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Es ist eine ironische Weisheit, die besagt, dass man die Wichtigkeit der Dinge erst bemerkt, wenn man sie vermisst. So oder so ähnlich ergeht es dieser traurigen Tage vielen Menschen auf der ganzen Welt, denn der sanfte Riese der tiefen Töne, Peter Steele, hat mit seinem überraschenden Tod am Morgen des 14. April 2010 im Alter von 48 Jahren die Musikwelt in Schockstarre versetzt.

Wer war Peter Steele wirklich? Wieso entstanden rund um diesen hoch intelligenten, kreativen und ernsthaften Musiker so viele Missverständnisse und Vorurteile? Metalnews.de möchte von einer der – im wahrsten Sinne des Wortes – größten Persönlichkeiten der Metalszene Abschied nehmen.


Vom Stadtbediensteten zum Weltstar


Noch bevor Peter Steele, der am 4. Januar 1962 als Sohn einer russisch-isländischen Immigrantenfamilie zur Welt kommt, mit seinem thrashig-brachialen Provokationspanzer CARNIVORE seine Karriere startet, arbeitet er beim New Yorker Parks Department, was in Deutschland vergleichbar wäre mit dem Reinigungsdienst einer Stadtverwaltung. Steele fährt innerhalb der grünen Lungen von New York City und hauptsächlich in Brooklyn nach seinem Schulabschluss mit dem Abfall-Laster durch die Gegend, reinigt mit seinen damaligen Kollegen Parkanlagen, ist stets freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend und nimmt sogar an abendlichen Feiern unter Kollegen teil. So sein ehemaliger Vorgesetzter, Julius Spiegel, heute Chef des Brooklyner Parks Departments, der kurz nach Steeles Tod an den hart arbeitenden Angestellten erinnert:

„Ich erinnere mich sehr gut an Pete Ratajczyk [Anm. d. Verf.: Peter Steeles bürgerlicher Name], allerdings weniger in der Form, wie er in all den Blogs und von vielen Leuten dargestellt wird. Er war weniger ein düsterer und bedrohlicher Typ, vielmehr war er ein hart arbeitender, irgendwie niedlicher und respektvoller Mensch, der immer da war, wenn eine helfende Hand benötigt wurde. Sogar als er schon lange als Musiker weltberühmt war, erschien er noch immer zu unseren regelmäßigen Kollegenabenden und scherzte oft [jedenfalls glaube ich, dass er scherzte], dass er eines Tages zu uns zurückkehren und mit uns wieder die Parks sauberhalten würde.“


Aus dem gründlichen, fleißigen Stadtarbeiter mit einem [nach eigenen Angaben während eines Interviews] stattlichen Verdienst in Höhe von 40.000 US-Dollar wird nach und nach ein Mensch, der aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken ist. Bereits 1979, im Alter von 17 Jahren, ist er Mitglied in der New Yorker Hard Rock Kapelle FALLOUT, die allerdings 1981 lediglich eine 7“-Single mit zwei Tracks [„Rock Hard“ & „Batteries Not Included“] veröffentlicht und sich anschließend auflöst. Ein Jahr später wird Steele unter dem Namen „Lord Petrus Steel“ Teil der Band CARNIVORE, mit der er wenig später ungeahnte Wellen schlagen wird. Nach einem Demo, das im Jahr 1984 aufgenommen wird, erscheint 1985 der erste Longplayer im Leben Peter Steeles. CARNIVORE liefern mit dem selbst betitelten Album den Grundstein provokanten Thrash-Metals und mit „Thermonuclear Warrior“ einen unvergessenen Hit. Auch der Track „Male Supremacy“ weist auf brachiale Weise den Weg des stets körperbewussten, 2,03 Meter großen Stadtarbeiters. Das Album erhält in der Metalwelt durchweg positive Wertungen, wird jedoch in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert, da man Steele und seiner Band Sexismus, Political Incorrectness und erstmals sogar Faschismus vorwirft. Einem Sohn immigrierter Eltern...

Steele, der Zeit seines Lebens mit brutaler Ehrlichkeit und Direktheit durchs Leben geht, verarbeitet schließlich Vorwürfe in seinen Songs und provoziert bis zuletzt liebend gern, hält seinen Kritikern regelrecht den Spiegel vor und veröffentlicht mit dem zweiten und letzten Album CARNIVOREs, „Retaliation“, schließlich den verbal-musikalischen Rundumschlag mit Songs wie „Angry Neurotic Catholic“, „Jesus Hitler“, „Race War“ oder „Sex And Violence“. Wie Steele bestimmte Themen und seine Meinung dazu auf den Punkt bringt, sollten die folgenden Lyric-Auszüge verdeutlichen:

Don't do what you want
Do what you're tought right
Your life is built on paranoia and guilt
Don't forget your valium tonight

[CARNIVORE, „Angry Neurotic Catholic“]


Don't call me your brother
Cause I ain't your fuckin' brother
We fell from different cunts
And your skins an ugly color

[CARNIVORE, „Race War“]


Hear me my fellow Nazolics
Come join the Neotheofacists
Keep der race pure practice eugenics
And swear to the holy swazafix
I have returned
Reich und Roll!

[CARNIVORE, „Jesus Hitler“]





Nachdem „Retaliation“ Steele und seiner Band innerhalb der Metalszene bereits einen Kultstatus beschert, zieht es ihn zu neuen Ufern und zu einer weit emotionaleren musikalischen Schaffensform. Als Konsequenz wird CARNIVORE zu Grabe getragen und es entsteht 1990 schließlich der Gothic-Metal-Genremix TYPE O NEGATIVE, der irgendwo zwischen Alternative, Gothic Rock und Doom angesiedelt ist. Bis heute existiert in der gesamten Musikwelt keine vergleichbare Band, was hauptsächlich an der Kollaboration von Peter Steele und Josh Silver sowie an der unverwechselbar tiefen und eindringlichen Stimme des Hünen liegt. Außerdem geben sich TYPE O NEGATIVE nicht den in den 1990ern genretypischen Klischees hin, sondern verarbeiten weiterhin die persönlichen Ansichten, Erlebnisse und Aussagen ihres Frontmannes. Peter Steele bleibt auch innerhalb von TYPE O seinen Prämissen und Prinzipien treu, nimmt auch jetzt kein Blatt vor den Mund und kämpft sich schlussendlich 20 Jahre lang mit einer Mischung aus humoristischer Gleichgültigkeit und provokativer Kindsköpfigkeit durch Vorwürfe und hartnäckige Kritikerarmeen, bleibt jedoch stets authentisch und lässt keine Schlüsse zu, er wisse nicht, wovon er rede. Mit einer unvergleichlichen Mischung aus stillem Sarkasmus, Zynismus und Ironie schreibt Steele die Texte seiner neuen Band, die bis heute teils fehlinterpretiert in der Öffentlichkeit ankommen. Als bestes Beispiel geht 1993 der All-Time-Hit des Quartetts, „Black No. 1“, in die Geschichte ein. Der Song erscheint auf dem Album „Bloody Kisses“ und beschreibt Steeles Ansichten zu stereotypen, ganzjährig Halloween feiernden Gothic-Ludern, die nur im stillen Kämmerlein die wahre Persönlichkeit zeigen. Die Ironie zum Song hält an, denn genau die beschriebene Klientel springt nach wie vor als Erstes auf die Tanzfläche, sobald das allgegenwärtige Keyboard-Intro des Songs ertönt.

