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HomeReviewCharlie Barnes – More Stately Mansions

Charlie Barnes – More Stately Mansions

Charlie Barnes - More Stately Mansions

 

 

 

 

 

Wertung:

6.0/7

Info:

VÖ: 08. Mai 2015

Label: Superball Music

Spielzeit: 00:47:37

Line-Up:

Charlie Barnes – Guitar, Piano, Vocals
Ste Anderson – Drums
Sean Balcombe – Bass
Josh Hughes – Guitar

Tracklist:

01. More Stately Mansions
02. Sing To God
03. Easy, Kid
04. Balloons
05. Ghosts
06. MacbethMacbethMacbeth
07. House
08. Dresden
09. Hammers
10. Film

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„Herausragend und wunderschön“

Geht man rein nach seinem Namen, dann würde man sich unter Charlie Barnes vermutlich einen Reggae-Musiker oder möglicherweise noch den Sänger einer Hardcore-Truppe aus New York vorstellen. Aber, wie so oft, gilt auch hier der alte Leitsatz, dass man ein Buch doch bitte nicht nach seinem Einband bewerten möge, denn wer ob des etwas Hallodri-haften Namens glaubt, ein eventuelles Interesse an diesem Künstler gleich von Anfang an ausschließen zu können, verpasst womöglich eines der intensivsten und schönsten Alben, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblicken dürften.

Da haben die Herren [und Damen?] von Superball mal wieder ein ganz feines Näschen bewiesen. Kollege Barnes kommt aus dem Vereinigten Königreich [genauer: dem schönen Städtchen Leeds] und hat in Eigenregie bereits ein Album und zwei EPs veröffentlicht, bevor er bei dem niederrheinischen Feinkost-Label andocken konnte. Sein Einstand dort hört auf den Namen „More Stately Mansions“ und ist in seiner Gesamtheit ein eher ruhiges Album geworden, das immer wieder Erinnerungen an den großartigen Maximilian Hecker oder die [nicht seltenen] ruhigen Passagen der progressiven Alternative-Granden MUSE und RADIOHEAD weckt. Auch stimmlich ist Barnes in diesen Gefilden einzuordnen. RADIOHEAD-Sänger Thom Yorke kommt einem hin und wieder in den Sinn, gelegentlich auch Freddie Mercury. Vor allen Dingen ist es aber MUSE-Frontmann Matt Bellamy, den man immer wieder vor dem geistigen Auge hat, wenn Charlie Barnes so herrlich leidend seine Geschichten erzählt. Eine gewisse Vorliebe für die genannten Bands und Musiker ist nicht ganz unerheblich, wenn man sich an „More Stately Mansions“ ranwagt, denn es ist über weite Strecken Barnes‘ Stimme, die – oftmals nur mit dezenter Piano-Untermalung – deutlich im Mittelpunkt der zehn Songs steht. Dazu hat Barnes ein ganz bemerkenswertes Talent dafür, Songs zu schreiben, die nicht nur einfach wunderschön sind, sondern die einen von Beginn an in ihren Bann ziehen. Der Opener und Titelsong ist gleich ein ausgezeichnetes Beispiel hierfür, aber auch Titel wie „Sing To God“, „Balloons“, „Ghosts“, das im Albumkontext etwas brachialer geratene „MacbethMacbethMacbeth“, „Dresden“ oder das abschließende „Film“ bewegen sich auf hohem, internationalem Niveau.

Wenn es einen Kritikpunkt gibt, den sich Charlie Barnes für „More Stately Mansions“ gefallen lassen muss, dann ist es der, dass dem Album etwas mehr Dynamik noch besser zu Gesicht gestanden hätte. Die Songs bewegen sich größtenteils in sehr ruhigen und atmosphärischen Bereichen, die man ruhig häufiger mal hätte verlassen dürfen. Aber im Grunde genommen ist das auch Makulatur, denn „More Stately Mansions“ ist ein wirklich herausragendes und wunderschönes Album, das in puncto Klasse nur sehr schwer zu überbieten sein wird. Toll!

Timo Beisel / 25.05.2015

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