Die U.S.-amerikanische Metalcore-Formation UNEARTH hat mit "Extinction[s]" den Titel ihres nächsten Albums enthüllt.

SLASH FEATURING MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS haben mit „My Antidote“ einen weiteren Song von ihrem kommenden Album "Living The Dream" vorgestellt.

Die New Yorker Hardore-Vorreiter MADBALL haben einen Videoclip zu ihrem Song „Freight Train“ von ihrem Album "For The Cause" ins Netz gestellt.

Die U.S.-amerikanische Metalcore-Band ALL THAT REMAINS hat mit dem brutal "Fuck Love" betitelten Song eine neue Nummer ins Netz gestellt.

Die griechisch-amerikanischen Hard Rocker OUTLOUD haben mit "My Promise" einen neuen Song nebst Lyric-Video veröffentlicht.

Die finnischen Power Metal-Pioniere STRATOVARIUS haben ein Lyric-Video zur orchestrierten Version ihres Songs "Unbreakable" vorgestellt.

HomeInterviewsThe Night Flight Orchestra – Björn über Kontraste, Flugzeuge und Fernsehsendungen
Ein 2018er Bandfoto von The Night Flight Orchestra

The Night Flight Orchestra – Björn über Kontraste, Flugzeuge und Fernsehsendungen

Ein 2018er Bandfoto von The Night Flight Orchestra

Foto: Emelie Lager

 

Die Kreativität scheint bei THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA momentan aus jeder Pore zu fliegen. 13 Monate nach „Amber Galactic“ hat das Nacht Flug Orchester festgelegt, dass ihnen die Welt nicht genug ist und hat kurzerhand einen mehr als formidablen Nachfolger auf die Startbahn geschickt. Grund genug für uns, mal hinter die Kulissen zu blicken. Am frühen Abend erwartete uns ein entspannter, gut gelaunter Björn „Speed“ Strid. Ein Gespräch über Kontraste, Flugzeuge auf der Bühne und Fernsehsendungen.

 

 

Als Einstieg: Wie geht es dir und wie ist die Stimmung bei euch in der Band?

Mir geht es gut, aber ich trauere immer noch ein bisschen der Niederlage gegen Deutschland hinterher (lacht). Um ehrlich zu sein, war dass das katastrophalste Spiel, was ich jemals im Fernsehen gesehen habe, das hat sich wie ein Dolchstoß direkt ins Herz angefühlt. Ich meine, es war abzusehen, aber die Art und Weise, wie es gewonnen wurde, war von schwedischer Seite hart zu verkraften.

Abseits davon, sind wir in der Band froh, dass das neue Album am Freitag endlich veröffentlicht wird. Wir feiern eine Release-Party im ABBA-Museum in Stockholm und davor geben wir noch eine Signing-Session im Sound-Pollution, einer der berühmtesten Plattenläden in Stockholm. Es wird also eine besondere Nacht und die perfekte Art und Weise, den Release gebührend zu feiern.

 

Jetzt ist gerade mal knapp ein Jahr vergangen, seit dem ihr „Amber Galactic“ veröffentlicht habt. Und jetzt veröffentlicht ihr schon wieder ein neues Album. Daher die Frage: Obwohl ihr natürlich in den 80ern verwurzelt seid, habt ihr euren eigenen Stil. Wie schafft ihr es, frisch beim Komponieren zu bleiben und euren Stil weiterzuentwickeln, ohne auf der Stelle zu bleiben?