TYPE O NEGATIVE schaffen es über Jahre hinweg, die Szene, in der sie die meisten Fans haben, immer wieder humoristisch vor den Kopf zu stoßen. Ob nun der homosexuelle Fan, der Steeles Ablichtung im US-Magazin Playgirl fehlinterpretiert, die fesche Gothic-Maus mit Tüll und Patschuli oder die gottesfürchtige Masturbationssünderin... zu allen hat Peter Steele eine mehr als deutliche Meinung. Zur Erinnerung an die urtypischen, kompromisslosen Aussagen zwischen den Zeilen folgen einige Lyric-Zitate aus 20 Jahren TYPE O NEGATIVE:

There's a dopewhore waiting at home
Dealing your shit on the chemophone
Poor Tawana gets born with a birth defect
But it only increases your welfare check

Been doing some thinking and I have an answer
To arrest the spreading cancer
Send you back to where you came from
Get the fuck rid of you [sub]human scum

[TYPE O NEGATIVE, „Der Untermensch“]


For her lust
She'll burn in hell
Her soul done medium well
All through mass manual stimulation
Salvation

Body of Christ
She needs the body of Christ

[TYPE O NEGATIVE, „Christian Woman“]


Yeah, you wanna go out 'cuz it's rainin' and blowin'
You can't go out cuz your roots are showin'
Dye 'em black
Dye 'em black

Black number one

Little wolf skin boots
And clove cigarettes
An erotic funeral
For which she's dressed
Her perfume smells like
Burning leaves
Everyday is Halloween

[TYPE O NEGATIVE, „Black No. 1“]


Kill all the white people
Then we'll be free

[TYPE O NEGATIVE, „Kill All The White People“]


Right wing commies
Leftist Nazis
Point their fingers
Rumors linger

We don't care what you think

Branded sexist
Labeled racist
Want it clearer?
Check the mirror

We don't care what you think

[TYPE O NEGATIVE, „We Hate Everyone“]


No I don't know whose ass you've licked
No shit-tongued boy will ever taste my dick
He says:
"How 'bout no sex - we'll just be friends"
Hey no thanks Pal, I'll stick to lesbians
You're right
A sexist pig, I guess it's true
[I hate all men including you]
I don't care what you think of me
'Cause –

I like goils
Bad goils all over this world

[TYPE O NEGATIVE, „I Like Goils“]



Zeit seines Lebens ist Steele das personifizierte, gefährliche Böse im Körper eines Feindes der gesitteten, gottesfürchtigen und politisch korrekten Gesellschaft. Und das alles aus einem einzigen Grund: Er ist seinerseits das Gefährlichste und Bedrohlichste, das Unerwünschteste und Gefürchtetste, was dieser Gesellschaft entgegentreten kann: ein intelligenter, denkender Mensch mit eigener Meinung, die er nur allzu gern auf musikalischer Ebene mit Hunderttausenden von Fans teilt.
Seine Lebenskrise in Form einer ausgeprägten Kokain- und Alkoholsucht führt ihn nach eigener Aussage zu einer kompletten Änderung seiner Lebensweise, was auf dem Album „Dead Again“ zu hören sei. Trotz seines im Zuge dessen öffentlichen Bekenntnisses zum römisch-katholischen Glauben im Jahr 2007, was bis heute geteilte Meinungen ob der Ernsthaftigkeit oder aber enthaltenem Humor generiert, ist er bis zuletzt einer der authentischsten Musiker, der die Musik für sich zur Verarbeitung persönlicher Eindrücke und Erlebnisse entdeckt hat.




Der Mensch Peter Steele – Eine Begegnung in der Sonne


Unvergessen sind die persönlichen Erlebnisse mit dem sanften Riesen. Es passiert im Herbst des Jahres 1997 – zu einer Zeit, als ich TYPE O NEGATIVE im zarten Alter von 16 nur vom Hörensagen her kenne. Als die Band mitsamt MOONSPELL im Gepäck zur „October Rust“-Tour deutsche Lande bereist, bin ich als MOONSPELL-Fan der ersten Stunde natürlich vor Ort. Ich erinnere mich gut an den Zug, der bis oben hin gefüllt ist mit grün-schwarz gekleideten Menschen. Und ich mitten drin. Lediglich zwei bis drei Leute sind auf der Suche nach einem Sitzplatz auszumachen, die ein „Wolfheart“-Shirt von MOONSPELL tragen. Dort schlage ich mein temporäres Lager auf und man kommt ins Gespräch...
„TYPE O NEGATIVE? Ja... das ist so eine neumodische Goth-Rock-Scheiße, viel zu viel Gefidel und Gedudel, und der Sänger ist glaub' ich so'n hochgewachsener Kurgan-Verschnitt [Anm. d. Verf.: Kurgan war der Widersacher von Connor MacLeod in Highlander 1].“
Reichlich vorbelastet von den Kommentaren meiner Mitreisenden komme ich pünktlich beim Konzert an, bin natürlich begeistert von MOONSPELL und schließlich sogar unschlüssig, ob ich nicht den frühen Zug in die Heimat nehme, weil ich einen übermännlichen, fidelnden Gothic-Hansel eigentlich gar nicht sehen muss. Zurückblickend kann ich nichts anderes als froh darüber sein, dass ich auf der Toilette einen Kerl mit einem CARNIVORE-Shirt treffe, der mit mitteilt, wer hier eigentlich wirklich auf der Bühne steht. Durch diesen, im Nachhinein glücklichen, Zufall kommt es also doch noch dazu, dass ich TYPE O NEGATIVE an diesem Abend zumindest musikalisch kennenlerne. Was die Band dann von der Bühne wirft, ist der Beginn einer langen, hintergründigen Freundschaft. Seit diesem Herbst im Jahr 1997 begleiten mich TYPE O NEGATIVE mit jedem ihrer Alben, und sie haben es 13 Jahre lang geschafft, diesen Status zu halten. Ich bezeichne mich nicht als Die-Hard-Fan der Band. TYPE O ist jedoch über die Jahre immer eine Sache, die man gern zwischendurch hört. Diese Show allerdings, dieses verdammt beruhigende Licht, diese Atmosphäre, die einem suggeriert: „Hey, hier ist es gemütlich, hier bleibe ich!“ und gleichzeitig diese emotional mitreißenden Stimmgewalten und der ganze Klangteppich, den die Band ins Publikum ausrollt, all das lässt die Band ab dieser Nacht einen Nistplatz im CD-Regal einrichten. TYPE O NEGATIVE beweisen heute Abend durch und durch ihre Alleinstellungsmerkmale und wischen mit einem einzigen Auftritt jegliche Eindrücke aus dem Vorfeld weg, es könne sich um irgendeinen seiernden Dudelmist mit mindermaskulinen, androgynen Magergothics handeln, der da gerade versucht, die Metalszene zu erobern. Man sehe mir bitte nach, dass diese Denkweise in all ihrer totalitären Art einem Hirn entspringt, das 1997 mit 16 Jahren nicht wirklich viel von Toleranz oder musikalischer Vielfalt hält.

