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Nachruf auf Chris Witchhunter

Frühling 1988. Im Düsseldorfer Tor 3 haben SODOM gerade eines der wichtigsten Konzerte nicht nur ihres Daseins gespielt. Die drei Ruhrpott-Chaoten haben auch einem 16jährigen Metal-Supporter aus der NRW-Landeshauptstadt den bisherigen Abgang seines Lebens verschafft. Als der Schlagzeuger des infernalischen Trios nach dem Gig in der Menge badet, gräbt der begeisterte Düsseldorfer Teenager den untersetzten Lockenkopf an, nervt mit Geschichten von seiner schweren Jugend, die dank SODOM so viel besser geworden ist, und stammelt etwas von „beste Thrash Band aller Zeiten, scheiß auf SLAYER“ und weitere Unglaublichkeiten, die der stoppelbärtige Rundgesichtinhaber wortlos über sich ergehen lässt, während er ab und an von seinem kühlen Blonden kostet. Irgendwann unterbricht er den aufdringlichen Spätpubertierenden, indem er sich einfach umdreht und geht. „Scheiß Rockstar“ denke ich mir – aber nur kurz, denn keine zwei Minuten später ist der gute Mann mit einem fetten Edding bewaffnet wieder am Start, packt mich mit einer Pranke an der Schulter und kritzelt mit der anderen ein Wort mitten auf meine Kutte:

WITCHHUNTER

Etwas mehr als 20 Jahre später ist der nette Kerl von damals nur noch eine Meldung in den Nachrichten. Chris Witchhunter alias Christian Dudek ist tot – gestorben in der Nacht vom 7. auf den 8. September an einer „Dekompensation des Organsystems“, eine Folge jahrelanger Alkoholkrankheit. Was bleibt, sind viele Erinnerungen an die schönste aller Metal-Zeiten und mindestens drei der wichtigsten Thrash Metal-Alben der 80er [„Obsessed By Cruelty“, „Persecution Mania“ und „Agent Orange“], denen Witchhunter mit seinem unverwechselbaren Stil einen nicht weg zu diskutierenden Stempel aufgedrückt hat.

Sein langjähriger Weg-, Spiel- und Trinkgefährte Tom Angelripper veröffentlichte kurz nach Chris’ Tod tief betroffen das folgende Statement auf der SODOM-Homepage:


„Als ich Anfang der Woche während unserer noch laufenden Südamerikatour die Nachricht von Chris' Tod erhielt, war ich geschockt und bin es immer noch.
Schon während der Aufnahmen zu „Final Sign Of Evil“, die sich durch die Krankheit von Chris auf über 1,5 Jahre erstreckt haben, wusste ich, dass es ihm nicht besonders gut ging. Mein Gott, ich weiß gar nicht, was ich dazu noch sagen soll?

Chris und ich hatten in den letzten Jahren nach seinem Ausstieg bei SODOM eigentlich sehr wenig Kontakt. Wer die DVD „Lords of Depravity“ gesehen hat, dem wird bewusst werden, warum das so war. Die Krankheit von Chris beinhaltet einen schleichenden Prozess, welcher sich über mehrere Jahre hinweg zieht. Jeder der Chris kennt, weiß und wird mir bestätigen können, dass er Hilfe von anderen Menschen nicht gerne angenommen hat.
Das wiederum ist auch eines der typischen Zeichen seiner Krankheit gewesen, genauso wie es die Selbsterkenntnis getötet hat, die Chris gebraucht hätte um zu erkennen, das er alleine mit seinen Problemen nicht fertig wird. Ich selbst bekomme hier in Südamerika kaum einen vernünftigen Text zusammen, da ich von einer Show zur nächsten Eile. Ich habe in den letzten Tagen mehrfach überlegt die Tour abzubrechen, denn ich wäre in der momentanen Situation lieber zu Hause.
Diesen Gedanken habe ich aber inzwischen verworfen, da ich weiß, dass ein Abbruch der Tour niemals im Sinne von Chris gewesen wäre. Ich hoffe, das wir es als Freunde von Chris wenigstens schaffen, seiner liebevollen Mutter entsprechend zu helfen und sie in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Sie war zu Beginn unserer Freundschaft wie eine eigene Mutter für mich.
Direkt im Anschluss an dieser Tour, werde ich mich persönlich für sie einsetzen. Vielleicht gelingt es uns, ein Konzert mit befreundeten Bands auf die Beine zu stellen, um Chris angemessen zu Gedenken und für die Hinterbliebenen den einen oder anderen Euro zu sammeln.