Hm, ich denke, es ist die Art, wie wir komponieren, wie wir produzieren und wie wir die Songs darbieten. Es ist eine verlorene Kunst, in gewisser Weise. Wir mögen einfach, wie das damals geklungen hat, weist du. Es ist die Summe von all diesen Dingen, aber natürlich ist da auch Nostalgie im Spiel, aber wir sind eine sehr kreative Einheit und wir sind uns bewusst, dass uns da eigentlich keine Grenzen gesetzt sind. Und am Ende klingt es dadurch sehr authentisch, da so viel Wissen und Leidenschaft dahinter steckt. Wir verlassen quasi nie das Studio, wir schreiben dauerhaft neue Songs. Ich habe vor ein paar Tagen mit David (Andersson, Gitarrist) gesprochen und er hat bereits wieder 5 neue Songs für das nächste Album geschrieben. Aber ich denke nicht, dass wir in absehbarer Zeit ein weiteres Album veröffentlichen werden, da wir wesentlich mehr für das Aktuelle Album touren wollen als für „Amber Galactic“. Aber wir können zu jeder Zeit ins Studio gehen, wir haben 2 Produzenten in der Band, wir treffen uns also ständig, egal, ob nun ein neues Album ansteht oder nicht. Das ist ein Dauerzustand für uns.
Es ist alles sehr spontan und tief in den späten 70ern und 80ern verwurzelt, aber irgendwie „entführen“ wir da eine ganze Ära und machen unsere eigene Version daraus, da es doch erfrischend klingt. Wenn wir das rein aus Nostalgie betreiben würden, hätten wir da schnell keine Lust mehr darauf, denke ich. Wir haben quasi eine Mission. Ich habe eh nie verstanden, warum Bands den Sound einer anderen Band komplett übernehmen und sich dann darin austoben, wie als würde man sagen „der Song klingt jetzt nach FOREIGNER“ und dieser nach JOURNEY. Wir haben Einflüsse, die von den genannten Bands bis zu schwedischen 90er Indiepop reicht, da kommt keiner drauf (lacht). Es ist einfach gutes Songwriting und natürlich die Darbietung.

 

Du sagtest, ihr wollt mit diesem Album wesentlich mehr touren. Daher die Frage: Seitdem ihr Nuclear Blast vor ca. 2 Jahren beigetreten seid, scheint sich euer Terminkalender immer weiter aufzublähen. Wie beeinflussen die Tour-Aktivitäten des NFO eure anderen Bands ARCH ENEMY und SOILWORK?

Das müssen wir abwarten (lacht). Es ist auch noch ein neues SOILWORK-Album geplant, daher wird es wohl früher oder später dazu kommen, dass David und ich Doppelschichten fahren müssen, was, offensichtlich, ziemlich hart werden wird. Ich meine, wir haben erwartet, dass diese Band erfolgreich sein wird, aber man kann nie wissen, was passieren wird und die ganze Sache ist in der Tat ziemlich explodiert, doch SOILWORK bedeutet mir genauso viel wie THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA, daher muss es ein Gleichgewicht geben, eine Art Ying-Yang Situation, in der wir ein Album benötigen, um ein anderes machen zu können. Wir versuchen, so gut es geht zu planen, je nachdem, was im Moment passiert. Wir haben den gleichen Booking-Agent für beide Bands, zum Glück (lacht), sonst würde das ein absolutes Desaster werden. Es wird kniffelig. Ich fühle mich musikalisch sehr ausgeglichen, durch diese Bands. Daher ist es mir sehr wichtig, dass wir das irgendwie umsetzen können.

 

Das neue Album heißt „Sometimes The World Ain’t Enough“. Wann ist die Welt für dich genug?

Da gibt es so einige Momente, wenn die tatsächlich genug ist. In meinem Alter, ich mache seit 20 Jahren Musik, wird es in gewisser Weise schwieriger, mit den Kontrasten klarzukommen. Zum Beispiel, man ist 5 Wochen auf Tour und jeden Tag passieren so viele Sachen und dann kommt man nach Hause und da ist nur…Ruhe. Es wird schwieriger, den Schalter umzulegen. Du denkst jetzt vielleicht, dass das einfacher wird, weil ich das schon so lange mache, aber dem ist überhaupt nicht so. Man wird rastlos, man versucht, sich Routinen anzuschaffen, aber es ist schwer umzusetzen (lacht). Aber es gibt dann auch wieder die Zeiten, wo ich mich an diese Stille gewöhnt habe. Ich bin hier an diesen Ort gezogen, der sehr nah dran an der Natur ist. Wenn man dann von Tour nach Hause kommt, ist der Übergang zwischen diesen Extremen sehr hart. Momentan bin ich schon längere Zeit zuhause, aber es ist recht hektisch mit den ganzen Interviews. Gleichzeitig habe ich aber auch genug Freizeit. An anderen Tagen fühlt man sich dann völlig normal und im Einklang mit sich selbst und der Natur, die dich umgibt. Aber das sind die Momente, wo die Welt definitiv genug für mich ist. Und dann gibt es natürlich noch diesen Eskapismus, der jeden in der Band inspiriert und auch auf unsere Musik abfärbt. Und natürlich hat der Titel Verbindungen zu „Amber Galactic“, mit der Frau auf dem Cover, sie ist neugierig auf das Weltall und sie hat nun eine Entscheidung getroffen und den Raumanzug angezogen. So sind wir dann auch auf den Namen gekommen.