Nach zahlreichen Konzertbesuchen von TYPE O folgt plötzlich eine Meldung, die noch heute warme Erinnerungen weckt: eine CARNIVORE-Reunion, was den Besuch des Wacken Open Air 2006 zur Ehrensache macht. Berichterstattenderweise befinde ich mich kurz nach dem OPETH-Gig am Nachmittag des 4. August 2006 im Bereich hinter der Bühne und genieße in praller Sonne mit leichter Katerstimmung vom Vortag einen starken Kaffee mit zwei Kollegen, als sich plötzlich die Sonne verdunkelt. Peter Steele himself befindet sich inmitten eines Tross' von Freunden, Reportern und Fans direkt neben mir. Der Mann ist zwar nur fünf Zentimeter größer als ich, aber die Erscheinung ist gleichermaßen wuchtig wie beeindruckend. Ich sehe ihn an und während ich mich zwischen all diesen Menschen, die plötzlich auftauchen, noch frage, ob man nun irgendwas sagen soll oder nicht, klatscht er seine Rotweinflasche gegen meinen Becher und bölkt mit markerschütternder, scheißtiefer Stimme: „Prost, big man!“ und schon ist eine Unterhaltung im Gange, die ich niemals vergessen würde. „Big Man?“, frage ich und grinse von unten nach oben an seinem Körper entlang, „ist das nicht die totale Ironie?“, woraufhin er einen großen Schluck aus der Pulle nimmt, das Gesicht leicht angeekelt verzieht, kurz nickt und furztrocken antwortet: „OK, schuldig! Aber du bist nackenschonend.“ Ich bin nicht sicher, was damit nun gemeint ist, was Steele scheinbar meinem Gesicht abliest und gleich eine Handbewegung zwischen seiner und meiner Kopfhöhe hinterher schickt: „Du bist groß genug und genau der Richtige für eine entspannte, nackenschonende Unterhaltung bei gutem Wetter, gutem... naja... warmem Wein und … hey, DAS ist ironisch, oder? Jeder Trottel hier ist seit Stunden nur noch auf der Suche nach Schatten und gekühlten Getränken und was machen wir? Schütten warmen Mist in uns rein und stehen mitten in der Sonne. Aber... wie gesagt... wenigstens muss ich mich dabei nicht bücken.“ Er nimmt einen weiteren Schluck aus der Flasche, schaut ein wenig durch die Gegend und verschluckt sich beinahe, als er plötzlich rausbläst: „Aaah, das ist doch ein Lichtblick, es gibt Hühnchen, Mann!!“, während er aus der Distanz zwei recht ansehnliche junge Damen mit seinem Blick mustert...

Das ist er also, der Feind der biederen Gesellschaft, das Monster aus der Hölle und der Albtraum jedes kleinen Kindes. Freundlich, witzig, ungezwungen, er hört mir zu, nimmt mich ernst, erwartet Antworten, führt Unterhaltungen, als fordere er Meinungen, um seinen Wissenshunger zu stillen. „Wer glaubt einem denn, dass Peter Steele von TYPE O ’n riesiger, imposanter Haufen von Mensch mit der Seele eines neugierigen Kindes ist, der Dinge mit so viel Interesse verfolgt wie’n wissbegieriger Außerirdischer auf Urlaub?“, sage ich – immer noch auf surreale Weise beeindruckt – ca. zwei Stunden später zu einem Freund, dem ich mit meinem Erlebnis irgendwie die Illusion des Mythos Peter Steele zu rauben scheine, wie er selbst es zuvor bei mir anstellte.

Heute bin ich absolut sicher, dass nur wenige von uns Fans diesen Mann annähernd so kennenlernen durften, wie er wirklich war. Nur wenige Menschen bringen es allerdings auf der anderen Seite zustande und beißen sich nach nur einer Begegnung von ca.15 Minuten in deinen Erinnerungen fest, so dass du glaubst, den echtesten aller Menschen getroffen zu haben. Wenn ich auch heute nicht behaupten kann, ihn jemals gekannt zu haben und daher nur wenig über den Menschen Peter Steele weiß, so weiß ich zumindest, dass am 14. April dieses Jahres ein Mann aus seinem und unserem Leben gerissen wurde, der in beinahe jeglicher Hinsicht das Zeug dazu hatte, jedem von uns ein Vorbild zu sein. Sicher ist wohl auch, dass seine direkte Art, seine Ehrlichkeit und seine kompromisslose Ausdrucksweise innerhalb seiner Musik schmerzlich vermisst werden wird.

Im Gedenken an einen großen Mann, dessen musikalisches und menschliches Erbe in unseren Erinnerungen weiterleben wird. Finde deinen Frieden in der Ewigkeit, Pete.

