Manchmal kommt es eben anders, als man denkt. Nachdem ich zum ersten Mal in den Song „Fallen One“ aus dem 2014er Album „Blood Leads to Glory“ der Heavy Metal-Formation ELVENSTORM rein gehört hatte, verortete ich die Band zunächst in den Bereich Power Metal mit leichter

SCARS ON BROADWAY, das lange im Winterschlaf befindliche Projekt von SYSTEM OF A DOWN-Gitarrist Daron Malakian, gibt ein neues Lebenszeichen von sich.

Die um die beiden GODSMACK-Musiker Shannon Larkin [Schlagzeug] und Tony Rambola [Gitarre] versammelte Blues-Formation THE APOCALYPSE BLUES REVUE hat mit "Nobody Rides For Free" einen neuen Song veröffentlicht.

Die aus Florida stammenden Death Metal-Urgesteine DEICIDE haben ein Lyric-Video zu ihrem neuesten Song "Excommunicated" vorgestellt.

Die teutonischen Metal-Urgesteine GRAVE DIGGER haben jüngst ein Lyric-Video zu ihrem Song "Fear Of The Living Dead" im Internet veröffentlicht.

Die bayrischen Technical Death Metaller OBSCURA haben ein Video zu ihrem Song "Mortification Of The Vulgar Sun" ins Netz gestellt.

HomeReviewThe Night Flight Orchestra – Sometimes The World Ain’t Enough
Das Artwork von Sometimes The World Ain't Enough

The Night Flight Orchestra – Sometimes The World Ain’t Enough

Das Artwork von Sometimes The World Ain't Enough

Wertung
6.5/7 Punkten


Info
VÖ: 29.06.2018
Label: Nuclear Blast Records
Spielzeit: 00:58:15


Line-Up
Björn Strid – Vocals
David Andersson – Guitar
Sebastian Forslund – Guitar
Sharlee D’Angelo – Bass
Jonas Källsbäck – Drums
Richard Larsson – Keyboard


Tracklist
This Time
Turn To Miami
Paralyzed
Sometimes The World Ain’t Enough
Moments Of Thunder
Speedwagon
Lovers In The Rain
Can’t Be That Bad
Pretty Thing Closing In
Barcelona
Winged And Serpentine
The Last Of The Independent Romantics
Marjorie [Bonustrack]

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Nach nicht einmal einem Jahr liegen bereits neue Tickets für einen Flug mit THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA auf dem Tisch. Geboten werden, neben allerhand kleinen süßen Snacks, eine große Portion Eskapismus, gute Laune, Nostalgie und vorallem Unterhaltung. Es ist kaum ein Jahr nach dem Release von „Amber Galactic“ vergangen. Ist der neue Flug ein vorschneller Entschluss mit Absturzgarantie? 

 

„Doch alle Sorgen sind unbegründet, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA beweisen auf ‚Sometimes The World Ain’t Enough‘, dass die 80er eine scheinbar unerschöpfliche Quelle an Inspiration zu sein scheinen.“

 

Nein! Kramt die Pastellfarbigen Klamotten raus, schnappt euch einen Prosecco und steigt ein.

„This Time“ [dem Song wurde ein herrlich augenkrebserregendes Video in authentischer VHS-Qualität verpasst] ist ein außerordentlich gut gelungener Opener geworden, der mit seinen Keyboard-Fanfaren direkt an „Highway Star“ von DEEP PURPLE erinnert. Das Tempo ist hoch, der Rhythmus kriecht ganz tief in die Gedanken ein, schon nach vier Minuten ist man leicht benommen.

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA schafft es auch bei ihrer vierten Studioproduktion sehr markante Keyboard-Sounds ins Intro nahezu jedes Songs zu befördern, die sich sofort in die Großhirnrinde einbrennen. So passiert es auch bei „Turn to Miami“, es wird sofort dunkel, Neon-Leuchten erhellen die warme Luft. Schon nach 30 Sekunden trägt jeder seine Sonnbrille auch bei Nacht. Björn „Speed“ Strid [SOILWORK] setzt hier die erste Duftmarke. Man kann vor diesen Mann nur den sonnengelben Hut ziehen, wie er sich hier als Sänger inszeniert. War er vor Jahren eher geneigt, sich in tieferen Regionen auszutoben, meistert er scheinbar mühelos charakteristische Schreie, die den Songs in den richtigen Momenten eine besondere Note verleihen.

Und kaum gewöhnt man sich an die ganze Atmosphäre, steht mit „Paralyzed“ eine meiner absoluten Lieblingsnummern auf dem Programm. Dieser Song macht mich völlig irre. Er ist unverschämt groovy, tanzbar und fast schon obszön eingängig. Hätte man diese Nummer Mitte der 80er veröffentlicht, wären die Menschen kollektiv auf der Tanzfläche ausgerastet. Es schreit an jeder Ecke danach, auch ins Live-Set genommen zu werden.

