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HomeReviewBlitzkrieg – Judge Not!
Das Artwork von Judge Not!

Blitzkrieg – Judge Not!

Das Artwork von Judge Not!

Wertung
4.5/7 Punkten


Info
VÖ: 27.04.2018
Label: Mighty Music
Spielzeit: 00:57:40


Line-Up
Brian Ross – Vocals
Ken Johnson – Guitar
Alan Ross – Guitar
Huw Holding – Bass
Matt Graham – Drums


Tracklist
Heretic
Who Is Blind
Forever Is A Long Time
Reign Of Fire
All Hell Is Breaking Loose
Angels Or Demons
Loud And Proud
Without You
Judge Not, Lest Yourself Be Judged
Wide Legged And Headless
Falling Into Darkness
School’s Out [ALICE COOPER-Cover]

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Das Leben ist nicht immer fair: Einst Teil der obersten Riege der NWOBHM halfen BLITZKRIEG gar, die mächtigen METALLICA aus der Taufe zu heben, wurden jedoch nach ihrem genialen Debüt „A Time Of Changes“ rasch in die zweite bzw. dritte Reihe des Genres verwiesen. So wirklich weg waren sie dennoch nie, was hauptsächlich Sänger Brian Ross – mittlerweile einzige Konstante der Besetzung – zu verdanken ist, der BLITZKRIEG stets weiterführte. Drei Jahre nach dem 30. Jubiläum ihres Debüts veröffentlichen die Briten mit „Judge Not!“ das nächste Album.

 

„BLITZKRIEG genießen in der Metal-Szene nicht ohne Grund Kultstatus und ihnen den abzusprechen wäre nicht nur Sakrileg, sondern auch ein Fehlurteil.“

 

Auf „Judge Not!“ machen BLITZKRIEG wenig falsch, vieles richtig und bieten kaum etwas, was man nicht schon einmal irgendwo gehört hat: Das resultiert in durchweg grundsoliden Heavy Metal-Songs ohne Experimente, wobei die Briten hier stets zwischen thrashigeren, moderneren Nummern wie dem Opener „Who Is Blind“, „Reign Of Fire“ oder auch dem Titeltrack „Judge Not Lest Yourself Be Judged“ sowie gradlinigeren, rockigeren Old School-Nummern wie „Forever Is A Long Time“, „Loud And Proud“ oder „Wide Legged And Headless“ hin und her mäandern. Das generelle Fazit ist, dass BLITZKRIEG in beiden Momenten handwerklich einwandfrei agieren und vor allem die angenehme und überraschend gut erhaltene Stimme von Frontmann Brian Ross den Hörer schön durch die Songs führt, der Truppe die etwas gradlinigeren Nummern aber ein wenig besser zu Gesicht stehen als die eingangs angesprochenen sperrigen Brecher. Da BLITZKRIEG maßgeblich an der Entstehung einer der größten und wichtigsten Thrash Metal-Bands überhaupt beteiligt waren – und damit vermutlich auch erheblichen Anteil an der Genese des gesamten Genres haben – kann man der Band kaum einen Vorwurf daraus machen, dass sie selbst ab und an in diese stilistische Richtung geht, dennoch wirkt es ein bisschen so, als wollte die Truppe in diesen Momenten etwas sein, was sie nicht ist. Klar, die Eckdaten stimmen und so machen die Briten in diesen Songs inflationären Gebrauch vom Thrash Metal-Intervall Tritonus, was auch oft für atmosphärische Düsternis sorgt, trotzdem sind Songs wie die Hymne „Forever Is A Long Time“ besser für sie geeignet. So oder so sorgt der Stilmix von „Judge Not!“ für ordentlich Abwechslung – in „Without You“ machen BLITZKRIEG gar einen kurzen Ausflug in den Glam Metal – und halten den Hörer von Anfang bis Ende bei der Stange. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollten die herrlich tumben Texte dieses Albums, denn während man von Metal-Bands selten lyrische Glanzleistungen zu erwarten hat, ist der pubertäre Pseudo-Grusel von „Judge Not!“ – man höre unbedingt „Wide Legged And Headless“ – der auf dieser Platte vermutlich authentischste Trip zurück in die seligen 80er. Die Produktion von „Judge Not!“ passt bestens zum Gesamtbild, denn auch hier bewegen sich BLITZKRIEG sicher nicht auf dem gleichen Niveau wie die Genre-Prominenz, geben sich aber bemüht und punkten mit hinreichend fettem Sound.

 

BLITZKRIEG genießen in der Metal-Szene nicht ohne Grund Kultstatus und ihnen den abzusprechen wäre nicht nur Sakrileg, sondern auch ein Fehlurteil. Dass eine Band mit solch bewegter Vergangenheit wie die Jungs aus Leicester 2018 nicht ihr bestes Album abliefert, kommt ebenfalls kaum als Überraschung. Dennoch zeigen BLITZKRIEG auch mit „Judge Not!“, dass mit ihnen auch fast 40 Jahre nach Gründung noch zu rechnen ist und es bleibt zu hoffen, dass die Band bald wieder hiesige Bühnen mit ihrer Anwesenheit beglückt.

Thomas Meyns / 27.04.2018

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