[Text: Border]; [Foto: Judit Fold]




-------TYPE O NEGATIVE – Die Alben-------


„Slow, Deep And Hard“ [1991]
Nachdem CARNIVORE zu Grabe getragen wurden, legen TYPE O NEGATIVE bereits mit „Slow, Deep And Hard“ ein unglaublich ausgereiftes und vielschichtiges Debüt vor. Von wilden Hardcore-/Thrash-Ausbrüchen über getragene Akustik- und Keyboard-Passagen bis hin zu wuchtigen Doom-Riffs – oder einfach nur einminütiger Stille [!] – ist hier alles am Start. Und das noch deutlich härter und roher als auf den späteren Alben, aber bereits in jeglicher Hinsicht geprägt von Pete Steeles charismatischem Gesang. Ein düsteres, einzigartiges Album, das zugleich stets mit einem schelmischen Augenzwinkern und jede Menge Ironie aufwartet. [soulsatzero]




„The Origin Of The Feces“ [1992]
Das sogenannte Fake-Live-Album, „The Origin Of The Feces“, wurde im Studio mit Publikumslärm im Hintergrund abgemischt. Das Original-Cover zeigt Peters Rosette, später wurde es durch eine eingegrünte Version des „The Dance Of Death“ von 1493 von Michael Wolgemut ersetzt. Das mit Kettenrasseln, Peitschen und Publikumsgrölen, welches von gefakten Beleidigungen Steeles begleitet wird, eingeleitete Album birgt einige abgewandelte Versionen von auf „Slow, Deep And Hard“ erschienen Stücken, die hier außerdem umbenannt wurden. Nicht nur diese sind sehr hörenswert, sondern auch die schrägen und an die TON-Stilistik angepassten Songs „Paranoid“ [BLACK SABBATH], welches völlig unerwartet das Hauptriff von „Iron Man“ beinhaltet, sowie „Hey Pete“ [natürlich angelehnt an Hendrix, was sonst?]. Das Teil gehört in jede verdammte TON-Sammlung! [shub]

„Bloody Kisses“ [1993]
„Bloody Kisses“ ist 1993 der große Durchbruch, Roadrunner Records schaffen das erste Platin der Labelgeschichte und TYPE O räumen mit Goth-Klischees und Rechts-Vorwürfen auf. Enthaltender Sarkasmus und Ironie passieren zwischen den Zeilen und „Black No. 1“ ist bis heute der am häufigsten fehlinterpretierte Song. Die Band baut ihr innovatives Misch-Genre gekonnt aus und wird mit „Bloody Kisses“ unsterblich. Der endgültige Grundstein eines neuen Genres, ein Epos tief grünster, schleppend-brachialer Abrechnung. [Border]





„October Rust“ [1996]
„October Rust“ war und ist wohl das kommerziell erfolgreichste Album von TYPE O NEGATIVE [und auch das erste mit Drummer Johnny Kelly, welcher ironischerweise nicht auf dem Album zu hören ist, da es mit einem Drumcomputer eingespielt wurde]. Die Hardcore-/Punk-Elemente waren zugunsten von balladesken Songs gewichen. Die Singles „Love You To Death“ und „My Girlfriend’s Girlfriend“ waren die eingängigsten, die man von der Band bis dato gehört hatte und gehören nach wie vor zu den beliebtesten und bekanntesten Songs der Band. Neben der fortgeführten Tradition, mindestens einen Coversong auf jedem Album zu haben [„Cinnamon Girl“ von NEIL YOUNG], bewiesen TON auch ihren Sinn für Humor, aufgezeigt durch das „Joke-Intro“. [trapjaw]


„World Coming Down“ [1999]
Nach den zwar großartigen, aber teils recht kommerziellen Klängen des „October Rust“-Werkes entschieden sich TYPE O NEGATIVE beim Nachfolger „World Coming Down“ für einen richtig schweren Brocken. Unzugänglich, ausufernd, schwer, dunkel, aber trotz aller Negativität irgendwie sonderbar leichtfüßig. Mit kleinen und großen Epen wie dem Titeltrack, „White Slavery“ und vor allem „All Hallows Eve“ haben TYPE O NEGATIVE einige der besten Stücke ihrer Karriere versammelt. Ein wahrhaft göttliches Album! [nnnon]





„Life Is Killing Me“ [2003]
Mit „Life Is Killing Me“ kommt dann auch endlich – vier Jahre nach „World Coming Down“ – das sechste Studioalbum an den Start. Was zunächst nach einem letzten Aufbäumen alter Männer klingt und sehr viel bereits Bekanntes bietet, wächst nach einigen Durchläufen doch enorm. Jedoch gehen gerade bei diesem Album die Meinungen extrem auseinander. Weitestgehend überraschungsfrei und zwischenzeitlich von Belanglosigkeit befallen, wirkt das Album inkonsistent, aber bei Weitem nicht schlecht. Während „World Coming Down“ aus einem Guss und tiefschwarz war, schleichen sich hier zunehmend lichte Momente ein [was nicht schlecht sein muss]; das Material wirkt aber streckenweise arg konstruiert und kann nicht an die gehaltvollen Einheiten anknüpfen, die die Vorgänger darstellen. [shub]


„Dead Again“ [2007]
Wer hätte gedacht, dass 2007 mit „Dead Again“ das letzte Vermächtnis von TYPE O NEGATIVE vorliegen würde? Zehn Titel ziehen sich dabei über fast 80 Minuten und bereiten dabei einen Leckerbissen vom Feinsten. Hier verbinden sich die typischen Doom-Elemente mit – wieder – vermehrten Speedparts, welche einen starken Kontrast erzeugen. Das Ganze ist überzogen von dem wunderbaren Zuckerguss-Zynismus der Texte. Mit „Dead Again“ wurde so ein Album geschaffen, das unverhofft das Ende einer großen Diskografie darstellt. In meinen Augen ein würdiger Abschluss – einer großen Karriere – eines ganz großen Mannes. [Ashes Of Eden]



-------Stellungnahmen zu Peter Steeles Tod-------


TYPE O NEGATIVE / CARNIVORE Bandkollegen:

Josh Silver, Kenny Hickey, Johnny Kelly [TYPE O NEGATIVE]:

„Unsere Gedanken gelten Peter und seiner Familie. Wir sind sehr traurig, unseren Freund verloren zu haben und möchten uns bei allen Menschen bedanken, die uns in diesen Stunden ihre warmen Worte und Beileidsbekundungen zukommen lassen.“