Hey Chris, Du hast Musikgeschichte getrommelt, R.I.P.“



Dudek war ein echter Ruhrpott-Thrasher, der den SODOM-Stil zehn Jahre lang geprägt und gelebt hat. Einer seiner frühesten Wegbegleiter, TANKARD-Sänger Gerre, erinnert sich:


„Chris war ein Thrasher der ersten Stunde, wir haben in den Achtzigern ja auch öfter mal Konzerte zusammen gespielt. Das Letzte, was ich dann von ihm gehört bzw. von ihm gesehen habe, war sein verbittertes Interview auf der SODOM-DVD! Sein Abgang stimmt mich doch sehr nachdenklich, zumal er ja in etwa mein Jahrgang gewesen sein müsste...............R.I.P Chris!“


Obwohl Tom Angelripper schon immer als Kopf der Ruhrpott-Legende gesehen wurde, war es Witchhunter, der auch in musikalischer Hinsicht als erstes SODOM-Mitglied Beachtung fand. Nach seinem furiosen Getrommel auf „Obsessed By Cruelty“ [1986] buchten ihn die damals als musikalisch komplex und herausragend geltenden DESTRUCTION für eine Tour, als ihnen der eigene Drummer mal wieder abhanden gekommen war. Bandchef Schmier blickt zurück, als ihn Kollege Metalviech im Metalnews-Interview auf das tragische Ereignis anspricht:


Wir haben ja 1986 eine Tour zusammen gespielt - als unser alter Schlagzeuger Tommy ausgestiegen ist, hat Witchhunter bei uns eine ganze Tour lang ausgeholfen. Wir waren befreundet und brauchten eben einen Drummer, da haben wir Chris gefragt und er ist eingesprungen. Er kam dann runter zu uns, hat mit uns geprobt und hat hier auch eine Zeit gelebt – da habe ich ihn natürlich sehr gut kennen gelernt. Mit der Zeit waren wir dann natürlich noch enger befreundet. Er war auch ein super lustiger Typ. So wie manch Anderer vielleicht „super“ oder „klasse“ sagt, sagte er immer „köstlich“. Bei uns hieß er deswegen auch „Mr. Köstlich“. Er hat damals auch schon immer gern mal Einen gehoben und hat sich ein paar Mal auch vor dem Spielen ein paar Bierchen zu viel reingezwitschert. […] Ich habe eine tolle Zeit in Erinnerung; er war ein köstlicher junger Mann, der gerne gefeiert hat und einfach nur gut drauf war. Es ist bitter, wenn man bedenkt, dass er von heute auf morgen in meinem Alter gestorben ist. Das gibt einem schon zu denken.


Die musikalischen Fortschritte der drei Ruhrpott-Chaoten wären ohne Chris’ Drumming nicht möglich gewesen – nachzuhören auf „Expurse Of Sodomy“, „Persecution Mania“ und vor allem auf „Agent Orange“, das angeblich als erste Thrash-Platte überhaupt in die deutschen Charts eingestiegen ist [was übrigens ein Märchen ist – SLAYER’s „South Of Heaven“ erschien ein Jahr früher und krachte von 0 auf auf Platz 24 in die deutschen Media Control-Charts. Richtig ist, dass es die erste Chart-Platzierung einer deutschen Thrash Metal-Band war]. Auf der Agent Orange-Tour nahmen SODOM eine kleine, oft belächelte und nicht minder chaotische Truppe aus Brasilien namens SEPULTURA ins Vorprogramm. Es wurde gemunkelt, dass die SEPs unsere Freunde aus dem Pott jeden Abend an die Wand gespielt haben, was auch mit der mangelnden Disziplin des deutschen Trios zu tun gehabt haben soll. Schließlich seien SODOM dann extrem unkollegial mit den südamerikanischen Senkrechtstartern umgegangen. Max Cavalera will davon aber nichts wissen. Als wir ihn auf Chris Witchhunter ansprechen, schickt er uns diese sichtlich bewegten Zeilen:


„Ein weiterer Metal-Bruder hat diese Erde verlassen. Wir werden Chris Witchhammer [sic!] vermissen. Ich hatte die Chance, in den verrückten Tagen der „Beneath The Remains“-/“Agent Orange“-Tour, die bei meinem Bruder unter dem Namen „Drunk Orange“-Tour lief, mit ihm zu touren und abzuhängen. Meine Gedanken sind in dieser traurigen Zeit bei seinen Freunden, Fans und seiner Familie.“ [Original Nachricht hier anzeigen lassen]


