Die britischen Heavy Metal-Veteranen und Black Metal-Erfinder VENOM haben drei Jahre nach ihrem letzten Album "From The Very Dephts" eine neue Platte in Aussicht gestellt.

Die hessischen Melodic Metaller SINBREED haben mit "First Under The Sun" einen weiteren Song nebst Video von ihrem "IV" betitelten vierten Album veröffentlicht.

Die legendären britischen Hard Rocker MAGNUM haben ein Live-Video zu ihrem Song "Lost On The Road To Eternity" mit Tobias Sammet ins Netz gestellt.

Die Schweizer Hard Rock-Urgesteine GOTTHARD haben für den 7. Dezember 2018 ein ausschließlich mit Unplugged-Versionen gefülltes Doppel-Livealbum mit dem Titel "Defrosted 2" angekündigt.

Die dänische Thrash Metal-Prominenz ARTILLERY hat mit "Pain" einen neuen Song inklusive Video von ihrem neuen Album "The Face Of Fear" vorgestellt.

Die schwedischen Metaller SOILWORK haben einen neuen Trailer zu ihrem kommenden Album "Verkligheten" ins Netz gestellt.

HomeInterviewsTestament – Alex Skolnick über Jazz, Metal und Live-Alben
Ein Foto der Thrash Metal-Band Testament

Testament – Alex Skolnick über Jazz, Metal und Live-Alben

Foto: Nuclear Blast

 

Auf TESTAMENTs letzter Gastspielreise durch europäische Hallen im Rahmen ihrer Welttournee zum aktuellen Album „Brotherhood Of The Snake“ trafen wir auf einen gänzlich entspannten Alex Skolnick, um auch abseits der normalen Promozyklen mit dem Saitenhexer ein paar Worte zu wechseln..

 

Wie schaut’s, heute am letzten Tag der Tour?

Ja, heute ist der letzte Tag: Es war echt großartig, aber ich beginne auch gerade etwas müde zu werden. Man kann das Adrenalin immer eine ganze Weile aufrecht erhalten und dann irgendwann reicht’s und man braucht eine Pause.

 

Vor nicht ganz 13 Jahren habt ihr schonmal hier gespielt und auch eine Live-DVD aufgezeichnet. Was hast du spontan in Erinnerung, wenn du heute an diesen Gig zurückdenkst?

Korrekt, kaum zu glauben! Ich erinnere mich, zu der Zeit machten wir das eher um die Reunion auszukosten. Wir haben den Druck zu der Zeit bewusst niedrig gehalten, haben nur ab und an mal gespielt, und hatten Spaß dabei. Erst ein oder zwei Jahre später entschieden wir uns den nächsten Schritt zu machen, und auch ein Album mit neuer Musik aufzunehmen. Das war dann schon ein großer Schritt und führte uns zu Support-Touren mit Bands wie MOTÖRHEAD, HEAVEN & HELL, SLAYER oder MEGADETH. Da waren wir definitiv zurück. Aber als wir die besagte DVD aufzeichneten waren wir noch lange nicht so weit. Es war eher ein Aufgreifen alter Songs, erst wieder ein Gespür dafür entwickeln. Wir waren auch an ganz anderen Stellen in unserem Leben. Ich hatte noch kurze Haare, machte eine ganz andere Performance als ich heute gebe… Ich sehe das heute als ein cooles Dokument des Beginns unserer Wiederauferstehung.

 

Ihr habt im Laufe der Jahre ja einige Live-Alben veröffentlicht. Was würdest du sagen, macht den Unterschied aus, abseits von variierendem Songmaterial?

Live entsteht immer eine bestimmte Energie, die man im Studio nicht einfangen kann. Das ist gut, zudem man im Studio auch immer ein gewisses Maß an Perfektion bringen muss. Live muss es nicht perfekt klingen, dafür bringt es viel mehr Energie. Außerdem hört man natürlich auch das Publikum, was dem Hörer immer das Gefühl vermittelt, auf einem Konzert zu sein.

 

„Ein wirklich echtes Live-Album gibt es nicht, etwas getrickst und verbessert wird überall.“

 

Das führt zu meiner nächsten Frage: Etwas allgemeiner gesprochen, vielleicht nicht ausschließlich auf TESTAMENT gemünzt: Was ist deiner Einschätzung nach das wichtigste bei der Umsetzung eines guten Live-Albums?