 

 

„Früher dachte ich mal,

dass das Coolste und Brutalste, was man als Sänger machen kann, Screams sind.“

 

Aber es war nicht euer Ziel, „Amber Galactic 2.0“ zu machen?

Nein. Ich meine, wir haben darüber gesprochen, da es grade mal 1 Jahr nach „Amber Galactic“ ist, aber gleichzeitig fühlten wir, dass beide unabhängig voneinander existieren sollten.

Wenn ich mir deinen Gesang auf den vergangenen Alben so anhöre, scheinst du dich viel von Sängern wie Bobby Kimball (ex-TOTO) und natürlich Lou Gramm (ex-FOREIGNER) inspirieren zu lassen. Was gefällt dir an diesen Sänger so sehr?

Ihre Stimmen haben einfach so einen wunderbaren Klang. Sie lassen jeden gesungenen Ton irgendwie „abreißen“, es ist schwer zu beschreiben. Aber es ist die ganze Tonalität und der Ausdruck dahinter der so…ehrlich und überzeugend und so stark ist. Früher dachte ich mal, dass das coolste und brutalste, was man als Sänger machen kann, Screams sind. Es ist heute immer noch brutal in vielerlei Arten, es gibt definitiv gute und schlechte Screamer. Aber ich habe für mich in den Jahren festgestellt, dass klares Singen mit sehr viel Ausstrahlung genauso brutal ist. Es geht für mich nicht mehr darum, so laut wie möglich zu sein. Das habe ich durch die Sänger gelernt, die du erwähnt hast. Ich meine, ich habe sie schon in den 80ern gemocht, als ich aufgewachsen bin. Aber es dauert seine Zeit, bis man das auch wertschätzt und diese ganzen Details in der Musik dahinter sieht. Das kommt wohl mit dem Alter (lacht).

 

Einer meiner Lieblingssongs auf dem neuen Album ist „Paralyzed“. Was ist euer Geheimrezept, dass ihr immer wieder mit solchen funkigen, tanzbaren Nummern um die Ecke kommt?

Er ist in der Tat sehr tanzbar. Der Song selbst wurde, glaub ich, für „Skyline Whispers“ geschrieben, aber er hat es weder auf „Skyline Whispers“, noch „Amber Galactic“ geschafft, da er einfach nicht gepasst hat. Das klingt jetzt evtl. danach, dass er Ausschussware ist, aber das ist er auf gar keinen Fall. Wir schreiben einfach immer weiter neue Songs und haben so eine Art „Tresor“, von dem wir uns manchmal bedienen. Wir schauen dann, ob der Song auf das Album passt und arrangieren ihn evtl. noch mal neu. Dann fällt meistens alles zusammen. Und genau das ist auch mit „Paralyzed“ passiert. Er ist sehr Disko-beeinflusst. Es gab so viel Disko-beeinflussten Rock in den späten 70ern und frühen 80ern, was uns beeinflusst hat, dieses typisches „Stampfen“.

 

Ist es nach 40 Jahren immer noch erlaubt, sich von Miami Vice inspirieren zu lassen?

(lacht) Fernsehserien der 70er und 80er bzw. die Intros dieser Serien sind eine große Inspiration für uns. Sie haben alle diese gewisse Atmosphäre. Das perfekte Beispiel dafür, was mich immer wieder inspiriert, ist der Film Risky Business(Lockere Geschäfte) mit Tom Cruise. Der Soundtrack ist von TANGERINE DREAM, er ist so verträumt und hat diese typische Melancholie der 80er Jahre, die schwer zu beschreiben ist. Aber das inspiriert mich jedes Mal aufs Neue.

 

Was ist deine Hauptinspiration, wenn du die Texte für die Songs schreibst?

