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HomeReviewAtlantean Kodex – The Golden Bough

Atlantean Kodex – The Golden Bough

Atlantean Kodex - The Golden Bough

 

 

 

 

 

Wertung:

7.0/7

Info:

VÖ: 01. Oktober 2010

Label: Cruz Del Sur Music

Spielzeit: 01:05:25

Line-Up:

Markus Becker – Vocals, Archeology
Michael Koch – Lead Guitars, Anthropology
Florian Kreuzer – Bass, Theology
Manuel Trummer – Rhythm Guitars, Theosophy
Mario Weiss – Battery, Gnosticism

Tracklist:

01. Fountain Of Nepenthe [Journey To The Island Of The Blessed]
02. Pilgrim [Through The Ruins Of Europa]
03. The White Goddess [A Grammar Of Poetic Myth]
04. Temple Of Katholic Magick [Trinity Of Steel]
05. Disciples Of The Iron Crown [From The Grey Twilight]
06. Vesperal Hymn [For A Long-Gone Friend]
07. The Atlantean Kodex [Commanding The Iron Battailons]
08. A Prophet In The Forest [Through Years Of Longing]
09. The Golden Bough [A Study In Magic And Religion]

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„Metal, wie er sein soll!“

Wer kennt nicht die Werbung für diese koffeinhaltige, dafür zuckerfreie Limonade mit dem S.W.A.T.-Team, das den jungen Lover aus der Bude seiner Flamme rettet, bevor der eifersüchtige Vater sie zusammen erwischt? „Metal, wie er sein soll!“ – so in etwa könnte man deren konsumstimulierende Werbebotschaft umdichten, wenn man ATLANTEAN KODEX‘ „The Golden Bough“ hört, denn das hier ist vielleicht so etwas wie die Essenz reinen, epischen Metals an und für sich, weit entfernt von der aktuellen DeMaio’schen Definition von True Metal.

Nach einer bereits viel beachteten Doppel-10“ und diversen Auftritten bei renommierten Underground-Festivals machen ATLANTEAN KODEX nun mit ihrem offiziellen Full Length-Debüt via Cruz Del Sur richtig Ernst und erneut von sich reden.
Erwartungsgemäß bekommt man gediegen epischen, doomigen Metal-Sound serviert, die Eckpfeiler stellen zwar auch hier die üblichen Verdächtigen in Sachen klassischen Doom Metals wie CANDLEMASS und SOLITUDE AETURNUS dar, angereichert jedoch noch durch alte MANOWAR, ICED EARTH, BATHORY oder SOLSTICE.
Dennoch bietet bereits der Opener „Fountain Of Nepenthe“ so ziemlich alles, was das Metal-Herz begehrt: sehnsüchtige Melodien, eine großartige Stimme und herrliche Soli.
Was erwartet den Hörer sonst noch auf „The Golden Bough“? Thematisch geht es auf eine Reise durch 12 000 Jahre europäischer Mythologie, basierend auf dem gleichnamigen Werk eines gewissen Sir James George Frazer [1854-1941], der seinerzeit die gewagte These formulierte, sämtliche Religionen Europas – das Christentum eingeschlossen – entstammten letztlich nur magischen Kulten und Fruchtbarkeitsriten aus der Steinzeit.
Im Verlauf dieser Reise wird ein gedanklicher Bogen geschlagen zu einer Zeit, in der alle [europäischen] Völker in einer utopischen Gesellschaft vereint gewesen sein könnten, wo weder Rasse, Nationalität noch Status von Bedeutung waren, was wiederum zum Mythos von Atlantis [„The Atlantean Kodex“] überleitet.
Mal widmet man sich lokaler Folklore [das treibende, etwas ICED EARTH-lastige “Disciples Of The Iron Crown“], dann wieder mittelalterlich-christlichem Okkultismus/Fanatismus [Epic Doom vom Feinsten mit “Temple Of Katholic Magick“] oder überlieferten Legenden [“Pilgrim“] und kleidet all‘ dies in ein ergreifendes Gewand aus schlichten, aber erhabenen Gitarrenmomenten, Melodien und nicht zu knapp großer Gestik .
Markus Becker verfügt über eine ausdrucksstarke, eher hohe Stimmlage, die die Atmosphäre der Songs aber trefflich transportiert und so z.B. das balladesk-ruhig beginnende „Vesperal Hymn“ zu einem echten Epos [incl. original fränkischem Wallfahrts-Sample] werden läßt. Wen die geballte [Ur-]Kraft von „The Atlantean Kodex“ nicht umhaut oder wem, ob der Melancholie und Bittersüße in „A Prophet In The Forest“, nicht schwermütig ums Herz wird, der darf getrost weiter seine gesichtslosen Deathcore-Klone spinkickend umtanzen und die Lektüre hier beenden.
Alle anderen befinden sich sowieso längst schon mit auf der Reise, überwältigt von der hier vertonten bzw. auf Tonträger gebannten Epik, Dramatik und simplen Schönheit der verwandten Riffs und Harmonien, die ATLANTEAN KODEX auf eine Stufe mit Kollegen wie WHILE HEAVEN WEPT katapultieren, womit „The Golden Bough“ bereits jetzt einen heißen Anwärter für eine der Platten des Jahres abgibt.

Hier stimmen sämtliche Details, von der instrumentalen Umsetzung über die Produktion bis zum Coverartwork [„Die Toteninsel“ von Arnold Böcklin], das kaum geschmackvoller hätte gewählt werden können und so geht selbst das anfänglich vielleicht etwas hochtrabend, weil eher philosophisch oder theosophisch anmutende Konzept von „The Golden Bough“ voll auf.
Mit ziemlicher Sicherheit ein kommender Klassiker und auf jeden Fall eine Empfehlung für alle Metaller, die sich hierauf einlassen können.

Dirk Konz / 30.09.2010

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