Ein Live-Album ist irgendwie zugleich auch immer eine Art „Greatest Hits“ Album. Es sollte aber auch genügend Variation bieten, man möchte ja nicht die gleichen Songs in der selben Reihenfolge hören, wie man sie bereits vom Studioalbum kennt. Und es sollte natürlich auch etwas anders klingen. Publikumsinteraktion seitens des Sängers ist wichtig, und gerade als Gitarrist möchte ich dass auch die Soli etwas variieren. Sie müssen den Song nicht Note für Note nachahmen, aber natürlich die allgemeinen Melodien und Wiedererkennungswert aufweisen. Mir macht es Spaß, jeden Abend ein paar andere Extras darunterzumischen. Ein gutes Live-Album fängt all diese Spontanitäten gut ein.

 

Wie authentisch sind denn deiner Einschätzung nach viele Metal „Live“-Alben heutzutage noch? Es ist ja extrem einfach geworden, Spuren zu ersetzen, im Studio neu einzuspielen etc.

Das stimmt. Ich gehe da seit je her ziemlich offen mit um. Ich finde, es ist auch wichtig, einige Dinge auszubessern. Wenn du unbedingt alle Fehler hören möchtest, gehst du halt auf Youtube (lacht). Ich hab da also nie ein Problem mit gehabt. Ein Freund von mir war Produzent, eine echte Größe in der „Rock-Industrie“ in den 70ern. Er arbeitete mit Gruppen wie AEROSMITH, KISS, Peter Frampton und anderen. Ein wirklich echtes Live-Album gibt es nicht, etwas getrickst und verbessert wird überall. Es ist im Laufe der Zeit aber viel einfacher geworden. Früher hatte man ja noch einen ganzen separaten Aufnahmetruck dabei, praktisch ein ganzes mobiles Aufnahmestudio. Dann hat man alles in ein richtiges Studio getragen und dort angefangen, auszubessern. Heutzutage reicht für das alles praktisch eine Computersoftware.

 

Du bist ja allgemein recht rege beschäftigt. Spielst du nicht gerade mit Testament, bist du nach wie vor mit deinem Alex Skolnick Jazz-Trio unterwegs, oder nimmst auch an übergreifenderen Touren wie der METAL ALLEGIANCE teil. Würdest du dennoch sagen, dass dein Hauptfokus auf Testament liegt?

Ich würde sagen es ist einer meiner Fokusse. Heute spiele ich mit TESTAMENT, also bekommt das meine ganze Aufmerksamkeit. An einem anderen Tag spiele ich mit einem anderen Projekt, also widme ich mich diesem. TESTAMENT ist zumindest das Präsenteste, was ich tue. Damit habe ich angefangen. Und obwohl ich später, für praktisch die Hälfte der Zeit über, welche die Band insgesamt existiert, weg war, werde ich damit stark identifiziert. Dennoch macht es nicht den größten Teil meines Spiels aus, ich spiele sehr divers. Nur weil eine Sache im Mittelpunkt der Wahrnehmung steht, repräsentiert sie nicht mein gesamtes Spiel.

 

Metal und Jazz passen in vielerlei Augen ja nun nicht unbedingt so gut zusammen. Du selbst kommst ja aus einem akademischen Elternhaus. Metal hat den Ruf des Lärms für besoffene Langhaarige, während Jazz häufig mit einem höheren Bildungslevel assoziiert ist. Haben sich diese Images in deiner Erfahrung bestätigt?

Klar, diese Stereotypen gibt es, aber die Realität sieht dann doch etwas anders aus. Wenn ich zum Beispiel an so manche Typen denke, die ich in der Jazz Gemeinde getroffen habe, würde ich diese als alles andere als intellektuell bezeichnen (lacht), wohingegen man häufig im Metal auch sehr gebildete Leute trifft. So etwas gibt es, und auch bestimmt viel häufiger als man das gemeinhin erwartet, Aber klar, Ausnahmen bestätigen die Regel. Für mich ist letztlich beides Teil meines Interesses, und ich kann mir als musikalische Karriere auch nichts zu einseitiges vorstellen. Gut möglich, dass wenn ich einen anderen Job hätte, ich mir heute Abend die TESTAMENT Show oder dergleichen ansehen würde. Genauso würde ich, wenn ich schon mal hier bin, aber auch ins Ronnie Scott’s gehen, mir dort Chick Corea oder so ansehen. Eine gute musikalische Erfahrung geht über Genregrenzen hinaus. Als Gitarrist fange ich die verschiedenen Stile ein, und das versuche ich auch in meiner eigenen Musik.