Politisch gesehen, waren die 80er Jahre alles andere als eine Party. Die Unwissenheit über das, was schon morgen sein könnte. Und so flochten viele Bands aus dieser Zeitperiode eine gewisse Melancholie in ihre Musik ein, gaben ihr dadurch eine gewisse Tiefe. Auch wenn das Säbelrasseln der Geschichte angehört, hat auch hier das NFO aufmerksam zugehört. Im Titelsong rückt man ein wenig von der Fröhlichkeit ab und was könnte da besser passen, als von einer verflossenen Liebschaft zu singen? Ihr alle habt mal „I wanna know what love is“ mehr oder weniger nüchtern mitgesungen! Mit absteigenden Synthie Kaskaden im Refrain wird hier eine gewaltige Portion Dramatik ins Spiel gebracht. Wann ist die Welt schon mal genug?

Jetzt könnte man sagen, im Westen nichts neues, oder? Nicht ganz. Das NFO bedient weiter seine Trademarks, liefert scheinbar mühe flotte Wohlfühlnummern ab [hier besonders „Can’t Be That Bad“, hier MUSS man einfach gute Laune bekommen!], huldigen Stevie Nicks in „Lovers in the night“ und schmachten auch schon mal auf TOTO-Level bei „Moments Of Thunder“.

Doch es gibt da einen Song namens „Pretty Thing [Closing In]“. Hier wird durchaus Neuland betreten. Der Song irritierte mich anfangs komplett, hier gibt es keinen überlebensgroßen Refrain, keine herausstechenden Gitarrenparts, sondern eine eher unterkühle Stimmung, fast schon geflüsterter Gesang. Und ein absolut unwiderstehlicher Groove. Es weckt sofort Assoziationen an Italo-Disco seiner Zeit. Trotzdem funktioniert dieser Song, er braucht länger, unter Umständen empfehle ich eine Autofahrt in Mitten der Nacht.

Gibt es denn überhaupt etwas zu beanstanden? Mit „Speedwagon“ [also offensichtlicher kann man eine REO SPEEDWAGON-Inspiration nicht verstecken] und „Winged And Serpentine“ haben sich zwei kürzere Songs eingefunden, die schnell auf den Punkt kommen, doch irgendwie etwas vermissen lassen. Die berühmte letzte Konsequenz beim Songwriting? Gerade der Chorus von letzteren wirkt ein bisschen erzwungen und…  kaum möchte man das Haar in der Suppe suchen, nisten sich auch diese Songs in den Ohren ein. Beide Songs haben ihre Daseinsberechtigung. Wir haben hier wieder nur Hits.

Am Ende der Reise, die uns durch die ganze Welt, ach was, das Weltall, im Schnelldurchlauf geführt hat, steht ein Longtrack mit dem wunderbar klischeehaften Namen „The Last Of The Independent Romantics“. Wer mit THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA vertraut ist, weiß, dass der letzte Song immer ein wenig ausschweifend gestaltet ist. Hatten wir auf „Skyline Whispers“ den großartigen, fast schon progressiven Rausschmeißer „The Heather Reports“ und bei „Amber Galatic“ den diskogeschwängerten Smasher „Saturn In Velvet“, versucht die Band hier beide Songs miteinander zu vereinen. Herausgekommen ist ein sehnsuchtsvoller Diskosong, der mit Abstand am längsten benötigt, um zu zünden. Hier wird mehr mit Dynamik gespielt, das Tempo auch mal herausgenommen, noch mehr geschmachtet als ohnehin schon und mit einer gewissen Dreistigkeit wild soliert. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Liebe und die Musik doch die schönsten Dinge im Leben sind.

 

Zwei Alben innerhalb eines Jahres zu veröffentlichen spricht entweder für überbordende Kreativität oder einen Schnellschuss, der gewaltig nach hinten losgehen kann. Doch alle Sorgen sind unbegründet, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA beweisen auf „Sometimes The World Ain’t Enough“, dass die 80er eine scheinbar unerschöpfliche Quelle an Inspiration zu sein scheinen. Und wenn dann jedes Mal solche Knaller Songs herauskommen, dann kann das bitte so weiter gehen. Natürlich ist das alles cheesy as fuck und für den einen oder anderen auch viel zu dick aufgetragen. Doch es gibt nur wenige Bands, die derart authentisch die 80er Jahre wieder in die Gegenwart holen und sie greifbar machen. Dafür großen Respekt.

Kevin Hunger / 25.06.2018

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