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Death Metal, Melodic Death Metal
5.5 von 7 Punkten
"Detroit liegt jetzt in Schweden"
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Herbst/Winter 1993: Die Death Metal-Szene läuft sich gerade tot, crossovert, was das Zeug hält oder steigt just auf „normale“ Sounds um. Mitten in diesen Umbruch platzen einige extrem dunkle Gestalten, die sich selbst, den Metal und die lyrische Affinität zum Deibel mehr als ernst nehmen. Ihr angeschwärzter, pure Bosheit ausstrahlender Sound zieht – bei aller Plumpheit, die seinen Erzeugern teils zu Eigen ist – an und fasziniert. Eine der prägnantesten und intensivsten Combos dieser neuen Welle: die Schweden DISSECTION.

Das erste Lebenszeichen, das es über die tiefsten Tiefen des Underground hinaus von Dissection zu vernehmen gibt, zeigt sich in der Form des Fulllength Debüts „The Somerblain“. Das Cover sieht aus wie King Diamonds „Abigail“ und das, was man bislang über die satanischen Erzeuger, von Kumpels oder aus den Medien erfahren konnte, klingt auch extrem viel versprechend. Ein Album voll purer schwarzer Magie, voller Todessehnsucht, Melancholie und einem unvergleichlichen musikalischen Stilmix aus Death, Black und Melodic Metal.

DISSECTIONS Sänger/Gitarrist Jon Nödtveidt lässt in Interviews zu diesem Meilenstein Bemerkungen wie die folgende ab, um klarzumachen, auf welchen Zug er auf gar keinen Fall aufspringen will: „1985 war Death Metal bösartige Musik, wie z.B. POSSESSED, CELTIC FROST usw. Heute aber denken die Leute, dass Scheiße wie GOREFEST, NAPALM DEATH oder BRUTAL TRUTH Death Metal sind“ [Ablaze Nr. 3]. Es war diese fatale Logik, mit der sich Jon Nödtveidt selbst innerhalb des „elitären“ Kreises der aufstrebenden Black Metaller der Frühneunziger platzierte. Lassen wir mal außen vor, dass Nödtveidt 1985 gerade mal zehn bis elf Lenze zählte und daher keinen blassen Schimmer gehabt haben wird, was die Musik der von ihm genannten Bands ursprünglich ausdrücken oder erreichen sollte, geschweige denn, was sie den Metalfans von damals bedeutete. Vergessen wir außerdem, dass POSSESSED und CELTIC FROST keine Death Metal Bands waren, da es damals keinen Death Metal gab und ignorieren, dass zumindest POSSESSED sich selbst nur als saufende Teenager sahen, die sich um die nächste Party tausend mal mehr Gedanken machten, als um irgendeine Ideologie: selbst dann ist klar, dass Nödtveidt nicht in der Lage war, die Trennung von Künstler und Kunst hinzunehmen. Der Metalfan aus Strömstad nahm die Inhalte der Songs und das Image seiner Faves todernst. Als Teenager begann er, sich mehr oder weniger strukturiert mit Satanismus, Okkultismus und Chaostheorien auseinanderzusetzen und legte so den Grundstein für das, was ihm später zur Lebens- und Todesphilosophie werden sollte. Damit befand er sich in böser Gesellschaft, denn ein gewisser Øystein „Euronymous“ Aarseth aus der norwegischen Metropole Oslo und seine Freunde waren – zumindest in Sachen Metalkultur ähnlich gepolt.

Doch zurück zu Nödtveidt und DISSECTION. Wie begann nun die musikalische Reise dieser so bedeutenden und geheimnisvollen Band? Mit 13 schnappt Jon sich eine Klampfe und lärmt in einer Metalband namens SIREN’S YELL, die aber noch nicht mal bis zur Gründung seiner wichtigsten Combo DISSECTION im Jahr 1989 Bestand haben soll. Zwischendurch klampft der böseste aller Satansrocker nämlich in einer Band mit dem satanischen Namen RABBIT’S CARROT, in der er aber – wie unverständlich – nicht glücklich ist. 1989 Jahr tut sich Nödtveidt mit Peter Palmdahl [b], Ole Öhmann [d] und John Zwetsloot [g] zusammen, um endlich seine Vision extrem satanischer Musik auf das Metallervolk loszulassen. Ideologisch und musikalisch mit der damals gleichzeitig aufkeimenden skandinavischen Black Metal-Welle sympathisierend, entwickelt man einen völlig eigenständigen Sound, der mit seinen vielen Tempowechseln, Twin-Gitarrenläufen und elegischen Einschüben vielfach anspruchsvoller aber auch boshafter und mystischer wirkt als beispielsweise die stumpf vor sich hin schrubbenden MAYHEM oder auch die sich just musikalisch neu orientierenden DARKTHRONE zu jenem Zeitpunkt. 1990 erscheint das erste Demo mit dem Titel „The Grief Prophecy“ und als Vorband von ENTOMBED besteht man auch die livehaftige Feuertaufe. Nach dem Selbstmord des MAYHEM-Sängers Dead werfen DISSECTION eine neue Version von „The Grief Prophecy“ auf den Markt, deren Cover vom freiwillig gehöllelten Vokalakrobaten der norwegischen Kultcombo höchstpersönlich stammt. Ein Jahr später folgt der erste kleine Plattenvertrag mit dem französischen Label Corpsegrinder und die Single „Into Infinite Obscurity“.

