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HomeReviewEisregen – Fleischfilm

Eisregen – Fleischfilm

Eisregen - Fleischfilm

 

 

 

 

 

Wertung:

3.0/7

Info:

VÖ: 05. Mai 2017

Label: Massacre Records

Spielzeit: 00:45:41

Line-Up:

Gesang: Michael „Blutkehle“ Roth
Bass: Ronny „Yantit“ Fimmel
Gitarre: „Bursche“ Lenz

Tracklist:

01. Drei Mütter
02. Hauch des Todes
03. Jenseits der Dunkerlheit
04. Die letzte Reise des Alan Yates (Metamorphose 2)
05. Auf den Spuren der Säge
06. Tiefrot
07. Nahe der Friedhofsmauer
08. Menschenfresser
09. Syndikat des Schreckens
10. Im Blutrausch
11. Satan der Rache
12. Nachts kommt das Delirium (Digipak Bonus)

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„Auch Horrormeister wie Fulci oder Deodato hätten etwas vermisst.“

Im Jahre 2017 sollte sich niemand mehr über EISREGEN aufregen. Sind doch die täglichen Nachrichten zum Frühstück oder bei abendlicher Besinnung um einiges ernster zu nehmen, als die immer wiederkehrenden Mord- und Totschlag-Texte der Thüringer. EISREGEN bleiben ihrer Blutlinie treu und haben, in Form ihres 12. Studio- und ersten Konzeptalbums, einen Italo-“Fleischfilm“ vertont. Der Name ist Programm.

Denn natürlich liefern EISREGEN, auch nach dem kürzlichen Ausstieg von Gitarrist und Gründungsmitglied Michael „Bursche“ Lenz, kein plötzliches Pamphlet über Liebe auf sozialen Netzwerken oder überstrapazierte Katzenvideos ab. Die Palette an menschlichen Abartigkeiten, inklusive unkreativen Foltermethoden, wird einheitlich abgearbeitet und in hämoglobindurchtränkte Geschichten verpackt, die diversen italienischen Horrorfilmen der 70er und 80er Jahre entliehen sind. Auf dem Level also nichts Neues zu berichten. Songtitel wie ‚Menschenfresser‘, ‚Nahe der Friedhofsmauer‘, ‚Auf den Spuren der Säge‘ oder ‚Im Blutrausch‘ sprechen eine deutliche und altbekannte Sprache. ‚Die letzte Reise des Alan Yates‘ gibt die Story zum berüchtigten Kannibalen-Klassiker „Nackt und Zerfleischt“ bzw. „Cannibal Holocaust“ wieder und ‚Tiefrot‘ ist ein kleines Epos mit großartigem Akustikteil auf halber Strecke (Das limitierte Boxset inkl. Digipack enthält obendrein den atmosphärisch düsteren Bonustrack ‚Nachts kommt das Delirium‘, einen Aufnäher, vier Art Cards und eine 3D-Brille für den besonderen Fleischfilmgenuss!). Die eingestreuten Mittelalter-Tavernen-Mitsing-Parts, in denen Blutkehle Roth mal singt, als sei er nicht der garstige Bruder Till Lindemanns (einige Textpassagen erinnern in Wort und Klang unweigerlich an den Berliner, durch teilweise direkte Ableitungen, so dass einem der Vergleich nicht übel genommen werden darf), bilden einen abwechslungsreichen Gegenpol zur immer gleich krächzenden und R-rollenden Vortragsweise, wie man jemandem Leid, Schmerz und Tod zufügen kann. Auf diese Weise kommen solche Texte lustig und auch kreativ rüber. Sehr angenehm, wenn leider auch nur als Beiwerk angedacht. Und es sind genau diese vielseitigen Elemente, die das ganze besonders und zu etwas größerem machen könnten. Aber viel mehr ist da leider nicht. Alles plätschert dahin und gerinnt schon beim ersten Durchlauf relativ zügig. Es fehlt an Härte und schwarzem Humor vergangener Taten, an der wahren Leidenschaft zum musikalischen Töten. Auch Horrormeister wie Fulci oder Deodato hätten etwas vermisst.
Dabei ist die gesamte Instrumentierung von „Fleischfilm“ durchweg facettenreich an Bandbreite, denn unter musikalischem Kreativitätsmangel haben die Jungs nie gelitten. Es gibt Chöre, verspielte Keyboards, Geigen, Flöten, Atmosphäre und solide rockigen Metal mit episch untermalten Passagen. Doch über die ganze Länge wirkt das Album und dessen Inhalt etwas belanglos – auch Menschen schlachten nutzt sich irgendwann ab. Die Prise zündende Heftigkeit, über die man schmunzelnd und wild kopfschüttelnd die Haare wehen lassen kann, hätte sicherlich einen wertvollen Beitrag geleistet – siehe ältere Alben. Live wird das wahrscheinlich alles spannender und druckvoller rüberkommen.

Die Punktvergabe darf leider nicht übersprungen werden. Nun gut. 1 Punkt für die kreative Vielseitigkeit an durchdachten Elementen und wie diese einheitlich passend zusammengefügt sind. Einen weiteren für die solide Umsetzung und Verneigung vor dem italienischen Splatterkino. Und noch einen dafür, dass EISREGEN EISREGEN sind und ihr Ding schon so lang durchziehen. Der Rest ist und bleibt wahrscheinlich Geschmacksache. Wenn es der Band und den Fans gefällt, reicht doch!

Text: P. Lugosi

P. Lugosi / 28.04.2017

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