1990 lieferten SODOM mit „Better Off Dead“ das progressivste und anspruchsvollste Album ihrer Karriere ab und präsentierten auch Witchhunter auf dem Zenit seiner Fertigkeiten. Doch damals begannen auch seine Probleme langsam die Oberhand über sein künstlerisches Schaffen zu gewinnen. Lacht man beim Genuss der SODOM-DVD „Lords Of Depravity“ noch herzlich darüber, dass die SODOM-Jungs auch in den kleinsten Transportmitteln stets Platz für ihr Bierdosen-Arsenal schaffen mussten und im Laufe vor allem ihrer frühen Karriere selten wirklich klare Momente hatten, kann man das als Kult bezeichnen. Aber jeder Musiker, der versucht, ernsthaft nach vorne zu kommen und ewig zugedröhnte Bandkollegen ertragen muss, weiß dass der große Knall irgendwann unausweichlich ist.

Schon mit dem folgenden 92er Output „Tapping The Vein“ kam der Niedergang. Soundmäßig relativ verunglückt und zudem mitten in die Grunge- und Death Metal-Hochphase geschossen, gingen Werk und Bandgefüge ganz schön den Bach runter. Schließlich kam, was kommen musste – Brings/Angelripper schickten Witchhunter als Folge seiner Alkoholprobleme in die Wüste und schauten sich nach Ersatz um. Der geschasste Schlagzeuger hat das nie verwunden. Auf der „Lords Of Depravity“-DVD mit seinem Rausschmiss konfrontiert, bricht er wütend das Interview ab – es ist die letzte Szene, die der Öffentlichkeit von Chris Witchhunter im Gedächtnis geblieben ist. Andy Brings sieht das Zerwürfnis mit etwas Abstand versöhnlicher, doch Spuren der heftigen Auseinandersetzungen der frühen 90er sind auch bei ihm offenbar immer noch vorhanden. Seine letzten Worte an die Trommellegende:


„Chris, egal was zwischen uns war oder nicht war, zwei Dinge kann man nicht wegdiskutieren:

1.) Du hast mich 1991 zu SODOM geholt, an mich geglaubt, und mir somit meinen Karrierestart ermöglicht. Fakt!

2.) Du bist Kult, Legende und Mythos. Mehr denn je!
Ruhe in Frieden!“


Produziert hat das letzte musikalische Lebenszeichen des Chris Witchhunter übrigens Thorsten „Toto“ Hain, der nun mit Grave Violator zusammen bei WORTMORD spielt. „The Final Sign Of Evil“ [2007] zeigt die ehemalige Drum-Ikone jedoch auf erschreckend schwachem Niveau.

Die Ära des SODOM-Mythos war nach Witchhunters Ausstieg vorüber. Der grauenhafte Sound und das beliebige Songwriting auf Alben wie „Get What You Deserve“ oder dem völlig missratenen „Masquerade In Blood“ zeigten, welche kreativen Auswirkungen das Fehlen des Drummers nach sich zog. Bis zu „Code Red“ [1999] brachte man keine vernünftige Platte mehr auf den Markt. Erst das jetzige Line-Up scheint wieder die Seele zurück in eine der einzigartigsten Bands dieses Landes gebracht zu haben. Der Spirit der 80er ist jedoch mit Witchhunter unwiederbringlich gestorben. Oder wie ARCH ENEMYs Angela Gossow es gegenüber Metalnews ausdrückt:


„RIP Chris Witchhunter! Chris war ein vitaler Teil der 'alten SODOM' und hat die Meilensteine dieser Band mit kreiert: „In The Sign Of Evil“, „Obsessed By Cruelty“, „Persecution Mania“ und „Agent Orange“!
Es ist schade, dass Alkohol und Drogen ihn als Mensch und als Musiker beeinträchtigt und letztendlich zerstört haben. Chris - wo immer du auch jetzt bist, ich hoffe du bist frei und spielst Gitarre! Shred on brother and make those angels weep! Wir werden Dich niemals vergessen.
-Angela“



Kondolenzbeiträge können auf der SODOM-Homepage hinterlegt werden: Chris Witchhunter - Kondolenzbuch

Rock In Peace, Chris Witchhunter!
- die Redaktion

Mattaru, soulsatzero, Metalviech

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