Josh Silver [Keyboard]:

„Peter, du warst meine immerwährende Quelle der Frustration, wie ich die Deine war. Diesmal hast du es also wirklich getan. Du hast unzählige Menschen und Leben durch deine Musik, deinen Humor und deine direkte, brutale Ehrlichkeit verändert. Du hast das Leben gleichermaßen interessant und irritierend gemacht und ich kann mir gar nicht vorstellen, dich nicht 37 Jahre lang gekannt zu haben.
In meinem Kopf ist es noch immer nicht wahr, jedoch weiß ich, dass ich dich und unser gemeinsames Schaffen vermissen werde. Wir kamen mit unseren Meinungen niemals überein und ich hoffe, dass wir beide stets daraus lernen konnten.
Soll ich dich als Bruder, Freund oder Nachbar bezeichnen? Ich kann dich einfach nur Peter nennen. Wir beide haben so oft über uns selbst gelacht, dass ich es nicht mehr zählen kann. Menschen sind eine lächerliche Spezies und wir beide haben oft genug den Beweis angetreten.
Ich werde dich vermissen, aber für den Moment ist dein verfrühter Verlust verdammt surreal und kotzt mich echt an!
Ich glaube, ich habe dir niemals erzählt, wie sehr ich dich respektiere, oder? Das tue ich jetzt!
Auf Wiedersehen, mein Freund.“


Kenny Hickey [Gitarre]:

„Peter Steele war einer der brillantesten und lustigsten Persönlichkeiten in der Musikbranche – und das ohne aufgesetzt zu sein. Die Hälfte der Zeit dachten die Menschen immer, er würde Witze machen, aber er sprach die Wahrheit. Ein Teil von mir starb mit ihm.“


Johnny Kelly [Schlagzeug]:

„Es ist mir einfach unmöglich, in ein paar Sätzen zu verpacken, was ich im Moment fühle, Peter!
Ich weiß nicht einmal, ob ich dich lobpreisen oder einfach rösten sollte!
Sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht haben wir beide einen Höllenritt durchs Leben gehabt, der für dich leider viel zu früh endete.
Du warst in der Tat ein einzigartiger Mensch. Deine Musik hat viele Menschen berührt – mich eingeschlossen. Ob wir uns über die BEATLES unterhielten, über Power Tools, darüber, ob der Pluto nun weiterhin als Planet bezeichnet werden sollte oder nicht... selbst wenn du mich nachts um drei Uhr anriefst, um mir zu sagen, ich solle ins Auto springen und zu dir kommen, um einen Faustkampf mit dir auszutragen... du hast das Leben immer interessant gemacht.
Es war ein Privileg, dein Bandkollege zu sein. Dies ist etwas, für das ich stets dankbar sein werde.“


Paul Bento [CARNIVORE]:

„Ich bezeichne mich selbst als einen der glücklichsten Musiker in ganz New York City, da ich Pete Steele kennen und mit ihm arbeiten durfte.
Seit den frühen Tagen, als wir beide in Downtown Brooklyn arbeiteten, wo er mich fragte, ob ich ein paar Sitar-Klänge für ‚Bloody Kisses’ einspielen würde und seit der Wiedergeburt von CARNIVORE weiß ich, dass Pete Steele mir das Leben schenkte.
So immens seine Körpergröße auch war, noch größer waren definitiv sein Herz und sein Hirn. Peter deckte mit seinem Wissen einfach jedes Gebiet ab – ob als passionierter Katzenliebhaber oder als Diskussionspartner zu physikalischen Wissenschaftsthemen morgens um drei Uhr am Telefon. Er war einfach brillant.
Die Musikwelt, wie wir sie kennen, wird ohne dich niemals wieder dieselbe sein.
Eines meiner Lieblingszitate von ihm ist ‚No balls, no glory’ [Anm. d. Verf.: Übersetzung: „Keine Eier, kein Ruhm“]. Dies beschreibt seine Lebensweise wohl am besten.
Von so vielen Menschen geliebt, wird er ernsthaft vermisst werden.
Gute Reise, Peter.“



Sal Abruscato, LIFE OF AGONY, Ex-TYPE O NEGATIVE:

„Es gibt nicht viele Worte, die beschreiben könnten, wie du mein Leben bereichert hast, Peter. Von den Zeiten, in denen wir in deinem Keller hingen und die Anfänge von TYPE O NEGATIVE planten, über die Zeiten, in denen wir durch ganz Europa von irgendwelchen linksradikalen Gruppen verfolgt und mit Bombendrohungen ausgestattet wurden, bis hin zum wahrscheinlich einflussreichsten Album aller Zeiten.
Du hast mich als Künstler stets beeinflusst und inspiriert und als Freund warst du einer der witzigsten und großherzigsten Menschen, die man nur kennen kann. Es ist eine Ehre, die schweren Zeiten und auch das Ende mit dir erlebt zu haben. Der Musiker, der ich heute bin, bin ich wegen dir und ich danke dir aus tiefstem Herzen, mein Freund.
Ich werde dich vermissen und ich liebe dich. Dies ist in der Tat das Ende einer Ära.“



MACHINE HEAD [Bandstatement]:

„Unsere herzlichsten Beileidsbekundungen gehören Familie, Freunden und Bandkollegen von Peter Steele.
Während der letzten 15 Jahre teilte MACHINE HEAD sehr oft die Bühne mit Peter und TYPE O NEGATIVE [...]. Er war ein unglaublicher Musiker und eine extrem witzige Person mit dem trockensten Humor, den wir jemals erlebt haben.
Du wirst schmerzlich vermisst werden, Pete!“



MURDERDOLLS [Wednesday 13]:

„TYPE O NEGATIVE war eine verdammt geile Band und Peter ein verdammt geiler Typ. Als ich heute Morgen die News hörte, knockte mich das regelrecht aus. Vor allem, als dann die Bestätigung kam, während ich mir ein paar alte Bilder ansah. Es ist ein Scheißtag, aber dieser Typ war ein verdammter Killer, eine Rieseninspiration für mich, eine großartige Band, ein unterbewerteter Künstler. Man wird ihn sehr vermissen!“



ROADRUNNER RECORDS:

Mark Abramson, Vice President Promotion:

