapitulation“. Nicht nur weil sich hierbei um ein professionell aufgezeichnetes Live-Dokument von KREATOR auf ihrem ersten Höhepunkt handelt, sondern auch aufgrund der politisch aufgeladenen Stimmung, die das Konzert umgab, ist diese Live-CD eine hochwertige Dreingabe und macht „Extreme Aggression“ zur wertigsten der vier KREATOR-Neuveröffentlichungen.


KREATOR waren einst eine verdammt junge und gleichzeitig verdammt hungrige Band. Dieser kreative Tatendrang manifestierte sich von „Endless Pain“ an in einem steten Aufwärtstrend, der sich anhand der hier vorliegenden Re-Releases von Noise Records schön nachempfinden lässt und dessen vorläufigen Höhepunkt seinerzeit „Extreme Aggression“ darstellte. Als Neuauflage kommt die 1989 veröffentlichte Platte dank der beiliegenden und nicht weniger geschichtsträchtigen Live-CD als wahrlich ansprechendes Paket, das im CD-Regal keines Thrashers fehlen sollte – zumindest, sofern er die hier gebündelten Veröffentlichungen noch nicht in anderer Form besitzt.
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