EXKURS: JON NöDTVEIDTS THEOLOGISCHES UNIVERSUM

Schon die oben erwähnten Plattentitel deuten im Nachhinein an, wie es geistig um Chefdenker Nödtveidt bestellt war. Bereits damals drehten sich seine Visionen um eschatologische [= auf das Weltende zugehende] Vorstellungen, die von einer bestimmten Form gnostischer Denkart inspiriert wurden. Der viele Facetten kennende Gnostizismus [von griech. Gnosis = Erkenntnis] vermittelt in seiner bekanntesten antiken Form prinzipiell ein Weltbild, das vom Dualismus Geist/Licht/gut vs. Materie/Dunkelheit/böse geprägt wird. Dieser, aus dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammende mystische Ansatz gedieh durch die Auseinandersetzung alter Religionen mit dem damals neuen Christentum und steigerte sich im Mittelalter zu verschiedenen theologischen Ausprägungen, deren Anhänger von der katholischen Amtskirche oft zu Häretikern erklärt wurden, da sie einerseits vom Katechismus abwichen und sich andererseits gefährlich nah an verschiedene andere Religionslehren heranwagten, was natürlich den universellen Führungsanspruch des katholischen Christentums in Frage stellte.
Eine der berühmtesten, aus dem Gnostizismus hervorgegangenen, religiösen Gruppen waren ab dem 3. Jh. die Manichäer, die nach den Lehren des Persers Mani lebten und Christus, Buddha und Zarathustra als Brüder ansahen, die eine einzige große Mission zu erfüllen hatten: das Licht im Kampf über die Finsternis triumphieren zu lassen. Zu diesem Zweck war als Zentrum des Lichts die Welt erschaffen worden. Die übrigen Lichtreste wurden zu Sonnen, Monden und Gestirnen geformt und als Bollwerk ins dunkle All gestellt. Das Töten von Lebewesen [Menschen, Tiere und auch Nutzpflanzen] wird im Manichäismus als Schwächung des Lichts und Stärkung der Dunkelheit aufgefasst. Aufgrund ihrer Gegnerschaft zur Amtskirche, geraten Gnostizismus und Manichäismus in die Nähe okkulter Wissenschaften, deren Anhänger von Rom ebenfalls als Ketzer bezeichnet werden.
Eine solche Verbannung bereitete Anhängern des sumerischen Chaos-Gnostizismus, der die eben beschriebene Lehre praktisch umkehrt und aus dessen Elementen sich teilweise auch die Fundamente des heute aktiven und von Jon Nödtveidt mitgeprägten Misanthropic Luciferian Orders [MLO] bedienen, Boden. Luzifer, der „Lichtbringer“, ist das Symbol für den Kampf, um die dunkle Flamme, die Quelle einer chaotischen Urfinsternis zu befreien. Diese sprengt alle Formen zeitlicher wie räumlicher Existenz und ist Grundlage unendlicher Macht. Die Kreation des Universums ist dagegen ein Akt der Versklavung dieser Dunkelheit und alles, was zu „Gottes Schöpfung“ gehört, wird demnach angefeindet, woraus sich eine prinzipielle und grenzenlose moralische Regelfreiheit ableitet, denn der Mensch als Krone dieser Schöpfung ist gleichzeitig auch der größte Feind.