„Ich erinnere mich noch daran, als ich das Demotape von REPULSION [die sich kurz später in TYPE O NEGATIVE umbenannten] bekam und mich diese Musik genau in die Eingeweide traf, wie es nur selten eine Platte schaffte. Wir wurden Freunde und ich ihr größter Fan, der seine Passion darin fand, ihre Alben auszuarbeiten. Verdammt, ich habe sogar Shirts für sie verkauft, als sie während einer frühen Show Hilfe brauchten! [...]
Mit Peter zu Radiosendern zu reisen, war immer ein Abenteuer. Peter war ein Rockstar, aber er wusste es nicht, was das Ganze noch so viel besser machte! [...]
Peter war ein einzigartiger Mensch mit eigenen Prinzipien, die allerdings das waren, was ihn zu Peter Steele machte. Die letzten Jahre waren nicht wirklich seine besten, aber er war ein guter Mensch mit einem guten Herzen. Der einzige Mensch, der ihn jemals hätte verletzen können, war er selbst. Es gibt nur sehr wenige Bands wie TYPE O und noch weniger Persönlichkeiten wie Peter. Für immer werde ich seine Musik und seine Kunst lieben und die Zeit, die wir gemeinsam verbrachten, in stetiger Erinnerung behalten.
Mach’s gut, mein Freund – lass es dir gut gehen und sei glücklich.“


Kathie Reed Merritt, Senior Director Of Digital/Physical Sales:

„Die Nachricht von Peter Steeles Tod ist sehr traurig und mein Herz gehört heute den Männern von TYPE O und jenen Fans, für die Peter ein Idol war. Er war im wahrsten Sinne des Wortes größer als das Leben und er hatte alles, was man sich unter einem Rockstar vorstellt: einen großartigen, andersfarbigen Humor, eine fabelhafte Persönlichkeit und eine Stimme, die so tief war, dass sie dein Herz zum Schmelzen brachte. Ein musikalisches Talent jenseits von dem, was Worte beschreiben könnten. Sein Verlust ist tragisch und ich werde stets dankbar sein […].
Peter, ruhe in Frieden. Ein Teil von mir wird für immer ‚Your Druidess’ sein.“


Doug Keogh, Executive Vice President:

„Von allen Künstlern, mit denen ich je arbeiten durfte, war Peter Steele wahrscheinlich der wichtigste. [...]
„Ich erinnere mich an die gemeinsame Entscheidung mit Labelchef Parris Mayhew, TYPE O NEGATIVE verbieten zu wollen, das Video zu „Black No. 1“ grün-weiß statt schwarz-weiß zu färben. Während Bandkollege Josh drohte, in seinem Leben nie wieder ein Wort mit mir zu reden, blieb Peter der netteste und freundlichste Typ der Welt, der er einfach immer war.
Peter Steele als einen Heavy-Metal-Musiker oder sogar nur als Musiker zu bezeichnen, würde es nicht treffen. Sein Vermächtnis umfasst einfach alle Genres oder allgemein das gesamte Medium Musik. Seine Vielseitigkeit als Künstler beinhaltete Weisheit, Humor, Männlichkeit, Respekt und eine geradezu vulkanische Kreativität, die einfach durch eine Rockband zum Ausbruch kam. Hätte es die Band nicht gegeben, wäre der Vulkan Peter Steele sicherlich anderweitig ausgebrochen, glaubt mir. Im Endeffekt sollten wir, die wir in der Musikbranche arbeiten, uns gesegnet dafür fühlen, dass sein Ausdruck in der Musik stattgefunden hat.

Peter war außerdem der wohl untypischste Künstler, verglichen mit dem Stereotyp, den man sich unter einem Rockstar vorstellt. Er war gesegnet mit einem imposanten Körper, den er stets mit dem Heben von Gewichten pflegte und somit respektierte. Er war der physisch wahrscheinlich imposanteste Typ, den es jemals gab. Er stammte aus einer Immigrantenfamilie und wuchs im dunklen und gefährlichen Brooklyn auf, wo er seine Zähne schnell zu Reißzähnen machen musste. Auf Tour las er zum Relaxen dicke Wissenschaftsbücher. Er war komplett eingefangen von der Farbe grün und er fuhr das wahrscheinlich angsteinflößendste Muscle-Car, das man je gesehen hat. […]
Er hat den wohl besten Menstruations-Song aller Zeiten [„Wolf Moon“] geschrieben. Er hat das unaussprechliche ausgesprochen und die unmöglichen Dinge einfach geschafft. Er hat ganz Deutschland verärgert und anschließend die, die fähig waren, zu denken, dazu gebracht, ihn zu lieben. Er hat sein Arschloch für das Cover eines Albums ablichten lassen. Er unterschrieb seine Plattenverträge stets mit einer Mixtur aus seinem Blut und seinem Samen. Er machte den Menschen Angst, behandelte jedoch alle mit dem größtmöglichen Respekt. Er hat unsere Erwartungen jedes Mal übertroffen und er hat unser Leben positiv verändert. Wir sind dankbar für jedes Opfer, das er dafür gebracht hat.“



Kenny Winter, EXCITER:

„Meine Band EXCITER und ich würden gern unser herzlichstes Beileid gegenüber Familie, Freunden und Fans von Peter Steele zum Ausdruck bringen. Ich muss wohl nicht erwähnen, wie eingeschüchtert ich war, als Peter mit seiner immensen Körpergröße bei unserem ersten Treffen 1993 beim Limelight auf mich zustapfte. Ich wurde allerdings im Handumdrehen ruhiger, als ich merkte, wie freundlich, friedlich und ruhig er mit den Menschen Umgang pflegte. Unsere folgende Unterhaltung dauerte nur kurz an, doch danach war ich Fan!