 

Als Gitarrist, stimmst du mir zu wenn ich sage: Jazz basiert auf Tonalitäten und Improvisation, während Metal von klarer Struktur geprägt ist und man live bereits Fertiges reproduziert?

Sehr sogar, das entspricht der Realität.

 

Bedeutet das zugleich, dass Jazz automatisch mehr kreative Freiheit ermöglicht?

Ja, aber das erschafft auch zugleich neue Herausforderungen. Im Jazz ist stets das große Ziel, neue Erfahrungen zu kreieren. Selbst wenn man eine großartige Nacht hinter sich hat in der einen Stadt, versucht man immer, das Konzert in der nächsten nicht zu ähnlich zu gestalten wie das zuvor. Wenn man sich hinterher Aufnahmen anhört, dürfen die beiden sich nicht zu sehr ähneln. Im Metal hingegen ist das genau umgekehrt: Wir haben jetzt gerade in Norwich gespielt, es war eine tolle Nacht. Wenn man das mit einer Aufnahme von heute Abend abgleicht, mal abgesehen von der Größe des Publikums, wird man hoffentlich nicht viele Unterschiede heraushören können. Wir wollen die gleiche Erfahrung liefern.
Klar gibt es ein paar Kleinigkeiten im Laufe der Show, da wir eine volle Headliner Show spielen. Jeder von uns hat seinen Solopart, und der ist von Abend zu Abend immer etwas unterschiedlich. Auch die Ansagen natürlich, aber alles in allem versuchen wir, die selbe Show zu liefern. Im Jazz das genau Gegenteil.

 

„METALLICA sind praktisch ABBA.“

 

Läuft das im Kreativprozess ebenso gegensätzlich ab?

Das hängt sehr stark von der Art ab, welche Form von Jazz man spielt. So sehr ich traditionelle Jazzgitarre liebe, limitiere ich mich nicht darauf, wenn ich Instrumentalmusik spiele. Das würde für mich auch keinen Sinn ergeben, ich habe einen sehr diversen Hintergrund, habe in jungem Alter begonnen Metal zu spielen, ..

 

Aber auch dort spielst du doch im Genre Thrash Metal?

Ja. Viele Jazzmusiker die ich kenne haben mit Rockmusik angefangen, aber es ist schon sehr ungewöhnlich, einen Jazzmusiker zu treffen der auch professionell mit Rockmusikern tourt. Auch die allermeisten Jazzer mit denen ich spiele, sind völlig anders: Die wirst du niemals auf einer der ganzen Metalshows sehen. Da gibt es auch nur ganz wenige Ausnahmen.

 

Okay. Was steht bei TESTAMENT demnächst an? Ihr begleitet SLAYER auf ihrer US-Abschiedstour?

Oh ja, kaum zu glauben! Das ist eine große Ehre für uns. Kaum zu glauben dass sie aufhören, aber das muss man respektieren. Es gab im Laufe der Jahre immer wieder Entscheidungen, mit denen SLAYER-Fans nicht einverstanden waren, aber man muss ihnen zu Gute halten dass sie sich darum wirklich nicht groß gekümmert haben, um ihr Ding zu machen. Das Statement, jetzt aufzuhören ist sehr klar, sehr direkt und respektvoll. Die meisten Shows sind bereits ausverkauft, und ich konnte vorher auch kaum an mich halten, mich nicht zu verplappern, bevor die Shows angekündigt waren, so nach dem Motto „Ja, wir werden wohl auf Tour gehen, und das wird wohl die größte Metal Tour des Jahres!“. Das hätte sofort Gerüchte ausgelöst, aber so ist es nun mal, abgesehen vielleicht von METALLICA. Aber alles was METALLICA machen, ist sowieso noch eine ganz andere Liga, die sind praktisch ABBA, wenn auch nicht in musikalischer Hinsicht.

 

Habt ihr denn auch schon angefangen an einer neuen TESTAMENT Platte zu arbeiten, oder habt ihr überhaupt Zeit dafür?

Nicht wirklich. An neuer Musik zu arbeiten ist für uns sehr schwierig, während man auf Tour ist. Wir denken aber schon darüber nach, sind dieses Jahr aber auch schon nahezu ausgebucht. Während der SLAYER Tour allerdings spielen wir ja auch keine Headliner-Sets, wie heute, da sollten wir schon Zeit finden, auch mal an ein paar Ideen zu arbeiten. Aber der eigentliche Prozess wird erst zum Jahreswechsel starten, und das Album dann im nächsten irgendwann erscheinen.

 

Stefan Junge / 13.06.2018

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