Diese Feindschaft ist nicht nur so dahingesagt. Ab 1992 wird die Metalszene von einem Sturm erfasst, dessen Ausläufer nicht nur so manch verhasster Kirche das Dach abschrauben, sondern auch eine nicht geringe Anzahl von Blutopfern fordern soll. In Norwegen hatte sich ein „Inner Circle“ gebildet, dem Musiker der Bands MAYHEM, IMMORTAL, DARKTHRONE, EMPEROR, ENSLAVED, BURZUM und SATYRICON angehörten. Die Mitglieder des Zirkels besaßen zwar im Nachhinein nicht alle die Ernsthaftigkeit Nödtveidts, doch sie verliehen der finsteren Sache einiges an Durchschlagskraft. Bands wie THERION, PARADISE LOST oder ATROCITY, ja sogar DEICIDE werden von den Teenagern im Zirkel aufgrund ihrer untruen Images bedroht. Auch auf religiöser Ebene wird mit harten Bandagen gekämpft: Unzählige alte Stabkirchen gehen in Flammen auf. Der Spuk endet erst als ein geistig Verwirrter [Varg Vikernes/BURZUM] den anderen geistig Verwirrten [Euronymous/MAYHEM] wegen höchst weltlicher Angelegenheiten [Freundin, Geld] am 9. August 1993 ersticht und für lange Zeit in den Bau wandert.




Zu dieser Zeit ist das erste DISSECTION-Album zwar schon im Kasten, aber noch nicht veröffentlicht, sodass man die dunklen Epen auf „The Somberlain“ vier Monate später auch guten Gewissens den „verfluchten MAYHEM“ [insbesondere dem ermordeten Øystein „Euronymous“ Aarseth] widmen kann, um die spirituelle Verbindung zum Inner Circle zu unterstreichen. Die Scheibe schlägt im Underground mit ihrer abgründigen Atmosphäre und ihren schauerlich-schönen Melodien ein wie die viel bemühte Bombe und hätte Dissection sicher im Nu an die Spitze der sich gerade gesundschrumpfenden Death Metal Szene katapultiert, würde die Plattenfirma, die „The Somberlain“ vertrieb, nicht No Fashion Records heißen. Das schwedische Untergrund-Label versaut den Job gewaltig und ist zeitweise nicht mehr liquide, weshalb die Platte erst ein knappes Jahr nach ihrer Produktion veröffentlicht werden kann. Da sich die finanzielle Lage des Labels aufgrund zu vieler Signings aber bald wieder verschlechtert, wird die Firma letztendlich an House Of Kicks verscherbelt. Letztere sehen keinen Sinn darin, „The Somberlain“ noch zu promoten, weshalb der Diamant mehr oder weniger ungeschliffen die Zeit überdauert – sehr zum Ärger Jon Nödtveidts.

Die Rettung heißt in diesem und vielen anderen Fällen Nuclear Blast. Das Donzdorfer Label holt sich die vielversprechendsten Acts der schwarzmetallischen Zunft gleich rudelweise ins Haus und bietet auch DISSECTION einen Deal an, der die Jungs endlich vernünftig arbeiten lässt. Das Ergebnis kann sich noch heute mehr als hören lassen und ist unter dem Namen „Storm Of The Lights Bane“ in die Musikgeschichte eingegangen. Mit „Thorns Of Crimson Death“ und „Where Dead Angels Lie“ enthält die Scheibe die absoluten Überhits der Schweden und übertrumpft den Vorgänger bis heute sogar um Längen an Beliebtheit bei den Fans. DISSECTION wären natürlich nicht DISSECTION, wenn nicht irgendetwas immer dem finalen Höhenflug im Weg stehen würde. In diesem Fall ist es Gitarrist John Zwetsloot, dem ein Motivationstief zum Verhängnis wird – so das offizielle Bandstatement zu seinem 1995 erfolgten Ausstieg. Ob musikalischer Frust oder doch eher ideologische Nonkonformität – das Rätseln über den wahren Grund von Zweetslots Ausscheiden aus der Band hilft nichts: DISSECTION haben einen wichtigen Songwriter verloren. Nuclear Blast kompensieren den Verlust 1996 zunächst mit der Veröffentlichung der EP „Where Dead Angels Lie“ und Jon, tja Jon hat ganz andere Pläne…

Der Mainman stürzt die Band von dem erst kürzlich erklommenen Thron von eigener Hand - nachdem Jon Nödtveidt 1997 wegen Beihilfe zum Mord an einem homosexuellen Algerier zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wird, wird es still um DISSECTION. Bereits während seiner Haft plant er eine "Wiedergeburt" der Band und arbeitet an neuen Songs. Seine Gitarre hat er dabei, für kurze Zeit stellt man ihm sogar ein Aufnahme-Equipment zur Verfügung. Erst wenige Jahre vor seiner Entlassung tauchen die ersten Statements, Behauptungen, Pläne und Interviews auf. So auch die Meldung über die Kooperation mit Bård "Faust" Eithun [Ex-EMPEROR], in dem er schließlich einen Drummer für das geplante Comeback findet. Eine äußerst umstrittene Konstellation, saß Eithun doch ebenfalls wegen Mordes an einem Homosexuellen hinter "norwegischen" Gardinen. Allerdings trennen sich die Wege der beiden alsbald wieder, da Faust nicht mit der satanischen Ideologie hinter DISSECTION konform geht.