Ob CARNIVORE oder TYPE O NEGATIVE... Peter Steele war ein Ärsche tretender Performer und bleibt für immer unsterblich!“



Antony Hämäläinen, NIGHTRAGE:

„Peter Steele und TYPE O NEGATIVE waren immer eine große Inspiration für mich. Weniger musikalisch, jedoch emotional umso mehr.
Ich erinnere mich noch genau an den Kauf von ‚Bloody Kisses’ in den frühen 90ern, als ich in den USA im Urlaub war. Dieses Album hat mir eine neue Welt eröffnet. Erst mit diesem Album habe ich begriffen, dass Musik keine Grenzen kennt, keine Kompromisse, und Trends nicht existieren. Wichtig ist nur, was du tief in deinem Innern fühlst. Ich denke, Peter Steele war einer der sehr wenigen Musiker, denen man seine Musik einfach abkaufte.
Seiner Band möchte ich mitteilen, dass wir alle mit euch fühlen und unser Glas auf euch und den ‚Wolf Moon’ erheben.
Ruhe in Frieden, Peter!“



Mikael Åkerfeldt, OPETH:

„Ich muss zum Ausdruck bringen, wie sehr mich die Nachricht von Petes Tod schockiert hat...
Im Grunde möchte ich das herzlichste Beileid im Namen von OPETH zum Ausdruck bringen.
Peter und seine Band nahmen uns vor ein paar Jahren mit auf eine Minitour durch Deutschland und ich denke, dass wir seitdem Freunde geworden sind.
Peter war stets sehr nett zu uns allen. Vom ersten Tag der Tour an bot er Martin Mendez [Anm. d. Verf.: Bassist, OPETH] seinen Bass an, falls er ihn gern spielen würde. Ich meine... Dinge wie diese sind einfach nicht normal und passieren heutzutage einfach nicht mehr im Rock-Business, aber ich denke, er hat manche Dinge eben ganz anders gesehen.
Das letzte Mal, als ich Peter sah, kam er mit seinen Kollegen Johnny und Kenny zu unserer Show im Irving Plaza in New York. Ich saß Backstage und es klopfte an der Tür. Als ich öffnete, stand Peter dort und schaute von weit oben auf mich herab. Ich sagte: ‚Hey Peter, komm rein, Mann!’, und in seiner gewohnt trockenen Art sagte er nur: ‚Oh je, du bist ja immer noch dabei. Ich dachte, die Band hätte dich längst gefeuert.’, ging einfach an mir vorbei, schnappte sich eine Pulle Roten und goss sie sich in einer Ecke des Raumes hinter die Binde. Den ganzen weiteren Abend lang saß er dort und gab immer wieder lustige Kommentare zu allem ab, was gerade in unseren Unterhaltungen Thema war.
Dieser Kerl war einfach witzig, intensiv, einschüchternd und über die Maßen ein guter Mensch. Dies war stets mein Eindruck. Ich kann nicht behaupten, ihn wirklich gut gekannt zu haben, aber wir pflegten eine dieser typischen ‚Hey, wie geht’s?’-Freundschaften. [...]
Wie dem auch sei... ich wollte einfach etwas aufschreiben... ich bin in der Tat in einer Art Schockstarre momentan...
Unsere Gedanken sind bei Johnny, Kenny, Josh und Peters Familie und Freunden. Seine und ihre Musik wird für immer weiterleben oder – wie sie es nennen würden – ‚Echoes In Eternity’ sein.“



LACUNA COIL

Cristina Scabbia [Gesang]:

„Seit langer, langer Zeit habe ich nicht mehr so schlechte Nachrichten gehört. Ich bin geschockt... sprachlos...
Stille ist unter diesen Umständen respektvoll, das weiß ich, allerdings weiß jeder, der mich kennt, dass Peter und vor allem TYPE O mein Leben Lang einen großen Einfluss auf mich und meinen Musikgeschmack hatten. Überdies war Pete einfach ein charismatischer, intensiver, witziger und fantastischer Kerl.
Ich werde meine Erinnerungen an unsere gemeinsamen Touren und Reisen wie einen Schatz in meinen Gedanken behalten, und ich bin mir sicher, dass Pete nun wahrscheinlich im Himmel und in der Hölle rocken wird.
Mein tiefstes Beileid gehört Johnny, Kenny, Josh und Peters Familie. Ich werde dich vermissen, Bruder, meinen Haupteinfluss, meinen bezaubernden Riesen. Wir werden uns wiedersehen... irgendwann... irgendwo...“



Andrea Ferro [Gesang]:

„Die folgenden sind ein paar Worte aus einem Comicbuch, die ich gern benutzen würde, um an Peter Steele zu erinnern. Vielen Dank für die großartige Reise, die ich mit deiner Musik immer hatte [und auch in Zukunft haben werde]. Vielen Dank für die Inspiration und deine Freundschaft. Ruhe in Frieden.

’Er erkannte das wahre Gesicht des 20. Jahrhunderts und entschied, eine Reflektion dessen zu werden, eine Parodie des Ganzen. Niemand anders verstand den Witz daran, deswegen war er einsam. Ich hörte einmal einen Witz: Geht ein Mann zum Arzt und sagt, er habe Depressionen. Er sagt, das Leben erscheine ihm harsch und grausam. Er sagt, er fühle sich einsam in einer bedrohlichen Welt, in der alles, was kommt, schleierhaft und unerkennbar sei. Sagt der Arzt: ‚Die Behandlung ist simpel. Der berühmte Clown Pagloacci ist in der Stadt. Gehen Sie aus und schauen Sie sich ihn an. Das wird sie aufheitern.’ Der Mann bricht in Tränen aus und sagt zum Arzt: ‚Aber... Doktor... ICH bin Pagliacci!’ Guter Witz, alle lachen, Trommelwirbel, Tusch und Vorhang.’ [Rorschach]“



Mille Petrozza, KREATOR:

„Peter Steele war einer meiner absoluten Lieblingsmusiker! Ich habe ihn einmal treffen dürfen und er war der netteste Kerl überhaupt.
CARNIVOREs ‚Retaliation’ und alle Alben von TYPE O NEGATIVE waren stets eine große Inspiration für meine eigene Musik.
Dies ist ein schwarzer Tag in der Geschichte der Musik! Ruhe in Frieden, Peter!“



Dez Fafara, DEVILDRIVER:

„Eine Legende ist von uns gegangen – Peter Steele!
Peter Steele war einer der nettesten Kerle in der Musikwelt und er war stets freundlich zu mir.
Ich bin oft mit TYPE O auf Tour gewesen und er hat sich immer sehr gut um alle gekümmert. Ein riesiger Kerl mit einem riesigen Herzen.
Mein Herz schlägt heute für seine Band, seine Familie und seine vielen Freunde auf der ganzen Welt. Wir haben eine Legende verloren und eine Stimme, die niemals imitiert werden könnte!“



SPV / Steamhammer Records:

„Mit großer Trauer möchten wir unser Beileid den Freunden und Angehörigen Peter Steeles zum Ausdruck bringen.
Mit seinen Bands CARNIVORE und TYPE O NEGATIVE erreichte er Kultstatus und wurde von vielen Fans auf der ganzen Welt geliebt. [...]
Die Welt hat einen charismatischen Frontmann und einen talentierten Menschen verloren.“