Da stecken größtenteils persönliche Erfahrungen drin, z.B. viele Geschichten und Momente, die tatsächlich so passiert sind oder wenigstens von diesen Ereignissen bzw. Vorfällen beeinflusst sind (lacht). Für die letzten beiden Alben haben wir diese persönlichen Ereignisse genommen und sie in verschiedene Schauplätze eingebaut, was im Fall der letzten Alben der Weltraum gewesen ist. Das ist so cool, eigene Erfahrungen zu nehmen und sie in anderen Schauplätzen zu verwursten. Das war unser Ziel mit den letzten Alben.

 

Schauen wir uns mal die Live-Situation an: Wie würde das perfekte THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA-Konzert aussehen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Es wäre großartig, wenn wir aus einer 747 (Boeing 747) aussteigen würden, auf der Bühne natürlich (lacht). Keine Ahnung, das kommt mir als erstes in den Kopf, das würde ich gern mal machen. Stell dir vor, ein Teilstück einer 747 auf der Bühne und ich laufe langsam die Stufen herunter. Das wäre ziemlich übertrieben. Wir schauen mal, was uns da noch so einfällt (lacht).

 

Was wären so Songs, die du gern mal mit dem NIGHT FLIGHT ORCHESTRA covern würdest? Möchtest du generell Songs covern?

Eigentlich schon, aber es kommt auch ein bisschen auf den Song drauf an. Das „Just Another Night“ Cover war sehr spontan und ist innerhalb von wenigen Stunden aufgenommen wurden. Wir haben zu dem Zeitpunkt gerade Live Aid angesehen, hast du diese Version schon mal gesehen? Sie ist einfach besser als die Studio-Version. Und das hat uns dann inspiriert. Wir haben mal darüber gesprochen, evtl. „Stand Back“ von STEVIE NICKS zu covern, weil dieser Song so eine tolle Stimmung hat, die definitiv auch zu uns passen würde. Wir schauen mal, was passiert.

 

Auf dem Album ist ein Song namens „Pretty Thing Closing In“, der schon sehr anders im Vergleich zu den anderen Songs klingt. Er klingt sehr geheimnisvoll, sogar mit Italo-Disco-Einflüssen. Was hat euch bewogen, so einen unüblichen Song auf das Album zu nehmen?

Hm, du hast geheimnisvoll erwähnt. Das taucht an verschiedenen Stellen auf dem Album immer wieder auf, diese verträumte, geheimnisvolle Stimmung. Dieser Song war aber auch einer der Songs, die wir wiederentdeckt haben. Es ist eine coole Sache, es ist der erste Song, wo wir keinerlei verzerrte Gitarren verwenden. Das dürfte sogar der erste Song ohne verzerrte Gitarren sein, der auf Nuclear Blast veröffentlicht wurde (lacht). Aber der Song bringt genau die Stimmung, die perfekt für das Album ist und deswegen passt er dann doch so gut in den Kontext. Er fällt auf jeden Fall auf und man könnte sich ihn gut in einer Serie wie z.B. Stranger Things vorstellen. Das wäre sehr cool, diesen Song als Soundtrack bei einer Episode Stranger Things zu hören. Das wäre einfach…wow.

 

Gibt es Pläne, eure ersten Alben „Internal Affairs“ (2012) und „Skyline Whispers“ (2015) auf Vinyl neu zu veröffentlichen?

Ja, das ist definitiv geplant, die ersten beiden Alben in naher Zukunft auf Vinyl herauszubringen. Wir arbeiten dran.

 

Eine Frage habe ich noch: Ergibt es Sinn, progressive Elemente in solch… rückwärtsgewandte Musik einzubauen?

Hm, das ist etwas, was einfach eine Nebenwirkung im Songwriting ist. Ich weiß, dass David allerhand Fusion-Zeug gehört hat, was jetzt nicht unbedingt mein Ding ist. Aber ich bin ein großer GENESIS-Fan. Es ist quasi nicht zu vermeiden, dass wir auch solche Einflüsse haben. Es ist jedes Mal eine Aufgabe für ihn (David Andersson), ein komplexes Arrangement zu schreiben und das der Song den Hörer dennoch direkt anspricht. Das ist immer das Ziel bei solchen Songs und das ist etwas, was mir immer gefällt, egal, ob es nun von GENESIS, ABBA oder sonst wem ist. Manchmal sind die Arrangements so komplex und der Song wirkt trotzdem wie der einfachste Song der Welt.

 

Kevin Hunger / 01.07.2018

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