Zur Übergangsveröffentlichung „Live Legacy“ im Jahr 2003 veröffentlichen Nuclear Blast im labeleigenen Magazin/Versandkatalog ein Interview mit dem noch inhaftierten Nödtveidt, in dem er mit allerlei anti-kosmischen Thesen um sich wirft und den Slogan „Fear The Return“ prägt, mit dem fortan für die Rückkehr DISSECTIONs geworben wird. Verwirrender können die Aussagen zum diesem Zeitpunkt für den wartenden Fan wohl nicht sein. Allmählich wird klar, was dahinter steckt und was im Knast mit dem Mann passiert war. Auch wenn DISSECTION schon vom ersten Tag an ein satanisches Konzept verfolgten, so wurde der Plan, dies weiterhin zu tun, über die abstinenten Jahre hinweg fortwährend gestärkt und ausgebaut. Das Mastermind macht keinen Hehl daraus, die einst so einflussreiche Band als Instrument für seine neu errungenen Erkenntnisse und die bereits erwähnte MLO [wo Nödtveidt auch als Priester fungierte/im Gefängnis gründete dieser die Werewolf Legion, die in direkte Verbindung mit dem MLO gebracht wird] zu nutzen. Auch die Bezeichnung der musikalischen Ausrichtung wird ab sofort Anti-Cosmic Metal Of Death betitelt.

2004 wird Nödtveidt nach nur acht Jahren Haft frühzeitig auf Bewährung entlassen. Vom Mord distanziert er sich indes nicht – Reue scheint nur im „äußersten Notfall“ durch seine Aussagen hindurch. Mit gestähltem Körper, Glatze und massivem Selbstbewusstsein werden alsbald neue Mitstreiter rekrutiert, die „musikalisch und ideologisch hundertprozentig hinter der Band stehen“. Das damalige Lineup sah wie folgt aus:

Jon Nödtveidt - Gitarre, Gesang
Set Teitan - Gitarre [ex-ABORYM, ex-SPIRITUAL CEREMONY, BLOODLINE]
Tomas Asklund - Drums [ex-DARK FUNERAL, DAWN, NECROMICON, INFERNAL]
Brice Leclercq - Bass [ex-NIGHTRAGE, ex-SOL NEGRO]

Die "Rebirth Of Dissection"-Tour startet am 30. Oktober 2004 mit einem Konzert in Stockholm, zu dem die Fans zum Teil aus aller Welt anreisen. Auf der darauf folgenden Tour durch Deutschland, Polen, Österreich, die Schweiz und die Niederlande stellt die Band erstmalig ihre neue Single "Maha Kali" vor, von der auf der offiziellen DISSECTION-Homepage zuvor nur ein kurzes Sample veröffentlicht worden war. Dass der Song gemischte, überwiegend gar negative Reaktionen hervorrief, dürfte allgemein bekannt sein. Im Februar 2005 begibt sich die Band ins Black Syndicate Studio in Stockholm, um ihr nunmehr drittes und letztes Werk "Reinkaos" aufzunehmen. Im April absolvieren DISSECTION eine erfolgreiche Headlinershow auf dem norwegischen Inferno Festival, welches als eines der wichtigsten Extrem-Metal-Festivals in Europa gilt. Auch für den Sommer sind weitere Festivalauftritte angesetzt, unter anderem in Wacken und auf dem Kaltenbach Open Air. Im Juni 2005 verlässt Basser Brice aus privaten Gründen die Band und wird bald darauf durch Håkon Forwald [MYRKSKOG, DISIPLIN] ersetzt, der allerdings nicht einmal ein Jahr später wieder aussteigt. Das dritte und nunmehr letzte DISSECTION-Album erblickt am 30. April 2006 das Licht der Welt. "Reinkaos" erweist sich für viele Fans und Journalisten als herbe Enttäuschung, hatte man doch mit dem für DISSECTION typischen klirrend kaltem Black/Death Metal, wie man ihn von den beiden Über-Scheiben "The Somberlain" und "Storm of The Lights Bane" kennt, gerechnet. Geboten bekommt man stattdessen Melodic Death à la IN FLAMES. Schließlich gibt man im Mai 2006 die Auflösung der Band bekannt. Ein Abschiedskonzert auf europäischem Boden findet am 24. Juni in Stockholm statt. Die geplante USA-Tour kann indes nicht stattfinden, da man Jon aufgrund seiner Vergangenheit die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert.