Michiel Dekker, THE MONOLITH DEATHCULT:

„Peter Steele ist von uns gegangen und ich bin zutiefst betrübt darüber.
’Bloody Kisses’ und ‚October Rust’ waren der Soundtrack meiner Teenager-Zeit und der Grundstein meines eigenen Songwritings.
Als wir mit THE MONOLITH DEATHCULT 2003 begannen, war neben der Musik das Image, Ironie, Sarkasmus und schwarzer Humor fast noch wichtiger. Alles, wofür Peter Steele steht! [...]
Peter Steele und TYPE O NEGATIVE waren einzigartig und sein Tod ist ein großer Verlust.“



Dan Lorenzo, HADES/NON-FICTION:

„Alle, die wir Musiker sind, denken, wir schreiben geile Songs. Wenn ich mir ein paar Tracks von TYPE O NEGATIVE allerdings anhöre, beweisen diese Kerle immer wieder, dass sie in einer anderen Liga spielen als wir anderen Sterblichen.
Ich benutze die Worte ‚musikalisches Genie’ nicht unbedingt oft, aber auf Pete passen sie einfach perfekt und es stimmt. Heute ist ein sehr trauriger Tag in meinem Leben. Ruhe in Frieden, großer Mann.“



HATEBREED:

„HATEBREED möchten ihre herzlichsten Beileidswünsche an die Familie, Freunde, Bandkollegen und Fans von Peter Steele richten. Er war einer der besten Leute, mit denen wir jemals auf Tour gehen durften – und er ist eine wahre Legende! Es wird NIEMALS wieder einen wie ihn geben. Möge er in Frieden ruhen!“



Evan Seinfeld, BIOHAZARD:

„Ruhet in Frieden, mein Freund, Bruder und Mentor, Peter Steele, TYPE O NEGATIVE, CARNIVORE... meine größte musikalische Inspiration für meine eigene Band namens BIOHAZARD.
Ich vermisse dich verdammt noch mal jetzt schon. Ich liebe dich, Bruder. Ich hoffe, du bist nun an einem besseren Ort.“



BLACK SABBATH / HEAVEN & HELL

Bill Ward [Schlagzeug]:

„Ich bin komplett abgelenkt von den Dingen, die ich eigentlich als Nächstes tun müsste. Ich bin einfach gezwungen, mich dem abzuwenden und eine Pause einzulegen, um noch einmal in die Musik einer meiner absoluten Lieblingsbands reinzuhören, TYPE O NEGATIVE. Ich verfalle in erinnerungsträchtige Momente und ergründe meine ersten Erlebnisse und Entdeckungen mit und von Peter Steele.
Ich möchte einfach nicht glauben, dass er starb. Seit mich heute Morgen die Nachricht seines Todes erreichte, befinde ich mich in einer Schockstarre.
Peter Steele – ein brillanter Musiker, Songwriter und Sänger – ist tot. Sein Tod ist eine Tragödie, es bricht mir das Herz und wir erleben einen enormen Verlust im Heavy Metal und der gesamten Musikwelt.
Innerhalb seiner Musik forderte er das Leben selbst auf eine poetische, prophetische, charismatische und außergewöhnliche Art heraus. Er war ein Weltbeobachter, ein Geschichtenerzähler, ein Mann aus der Zukunft und eine unaufhaltsame Macht innerhalb einer kranken Welt und innerhalb dieses Lebens.
Dieser Mann wird niemals vergessen werden. Ich erhebe mein Wasserglas und preise ihn! Ich danke ihm, ich zünde Kerzen an und werde unser Haus zu seinen Ehren in warmes Licht und einen guten Duft tauchen.
Die Kerzen brennen flackernd und die See prescht gegen die Küste. Wir sind still, wir sind in der Erinnerung.
Peter, du wirst auf ewig gefeiert werden!“



Geezer Butler [Bass]:

„Ich war erschüttert, als ich hörte, dass Pete Steele von uns gegangen ist. Er war wahrlich einer der freundlichsten Burschen, die ich jemals getroffen habe. Er kam zum allerersten G/Z/R-Gig in New York, um uns live zu sehen.
Das letzte Mal, als ich ihn sah, waren wir in Kopenhagen auf unserer letzten HEAVEN & HELL Toru und er interviewte mich für ein „Von Bassist zu Bassist“-Special. Wir hatten sehr viel Spaß an unserem Gespräch.
Ich habe immer wieder gesagt, dass das beste SABBATH-Cover mit ‚Black Sabbath’ von der ‚Nativity In Black’ von TYPE O kam
Ich habe mich immer sehr auf das gefreut, was man von ihm als Nächstes hören würde – und er überraschte mich jedes Mal wieder, musikalisch und mit seiner besonderen Persönlichkeit.
Einer der wahrlich Größten hat die Bühne verlassen.
Ruhe in Frieden, Pete – Bog Blast, yeah!“



Ares [Ex-MOONSPELL, WITCHBREED]:

„Das ist wirklich eine traurige Nachricht.
Mit MOONSPELL als Support hatte ich die Ehre, zur ‚October Rust’-Tour dabei sein zu dürfen, Peter Steele kennenzulernen und jeden Abend dabei zu sein, wenn TYPE O NEGATIVE auf die Bühne gingen. Ich bekam nie genug davon. Den Eindruck, den er hinterließ, war der eines sanften Riesen – freundlich, zuvorkommend und absolut auf dem Boden der Tatsachen.
Ich war bereits zuvor ein großer Fan von CARNIVORE und seine Musik und diese Stimme haben mein jugendliches Leben und mein eigenes musikalisches Schaffen bereichert.
In meinem Bass-Rack steht noch heute dieses schwedische Octave-Pedal, das mir vor ca. 13 Jahren Peter selbst geschenkt hat. Ich erinnere mich noch immer gern an diese glorreichen Tage.
Der Grund, warum ich denke, dass es unumgänglich ist, Pete ein paar Zeilen zu widmen, ist der, dass bei jedem Treffen mit WITCHBREED TYPE O NEGATIVE thematisch und musikalisch auf den Tisch kommen, da sie eine große Inspiration für uns stellen.
Das Leben stinkt und deine Existenz wird vermisst werden.“



Autoren: Ashes Of Eden, Border, nnnon, shub, soulsatzero, trapjaw


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