Mitte August 2006, irgendwann zwischen dem 14. und 16. August geht die Ära DISSECTION ein für alle mal zu Ende – Mit dem Tod von Jon Nödtveidt, der 16.08.2006 in seiner Stockholmer Wohnung aufgefunden wird. Die Meldung darüber erreicht die Metalwelt am frühen Abend des 18. August, einige Stunden bevor Jons Bruder mit seiner Band DEATHSTARS auf dem Summerbreeze Festival auftritt.
Im Gegensatz zu anderen Legenden des extremen Metal, wie Øystein “Euronymous“ Aarseth [MAYHEM], Terje “Valfar“ Bakken [WINDIR] oder “Dimebag“ Darrell Abbott [PANTERA, DAMAGEPLAN], setzt Nödtveidt seinem Leben selbst ein Ende. Rund 15 Jahre nach dem Selbstmord von Ex-MAYHEM Sänger Per Yngve Ohlin – genannt Dead – richtet er wie dieser, eine Waffe gegen sich selbst und stirbt den Märtyrer-Tod.

Trotz der Parallelen zu Deads Suizid im Jahre ’91, scheint Jons Entscheidung, den Freitod zu wählen, ideologischen Motiven zu Grunde zu liegen: dem Polizeibericht zufolge wurde Nödtveidt in einem Kreis aus Kerzen aufgefunden. Neben ihm soll eine geöffnete Ausgabe von „Liber Azerate“ gelegen haben [edit März 2007: durch falsche Übersetzungen aus dem Schwedischen wurde bis vor Kurzem fälschlicherweise angenommen, es habe sich um LaVeys "Satanische Bibel" gehandelt. -Danke an Holger Thoelking].
Vor der Tat verschickte er Abschiedsbriefe an seine Freundin und seine Familie und ließ verlauten er wolle eine lange Reise antreten. “ I'm going away for a long, long time. I'm going to Transylvania.” [Eine weiter Parallele zu Deads Tod, dessen T-Shirt, das er trug als seine Leiche aufgefunden wurde, die Aufschrift “I love Transylvania” trug.] Am Tatort hinterließ er auch einen Abschiedsbrief, dessen Inhalt Jons Vater allerdings für sich behalten möchte. Dieser hatte seinen Sohn noch kurz vor dem Selbstmord getroffen und Jon habe sehr fröhlich und ausgelassen gewirkt. Niemand im Umfeld des Musikers schien etwas von dessen Plan zu wissen.

Aufgrund der Ereignisse der letzten Monate und der Aussagen Nödtveidts scheint eine Kurzschlussreaktion nicht in Frage zu kommen. Betrachtet man heute die kontroversen Interviews, so könnte man schlussfolgern, dass der Suizid lange geplant war. Jon sagte, er habe mit seiner Musik und in seinem Leben alles erreicht und erwähnte sinngemäß, er wolle selbst bestimmen, wann sein Leben ein Ende habe – nämlich dann, wenn er für sich zufrieden sei.

DISSECTION waren und sind ohne Zweifel eine der einflussreichsten Bands, sowohl für den Black- als auch für den Death Metal. Kaum eine andere Band hat es geschafft, Songs zu schreiben, die so vor Emotionen strotzen, wie die Schweden.
Jon Nödtveidt wurde 31 Jahre alt. Mit ihm hat die Metalszene sicher einen der kontroversesten, zweifelsohne aber sehr wichtigen Künstler verloren.



“With a sigh I pass away
Falling, into harmonic sleep
Then Ill find my prophecies wasnt lies
Falling, into the abyssI come...

I...I am dying...
Death...Does heal me...

In the cold winds of nowhere”

aus “In The Cold Winds Of Nowhere” von “The Somberlain”














Reviews anno 2006



1993
The Somberlain



1995
Storm Of The Light's Bane



1996
Where Dead Angels Lie [EP]





1997
Live And Plugged Vol. 2 [VHS]




1997
The Past Is Alive




2003
Live Legacy [Live]



2004
Maha Kali [Single]




2006
Reinkaos




2006
Rebirth Of Dissection [DVD]




Story: Mattaru, shilrak, Stina, Widar

Reviews: DeoUlf, Mattaru, shilrak, theburningdarkness

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